Ehrenfeld (Kölsch Ihrefeld) ist ein Stadtteil innerhalb des gleichnamigen Kölner Stadtbezirks 4. Das im Kölner Westen liegende Viertel gehört seit 1888 zur Stadt Köln. Das Stadtbild wird heute von Baudenkmälern und Bürgerhäusern aus der Gründerzeit, Industriedenkmälern, Kriegsbaulücken füllenden Mietshäusern aus den 1950er und 1960er Jahren geprägt. Ehrenfelds bekanntestes Industriedenkmal ist der Heliosturm an der Heliosstraße.
Der ehemalige Arbeiter- und Industriestadtteil hat heute (2020) einen für Köln durchschnittlichen Anteil an Migranten sowie einen unterdurchschnittlichen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund – 2010 war noch das Gegenteil der Fall. Die Geschäftsstraßen sind vor allem von türkisch geführten Geschäften und Betrieben geprägt, aber auch von vielen Unternehmen mit Inhabern aus Nah- und Fernost sowie aus Afrika. Ehrenfeld hat eine lebendige Kulturszene und wird als Wohnviertel immer beliebter – steigende Mieten und eine wachsende Zahl von Theatern, Restaurants und Szenekneipen zeugen davon.
mini|Ehrenfeld, im Hintergrund (von links) das Herkules-Hochhaus, Kölnturm, vor dem Tragbogen der Lanxess Arena das Kölntriangle, Colonius und Kölner Dom
Lage Der Stadtteil Ehrenfeld grenzt im Osten an Neustadt-Nord, im Süden an Lindenthal und Braunsfeld, im Westen an Müngersdorf und Bickendorf und im Norden an Neuehrenfeld.
Geschichte mini|Karte aus dem Jahr 1606 mit dem Gebiet westlich von Köln. Die Weiler Martiren (Mechtern) und Obbelrath (Subbelrath) sind in der Ehrenportzer Schweidt erkennbar
Ehrenfeld verdankt seine Entstehung der Ausbreitung Kölns nach Westen vor die Tore der Stadt. Bewohnt war das Gebiet schon im ersten bis dritten Jahrhundert, wie der Fund einer römischen Landvilla bei der heutigen Mechternkirche im Jahr 1996 belegt. An dieser Stelle soll, der Legende nach, auch der Heilige Gereon wegen seines christlichen Glaubens getötet worden sein – die Bezeichnung Mechtern geht auf die mundartliche Veränderung des lateinischen ad martyres sanctos (zu den heiligen Märtyrern) zurück.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet des heutigen Ehrenfeld kaum besiedelt und landwirtschaftlich genutzt worden. Noch 1840 gab es mit den sich überwiegend im kirchlichen Besitz befindlichen Gütern Mechtern, Subbelrath und Ziegelfeld lediglich drei Häusergruppen, die von 32 Menschen bewohnt wurden. Am Ziegelfeld wurde auch Ziegelbrennerei betrieben. Die Idee zur Gründung einer Vorstadt an dieser Stelle wird dem Kölner Buchdrucker und Antiquar Franz Anton Kreuter zugeschrieben. Dieser erkannte den durch Industrialisierung und Bevölkerungszuwachs notwendigen Platzbedarf für Gewerbeflächen und preiswerten Wohnraum, der innerhalb Kölns nicht befriedigt werden konnte, und überzeugte Politiker und Investoren vom Aufbau eines Vorortes. 1845 entschied man über den Bau des Ortes unter der Bezeichnung Ehrenfeld. Der Name erklärt sich aus der geographischen Lage des Areals zu Köln: Man verließ die Stadtmauer durch das Ehrentor (Ehrenportz) und ging nach Westen über die Ehrenstraße, um zum Ehrenstraßener Feld zu gelangen.
Bereits im Frühjahr 1845 entstanden die ersten Wohnhäuser an der Venloer Straße, der Subbelrather Straße sowie an deren Verbindungsstraßen Körnerstraße, Simrockstraße und Stammstraße, zumeist als Dreifensterhäuser. Die älteste erhaltene Fassade eines solchen Hauses ist heute in der Venloer Str. 260 zu sehen: Das Haus Mertens wurde 1853 in Backstein erbaut. Ein seitlicher Anbau wurde nach 1894 hinzugefügt. Von 1866 bis 1971 war das Haus im Besitz der Familie Mertens und beherbergte eine Metzgerei.
Ehrenfeld gehörte zunächst zur Bürgermeisterei Müngersdorf im Landkreis Köln. 1867 wurde es mit über 4000 Einwohnern selbstständige Gemeinde. Stolz nahmen die Ehrenfelder 1875 ihre Rangerhöhung in den „Stand der Städte“ zur Kenntnis. Das Stadtrecht folgte jedoch mit der Verleihung der Städteordnung erst am 8. Oktober 1879. Das Ehrenfelder Wappen bildete ein Kammrad auf blau-goldenem Grund. Mit der Stadtwerdung schied Ehrenfeld aus der Bürgermeisterei Müngersdorf aus und wurde zu einer eigenen Bürgermeisterei erhoben.
Industrialisierung mini|Blick auf die Industriestadt Ehrenfeld, um 1900
Bereits im Gründungsjahr Ehrenfelds nahm die Tapetenfabrik von Philipp Hoffmann an der später nach ihm benannten Philippstraße ihren Betrieb auf. Es folgte die Ansiedlung zahlreicher Betriebe, vor allem aus den Bereichen Metallverarbeitung, Chemie, Glasherstellung und später auch Elektrotechnik, darunter große Firmennamen wie Leyendecker (Bleiprodukte), Herbrand (Waggonfabrik) oder Herbig (Farben, später Herbol). Grundsteine für einige noch heute bekannte Unternehmen und Entwicklungen wurden in dieser industriellen Pionierzeit in Ehrenfeld gelegt: So schuf die 1882 gegründete Helios AG für elektrisches Licht und Telegraphenanlagenbau einige Meilensteine der Wechselstromtechnik. Das 1888 gegründete Unternehmen Benedikt Klein Margarinewerke produzierte an der Nußbaumerstraße/Hüttenstraße die Marke „Botterram“. In Spitzenzeiten wurden dort bis zu 16 Tonnen Margarine pro Stunde gefertigt. Die Produktion am Standort Ehrenfeld wurde im Jahr 1983 endgültig eingestellt. Der Automobilbauer und spätere Audi-Gründer August Horch entwickelte ab 1899 in seinem Unternehmen Horch (A. Horch & Cie.) am heutigen Standort der Sparkasse KölnBonn an der Venloer Straße seine ersten Automobile.
Die Parfümeriefabrik Ferdinand Muelhens (4711) war ab 1874 an der Vogelsanger Straße 100 ansässig. Heute sind noch die Grundstrukturen der großen Gießereihalle der Schiffsschraubenfabrik Ostermann zu sehen, die ab 2014 kernsaniert und einer neuen Nutzung zugeführt wurde.Lichtstraße in Ehrenfeld Auf ihrem Gelände zwischen Grüner Weg und Lichtstraße fertigte sie bis zu ihrer Liquidation 1992 die damals größten Schiffspropeller der Welt.Schiffspropellerfabrik der Fa. Ostermann & Co in Köln-Ehrenfeld An der Venloer Straße 466 eröffnete Cornelius Stüssgen am 28. August 1897 sein erstes Lebensmittelgeschäft. Das Pharmaunternehmen A. Nattermann & Cie. (heute Sanofi) wurde in der Schönsteinstraße weltberühmt und produzierte von ca. 1910 bis in die 1970er Jahre bekannte Präparate wie Bronchicum. Teile der ehemalige Fabrikanlage blieben erhalten und werden heute als „Nattermann-Lofts“ genutzt.
mini|Ehrenfelder Rathaus an der Venloer Straße auf einer Postkarte aus dem Jahr 1902 Mit dem Wachstum von Bevölkerung und Industrie entstand auch das Bedürfnis nach öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen. 1863 wurde in der Platenstraße das erste Schulgebäude Ehrenfelds als Katholische Volksschule errichtet. Nach der Umwidmung ist sie heute eine städtische Grundschule. Es folgten öffentliche Einrichtungen wie Post und Bahnstation. 1875 gab es in Ehrenfeld bereits 40 Fabriken – bis 1886 erhöhte sich diese Zahl auf 52.
In der Blütezeit der Industrialisierung bekundete der Ehrenfelder Stadtrat: „Aus geringen Anfängen ist in der kurzen Zeit von noch nicht 30 Jahren eine schöne, blühende Stadt von 15.000 Einwohnern entstanden, deren Bewohner durch Fleiß, Tüchtigkeit und Gemeinsinn sich auszeichnen, deren Industrie weit über die Grenzen unseres Vaterlandes berühmt ist.“ 1880 wurde das Ehrenfelder Rathaus an der Venloer Straße von Vincenz Statz erbaut. Es galt als architektonisch bedeutendstes Profanwerk der Neugotik in Kölns Vororten. Erster und einziger Bürgermeister der Stadt Ehrenfeld war zwischen 1880 und 1888 Hugo Jesse. 1888 erfolgte die Eingemeindung Ehrenfelds als Stadtteil von Köln.
Noch heute werden Teile des Ehrenfelder Stadtbildes von Gebäuden mit industriekultureller Bedeutung geprägt. Einige der häufig unter Denkmalschutz stehenden und zum Teil architektonisch anspruchsvollen Komplexe wurden umgebaut und umgewidmet, etwa als Veranstaltungsräume, Gewerbeparks, Clubs oder Wohnraum.
Zweiter Weltkrieg mini|Gedenktafel für Opfer des NS-Regimes Der 1939 begonnene Zweite Weltkrieg endete in Ehrenfeld am 6. März 1945 mit dem Einrücken der Amerikaner auf der Venloer Straße. Wie ganz Köln wurde auch Ehrenfeld, das 55 Mal Ziel alliierter Luftangriffe gewesen war, hart getroffen und erlitt schwere Zerstörungen. Das Rathaus wurde bei einem Bombenangriff am 17. Juni 1943 beschädigt und nach dem Krieg abgerissen.
Die Verfolgung von Juden im Nationalsozialismus führte während der Pogrome anlässlich der so genannten Reichspogromnacht zur Zerstörung der 1927 nach Entwürfen des Architekten Robert Stern erbauten Synagoge Ehrenfeld in der Körnerstraße. Sie diente bis dahin 2000 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Ehrenfeld als Gebetshaus. Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern in den Straßen Ehrenfelds heute an die Deportation von Ehrenfelder Bürgern, meist Juden, vor deren ehemaligen Häusern sie in den Boden eingelassen sind.
Mitglieder der Ehrenfelder Gruppe der Edelweißpiraten, einer aus dem Wandervogel stammenden Jugendgruppe, die 1944 in Köln aktiven Widerstand gegen die Nationalsozialisten geleistet hatten, wurden am 10. November desselben Jahres in der Hüttenstraße von der Gestapo öffentlich und ohne Gerichtsurteil hingerichtet. Nach einem von ihnen, Bartholomäus Schink, ist dieser Abschnitt der Straße heute benannt. Nach dem Krieg entwickelte sich ein politischer und historischer Streit um die Zugehörigkeit der Gruppe zum Widerstand, der erst in den letzten Jahren weitgehend beigelegt wurde: An die Hinrichtung russischer und polnischer Zwangsarbeiter und die Widerstandskämpfer der Ehrenfelder Gruppe erinnert heute eine Gedenktafel in der nahen Schönsteinstraße:
Hier wurden am 25. Oktober 1944 elf vom NS-Regime zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Bürger Polens und der UdSSR und am 10. November 1944 dreizehn Deutsche – unter ihnen jugendliche Edelweißpiraten aus Ehrenfeld sowie andere Kämpfer gegen Krieg und Terror – ohne Gerichtsurteil öffentlich durch Gestapo und SS gehenkt.
Nachkriegszeit In der Phase des Wirtschaftswunders und Wiederaufbaus prosperierte auch Ehrenfeld als Industriestandort und Arbeiterviertel. Der industrielle Wiederaufbau beschleunigte einen Wandel, der sich bereits vor dem Krieg abzeichnete: Die sich entwickelnde Schwerindustrie benötigte Platz, den das dichtbewohnte Ehrenfeld nicht mehr bieten konnte, und bevorzugte das offene Umland. Kleine und mittlere Unternehmen, etwa aus dem Werkzeugbau, Maschinenbau oder der Lebensmittelindustrie blieben oder siedelten sich ebenso wie das Unternehmen Wilhelm Monke Meisterwerkstätten für Instrumentenbau neu an. Hinzu kamen Verwaltungen sowie Handels- und Dienstleistungsunternehmen.
1957 eröffnete der Unternehmer Herbert Eklöh in den ehemaligen Produktionshallen der Helios AG (heute bekannt als Rheinlandhalle) auf 2000 m² Europas ersten und gleichnamigen Supermarkt Eklöh.Supermarkt In: Die Zeit vom 20. Juni 1957 Auch entstand das erste Zentrum für Krankengymnastik und med. Massage, das Fridolinbad. Ab dem Frühjahr 1963 entwickelte ein Team des WDR in der Marienstraße 71, in einem eigens eingerichteten Farbfernsehversuchslabor, das deutsche Farbfernsehen und die dazu gehörigen technischen Ausstattungen. 1966 hatten 111 Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten ihren Sitz in Köln-Ehrenfeld – dies entsprach etwa einem Sechstel der Kölner Betriebe in dieser Zeit.
Das Stadtviertel veränderte sich auch baulich: Als Ehrenfeld tangierende Umgehungsstraße wurde 1952 die heute sechsspurige Innere Kanalstraße entlang des inneren Grüngürtels fertiggestellt. Zahlreiche kriegsbedingte Baulücken wurden in den 1950er Jahren durch Wohnhäuser in einem schnörkellosen, einfachen und preiswerten Baustil gefüllt. Viele Gebäude, die aus heutiger Sicht als denkmalwürdig erscheinen, wurden abgerissen, oft weil ein Wiederaufbau zu aufwendig anmutete.