Der Lebensmittelverband Deutschland ist der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit Sitz in Berlin.

Laut Lobbyregister beim Deutschen Bundestag gab der Verband rund 1,25 Millionen Euro im Jahr 2024 für Lobbyismus im Umfeld der Bundesregierung aus.

Geschichte Der Verband geht zurück auf den Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler (kurz Nürnberger Bund), der von 1901 bis 1945 bestand und 1955 als Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde wiedergegründet wurde.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland: Bund für Lebensmittelrecht und LebensmittelkundeLebensmittelverband Deutschland: Verbandsgeschichte.Lebensmittelverband Deutschland: Satzung (Auflage 2019) Die ursprüngliche Gründungsversammlung fand am 19. Mai 1901 im Frankfurter Hof in Frankfurt am Main statt, die Versammlung zur Wiedergründung am 10. März 1955 im Grand-Hotel Fürstenhof in Nürnberg.Hans-Jürgen Rabe (2005): 50 Jahre BLL. In: BLL (Hrsg.): In Sachen Lebensmittel: 50 Jahre BLL. Ansprachen und Vorträge anlässlich der Jahrestagung 2005. Memento vom Original online unter: . Abgerufen am 16. Juni 2014.Lebensmittelverband Deutschland (10. März 2020): 65 Jahre Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft.

Name 1901–1936: Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler 1936–1945: Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht 1955–2019: Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde seit 2019: Lebensmittelverband Deutschland

Vorläuferorganisation: Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler Vertreter der deutschen Lebensmittelindustrie und des Lebensmittelhandels gründeten am 19. Mai 1901 im Frankfurter Hof in Frankfurt am Main den Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. als Dach- beziehungsweise Spitzenverband mit dem Ziel, die Interessen der beiden Bereiche der Lebensmittelkette zu stärken. Der Lebensmittelchemiker Robert Kayser wurde als erster Geschäftsführer bestimmt. Die Geschäftsstelle lag in Nürnberg, weshalb der Verband später die Kurzform Nürnberger Bund erhielt. Ab 1. Mai 1903 gab der Verband die Deutsche Nahrungsmittel-Rundschau als Verbandszeitschrift heraus. Am 7. Dezember 1902 beschloss der Verband auf seiner zweiten Mitgliederversammlung die Herausgabe eines gemeinsamen Regelwerks für die Branche. Als Ergebnis erschien im Herbst 1905 das Deutsche Nahrungsmittelbuch.Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. (Hrsg.) (1905): Deutsches Nahrungsmittelbuch. Verlag Carl Winter, Heidelberg.

Die Bayerische Staatszeitung fasste das Wirken des Verbandes in einem späteren Artikel wie folgt zusammen:Bayerische Staatszeitung (14. November 1953): Selbsthilfe in der Ernährungsindustrie. Zitiert nach: Deutsche Lebensmittel-Rundschau. 50. Jhg, Nr. 1, 1954. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 26–28.

Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus war der Verband von der Gleichschaltung und Umstrukturierung des Verbandswesens betroffen: 1934 erkannte der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft die Wirtschaftsgruppe Lebensmittelindustrie innerhalb der Reichsgruppe Industrie als alleinige Vertretung ihres Wirtschaftszweigs an. Die Fachgruppen und Fachuntergruppen der WG Lebensmittelindustrie traten anstelle der freien Verbände. Der Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler wurde als Zweck- bzw. Fachverband für rechtliche und wissenschaftliche Fragen angesehen und durfte weiter bestehen, verlor aber seine wirtschaftspolitische Funktion.Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. (31. Januar 1936): Hauptversammlung des Bundes Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V. am 20. Januar 1936 in der Industrie- und Handelskammer zu Berlin. In: Bund Deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und -Händler e. V./Wirtschaftsgruppe Lebensmittelindustrie (Hrsg.): Deutsche Lebensmittel-Rundschau. Nr. 2/1936, S. 1–20. Darauf folgend wurde der Verband mit einer am 2. Dezember 1936 beschlossenen Satzungsänderung in Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V. umbenannt.Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V. (Hrsg.) (1936): Deutsche Lebensmittel-Rundschau. Nr. 23, 1936, S. 284. Seine Verbandszeitschrift Deutsche Nahrungsmittel-Rundschau (ab Januar 1936 Deutsche Lebensmittel-Rundschau) musste der Verband ab 1936 gemeinsam mit der Wirtschaftsgruppe Lebensmittelindustrie herausgeben.Bund Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V. (Hrsg.) (1936): Deutsche Lebensmittel-Rundschau. Nr. 2, 1936, S. 1–2. Nach Kriegsende im Jahr 1945 wurde der Verband aufgelöst.BLL (Hrsg.): 60 Jahre – 60 Stimmen. Deutscher Fachverlag, 2015 Frankfurt am Main. ISBN 978-3-8005-1610-0, S. 14–15.

Wiedergründung 1955 als Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde Von 1949 bis 1953 nahm sich übergangsweise ein Ausschuss für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht in der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie der Aufgaben des Nürnberger Bundes an. Am 20. November 1953 teilte dieser jedoch mit, dass er „nach Fühlungnahme mit den verschiedenen Stufen der Ernährungswirtschaft und mit den Vertretern der Wissenschaft die Wiedererrichtung des ‚Bundes Deutscher Lebensmittel-Fabrikanten und -Händler für Lebensmittelkunde und Lebensmittelrecht e. V.‘, abgekürzt ‚Nürnberger Bund‘, für dringend erforderlich“ hielt.Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (20. November 1953): „Nürnberger Bund“ in Neugründung. In: Mitteilungen der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie vom 20. November 1953. Zitiert nach: Deutsche Lebensmittel-Rundschau. 50. Jhg, Nr. 1, 1954. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, S. 27f. Am 29. April 1954 fand eine Versammlung zur Vorbereitung der Wieder- bzw. Neugründung statt.„Nürnberger Bund“ in Neugründung. In: Die Stärke. 6. Jahrgang. Nr. 5/1954, S. 115. Online unter: . Im Februar 1955 wurde zur Generalversammlung für die Neugründung im März 1955 eingeladen.

Am 10. März 1955 wurde der Verband unter dem Namen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. von Vertretern aus Lebensmittelindustrie, -handwerk und -handel wiedergegründet. Aus Traditionsgründen fand die Gründungsversammlung in Nürnberg statt, wo die Geschäftsstelle des Vorgängerverbands bestanden hatte. Zum Präsidenten wurde Walter Kraak (Dr. Oetker) gewählt, der das Amt bis 1979 innehatte.

Von 1955 bis 1977 bestand eine Personalunion der Geschäftsführung von Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) und Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Die Verzahnung wurde 1977 aufgelöst. 1994 wurden die Geschäftsstellen erneut zusammengelegt und ab 1. Mai 1994 beide Verbände von einem Hauptgeschäftsführer in Personalunion geführt.BLL/Wilhelm Gieseke (2015): Das „Zusammenleben“ von BLL und BVE. Memento vom Original online unter: .BLL/Marcus Girnau (Hrsg.) (2013): Festschrift für Matthias Horst. Hamburg: Behr’s Verlag, S. VII.

mini|rechts|Messestand des Lebensmittelverbands Deutschland auf der Internationalen Grünen Woche 2020 in Berlin Seit 1998 ist der Verband jährlich gemeinsam mit der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie auf der Internationalen Grüne Woche in Berlin vertreten. Von 2007 bis 2012 lautete das Thema des Gemeinschaftsstands der beiden Verbände „Power fürs Leben – Essen und Bewegen“, von 2013 bis 2017 „Dialog Lebensmittel“, von 2018 bis 2021 „Wie schmeckt die Zukunft?“.Internationale Grüne Woche (5. Januar 2017): .BLL: Veranstaltungen/Messen. Letzter Zugriff: 5. Januar 2018Fleischwirtschaft (8. Dezember 2017): IGW – Wie schmeckt die Zukunft?.

Im Januar 1999 eröffnete der Verband ein Büro in Brüssel.

Im August 2010 verlegte der Verband den Sitz seiner Geschäftsstelle vollständig von Bonn nach Berlin, wo seit 2005 ein Hauptstadtbüro bestanden hatte.

Im Januar 2019 startete der Verband mit dem Lebensmittelmagazin ein Online-Magazin.Online-Magazin lebensmittelmagazin.de

Im Mai 2019 beschloss der Verband mit einer auf seiner Mitgliederversammlung entschiedenen Satzungsänderung die Umbenennung in Lebensmittelverband Deutschland.Lebensmittel Zeitung (9. Mai 2019): BLL benennt sich um und beruft neuen Präsidenten.Food Service (9. Mai 2019): Spitzenverband stellt sich neu auf.

Geschichte in den 2020er Jahren Im Jahr 2020 startete der Lebensmittelverband Deutschland mit dem Tag der Lebensmittelvielfalt am 31. Juli eine PR-Kampagne als jährlichen Awareness- und Aktionstag. Am ersten Termin beteiligte sich neben zahlreichen deutschen Verbänden und Unternehmen wie dem Deutschen BauernverbandDeutscher Bauernverband (31. Juli 2020): Lebensmittelvielfalt beginnt auf dem Land, Deutschen RaiffeisenverbandDeutscher Raiffeisenverband (30. Juli 2020): Genossenschaften sind Garanten für Abwechslung auf Feld und Teller- Rahmenbedingungen müssen stimmen. oder Coca-Cola DeutschlandGastroinfoportal.de (31. Juli 2020): Coca-Cola feiert den Tag der Lebensmittelvielfalt. auch der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie) der Wirtschaftskammer Österreich.Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie (Lebensmittelindustrie) der Wirtschaftskammer Österreich (29. Juli 2020): Tag der Lebensmittelvielfalt am 31.7. Neue Initiative gestartet.

Der Verband startete 2024 eine Lobbykampagne gegen die Einführung einer Zuckersteuer, und wendet sich damit gegen Forderungen für höhere Steuern für Zucker, Alkohol und Tabak der Kassenärztliche Vereinigung.

Profil Zu den Mitgliedern zählen nach Angaben des Verbandes 80 Interessenverbände, 250 Unternehmen sowie 150 Einzelmitglieder und korporative Mitglieder. Sie kommen aus den Bereichen Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelindustrie, Lebensmittelhandel, Zulieferbereiche, Verpackungsindustrie, Chemische Industrie, private Untersuchungslaboratorien, Anwaltskanzleien und Verlage.vgl. Zur Finanzierung werden keine Zahlen bekanntgegeben.

Es gibt Verbandsbüros in Berlin und Brüssel.

Organisationsstruktur Mitgliederversammlung und Kuratorium Die ordentliche Mitgliederversammlung, die einmal pro Jahr stattfindet, trifft die Grundsatzentscheidungen des Verbands. Sie wählt das Kuratorium, das eine beratende Funktion hat und Entscheidungen über grundsätzliche inhaltliche und politische Fragen trifft. Das Kuratorium besteht aus 32 Personen aus allen Bereichen der Mitgliedschaft sowie dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses.

Vorstand Ein wichtiges Organ des Lebensmittelverbands ist der Vorstand. Dieser besteht aus dem Präsidenten und bis zu sieben Stellvertretern (je zwei aus den Bereichen Lebensmittelindustrie und Lebensmittelhandel sowie je einer aus den Bereichen Lebensmittelhandwerk und Landwirtschaft) sowie dem Schatzmeister.

Präsidenten des Verbands waren seit der Neugründung 1955: 1955–1979: Walter Kraak, Dr. Oetker (Ehrenpräsident) 1979–1984: Rudolf Auf dem Hövel, Deutsches Tiefkühlinstitut (Ehrenmitglied) 1984–1998: Karl Schneider, Südzucker (Ehrenpräsident) 1998–2001: Manfred Nekola, Nestlé Deutschland 2001–2010: Theo Spettmann, Südzucker 2010–2014: Werner Wolf, Bitburger Braugruppe 2014–2019: Stephan Nießner, Ferrero Deutschland (Ehrenmitglied) 2019–2021: Philipp Hengstenberg, Hengstenberg seit 2021: René Püchner, Capri Sun Vertriebs GmbH

Hauptgeschäftsführung Die Hauptgeschäftsführung setzt sich aus einem Hauptgeschäftsführer und einem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer zusammen. Aktueller Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands ist Christoph Minhoff. Stellvertretender Hauptgeschäftsführer ist Marcus Girnau.

Hauptgeschäftsführer des Verbands waren seit der Neugründung 1955: 1955–1976: Günther Klein 1977–1982: Gerhard Hein 1983–2012: Matthias Horst seit 2012: Christoph Minhoff

Kritik