mini|hochkant=1.2|Luftbild von Schwerin mini|hochkant=1.2|Skyline von Schwerin mini|hochkant=1.2|Stadtansicht mit Dom St. Marien und St. Johannis und dem Schweriner Schloss
Schwerin ([] oder [], mecklenburgisch Swerin) ist die Hauptstadt des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die kreisfreie Mittelstadt ist die kleinste Landeshauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und zugleich die einzige, die keine Großstadt ist. Schwerin ist nach Rostock die zweitgrößte Stadt und eines der vier Oberzentren des Bundeslandes und aktuell (Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2023) die größte Mittelstadt Deutschlands.
Schwerin wurde im Jahr 1018 erstmals als Wendenburg erwähnt und erhielt 1164 von Heinrich dem Löwen deutsche Stadtrechte. Damit ist sie die älteste Stadt im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Die Stadt dehnte sich im Laufe der Zeit am West- und Südufer des Schweriner Innensees aus, insgesamt befinden sich zwölf Seen innerhalb des Stadtgebietes. Ausgangspunkt der Stadtentwicklung war die Stelle mit dem heutigen Wahrzeichen der Stadt, dem Schweriner Schloss und dem Schlossgarten; es befindet sich auf einer Insel zwischen Schweriner See und Burgsee mit der Schlosskirche von 1560. Das Schloss war bis 1918 die Hauptresidenz der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge und das Machtzentrum des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin, das 1919 zum demokratischen Freistaat wurde. Seit 1990 ist das Schloss Sitz des Landtags. Es war mit seinen umgebenden Gärten der Hauptveranstaltungsort der Bundesgartenschau 2009. Seit dem 27. Juli 2024 gehört das Schweriner Schloss mit dem historisch einmaligen Residenzensemble Schwerin zum UNESCO-Weltkulturerbe. In die Liste wurden neben dem Schloss auch weitere 37 Gebäude außerhalb der Schlossinsel in der Stadt Schwerin aufgenommen. Daneben zeichnet sich Schwerin durch seine – für eine deutsche Stadt dieser Größe ungewöhnlich gut erhaltene – Altstadt, die angrenzende Schelfstadt, das Kurviertel Zippendorf und weitere historische Viertel mit vielen Baudenkmalen aus.
Wirtschaftlich dominieren Technologieunternehmen, Behörden, die Deutsche Bahn, Maschinenbau und Materialverarbeitung, Konsumproduktion, Gesundheitswirtschaft und Kliniken, Dienstleistungsbetriebe, zunehmend auch der Tourismus und die Kultur- und Kreativwirtschaft. Zudem ist Schwerin Hochschulstandort mit rund 600 Studierenden, darunter die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit und die Vitruvius Design-Hochschule. Sportlich ist Schwerin seit Fritz Sdunek als Boxerstadt und durch den zwölffachen deutschen Meister Schweriner SC als Volleyballstadt bekannt.
Geografie Überblick mini|hochkant|Das Schweriner Schloss, Wahrzeichen der Stadt und Mecklenburg-Vorpommerns sowie Sitz des Landtags, wurde auf einer eigenen Insel im Schweriner See errichtet.
Schwerin liegt im Westen des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Südwestufer des Schweriner Sees in einer waldreichen Seenlandschaft. Weitere Seen im Stadtgebiet sind der Burgsee, der Faule See, der Grimkesee, der Heidensee, die Große Karausche, der Lankower See, der Medeweger See, der Neumühler See, der Ostorfer See, der Pfaffenteich und der Ziegelsee. Fließgewässer sind der Aubach, dessen Wasser über die Verbindung mehrerer Seen den Schweriner See speist, der Krebsbach, ein Zufluss in den Ostorfer See mit einem Rundweg und die Stör, der zur Wasserstraße ausgebaute natürliche Abfluss des viertgrößten deutschen Sees.
Die Einwohner bezeichnen Schwerin gerne als die „Stadt der sieben Seen und Wälder“. Diese Bezeichnung geht auf eine Zeit zurück, als Schwerin noch nicht seine heutige geografische Ausdehnung hatte und tatsächlich von nur sieben Seen umgeben war. Die weitläufigen Wälder mussten nach und nach der städtebaulichen Entwicklung weichen, zahlreiche Waldreste sind vor allem an den Ufern der Seen erhalten geblieben. Von den 130,46 km² Stadtfläche sind 28,9 Prozent mit Wasser und 18,5 Prozent mit Wald bedeckt.Geografische Angaben auf www.schwerin.de Die Höhe der Stadt über dem Meeresspiegel beträgt 38 Meter an den Ufern des Schweriner Sees und 86,1 Meter auf dem Weinberg im Stadtteil Neumühle.
Die nächsten größeren Städte sind Lübeck ca. 54 Kilometer nordwestlich, die Regiopole Rostock ca. 69 Kilometer nordöstlich und Hamburg rund 94 Kilometer westlich. Raumplanerisch gehört das Oberzentrum Schwerin zur Region Westmecklenburg (mit Wismar als bedeutendem Zentrum an der Ostseeküste); es wurde 2016 Bestandteil der Metropolregion Hamburg.Schwerin wird Teil der Metropolregion Hamburg, Hamburger Abendblatt, 20. Mai 2016.
Nachbargemeinden Die Stadt Schwerin grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten am Ostufer des Schweriner Sees): im Landkreis Ludwigslust-Parchim: Leezen, Raben Steinfeld und Plate (Amt Crivitz), Lübesse (Amt Ludwigslust-Land), Holthusen, Pampow, Klein Rogahn und Wittenförden (alle Amt Stralendorf) im Landkreis Nordwestmecklenburg: Brüsewitz, Pingelshagen, Klein Trebbow, Seehof und Lübstorf (Amt Lützow-Lübstorf)
Stadtgliederung mini|Schelfstadt, ein zentraler Stadtteil von Schwerin mit eigener Altstadt mini|Historische Altstadt rund um den Dom
Das Stadtgebiet Schwerins ist gemäß § 11 Abs. 2 der Hauptsatzung in derzeit 17 Ortsteile mit je einem Ortsbeirat eingeteilt. Die Ortsteile bestehen aus einem oder mehreren Stadtteilen. Die Ortsbeiräte haben je nach Einwohnerzahl zwischen 5 und 15 Mitglieder. Sie werden nach jeder Kommunalwahl von der Stadtvertretung für die Dauer der Wahlperiode der Stadtvertretung bestimmt. Die Ortsbeiräte sind zu wichtigen, den Ortsteil betreffenden Angelegenheiten zu hören und haben ein Initiativrecht. Die endgültigen Entscheidungen trifft jedoch die Stadtvertretung der Gesamtstadt.
Die 17 gegenwärtigen Ortsteile mit ihren zugehörigen Stadtteilen:
Südlich des Stadtteils Neumühle befindet sich eine etwa 12 Hektar große Enklave, die zur Gemeinde Klein Rogahn gehört.
Geologie Schwerin liegt nördlich einer Eisrandlage der Weichseleiszeit. Das Relief wurde durch verschiedene Phasen und Staffeln des Brandenburger Stadiums der Weichselvereisung geprägt. Es existieren kuppige Grund- und Endmoränenzüge im Westteil und ein Sanderbereich im Süden und Osten der Stadt. Die Anhöhen der Endmoräne im Westen erreichen bei Neumühle .
Ein Teil der Seen, wie der Lankower und der Neumühler See, entstand nach Rückgang des Eises aus ehemaligen Schmelzwasserrinnen, die sich dauerhaft mit Wasser füllten.
Der Schweriner See liegt in einer vorpleistozänen Senke, die sich von Wismar bis zur Lewitz erstreckt. Als Zungenbecken ausgeformt wurde das Gewässer in der Frankfurter Phase der Weichseleiszeit. Das Gletschertor mit Schmelzwasserabfluss in Richtung Elbe-Urstromtal bestand dabei im Bereich Mueß. Spätere glaziale Phasen hinterließen Moränenmaterial im See, wie etwa in Höhe des Paulsdamms, der Innen- und Außensee abtrennt, sowie zu den heute anliegenden Seen, wie etwa dem Ziegelsee.Landschaftsplan der Landeshauptstadt Schwerin (PDF; 107 kB).
Klima In Schwerin herrscht ein gemäßigtes Klima. Das Temperatur-Jahresmittel von 1991 bis 2021 betrug 9,6 °C, nach zuvor 8,4 °C zwischen 1961 und 1990. Die Differenz der Mitteltemperatur des wärmsten und kältesten Monats lag bei 17,4 Grad. Durchschnittlich fielen je Jahr und Quadratmeter 723 Millimeter Niederschlag. Im Vergleich zum Nordwesten Deutschlands ist das Frühjahr kühler, bedingt durch raue Nordostwinde. Die Sommerhitze wird durch die Nähe zur Ostsee abgemildert, dieses Gewässer wirkt im Herbst wärmend.
Geschichte Namenserklärungen Die Stadt wurde um 1012/18 als Zuarina das erste Mal bei Thietmar von Merseburg erwähnt. Helmold von Bosau nannte es 1160 Zuerin, Zwerin. Die Pöhlder Annalen nennen den Ort 1160 Zuarin (-ensis) und die Steterburger 1174 Zvarin. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Ort Swerin genannt (bis heute üblich im mecklenburgischen Platt), und seit dem 16. Jahrhundert SuerinAtlas des Bertram Christian von Hoinckhusen um 1700 Suerin. Quelle: Landeshauptarchiv Schwerin. oder offiziell Schwerin.
Eine indirekte Ersterwähnung könnte früher gelegen haben: ein Reisebericht des Chronisten Ibrahim ibn Yaqub, Gesandter des Kalifen von Córdoba (Spanien), erwähnte um 973 eine Slawenburg, die mit Schwerin identisch sein könnte.
Der Name soll mit polabisch zvěŕ für wildes Tier oder zvěŕin für Wildgehege, Tiergarten oder Pferdegestüt zusammenhängen. Spekulationen über eine Abstammung des Ortsnamens vom slawischen Gott Svarog (Swarzyn, Ort des Svarog) sind nicht belegbar.Ernst Eichler: Städtenamenbuch der DDR. Leipzig 1988, S. 252.
Abweichend davon wurde der Name vom altgermanischen Wort swaran (verteidigen, stammverwandt mit schwören) hergeleitet, das erst später von einwandernden Slawen im Sinne von zvěŕ umgedeutet worden sein könnte.H.-D. Kahl: Schwerin, Svarinshaug und die Sclauorum ciuitas des Prudentius von Troyes. In: Beitrag zur Stadt- und Regionalgeschichte Ost- und Nordeuropas. Wiesbaden 1971, S. 49–125.
Wie alle slawischstämmigen Ortsnamen im nordöstlichen Mitteleuropa, die auf -in enden (Berlin, Stettin, Eutin, Templin, Küstrin usw.), wird auch Schwerin auf der letzten Silbe betont.
Auch der lateinische Name Suerina bzw. Suerinum fand und findet für Schwerin Verwendung.
Die Hauptsatzung der Stadt Schwerin bestimmt die Bezeichnung „Landeshauptstadt“ als Namenszusatz vor dem Städtenamen.Hauptsatzung auf schwerin.de (PDF).
Besiedlung, Stadtgründung und Grafschaft Das heutige Stadtgebiet war schon früh besiedelt. Bei Ausgrabungen auf dem Schweriner Marienplatz fanden sich Werkzeuge, die auf etwa 1000 bis 600 v. Chr. datiert wurden.3000 Jahre Stadtgeschichte auf der Großbaustelle. In: Schweriner Volkszeitung. 9. Mai 2009. Eine anschließende germanische Besiedlung ist durch den Fund eines Brunnens aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. belegt.Mit der Leiter zu den Germanen. In: Schweriner Volkszeitung. Lokalseite Schwerin, 25. April 2009
Nach 700 n. Chr. siedelten sich Slawen im Gebiet des heutigen Schwerin an. Der jüdischstämmige spanisch-maurische Handlungsreisende Ibrāhīm ibn Yaʿqūb berichtete 965 von einer Burg in einem Süßwassersee, die von Historikern an der Stelle des heutigen Schwerins vermutet wird. Grabungsfunde auf der Schlossinsel bestätigen zumindest die Existenz eines slawischen Burgwalles in dieser Zeit.Sensationsfund. Schwerin älter als gedacht. In: Schweriner Volkszeitung. Lokalseite Schwerin, 7. Oktober 2014. Er konnte dendrochronologisch auf 941/942 datiert werden.Marlies Konze, Detlef Jantzen: Die slawische Burg Schwerin. In: Archäologie in Deutschland 6 (2015) 72 f., hier: S. 71. 1018 rettete sich der christliche Abodritenfürst Mistislaw vor einem Angriff der Lutizen in die Burg Schwerin, die er anschließend aber aufgeben musste.Thietmar von Merseburg: Chronik Buch VIII, Kap. 5.