Operation Countryman war eine Untersuchung zur Korruption bei der Londoner Polizei, die zwischen 1978 und 1982 durchgeführt wurde. 84 Beamte der Metropolitan Police und 29 Mitglieder der City of London Police wurden u. a. der Fälschung von Beweisen, der Bestechung und der Zusammenarbeit mit Bankräubern beschuldigt. Nur zwei Ermittlungen der gesamten Operation waren erfolgreich und deshalb wird diese als gescheitert betrachtet. Es gab Bemühungen von leitenden Polizeibeamten des Scotland Yard und dem damaligen Generalstaatsanwalt Sir Thomas Hetherington, die Aufklärung der Fälle zu unterbinden.
Der Versuch der Operation Countryman, die angebliche Korruption innerhalb der Metropolitan Robbery Squad aufzuklären, konnte durch mangelnde Kooperation und die Zurückhaltung der leitenden Beamten so erfolgreich vereitelt werden, dass nur wenige der Täter vor Gericht kamen. Ironie dieser Ermittlungen besteht darin, dass die Beamten, die sie durchführten, noch zum Gespött wurden, und "give up in disgust" (englisch für: angewidert aufgaben) und mancher vorzeitig in den Ruhestand ging.
Die Ermittlungen im Rahmen der Operation kosteten schätzungsweise 3 Millionen Pfund, acht Beamte wurden strafrechtlich verfolgt, wenige wurden verurteilt, man hielt es aber für zweckmäßiger, Beamte in den Krankenstand zu versetzen, um ihnen und der Behörde Peinlichkeiten zu ersparen: Infolge der Operation Countryman mussten über 250 Beamte zurücktreten oder sich strafrechtlichen Anklagen stellen, darüber hinaus ergaben Ermittlungen, dass viele Beamte Mitglieder bestimmter Freimaurerlogen waren.
Der Vorfall beschädigte die Glaubwürdigkeit der Metropolitan Police weiter.
Als einer der Gründe für die Korrumpierung der Polizisten wurde die schlechte Entlohnung angesehen. Paul Condon, Baron Condon soll sich geäußert haben "If you are not paying your police officers a wage they can live on, you are almost inviting them to indulge in malpractice" (Wenn Sie Ihren Polizisten keinen Lohn zahlen, von dem sie leben können, laden Sie sie geradezu dazu ein, sich Fehlverhalten zu erlauben).
Details Die Beamten der Operation wurden aus der Polizei des ländlichen Dorset rekrutiert, daher stammt der Name Countryman. Die Untersuchung wurde wegen der stetigen Zunahme von Korruptionsvorwürfen innerhalb der Polizei eingeleitet. Zuvor geheime Dokumente zeigen, dass die Ermittler auch dazu gezwungen wurden, den Anschein zu wahren, als hätte die Polizei uneingeschränkt mit ihnen zusammengearbeitet.
Kriminelle, die sich schwerer Straftaten, wie z. B. bewaffneten Raubüberfalls, schuldig gemacht hatten, wurden demnach freigelassen und nicht strafrechtlich verfolgt. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen zwei Schlüsselfiguren: Alf Sheppard, ein Bankräuber, der mithalf, Beweise gegen korrupte Beamte zu sammeln, und DCI Phil Cuthbert, ein Beamter der Polizei der City of London und führender Freimaurer. Er war auch einer der beiden Männer, die später ins Gefängnis kamen.
Drei große Raubüberfälle fanden in den Ermittlungen besondere Beachtung: der Raub der Löhne des Daily Express im Wert von 175.000 Pfund im Jahr 1976 der Bankraub von Williams & Glyn im Wert von 520.000 Pfund im Jahr 1977 der Raub der Löhne des Daily Mirror im Jahr 1978, bei dem ein Sicherheitsbeamter erschossen und 200.000 Pfund gestohlen wurden
Bisher ist nur ein Teil der Operation in der Öffentlichkeit bekannt geworden und die Akten sollen bis 2067 vom Innenministerium geheim gehalten werden.
Parlamentarische Anfragen Im britischen Parlament wurde der Innenminister mehrfach in Anfragen aufgefordert, die Ergebnisse der Operation Countryman vollständig bekannt zu geben. Solche Anfragen wurden jedoch abgelehnt, da sie durch das „Public Interest Immunity (PII)“ geschützt sind. Dies ist ein Grundsatz des englischen Common Law, bei dem auf gerichtliche Anordnung Beweismittel zurückgehalten werden dürfen, wenn die Vertraulichkeit der Beweise und deren möglicher Schaden höher bewertet werden als das öffentliche Interesse an ihrer Offenlegung. Dieses Gesetz wurde im Strafrecht gegen organisierte Kriminalität, Banden und Drogenhändler erlassen, wenn durch Beweismittel z. B. die Identität bezahlter Polizeiinformanten offenbart werden könnte.
Einzelnachweise
Kategorie:Polizeiliche Operation Kategorie:Kriminalitätsbekämpfung Kategorie:Metropolitan Police Service