mini|hochkant|Constantin von Tuschinski, um 1948

Constantin Erast von Tuschinski (), bis 1914 Tuschinski und später Ritter von Tuschinski, (* 6. November 1905 in Czernowitz; † 26. Oktober 1984 in Schäßburg) war ein rumänischer Rechtsanwalt sowie Autor im damals rumänischen Czernowitz bzw. nach 1944 in Schäßburg. In den 1920er bis 1940er Jahren veröffentlichte er Bücher und Aufsätze zu internationalen politischen, juristischen und geschichtswissenschaftlichen Themen. Ab den späten 1960er Jahren veröffentlichte von Tuschinski deutschsprachige Einakter, die von Theaterensembles in Rumänien aufgeführt wurden.

Leben 1905–1918: Österreich-Ungarn Constantin von Tuschinski kam am 6. November 1905 als Sohn von Leontine und Demeter von Tuschinski im österreichisch-ungarischen Czernowitz in der Bukowina zur Welt. Seine Mutter Leontine, mit österreichisch-katholischen Wurzeln, engagierte sich in wohltätigen Vereinen. Sein Vater Demeter, Sohn eines orthodoxen Erzpriesters, war Staatsanwalt. Constantin wurde orthodox getauft, wuchs zweisprachig rumänisch/deutsch auf und beherrschte beide Sprachen fließend. Seine Familie entsprang väterlicherseits dem Bukowinaer Adel, hatte ursprünglich polnische Wurzeln und trug das Wappen Nałęcz. Constantin war das zweite Kind von Leontine und Demeter, jedoch war ihr erstes sehr jung gestorben, so dass er als Einzelkind aufwuchs. Im Sommer 1914 wurde der Adel der Familie von den Österreichisch-Ungarischen Behörden anerkannt, und sie hieß ab dann von Tuschinski, bzw. ab kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs dann Ritter von Tuschinski. Als Schüler verfasste von Tuschinski Theaterstücke und Gedichte, die jedoch nicht überliefert sind, und besuchte das Theater.Wittstock, Wolfgang: Der Einakter als Hobby - zu Besuch bei Constantin Tuschinski in Schäßburg, in: Karpaten-Rundschau, 7. September 1979.

Im Jahr 1910 und 1912 hielt sich Constantin im Sommer je mehrere Wochen mit seinen Eltern in Wien auf.Tuschinski, Alexander: Constantin Ritter von Tuschinski - Biography, in: Tuschinski, Constantin Ritter von: European Union, State Parties and Political Transformations, Collected Works 1942, Norderstedt 2025. In dem Werk sind zahlreiche Quellen und Informationen abgedruckt, sowie Erinnerungen an Gespräche mit Constantin von Tuschinski. Während des Ersten Weltkriegs wurde Czernowitz mehrfach russisch besetzt. Zwischen 1914 und 1918 wohnte er aus diesem Grund mit seiner Mutter durchgehend im Wiener neunten Bezirk in der Pension Austria (Höfergasse 5, Wohnung 9), während sein Vater sich je nach Einsatzort entweder bei ihnen oder in Czernowitz aufhielt. Von 1915 bis 1918 besuchte Constantin die ersten drei Klassen des Maximiliansgymnasiums in Wien.Namensverzeichnis der Schüler am Schlusse des Schuljahres 1915/16 in: Jahresbericht des k.k. Maximiliangymnasium in Wien Schuljahr 1915/16, S. 55. In diesem Schuljahr gibt es Tippfehler beim Namen.Namensverzeichnis der Schüler am Schlusse des Schuljahres 1916/17 in: Jahresbericht des k.k. Maximiliangymnasium in Wien Schuljahr 1916/17, S. 28.Namensverzeichnis der Schüler am Schlusse des Schuljahres 1917/18 in: Jahresbericht des k.k. Maximiliangymnasium in Wien Schuljahr 1917/18, S. 23. Im Sommer 1917 verbrachte die Familie in den Schulferien einen mehrwöchigen Urlaub in Karlsbad und hielt sich dort im Haus Landskron auf.Karlsbader Kurliste Nr. 131, 4. Juli 1917.Karlsbader Kurliste Nr. 183, 26. Juli 1917. Unmittelbar nach Ende des Schuljahres 1917/18 zogen Constantin und seine Mutter im Juli 1918 wieder nach Czernowitz, das nicht mehr durch eine Frontnähe bedroht war. Noch im hohen Alter erzählte Constantin von Tuschinski von den positiven Erinnerungen an seine Kindheit in Wien.

1919–1940: Zwischenkriegszeit mini|Constantin von Tuschinski (rechts) mit seinen Eltern Leontine und Demeter sowie seiner Ehefrau Virginia, Ende der 1920er. Constantin von Tuschinski erlebte mit 13 Jahren den Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie in Czernowitz. Die Stadt wurde rumänisch und die Schreibweise seines Namens änderte sich offiziell durch die Rumänisierung von Konstantin Erast Ritter von Tuschinski hin zu Constantin Erast Tușinschi. Von Tuschinski und sein Umfeld verwendeten seinen österreichischen Adelstitel bis in die 1940er Jahre weiter, teils auf Deutsch,Siehe beispielsweise: Die Ottenbreit-Affäre In: Czernowitzer Morgenblatt 28. Februar 1934, S. 3. teils in rumänischer Übersetzung,Siehe rumänische Übersetzung der Abkürzung des Titels in: Suchanzeige, in: Curentul, 8. August 1944, S. 2. und er meldete sich beispielsweise 1923 bei einem Besuch in Wien als „Constantin Ritter von Tuschinski“ im Melderegister der Stadt an. Von Tuschinskis Veröffentlichungen, insbesondere als Staatsbediensteter, erschienen ab den späten 1920er Jahren in Rumänien teils unter dem Namen Constantin D. Tușinschi, da im offiziellen rumänischen Sprachgebrauch keine Adelstitel vorgesehen waren. Die Mittelinitiale basierte, nach rumänischer Gepflogenheit, auf dem Vornamen seines Vaters. Zugleich wurde diese ausgesprochen wie die wörtlich ins Rumänische übersetzte Kurzform seines Titels: de Tușinschi.

mini|links|hochkant|Virginia und Constantin D. Tuşinschi in Venedig, 1939

Im Sommer 1919 wurde Constantin von Tuschinskis Vater Demeter Generalstaatsanwalt am neu gegründeten Oberlandesgericht Czernowitz.Monitorul Oficial, 3. Juli 1919, S. 3382. Ab den 1920er Jahren studierte Constantin Jura an der Universität Czernowitz. 1926 und 1929 hatte er jeweils Studienaufenthalte in Paris.Tusinschi, Constantin D.: Memoriu de Titluri si Lucrari, Bukarest 1940, Seite 2. Im Sommer 1926 erhielt er in Czernowitz den akademischen Titel des Lizenziaten der Rechte mit der Note Magna Cum Laude,Personalnachrichten In: Czernowitzer Morgenblatt. 2. Juli 1926, S. 2. und promovierte im Februar 1929 mit der Arbeit „Die Option im Völkerrecht“ (Opțiunea in dreptul internațional).Promotion In: Czernowitzer Morgenblatt. 8. Februar 1929, S. 3. Einen Monat darauf wurde Constantin von Tuschinski zum Hilfsrichter (supleant) am Czernowitzer Tribunal ernannt. In: Czernowitzer Deutsche Tagespost 23. März 1929, S. 2. Am 6. April 1929 heiratete er Virginia (* 1906), geborene Hoinic.Personalnachricht In: Czernowitzer Allgemeine Zeitung 9. April 1929, S. 5. Sie hatten sich auf einem Ball kennengelernt. Virginia hatte vor ihrer Hochzeit in Czernowitz Kunstgeschichte studiert und arbeitete in den 1930er Jahren als Sekretärin in der dortigen Mädchenschule Nr. 2.Zur Arbeit in der Mädchenschule siehe Meldung in: Monitorul Oficial 3. November 1933, S. 6860/6861. Das Paar wohnte bis 1940 im gleichen Czernowitzer Haus wie Constantins Eltern und bereiste ab den späten 1920er Jahren zahlreiche Orte in Europa, wie beispielsweise Wien, Venedig und San Marino. Teilweise verarbeitete Constantin Ideen und Eindrücke seiner Reisen in seinen Werken, beispielsweise in seiner Schrift zu San Marino.Tușinschi, Constantin D.: Republica San Marino, Cernăuți 1938. Siehe Angaben im Vorwort. In Czernowitz war Virginia bei wohltätigen Anlässen aktiv.Multumita publica In: Glasul Bucoviniei 19. Februar 1932, S. 4. Mit dem Czernowitzer Sänger Carl Mechner blieb Constantin von Tuschinski bis ins hohe Alter befreundet.

Zwischen 1929 und 1940 veröffentlichte Constantin von Tuschinski in Czernowitz Bücher, Broschüren und Artikel zu Themen wie Internationale Beziehungen, Verfassungen bzw. Strukturen von Staaten sowie geschichtlichen Entwicklungen. Seine Veröffentlichungen wurden in RumänienSiehe beispielsweise: Pelin, N.: Rezenzie In: Pagini Juridice 15. Juli 1933, S. 18. und internationalSiehe beispielsweise: L'Organisation des corporations professionelles en Autriche In: Der Tag Wien, 29. Oktober 1935, S. 6. in zahlreichen Publikationen rezipiert, sowie von Rechtsgelehrten wie beispielsweise Hans Klinghoffer besprochen.Klinghoffer, Hans: Rezension zu "L'Organisation des corporations professional les en Autriche", in: Internationale Zeitschrift für Theorie des Rechts, 10. Jahrgang (1936), S. 235–236. Dazu wurde von Tuschinskis Studie Contribuțiuni la studiul mandatelor internaționale 1933 in die Bibliothek des Völkerbundes in Genf aufgenommen.Liste mensuelle d'ouvrages catalogués à la Bibliothèque de la Société des Nations / Monthly list of books catalogued in the Library of the League of Nations Band 6, Genf 1933, S. 87. Eine rechtsgeschichtliche Studie zu Tuschinskis völkerrechtlichen Arbeiten hob 2026 hervor, dass er die bloße Ächtung des Angriffskrieges als unzureichend ansah und klare juristische Kriterien zur Bestimmung des Aggressors für notwendig hielt.

mini|hochkant|Constantin D. Tuşinschi, 1935