Die Chauken (Aussprache [çaʊkən], lateinisch: Chauci, griechisch: οἱ Καῦχοι; „die Hohen“) waren ein germanischer Stamm, der beidseits der unteren Weser lebte (westlich: lateinisch chauci minores, östlich: lateinisch chauci maiores). Die Chauken gehörten nach Tacitus zur Gruppe der von der Nordseeküste stammenden Ingaevonen. Obwohl die frühere Forschung die Chauken durchaus in den Sachsen fortgesetzt sah, wird der Stamm heutzutage vermehrt mit der Genese der Franken in Zusammenhang gebracht.Ludwig Rübekeil, Matthias Springer: Völker und Stammesnamen. In: RGA. Band 32, 2016, S. 487–506.Ludwig Rübekeil: Frühgeschichte und Sprachgeschichte in den Niederlanden, Universität Zürich, 2013, S. 13.
Geschichte mini|Karte der germanischen Stämme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien) mini|Germania, Anfang des 2. Jh. n. Chr. (Harper and Brothers, 1849) mini|Das Römische Reich und die Chauken in Germanien
Ca. 12 v. Chr. bis 47 n. Chr. Die Chauken wurden im Jahr 11 v. Chr. durch Nero Claudius Drusus unterworfen.Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike, Berlin 2006, S. 94. Eventuell fand die Unterwerfung bereits 12 v. Chr. statt. Ebd. S. 139 Wohl ab dem Jahr 1 n. Chr. scheinen sich die Chauken an einem Aufstand, dem immensum bellum (1 – 5 n .Chr.), beteiligt zu haben. Sie wurden im Jahr 5 n. Chr. durch Tiberius erneut unter die Oberherrschaft der Römer gezwungen.Velleius Paterculus: Historia Romana, Buch 2,106
Eine Vexillar-Einheit unter dem Lagerpräfekten Maenius war im Sommer des Jahres 14 n. Chr. bei den Chauken stationiert, zog sich aber in ein Winterlager zurück.Tacitus: Annalen, Buch 1
Da die Chauken dem Germanicus im Zuge der Germanicus-Feldzüge die Stellung von Hilfstruppen zusagten, wurden sie 15 n. Chr. in die Bundesgenossenschaft (Föderaten) mit dem Römischen Reich aufgenommen.
Nach dem friesischen Aufstand um 28 n. Chr. schieden sie wieder aus dem Reichsverband aus.
Im Jahre 41 wurden die „Cauchi“ (Chauken) von P. Gabinius Secundus, dem Legaten der Germania inferior, und seinem Heer besiegt. Die Rückgewinnung des letzten Legionsadlers, der seit der Niederlage des Varus bei den Chauken war, wurde dabei offensichtlich für so bedeutend gehalten, dass Gabinius das Führen des Beinamens Cauchius erlaubt wurde.„Gabinio Secundo Cauchis gente Germanica superatis cognomen Cauchius usurpare concessit.“ (Sueton Claud. 24,3)
Dass dieser Sieg keine endgültige „Befriedung“ oder Unterwerfung bedeutet hatte, zeigte sich im Jahr 47 n. Chr.: Die Chauken überfielen unter der Führung des Cananefaten Gannascus, der zuvor aus einer Auxiliareinheit desertiert war, mit Booten die gallische Küste. Der neue Legat in Niedergermanien, Gnaeus Domitius Corbulo, vernichtete die Schiffe der Chauken mit Hilfe der Rheinflotte.Tacitus: Annalen, Buch 11
Ca. 58 n. Chr. Nach anderen Quellen waren sie jedoch auch als Seeräuber berüchtigt; sie vertrieben auch die Ampsivarier im Jahr 58 aus dem Gebiet der Emsmündung.
Ca. 77 n. Chr. Um das Jahr 77 n. Chr. beschrieb der römische Schriftsteller Plinius der Ältere das Volk, das auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln im Küstenbereich, den Warften lebte, wie folgt:
Ca. 98 n. Chr. Ca. 98 n. Chr. wurden die Chauken erneut schriftlich erwähnt im 35. Kapitel der Germania von Tacitus. Er bezeichnet sie als östliche Nachbarn der Friesen und schildert sie als wehrhaftes, aber friedliches Volk, das ein großes Gebiet bewohne und bei seinen Nachbarn hoch angesehen sei.
Aus der deutschen Übersetzung der Werke des Publius Cornelius Tacitus von H. Gutmann und von W. S. Teuffel:
2. Jahrhundert Um ca. 100 n. Chr. drangen die Dithmarscher Reudigner über die Elbe in das Elbe-Weser-Dreieck ein. Trotz der ingwäonischen Stammesverwandtschaft kam es zu Kämpfen mit den dort ansässigen Chauken.Widukind von Corvey: Widukindi Rerum Gestarum Saxonicarum libri tres („Drei Bücher sächsischer Geschichte“)
Ab 150 n. Chr. wurden die Seeräubergruppen der Chauken, Reudigner und eventuell auch der Avionen im Elbe-Weser-Dreieck zusammenfassend als Sachsen bezeichnet.
Im Jahre 173 wurde die Legio I Minervia gegen seeräuberische Chauken in der Provinz Gallia Belgica eingesetzt.
Im 4. Jahrhundert wurden sie letztmals namentlich erwähnt.
Kommentar Aus Vergleichen der verschiedenen antiken Texte ziehen die Historiker Schlüsse, nach denen die germanischen Stämme eher Zusammenschlüsse denn Familienklans waren. So sollen die Angrivarier später zu einem Teil der Chauken geworden sein. Nach Berichten aus dem 4. Jh. machte das Siedlungsgebiet der Chauken große Teile desjenigen aus, in dem für dieselbe Zeit die Sachsen erwähnt wurden.
Literatur Tacitus: Über Ursprung und Leben der Germanen auf Wikisource – Germania, Kapitel 35. Dieter Bischop, Manfred Rech (Hrsg.): Siedler, Söldner und Piraten. Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Focke-Museum, Bremer Landesmuseum vom 8. März bis 14. Mai 2000 [Chauken und Sachsen im Bremer Raum]. Bremer Archäologische Blätter, Beiheft 2/2000. Landesarchäologe, Bremen 2000; . Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike. Berlin 2006.
Weblinks Deutsche Übersetzung der Publius Cornelius Tacitus Werke. von H. Gutmann's und von W. S. Teuffel, Kapitel 35, die Chauken
Einzelnachweise
Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Geschichte (Ostfriesland)
Kategorie:Nordseegermanen