mini|250px|Das Apollo Kino in Mariahilf ist das einzige Multiplex-Kino Wiens, das sich im dicht verbauten innerstädtischen Gebiet befindet. Mit 2.160 Sitzplätzen in 12 Sälen ist es zugleich eines der größten Kinos der Stadt.
Der Artikel Kino und Film in Österreich befasst sich mit der Filmwirtschaft sowie den Filminstitutionen, Auszeichnungen, Archivierung, Filmförderung und anderen damit zusammenhängenden Aspekten.
Geschichte Überblick
Trotz wissenschaftlicher und unternehmerischer Pionierleistungen im 19. Jahrhundert, auf welche einige wesentliche Entwicklungen in der Filmtechnik zurückgehen, entwickelte sich die Filmwirtschaft in Österreich anfangs nur sehr langsam. Die ersten Kinos eröffneten nach der Jahrhundertwende in der Habsburger Monarchie, erste Kurzspielfilme erschienen 1906. Ab 1910 nahm die Produktion rasch zu und erreichte in der Republik Deutsch-Österreich zwischen 1918 und 1923, gefördert durch die Isolation von wichtigen Filmnationen während des Ersten Weltkriegs und begünstigt durch die Inflation, ihren Höhepunkt. Österreich, das wie das republikanische Deutsche Reich den Ausnahmefall einer gestärkten Filmindustrie nach dem Weltkrieg darstellte, zählte in diesen Jahren zu den führenden Filmproduzenten der Welt, mit der Sascha-Film als einem der größten Produzenten Europas.
Ab den 1920er-Jahren wird die Weimarer Republik mit der aufstrebenden Filmmetropole Berlin ein beliebter Anziehungspunkt für Filmschaffende aus Österreich. Regisseure wie Max Reinhardt, Fritz Lang und G. W. Pabst feierten dort ihre größten Erfolge – viele weitere Filmschaffende, etwa Josef von Sternberg, Richard Oswald, Fritz Kortner und Peter Lorre standen ihnen nur wenig nach. Mit Beginn der Hitler-Diktatur 1933 emigrierten viele Juden und andere Nazi-Verfolgte zuerst nach Österreich und ab 1938, nach dem Anschluss der Heimat Hitlers an das Deutsche Reich, meist über Umwege, in die USA. Neben den bereits genannten Auswanderern befanden sich weitere deutsche Filmgrößen aus dem vormaligen Österreich, wie Billy Wilder, Fred Zinnemann und Otto Preminger darunter. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wien neben München und Berlin zur Hauptproduktionsstätte von nationalsozialistischen Spiel- und Propagandafilmen. Versuche, durch starken Geschichts- und Wien-Bezug dem nationalsozialistischen Propaganda-Auftrag weitgehend auszuweichen, gelang nur bedingt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg in der wieder errichteten Republik Österreich besann man sich auf positive Stimmung verbreitende Heimatfilme und Komödien. Erst ab den 1960er-Jahren konnte mit dem Niedergang der althergebrachten Filmindustrie wieder Neues entstehen. Der Avantgardefilm nahm hierbei die Rolle als Wegbereiter für den Neuen Österreichischen Film ein. Nach langjährigen Forderungen der Filmschaffenden nach einer staatlichen Filmförderung wurde dieser Wunsch 1980 erfüllt. In den 1980er-Jahren entwickelte sich eine neue durch Vielfältigkeit und häufig durch Kritik an gesellschaftspolitischen Themen gekennzeichnete Filmszene. Parallel dazu blühte die Filmkomödie mit Kabarettisten als Hauptdarstellern auf und erreichte in den 90er-Jahren ihren Höhepunkt. Das alternative, zumeist auf Dramen fokussierte Filmschaffen ist im Gegensatz zu den Komödien im Inland weniger populär, erreicht aber seit Ende der 1990er-Jahre vermehrt auf internationalen Filmfestivals Präsenz und Auszeichnungen.
Gegenwärtige Entwicklung Kino-Erstaufführungen in Österreich Jahr GesamtGesamtanzahl erstverliehener Filme und Kinobesuche laut Nielsen EDI 2000–2005, vgl. , S. 31Gesamtanzahl erstverliehener Filme und Kinobesuche laut Nielsen EDI 2006–2009, vgl. , November 2010, S. 41, S. 9, 41 davon mit ö.BeteiligungFilme mit Beteiligung einer österreichischen Produktionsgesellschaft, vgl. FilmwirtschaftsberichteAnzahl und Produktionsaufteilung erstaufgeführter österreichischer Kinofilme 2004–2007, vgl. Filmwirtschaftsbericht 2008, Dezember 2008, facts + figures 2007 (S. 19) davon mehr-heitlich ö.Filme die vollständig oder mehrheitlich in österreichischer Produktion hergestellt wurden, vgl. Filmwirtschaftsberichte 2000 219 k. A. 17 2001 233 k. A. 12 2002 251 k. A. 26 2003 269 k. A. 20 2004 280 32 24 2005 300 30 24 2006 296 33 33 2007 302 32 25 2008 268 30 27 2009 339 35 28 2010 425 46 35 2011Österreichisches Filminstitut: , S. 54 (Link abgerufen am 8. März 2015) 318 54 37 2012Österreichisches Filminstitut: , S. 37 u. 42 (Link abgerufen am 8. März 2015) 360 54 42 2013Österreichisches Filminstitut: , S. 38 u. 44 (Link abgerufen am 8. März 2015) 344 46 40
Die Zeit um die Jahrtausendwende brachte eine Internationalisierung des Films aus Österreich mit sich. Barbara Albert markierte 1999 mit Nordrand den Beginn einer neuen Ära international beachteten Filmschaffens. Als erste österreichische Produktion seit 1948 wurde der Film für den Hauptpreis der Filmfestspiele von Venedig nominiert, und die Hauptdarstellerin Nina Proll erhielt den Marcello-Mastroianni-Preis als „beste Nachwuchsschauspielerin“. Angesichts der zunehmenden Festivalpräsenz und Auszeichnungen österreichischer Filme in den folgenden Jahren – etwa Michael Hanekes Die Klavierspielerin (2001), Ulrich Seidls Hundstage (2001), Virgil Widrichs Copy Shop (2002), um einige der international meistbeachteten zu nennen – wird Nordrand in der Filmwissenschaft gerne als Wendepunkt des österreichischen Filmschaffens betrachtet. So bezeichnet der US-amerikanische Filmwissenschaftler Robert von Dassanowsky Nordrand als jenen Film, der die Prophezeiung des Hollywood Reporters von 1997, der österreichische Film sei bereit, ein internationales Profil anzunehmen („[...] Austrian film ‚is ready to take on an international profile‘“), erfüllte.Robert von Dassanowsky: Austrian Cinema: A history. McFarland & Company, Jefferson/North Carolina 2005, ISBN 0-7864-2078-2, S. 268
Diese Wende im Filmschaffen – also jene Professionalisierung und Stilbildung eines vorwiegend jüngeren Teils der Filmschaffenden, die deutsche Filmproduktionen aus Österreich auch internationale Beachtung einbringen – ist zum Teil auf die österreichische Filmförderung zurückzuführen, zum Teil auf die gute Ausbildung, wenngleich es mit der Filmakademie Wien nur eine nennenswerte Einrichtung dieser Art in Österreich gibt. Nicht zuletzt aber sind die Erfolge natürlich auf das vorhandene kreative Potential, dass sich in der heutigen, losen Struktur der Filmproduktionswirtschaft besser entfalten kann als in den vergangenen Jahrzehnten. Dennoch kritisieren namhafte Filmschaffende wie Franz Novotny oder Virgil WidrichGesprächsrunde in Treffpunkt Kultur, ORF 2, 27. November 2006 die österreichische Filmpolitik, die ihrer Ansicht nach zwar viele Talente hervorbringe, jedoch zu wenig Fördergelder bereitstelle, um deren Potential auszuschöpfen. Viele weitere beim österreichischen Film tätige Persönlichkeiten treten ebenfalls für eine Erhöhung der Filmförderung ein und nennen häufig das Beispiel Luxemburg, wo die hohen Filmförderungen nicht nur der luxemburgischen Filmkultur zugutekommen, sondern über die Wertschöpfungskette als Vielfaches auch die nationale Wirtschaft fördern und in weiterer Folge über vermehrte Steuereinnahmen auch wieder an den Staat zurückfließen.
Dies ist auch ein Grund, warum viele junge Filmschaffende ihre eigenen Filmproduktionsgesellschaften gegründet haben – etwa coop99 und Amour Fou, die bereits international erfolgreiche Produktionen hervorgebracht haben – da große Produzenten ohne ausreichend Förderung nur ein begrenztes wirtschaftliches Risiko einzugehen bereit sind. Österreich zählt beim Besucheranteil bei heimischen Produktionen europaweit zu den Schlusslichtern. Nur rund drei Prozent aller Kinobesucher eines Jahres sind auf österreichische Filme zurückzuführen, was nicht zuletzt an der geringen Bereitschaft – oder im Falle kleinerer Verleihe oder Selbstverleihe, an der finanziellen Fähigkeit – zu ausreichenden Werbemaßnahmen für einheimische Produktionen liegt. Die Bekanntheit des Spektrums österreichischen Filmschaffens ist in der Bevölkerung dementsprechend gering – und somit auch das Interesse und die Akzeptanz. Zahlreiche Festivalteilnahmen, die seit den späten 1990er-Jahren auch immer öfter mit Auszeichnungen gewürdigt werden (zuletzt gab es Oscars für Die Fälscher und Amour), sorgten jedoch für eine gesteigerte Wahrnehmung österreichischer Filme.
Kinobesuche in Österreichin Millionen Jahr gesamt(AKM)die AKM misst „alle Vorführungen, also auch Sonderformen wie Sommer-, Saisonkino oder geschlossene bzw. nichtkommerzielle Vorstellungen“, zitiert aus: Filmwirtschaftsbericht 2008, S. 23 Fachverband der Lichtspieltheater und Audiovisionsveranstalter (abgerufen am 9. Jänner 2011) gesamt(Rentrak)Zahlen in der Tabelle bis 2010 von ACNielsen. Diese erfassten „ausschließlich Ergebnisse gewerblicher Auswertungen“, zitiert aus: Filmwirtschaftsbericht 2008, S. 23; seit 2011 werden die Zahlen von Rentrak bezogenGesamtanzahl erstverliehener Filme und Kinobesuche laut Nielsen EDI 2004–2008, vgl. für 2009: Zahlen laut Rentrak österr. Filme(Rentrak)Besucheranteil von Filmen mit österreichischer Produktionsbeteiligung, Anteil an den Gesamtbesucherzahlen eines Jahres laut Nielsen EDI; Prozent-Berechnungen beziehen sich auf ungerundete, vollständige Zahlen, die den genannten Quellen zu entnehmen sind.Besucherzahlen österreichischer Filme 1997–2004, vgl. , S. 33Besucherzahlen österreichischer Filme 2005–2008, vgl. Filmwirtschaftsberichte 2007 f+f 2005 (S. 44), (S. 9), 2008 (S. 9), 2009 (S. 34) und 2010 (S. 32) 2000 k. A. 15,19 0,27 (1,8 %) 2001 18,98 17,66 0,38 (2,2 %) 2002 19,25 18,24 0,65 (3,6 %) 2003 17,74 16,57 0,25 (1,5 %) 2004 19,38 18,30 0,50 (2,7 %) 2005 15,68 15,07 0,41 (2,7 %) 2006 17,34 16,71 0,45 (2,7 %) 2007 15,69 14,88 0,30 (2 %) 2008 15,63 14,83 0,97 (6,6 %) 2009 18,42 18,07 1,39 (7,7 %) 2010 17,32 16,45 0,73 (5,1 %) 2011 16,78 15,75 0,45 (3,6 %) 2012 16,74 16,40 0,58 (3,5 %) 2013 15,84 15,18 0,52 (3,4 %)
Da häufig Dramen, Dokumentationen oder Geschichten um menschliche Abgründe besonders beachtete Produktionen aus Österreich sind, bezeichnete die New York Times anlässlich einer Filmreihe im New Yorker Lincoln Center Österreich als, frei übersetzt, „Welthauptstadt des Schlechtfühl-Kinos“The New York Times, Dennis Lim, 27. November 2006; „world capital of feel-bad cinema“; (Artikel online) Gezeigt wurden dort unter anderem Barbara Alberts Nordrand (1999), Michael Hanekes Das Schloss (1997) und Die Klavierspielerin (2001), Nikolaus Geyrhalters Elsewhere (2001), Ulrich Seidls Models (1999) sowie Michael Glawoggers Workingman’s Death (2005) und Slumming (2006). Die „hervorragende Qualität der neuen Welle des österreichischen Kinos“ beruhe auf dem „Willen zur Konfrontation mit dem Verächtlichen und der Betonung des Negativen“.The salient quality of Austrian film's new wave is its willingness to confront the abject and emphasize the negative. Ebenfalls im selben Artikel wird auch Michael Haneke als jener Regisseur gewürdigt, dem, seit Der siebente Kontinent (1989) bis zur Gegenwart, das größte Verdienst um die internationale Beachtung des österreichischen Films zukommt.
Filmschaffende Während unter den Filmschauspielern nur wenige regelmäßig Hauptrollen in Kinofilmen einnehmen, womit „Stars“ des heimischen Kinos nur schwer auszumachen wären, gibt es unter den Regisseuren gleich eine Vielzahl von häufig auch international renommierten Filmschaffenden. Viele der Regisseure sind häufig auch Autoren ihrer Drehbücher.
Andere bedeutende Filmschaffende finden sich etwa unter den Kameraleuten, wo sich mit Christian Berger ein erfolgreicher Vertreter findet.
Regie