Der 1992–1993 ausgegrabene Abri des Autours nahe der Maas, südlich von Dinant in der Provinz Namur in Belgien erbrachte drei unterschiedliche Grabkomplexe. Zwei sind Kollektivgräber. Gemäß der Grabbeigaben und der Radiokarbondatierungen BP (OxA-5838) bzw. BP (OxA-5837) gehören sie dem Frühmesolithikum und der Michelsberger Kultur an.

Beschreibung Die Einzelbestattung einer Frau, die im Alter von mindestens 50 Jahren starb (ohne Grabbeigaben, jedoch mit Ocker) wurde mit der Radiokarbonmethode ins Frühmesolithikum datiert. Das Individuum im ältesten Grab des Abri wurde in Hockerstellung bestattet, die Knie liegen auf der Brust, die Füße auf Höhe des Beckens und der Rumpf ist gestreckt. Das Skelett ist, mit Ausnahme des Schädels, in einem guten Zustand und das vollständigste Belgiens. Ihre Größe wird auf 1,58 m geschätzt. Sie weist kein Karies auf, aber ihre Zähne sind stark abgenutzt. Darüber litt sie unter degenerativen, traumatischen und vermutlich endokrinen Pathologien.

In dem zweiten Grab aus dem Frühmesolithikum wurden sechs Erwachsene und sechs Kinder gefunden. Unter den Kindern befanden sich zwei Säuglinge, zwei Jugendliche und zwei Halbwüchsige. Die Skelette waren zerlegt und über mehrere Quadratmeter verteilt. Die Knochen zweier Erwachsener (ein Mann und eine Frau) lagen in einer kleinen Grube. Da einige ihrer Knochen in anatomischem Verband lagen ist davon auszugehen, dass die beiden eventuell zuletzt bestattet wurden. Die Grube enthielt auch die Überreste eines jungen Erwachsenen, der bei über 700 °C eingeäschert wurde. Etwa dreißig Hand- und Fußknochen von mindestens drei Erwachsenen (einer eingeäschert) wurden in einem Riss in der Felswand deponiert. Die biometrische Untersuchung der Fossilien zeigt archaische morphologische Merkmale. Die Kollektivbestattung war von Kalksteinblöcken umgeben.

Die Jahrtausende jüngere Bestattung aus dem Mittelneolithikum enthielt auf einer Fläche von etwa einem Quadratmeter die Überreste von drei Erwachsenen und sechs Kindern. Obwohl mindestens drei Erwachsene vorhanden waren, gehören mehr als 70 % der Knochen vermutlich zu einer jungen Frau von kleiner Statur (1,44 m). Die sechs Kinder sind zwei Säuglinge, ein Kleinkind oder Jugendlicher, zwei Jugendliche und ein Subadulter. Wie bei den frühen mesolithischen Bestattung sind die Schädel unterrepräsentiert. Da die Taphonomie die fehlenden Skelettteile nicht erklären kann, müssen sie das Ergebnis einer absichtlichen Separierung sein. Solche wurden auch in anderen neolithischen Höhlen des Maasbeckens beobachtet.

Vergleichende Untersuchung

Die Skelette aus dem Abri wurden mit modernen und fossilen Serien verglichen. Anhand der Maße lag die Frau innerhalb der Variabilität der prähistorischen Individuen und nahe am Mittelwert der mesolithischen Individuen Westeuropas. Die Bestattungen sind Beispiele für die Variabilität mesolithischer Rituale. Offenbar scheint es Einzel- und Kollektivbestattung gegeben zu haben. Ein Individuum wurde eingeäschert; die anderen wurden beigesetzt. Später fand bei Kollektivbestattungen vermutlich eine Auswahl nach Sterbealter statt. Die Kinder waren im nördlichen Teil gruppiert. Im Gegensatz zu Michel Toussaints Beobachtung der frühmesolithischen Bestattung in der nur 800 m entfernten Grotte MargauxEs gibt in Belgien 19 mesolithische Fundorte. 1: Trou Al’Wesse, 2: Grotte Margaux, 3: Abri Autours, 4: Grotte de la Martina, 5: Claminforge, 6: Grotte des Sarrasins, 7: Petit-Ri, 8: Bois Laiterie, 9: Ourthe Basin, 10: Hainaut province, 11: Place Saint Lambert, 12: Grognon, 13: Melsele ‘Hof ten Damme’, 14: Doel Deurganckdok, 15: Verrebroek Dok, 16: Abri du Pape 17: Coléoptère Cave Bomal, 18: Lechat at Hamoir, 19: Station Leduc at Remouchamp liegt, gab es offenbar keine Auswahl nach Geschlecht.

Die Skelette beider Kollektivbestattungen waren zerlegt. Einige Knochen wurden aus ihrer ursprünglichen Position verschoben oder vollständig entfernt. Die Sortierung der Hand- und Fußknochen und die Unterrepräsentation von Schädeln und Röhrenknochen stützen diese Hypothesen. Es wurden jedoch keine Schnittspuren beobachtet, wie sie in der Grotte Margaux nachgewiesen wurden.

Im Gegensatz dazu wurde die Einzelbestattung nicht zerstört und das Skelett wurde in einer zusammengezogenen Position gehalten, was darauf schließen lässt, dass vergängliches Material verwendet wurde, um den Körper zusammenzubinden.

Fauna Neben den menschlichen Knochen wurden über 200 Tierreste freigelegt. Eine taphonomische Analyse wurde durchgeführt um festzustellen, ob ihr Vorkommen mit den Gräbern in Verbindung steht. Der Großteil besteht aus in der Höhle verstreuten Tierresten, die auch in den mesolithischen Schichten, gefunden wurden. Es handelt es sich hauptsächlich um Kadaverteile, die von Aasfressern oder Raubtieren eingebracht wurden. Darüber hinaus bestätigte sich, dass der Abri weder im Mesolithikum noch im Neolithikum als Unterkunft diente. Andererseits wurden Knochenartefakte, darunter verschiedene Werkzeuge und ein Anhänger gefunden. Mit Ausnahme eines einzelnen Artefakts waren alle mit der Bestattung der Michelsberger Kultur verbunden. Dies ist erst die vierte neolithische Höhlenbestattung in Belgien, in der Tierknochenartefakte gefunden wurden.

Literatur Caroline Polet, Nicolas Cauwe: Les squelettes mésolithiques et néolithiques de l’abri des Autours (province de Namur, Belgique) In: Comptes Rendus Palevol Bd. 1, 2002, S. 43–50 Caroline Polet, Olivier Dutour: Étude paléopathologique des squelettes de l’abri des Autours (Province de Namur, Belgique) In: Anthropologica et Præhistorica 118, 2007, S. 127–160 Nicolas Cauwe: De l'individuel au collectif: les Sépultures de l’Abrides Autours à Dinant (Namur) In: Notae Praeistoricae 13, 1994

Anmerkungen

Weblinks Lage der mesolithischen Funde

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