Beginen und Begarden in Worms waren in einer Anzahl von Konventen organisiert, lebten aber auch einzeln. Sie übernahmen karitative Aufgaben und spielten im Totengedenken der Stadt eine wichtige Rolle, indem sie an bestimmten Tagen an den Gräbern ihrer Wohltäter beteten und Kerzen anzündeten.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 935.

Quellen Die historischen Quellen zu Beginen und Begarden in Worms sind weniger dicht als die zu den regulären Klöstern in der Stadt. Das liegt daran, dass durch den fehlenden hierarchischen Aufbau und die stark personalisierte Form des Zusammenlebens der Gemeinschaften Verwaltungs- und Archivwesen nicht stark ausgeprägt waren und dadurch weniger Dokumente überliefert sind. Oft fehlen direkte Zeugnisse und die Quellen sind Berichte oder Unterlagen von dritter Seite. So ist auch nicht sicher, ob überhaupt alle Gemeinschaften, die in Worms bestanden, heute noch erfasst werden können und umgekehrt, ob es sich in manchen Fällen um die gleiche Gemeinschaft handelte, die ihre Bezeichnung gewechselt hat.Zu den Primärquellen vgl.: Wolf: Beginen in Worms, S. 2–5.

Einrichtungen Die Beginen und Begarden lebten in kleinen Gemeinschaften, widmeten sich sozialen Aufgaben wie der Pflege von Kranken und Wöchnerinnen und führten ein gemeinsames religiöses Leben. Wirtschaftlich lebten sie aus den Einkommen von Stiftungen zu ihren Gunsten, Geschenken, dem Betteln und in einigen Fällen auch von handwerklicher Tätigkeit, wie etwa Textilproduktion, Flechten, Bierbrauen oder Seifenherstellung sowie Dienstleistungen wie Waschen oder das Vorbereiten von Hochzeiten.Wolf: Beginen in Worms, S. 69–74. Die „Blütezeit“ der Beginen in Worms waren die zweite Hälfte des 14. und die ersten Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts.Wolf: Beginen in Worms, S. 46.

Oft sind die Gemeinschaften nach dem Haus benannt, das sie bewohnten. Viele Häuser in Worms hatten individuelle Bezeichnungen. Die nachfolgende Liste beschränkt sich auf die Einrichtungen, die im mittelalterlichen Stadtgebiet von Worms tätig waren.Für das heutige Stadtgebiet wird als Beginenhaus darüber hinaus die „Klause zu Hochheim“ genannt (Wolf: Beginen in Worms, S. 35).

Die nachfolgend aufgezählten Einrichtungen sind in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Gründung oder Ersterwähnung gelistet:

Gudelmannkonvent Der – damals bereits bestehende – Gudelmannkonvent soll 1248 erstmals erwähnt worden sein. Dies wäre zugleich das älteste erhaltene Zeugnis eines Beginenkonvents in Worms. Nach einer umfangreichen Zustiftung durch Gudelmann, ehemals Schultheiß des Wormser Domstiftes, wurde er als „Gudelmannkonvent“ bezeichnet.Wolf: Beginen in Worms, S. 32f. 1469 wurde er in ein Augustinerinnenkloster umgewandelt, das bis zur Säkularisation 1802 bestand.

Beginenkonvent zum Drublin Der Beginenkonvent zum Drublin wird in Dokumenten zwischen 1288 und 1444 genannt. Er war früher entstanden und ging zu einem unbekannten Zeitpunkt nach 1444 unter. „Drublin“ war die Bezeichnung eines Hauses.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Drublin, S. 851. Dieses lag an der Ecke von Kämmererstraße und Hardtgasse und war zusammen mit weiteren Häusern rückseitig komplett von der Johanniterkommende Worms umschlossen, deren Grundstück sich L-förmig um die Gebäudegruppe mit dem Haus „Drublin“ legte.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Drublin, S. 852.

Organisatorisch ist bekannt, dass dem Konvent eine „Meisterin“ vorstand. Welcher geistlichen Stelle der Konvent zugeordnet war, ist dagegen nicht bekannt. Aus einer Urkunde von 1383 sind zwei der damaligen Beginen namentlich bekannt: Grede und Gecze. Der Konvent besaß Einkünfte aus Nachlässen, Stiftungen und Grundbesitz in der Stadt und deren Umland.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Drublin, S. 851.

Beginenhaus der Elisabeth Brogoren Elisabeth, genannt Brogoren, schenkte 1288 einer bereits bestehenden Gemeinschaft von 14 Beginen ein steinernes Haus in der Innenstadt von Worms. Ob sie selbst Mitglied der Gemeinschaft war, ist nicht bekannt, ebenso wenig, wie lange die Gemeinschaft und ob sie vielleicht später unter einem anderen Namen bestand. Dass die Gemeinschaft überhaupt bezeugt ist, liegt an einer Urkunde, die die Beteiligten über die Schenkung des Hauses durch die Richter der Stadt Worms 1288 ausstellen ließen. Aus dieser Urkunde ergibt sich weiter, dass Elisabeth über das Haus hinaus der Gemeinschaft noch vier Tagewerk Weinberge bei Ost- und Westhofen schenkte, deren Ertrag dazu dienen sollte, das Haus zu unterhalten und darauf lastende Zinsen zu bezahlen. Die Ritter Gerhard KamerariusIn Betracht kommt Gerhard II. Kämmerer von Worms (um 1229 – 8. Januar 1297); vgl. Stammliste der Kämmerer von Worms. und Sigulo von Wathdienheim (Wattenheim?) wurden damit beauftragt sicherzustellen, dass die Erträge der Weinberge auch der Gemeinschaft zugutekamen. Als Gegenleistung für die Schenkung sollten die Beginen für ein Jahresgedächtnis der Elisabeth sorgen.Klapp: Worms. Beginenhaus der Elisabeth Brogoren, S. 848f.

Die geografische Lage des Hauses innerhalb von Worms ist nur ungefähr bekannt. Die Urkunde nennt dazu den Bereich zwischen der „Kurie des Domkantors Simon“ und dem Haus des Tuchscherermeisters Wilhelm, also in der Innenstadt in der Nähe von Dom und Franziskanerkloster. Letzteres lag im Bereich des heutigen Marktplatzes.Der heutige Marktplatz entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts. Die Fläche war bis dahin teilweise überbaut.

Die geistliche Aufsicht und Betreuung der Schwestern lag bei den Franziskanern in Worms. Deren Guardian gehörte auch zu den Zeugen der Urkunde 1288. Für den Fall der Aufgabe des Konvents sollten Haus und Weinberge an die Franziskaner fallen, diese dann aber auch das Jahresgedächtnis übernehmen. Bei der Aufnahme neuer Schwestern sollte der Beginenkonvent dem Beichtvater und dem Guardian der Franziskaner die Kandidatin vorschlagen und diese beiden mussten zustimmen. Verwandte der Stifterin waren zu bevorzugen.Klapp: Worms. Beginenhaus der Elisabeth Brogoren, S. 848.

Engelmann Konvent Der Engelmann-Beginen-Konvent wird einmal erwähnt, 1288. Ob die Institution – eventuell unter einer anderen Bezeichnung – weiterbestand, ist nicht bekannt.Armgart: Nicht aufgenommene Institutionen, S. 1079.

Beginenkonvent Elmann Der Beginenkonvent Elmann (auch Ölmann) wurde 1317 von Gudelmann Elmann gestiftet. Vermutlich drei seiner Töchter traten dem Konvent bei. Die älteste erhaltene Originalurkunde des Konvents stammt von 1401.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 935. Das Haus der Beginen hatte im 16. Jahrhundert vier Kammern und eine große Stube. Es hatte einen Garten und lag zwischen Schlosser- und Färbergasse.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 938.

Im 15. Jahrhundert übernahm das jeweilige Oberhaupt einer Familie Bum (auch Boim oder Bumen), die wohl mit der Stifterfamilie verwandt war, die weltliche Vertretung des Konvents („Pflegschaft“)Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 937. und musste zustimmen, wenn eine neue Begine aufgenommen wurde. Die älteste erhaltene Ordnung des Beginenkonvents Elmann stammt von Hans Bum und von 1430. Danach musste eine Frau bei Eintritt in den Konvent 3 Gulden bezahlen, ein Tischtuch und ein Handtuch einbringen. Der Gemeinschaft stand eine Meisterin vor. Sie wurde von den Beginen mit Mehrheit gewählt und der Chef der Familie Bum musste zustimmen.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 935, 937. Die Ordnung sah zehn Beginen vor, ob die Zahl auch erreicht wurde, ist nicht bekannt.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 937.

Die Schwestern waren in der Krankenpflege tätig. Wenn eine Schwester starb, erbte ihren Nachlass der Konvent. Durch das Ausbleiben weiterer Zustiftungen von Bewohnern der Stadt in Folge der Reformation wurde die wirtschaftliche Basis des Konvents zunehmend schwächer. In der Folge verlor der Konvent zunehmend seine Selbständigkeit. Spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts ging die Pflegschaft des Konvents an den Rat der Stadt Worms über.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 936. Über Neuaufnahmen entschied nun ausschließlich der Pfleger und maßgebliches Kriterium war, ob die jeweilige Frau für die Krankenpflege geeignet war.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 937. Der Konvent entwickelte sich zunehmend zu einem Armenhaus für mittellose Witwen und alleinstehende Frauen, die aber weiterhin in der Kranken- und Wöchnerinnenpflege tätig waren. Bei dem Eintritt in den Konvent sind in dieser Zeit religiöse Motive nicht mehr bezeugt.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 936. Aufgrund der karitativen Aufgaben, die die Frauen wahrnahmen, hatte der Rat auch ein Interesse am Erhalt der Einrichtung und organisierte den Beginenkonvent Elmann 1580/81 mit einer neuen Ordnung in eine Wohnanlage für Frauen um, die in der Kranken- und Wöchnerinnenpflege tätig waren.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 935f. Nachrichten dazu, dass es sich dabei weiterhin um einen Konvent von Beginen gehandelt habe, beruhen auf unzutreffenden Zuordnungen von Dokumenten im 19. Jahrhundert.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Elmann, S. 937; anders: Wolf: Beginen in Worms, S. 126.

Konvent zum Rosenbaum Der Konvent zum Rosenbaum wurde 1318 von dem Ritter Dirolf von Hochheim († 10. Juli 1318) und seiner Ehefrau, Agnes († 27. April 1329) gegründet. Agnes stammte aus einer Wormser Patrizierfamilie. Die Stiftung des Konvents wies die Besonderheit auf, dass der Hof Zum Rosenbaum dem Dominikanerinnenkloster Maria Himmelskron gehören sollte.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Rosenbaum, S. 940. Das Kloster war 1278 ebenfalls von Dirolf und seiner Frau Agnes gestiftet worden.PDF-Ansicht, Urkundensammlung Universität HeidelbergBöcher: Die Kirchen, S. 12. Das Kloster wiederum sollte dafür sorgen, dass das Haus Zum Rosenbaum von sechs Frauen bewohnt werde, die ein Leben als Beginen führen sollten, dafür vom Kloster unterhalten wurden und eine Reihe von Aufgaben im Zusammenhang mit dem Totengedenken für die Stifter wahrnahmen. Vorsteherin der sechs Frauen war die Priorin des Klosters Maria Himmelskron.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Rosenbaum, S. 940.

Nachdem das Kloster Maria Himmelskron an seinen Besitzungen im Städtekrieg 1387–1389 schwer geschädigt worden war, wurde der Konvent zum Rosenbaum 1391 vorübergehend auf drei Beginen verkleinert (1449 waren es wieder sechs). Im Zusammenhang mit einer Reform des Klosters Maria Himmelskron 1449 wurde der Konvent zum Rosenbaum in das Kloster inkorporiert und damit aufgehoben.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Rosenbaum, S. 940.

Der Hof Zum Rosenbaum lag n der Innenstadt von Worms, auf einem großen Grundstück an der Kämmererstraße 49Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Rosenbaum, S. 939., dessen Rückseite sich bis zur Martinsgasse erstreckte.Untermann: Worms. Brüder auf der Hart, S. 966. Nach 1449 diente das Gebäude dem Kloster Maria Himmelskron als Wirtschaftshof bis zur Zerstörung der Stadt Worms 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch Truppen König Ludwig XIV. In dieser Zeit befand sich im östlichen Teil des Grundstücks, direkt an der Kämmererstraße, das Wirtshaus Zum Schwan, das 1505 zum ersten Mal nachgewiesen ist.Klapp: Worms. Beginenkonvent zum Rosenbaum, S. 940f.

Konvent zur Kanne Für das Jahr 1331 wird in der LiteraturKranzbühler, S. 111., ohne dass diese auf eine Primärquelle rekurriert, der Konvent Zur Kanne erwähnt. Er befand sich in der Wollgasse (heute: Wollstraße).Wolf: Beginen in Worms, S. 36f.

Konvent der Willigen Armen Der Beginenkonvent der Willigen Armen zum Rindsfuß ist zwischen 1338 und 1360 bezeugt. Weder ist der Zeitpunkt der Gründung bekannt noch etwas zu dessen Ende. Das Haus zum Rindsfuß lag an der Nordseite der Korngasse, direkt gegenüber dem Haus zum Morlin. Eventuell siedelte der Konvent dorthin über.Klapp: Worms. Beginenkonvent der Willigen Armen, S. 945f.

Klause bei St. Silvester