Sindlingen ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.

Die Einwohnerzahl beträgt .

Im Jahr 797 wurde Sindlingen erstmals urkundlich erwähnt. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert profitierte Sindlingen von den nahegelegenen Farbwerken (spätere Hoechst AG), die einen deutlichen Bevölkerungsanstieg verursachte. 1917 wurde Sindlingen ein Stadtteil von Höchst am Main, mit dem es 1928 zu Frankfurt am Main kam.

Lage Sindlingen liegt an der westlichen Stadtgrenze Frankfurts, etwa 12 km von der Hauptwache und ca. 4 km vom Flughafen entfernt an einem Mainbogen, der den Stadtteil südöstlich begrenzt. Es ist der südlichste Stadtteil im Bezirk Frankfurt-West. Mit knapp 88 Metern über NN ist das Sindlinger Mainufer auch der tiefstliegende Punkt von Frankfurt. Nach Nordwesten steigt der Stadtteil bis auf 110 Meter an.

Angrenzende Frankfurter Stadtteile sind Zeilsheim im Norden und Höchst mit dem gleichnamigen Industriepark im Osten. Westlich liegt der Main-Taunus-Kreis mit der Stadt Hattersheim und deren Ortsteil Okriftel, und im Süden beginnt mit Kelsterbach der nördlichste Teil des Kreises Groß-Gerau.

Zur Gemarkung Sindlingens gehören auch die Siedlung Friedenau und der südöstliche Teil der Annabergstraße. Die offiziellen Stadtteilgrenzen umfassen dieses Gebiet jedoch nicht. Es wurde nachträglich verwaltungsmäßig dem Stadtteil Zeilsheim zugeordnet.

Geschichte

Vor- und Frühgeschichte mini|Bandkeramischer Kumpf, Fundort Marburg-Schröck, Grabung 1983 Die Gemarkung Sindlingen wurde schon in jungsteinzeitlicher Zeit besiedelt. Unter den bisher 16 bekannten Fundstellen in Sindlingen, befinden sich Siedlungsspuren aus der Zeit der Bandkeramiker (5600 bis 5500 v. Chr.), der Michelsberger Kultur (von etwa 4400 bis 3500 v. Chr.) und der Hinkelstein-Gruppe (5000 bis 4800 v. Chr.). 1989 wurde bei archäologischen Untersuchungen im alten Ortskern von Sindlingen eine Villa Rustica nachgewiesen.

Nach Aufgabe der Limesgrenze und Räumung ihrer rechtsrheinischen Gebiete durch die Römer im Jahre 260 n. Chr., drang der germanische Stamm der Alamannen in die ehemals römischen Gebiete ein und besiedelte diese ab dem Ende des 3. bis zum Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus. Ab 455 setzte eine West- und Ostexpansion der Alamannen nach Gallien und Noricum ein, über die nur ungesicherte Informationen vorliegen. Ein Konflikt mit den benachbarten Franken führte nach Gregor von Tours zwischen 496 und 507 zur entscheidenden Niederlage der Alamannen bei Zülpich gegen den fränkischen König Chlodwig I. Dadurch geriet auch die Alemannensiedlung Sundolingen unter fränkische Herrschaft. Zu dieser Zeit wurde das Gebiet der Chatten, in dem sich die Siedlung Sundolingen zu dieser Zeit befand, von den Franken besetzt und in deren Königreich eingegliedert, um die fränkischen Grenzen vor den Sachsen zu schützen, die nördlich der Chatten siedelten und immer wieder in chattisches und fränkisches Gebiet eindrangen. Die Siedlung Sundolingen wurde damit ebenfalls in das Frankenreich eingegliedert und gehörte innerhalb der fränkischen Verwaltung zum Niddagau. mini|Expansion von Chlodwigs Herrschaft vom salischen Teilkönigreich 481 zum fränkischen Großreich 511

Im westlichen Bereich der Sindlinger Uferterrasse, genauer im Schnittpunkt der heutigen Farben- und Lehmkautstraße wurde in den Jahren 1892 bis 1897 ein fränkisches Gräberfeld mit 500 Grabstätten entdeckt. Die Toten waren auf dem Rücken liegend oder nach der Seite ausgestreckt bestattet, das Gesicht der aufgehenden Sonne zugewandt. Die zum Teil wertvollen und reichen Grabbeigaben wurden Museen in Frankfurt, Wiesbaden und Höchst übergeben. Nach dem Sieg des fränkischen Königs Chlodwig I. wurde vermutlich auch Sindlingen von den fränkischen Eroberungen erfasst. Sindlingen scheint eine ausgedehnte und wohlhabende frühfränkische Siedlung gewesen zu sein, denn direkt neben den fränkischen Gräbern mit reichen Grabbeigaben schlossen sich karolingisch-fränkische Gräber an. Diese Flachgräber enthielten keinerlei Grabbeigaben, ein Hinweis für die ab der Mitte des 8. Jahrhunderts praktizierte christliche Tradition den Toten keine Gegenstände mit ins Grab zu geben.

Vermutlich wurden bei dem gefundenen fränkischen Gräberfeld auch die ersten christlichen Kapellen aus Holz aufgebaut. Daher könnte die von Einhard erwähnte Kirche in Sindlingen, die alte Martinskirche auf der Mainterrasse gegenüber Sindlingen gewesen sein. Die Martinskirche ist heute nicht mehr zu sehen und lag auf dem Gebiet des heutigen Industrieparks. Möglicherweise könnte auch die Justinuskirche in Höchst auf eine solche frühfränkische Holzkapelle zurückgehen.

Mittelalter Das genaue Gründungsdatum von Sindlingen ist heute unbekannt. Erst mit den ersten urkundlichen Erwähnungen beginnt die Geschichte Sindlingens. Die Urkunden aus, der der Ortsname Sindlingen hervorgeht, sind heute im Original nicht mehr erhalten. Die Abschrift aus dem Urkundenbuch des Klosters Fulda stammt aus der Zeit um 1150 und enthält kein genaues Datum. Die Originalurkunde, in der Sindlingen erstmals genannt wurde, ist auf die Amtszeit des Fuldaer Abtes Baugulf datiert, die sich von 780 bis 802 erstreckte. Der mittlere Termin 791 wurde in Sindlingen als Termin der 1200-Jahr-Feier 1991 gewählt.

Als erste Besitzerin Sindlingens (im Original Scuntilingen geschrieben) wird im Urkundenbuch Ymmina genannt. In der Abschrift heißt es (übersetzt): Ymmina, die Magd Christi, schenkt Gott und dem heiligen Bonifatius (d. h. dem Kloster Fulda) ihre Güter mit Zubehör und vielen dazugehörigen Leuten in Fischbach, Kriftel, Sindlingen und Liederbach. mini|Klosterruine Limburg Im Lorscher Codex ist im Jahr 797 aufgezeichnet, dass ein Mann namens Grimolt dem Kloster Lorsch 6 Morgen Ackerland und eine Wiese in villa Sundilingen (im Dorf Sindlingen) zum Geschenk machte. Dies ist die älteste uns heute vorliegende Urkunde über Sindlingen. Da Sindlingen „Dorf“ genannt wird, kann man für diese Zeit von einer ansehnlichen Siedlung ausgehen.

Auch in späteren Urkunden wird von villa Sindlingen gesprochen. Im Jahre 804 schenkt eine Hildebure dem Kloster Lorsch u. a. zwei Mansen Land mit einem Gebäude und einem Hörigen in villa Suntilingen. 889 erhielt das Benediktinerkloster Bleidenstadt von einem Herevicus Grundstücke in der in Singelingero marca. Bereits 965 überlässt eine Rigalint dem Kloster Bleidenstadt zu ihrem Seelenheil Güter in Suntilingero marca. Die Bezeichnung marca lässt auf eine beträchtliche Gemarkung schließen.

Am 16. Februar 1035 schenkten Konrad II. und seine Gemahlin Gisela von Schwaben königlichen Besitz in Sundelingen an das Benediktinerkloster Limburg, dem sie gleichzeitig das Sindlinger Patronat übertrugen.Wilhelm Manchot: Kloster Limburg, Mannheimer Altertumsverein, 1892, S. 7. Im Jahre 1268 machte das Kloster Limburg Philipp I. von Falkenstein zum Schirmvogt von Sundelingen.

Neuzeit mini|hochkant|Johann Schweikhard von Cronberg, Kupferstich aus dem Theatrum Europaeum, 1662 Im Jahre 1369 wird zum ersten Mal ein Ortsgericht in Sindlingen erwähnt. Hier wurde über geringfügige Vergehen geurteilt aber auch die Siegelung gemeiner Sachen und Urkunden war Aufgabe eines Ortgerichts. 1352 gehörte Sindlingen zum Amt Hofheim und unterstand der Hofheimer Gerichtspflege. Hier wurden hauptsächlich Zivilsachen bei Schuld-, Kauf- und Erbschaftsangelegenheiten verhandelt. Kleinere Delikte wie Schlägereien, Trunkenheit und Beleidigungen wurden hier ebenfalls behandelt. Im Hofheimer Gerichtsbuch sind in den Jahren 1425 bis 1500 die Namen von 243 Sindlingern protokolliert. Das Ortsgericht tagte auf der Straße vor dem Haus des Frank von Cronberg.

1490 lässt die Abtei Limburg in der Pfalz vom Schultheißen von Hofheim ihre Rechte in Sindlingen aufzeichnen. 1484 verkaufte das Kloster Limburg seinen Dinghof zu Sundelingen an das Stift Sankt Peter in Mainz, dem gleichzeitig auch der letzte Sindlinger Schirmvogt Johann von Cronberg seine Vogtrechte abtrat.

Während noch 1581 in einem Hofheimer Landbrief der Gemeindename mit Sundtlingen verzeichnet ist, erscheint er auf dem Gerichtssiegel von 1633 als Sindelingen, auf dem von 1682 dann als Sindlingen, obwohl auch später noch die Namensform Sundlingen auftaucht.

Ab dem Jahre 1596 wird zum ersten Mal eine Schule in Sindlingen erwähnt. Im Jahr 1608 teilte Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikhard von Cronberg Sindlingen dem Amt Höchst am Main zu. Ein Jahr später im Jahre 1609 beginnt der Bau der katholischen Pfarrkirche St. Dionysius an der Stelle einer alten Kapelle. Zu dieser Zeit leben in Sindlingen 210 Einwohner: 48 Ehemänner, zwei Witwer, 48 Ehefrauen, sechs Witwen und 106 Kinder.

Der Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikhard bewilligt Sindlingen im gleichen Jahr ein eigenes Ortsgericht und die Führung eines Gerichtssiegels. mini|hochkant|Johann Wolfgang von Goethe, Postkarte nach einem Gemälde von Georg Oswald May, 1779

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Sindlingen von schweren Verwüstungen heimgesucht. Die Anzahl der Haushalte sinkt von 56 auf 43. Im Jahre 1654 sinkt die Anzahl der Haushalte weiter auf 25, 17 Hofreiten sind unbewohnt. Die Anzahl der bewohnten Haushalte steigt erst im Jahre 1680 wieder auf 37 Haushalte an.

Durch französische Truppen, die im Pfälzischen Erbfolgekrieg Sindlingen erreichen, wird die gesamte Ernte der Gemeinde vernichtet. Am 7. Mai 1699 vernichtet ein Feuer innerhalb kurzer Zeit 26 Häuser, das Rathaus, zehn Scheunen und 23 Kelterhäuser in Sindlingen. Um das Rathaus wiederaufzubauen, verkauft die Gemeinde 1770 einen Morgen des Haingrabens. mini|links|hochkant|Joseph Maria Bolongaro

Die Brüder Andreas und Franz Vaccani aus Italien erwarben im Jahre 1740 in Sindlingen ein Landgut und begannen in den Gebäuden mit der Herstellung von goldenen und silbernen Besatzstücken und Galanteriewaren. Der Betrieb wurde bereits im Jahre 1744 wieder eingestellt.

1760 erwirbt der Handelsherr Karl Franz Allesina das Hofgut der Brüder Vaccani und errichtet auf einer aufgemauerten Terrasse am Mainufer ein Herrenhaus, zwei Hofreiten, 16 Morgen Weinberge, ferner Äcker und Wiesen, insgesamt etwa 156 Morgen.

Zur goldenen Hochzeit von Johannes Maria Allesina und seiner Frau Franziska Clara geborene Brentano am 30. Mai 1774 wird auch der junge Johann Wolfgang Goethe eingeladen. Sowie der Schnupftabaklieferant Josef Maria Markus Bolongaro. Die Feier der goldenen Hochzeit fand am 29. Mai 1774 in der alten Sindlinger Pfarrkirche statt. Goethe traf auf der Hochzeitsfeier auch Maximiliane von La Roche, mit der Goethe befreundet war.

Anfang Juni schrieb Goethe in einem Brief an eine Freundin: ()… Zu Sindlingen auf der goldenen Hochzeit, da ich den Geburtstag Ihrer lieben Max herbeitanzte, hab ich ihrer viel gedacht … Ich habe Ihre Max den Arm gegeben. Sagen sie mir doch ein Wort vom Herzen! Sie werden sehen wie sie meinem Rad Schwung geben, wenn Sie meinen Werther lesen … Der Geburtstag vom Maximiliane von La Roche war der 31. Mai, daher tanzte Goethe in den Geburtstag hinein".

Das Hochwasser im Februar 1784 zerstört in Sindlingen elf Gebäude. Am 5. Oktober 1799 kommt es zum Kampf der französischen Truppen im kurmainzischen Landsturm zwischen Sindlingen und Höchst.

Nassauische und preußische Zeit (1802–1917) mini|Sindlingen 1893 1802 wurden durch den Reichsdeputationshauptschluss die geistlichen Fürstentümer und damit auch Kurmainz aufgelöst. Das Amt Höchst kam zum Fürstentum Nassau-Usingen, das bald darauf im neugebildeten Herzogtum Nassau aufging. Die für Sindlingen zuständige Landeshauptstadt war nun Wiesbaden.

Im Jahr 1810 wurden in Sindlingen 98 Häuser mit 570 Bewohnern gezählt und sechs Gastwirtschaften: Zum goldenen Adler, Zum goldenen Engel, Zum goldenen Löwen, Zum weißen Schwan, Zum grünen Baum und Zum Stern.