mini|hochkant|Adam Weishaupt Johann Adam Weishaupt (* 6. Februar 1748 in Ingolstadt; † 18. November 1830 in Gotha) war ein deutscher Rechtswissenschaftler, Freimaurer, Autor, Hochschullehrer und Philosoph. Er gründete den Illuminatenorden. Als Gegner der Jesuiten wurde der Aufklärer in seinen religiösen und politischen Ansichten zunehmend liberal. Er favorisierte den Deismus und den Republikanismus.
Leben mini|Das Haus „Zur Engelsburg“ in der Siebleber Straße 8, von 1787 bis zu seinem Tode Weishaupts Wohnsitz in Gotha
Weishaupt wuchs in Ingolstadt auf. Sein Vater Johann Georg Weishaupt war Professor für Rechtswissenschaft. Früh verwaist, wurde er von Christian Wolffs Schüler Johann Adam von Ickstatt adoptiert und im Geiste der aufgeklärten Wolff’schen Philosophie erzogen. Der junge Weishaupt besuchte das Jesuitenkolleg Ingolstadt. Mit 15 Jahren verließ er diese Schule und studierte an der Universität Ingolstadt Geschichte, Rechte, Staatswissenschaften und Philosophie. 1768 wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert, 1772 wurde er außerordentlicher Professor der Rechte und 1773 ordentlicher Professor für Kirchenrecht in Ingolstadt.
Weishaupt entwarf um 1775 das Programm einer Schule der Menschheit, das jedoch unausgeführt blieb.Reinhard Markner: Weishaupts früher Entwurf einer „Schule der Menschheit“. In: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, 2011, 120, S. 640–653 (academia.edu). Am 1. Mai 1776 gründete er den Bund der PerfektibilistenF. A. Brockhaus: Allgemeine deutsche Real-Encyclopädie für die gebildeten Stände. Fünfter Band: I–L. 6. Auflage. Leipzig 1824, S. 18 (books.google.at). (Bienenorden),Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. Band 3. Heppenheim 2010, S. 356 (books.google.at). der später als die IlluminatenWolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen. 2. Auflage. Stuttgart / Tübingen 1834, S. 640 (books.google.at). bekannt wurde. Ihre Mission war die Entfaltung der Moral und Tugend sowie die Gründung einer Vereinigung guter Menschen, um dem Voranschreiten des Bösen zu begegnen. Der wirkliche Charakter der Gesellschaft bestand in einem ausgeklügelten Erziehungssystem, um die Tugend und Sittlichkeit zu befördern und den absolutistischen Staat durch Unterwanderung überflüssig zu machen. Im Orden verwendete Weishaupt den Geheimnamen Spartacus. Durch den Beitritt des Freiherrn Adolph Knigge 1780 (Ordensname: Philo) erfuhr der Illuminatenorden bald reichsweite Verbreitung, wobei Knigge neue Mitglieder besonders in den Reihen der Freimaurer anwarb.
Weishaupt selbst wurde erst 1777 Freimaurer in der Loge „Zur Behutsamkeit“ in München und trug hier den Ordensnamen ‚Sanchoniaton‘.Ernst Hagmann: Adam Weishaupt war Freimaurer. In: Quatuor-Coronati-Jahrbuch, 1981, 18, S. 93–97. Diesen Namen änderte er jedoch nach der Aufdeckung des Illuminatenordens in Bayern in ‚Cocyrus‘ und er verwendete auch wahlweise den Namen ‚Scipio Aemilianus‘. Zusammen mit Franz Xaver von Zwack begann er darauf hinzuarbeiten, sein System des Illuminatenordens auf eine freimaurerische Grundlage zu stellen. Sie verschafften sich über den Marchese di Constantin Costanzo ein Patent der Berliner Großloge Royal York für die Münchner Loge Theodor zum guten Rat, erklärten diese daraufhin für unabhängig und überführten sie in den Illuminatenorden.Weishaupt, Adam. In: Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. Auflage. Herbig Verlag, 2006, ISBN 3-7766-2478-7, S. 891. Ausgabe von 1932: ().
Nachdem die Gesellschaft 1784 von der bayerischen Regierung verboten worden war, verlor Weishaupt seine Anstellung an der Universität von Ingolstadt: Er wurde im Februar 1785 vom Dienst suspendiert, nachdem er mehrmals verlangt hatte, die Universitätsbibliothek solle den Dictionnaire historique et critique von Pierre Bayle und die Werke von Richard Simon in ihren Bestand aufnehmen.Siehe Verfügungen an die Universität zu Ingolstadt zur Erhaltung des reinkatholischen Glaubens. In: Berlinische Monatsschrift, April 1785, S. 392–396 (ds.ub.uni-bielefeld.de). Er floh zunächst nach Regensburg, wo seit 1767 die Freimaurerloge Zu den drei Schlüsseln existierte, die erst 1795 aufgelöst wurde. Damals galt die protestantische Freie Reichsstadt Regensburg, die im Laufe des 18. Jahrhunderts viele aus Bayern und Österreich geflüchtete Protestanten aufgenommen hatte und in der Katholiken kein Bürgerrecht hatten, als ein Hort der Glaubensfreiheit, der Toleranz und der Wissenschaft.Doris Becher-Hedenus: Humboldt, Sternberg und die modernen Naturwissenschaften. Stadt Regensburg, (2014), ISBN 978-3-943222-16-6, S. 25–79.
Herzog Ernst II. (Sachsen-Gotha-Altenburg) (seit 1783 Mitglied der Illuminaten unter dem Ordensnamen ‚Quintus Severus‘ bzw. ‚Timoleon‘) gewährte ihm in Gotha Asyl, wo Weishaupt von 1786 (1787?) an mit dem Titel und der Pension eines Hofrates lebte.Hermann Schüttler (Hrsg.), Johann Joachim Christoph Bode: Journal von einer Reise von Weimar nach Frankreich. Ars Una, München 1994, ISBN 3-89391-351-3. Hier schrieb er eine Serie von rechtfertigenden Arbeiten über den Orden, darunter Vollständige Geschichte der Verfolgung der Illuminaten in Bayern (1785), Schilderung der Illuminaten (1786), Apologie der Illuminaten (1786) und Das verbesserte System der Illuminaten mit allen seinen Einrichtungen und Graden (1787).
1787 kam es zum Skandal, als bekannt wurde, dass Weishaupt mit Anna Maria Sausenhofer, der Schwester seiner 1780 verstorbenen ersten Frau, seit Jahren in einem eheähnlichen Verhältnis zusammenlebte. Ihm wurde vorgeworfen, um dieses zu verschleiern hätte er 1783 versucht, ihre Schwangerschaft abbrechen zu lassen, und er wurde als Kindsmörder diffamiert, obwohl das Kind nach der Eheschließung gesund zur Welt gekommen war. Die Illuminaten distanzierten sich von ihm. Die Minervalkirche Syracus beispielsweise stellte ihre Aktivitäten im Sommer 1787 stillschweigend ein.Markus Meumann: Vom Vorzimmer der Aufklärung zu ihrem Hinterzimmer, Göttingen 2026, S. 284 f. Weishaupt verteidigte sich gegen diese und andere Anschuldigungen mit Kurze Rechtfertigung meiner Absichten (1787), indem er klarstellte, dass es der Wunsch seiner ersten Frau gewesen sei, dass er ihre Schwester, die sie seit Jahren pflegte, heiratete, dies aber wegen der Gesetzgebung, die die Ehe mit einem Geschwister des ersten Ehepartners als Inzest verbot, lange nicht möglich gewesen war.
1808 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt. Die Initiative für seine Ernennung ging von Montgelas aus. Mit ihm stand Weishaupt in regelmäßigem brieflichem Kontakt. Für die Akademie spielte Weishaupt insoweit eine gewichtige Rolle, als sein radikal-aufklärerisches Gedankengut von vielen Akademiemitgliedern geteilt wurde.Alexander Ecker: Recht und Rechtsgeschichte in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften von 1759 bis 1827. Dissertation. Universität Regensburg, Regensburg 2004, S. 154.
Ab 1817 setzte sich Weishaupt nach dem Vorbild Englands für ein großzügiges Geld- und Kreditsystem, auch zur Finanzierung erhöhter Staatsausgaben, ein.Konrad Frohn, Adam Weishaupt: Das neue Finanz-System. Nürnberg 1820, S. 156 (books.google.at):„[…] wohl auch über die Einnahmen zu erheben wissen; muß sich ein brillantes Kreditsystem aneignen […] wenn das System gehörig verstanden wird und mit Vorsicht angewendet wird […]. England ist die erste, weil es das Schuldenmachen besser versteht als alle andere; seine beste Ressource ist die Staatsschuld […] seine Goldgrube. Sie soll mit eurer Bewilligung auch die unsrige werden.“Adam Weishaupt: Über die Staatsausgaben und Auflagen. 1817. S. 53–54: „Der Grund von dem Stillstand und Verfall der Staaten liegt also nicht in der Menge der Ausgaben, sondern er muß darin gesucht werden, daß zu wenig oder zu unvernünftig ausgegeben wird; daß es Menschen giebt, welche mehr einnehmen als ausgeben, welche die Liberalität anderer, zu derselben Nachtheil mißbrauchen, und dem von diesen, in Umlauf gesetzten Geld auflauern, um des dem Umlauf zu entziehen. Diesem größten aller Übel kann ein Staat am wirksamsten dadurch begegnen, daß er nicht ein Gleiches thut. Laßt uns also eingestehen, was Thatsache ist. Ein Staat, welcher größer und mächtiger werden will, als er ist – und welcher Staat will dieß nicht? – kann die Zahl seiner Konsumenten nicht vermindern, ohne sich selbst entgegen zu arbeiten. Ihm liegt vielmehr alles daran, daß sich diese beständig vermehre. Diese Vermehrung der Konsumenten kann unmöglich auf dem Weg der Einschränkung bewirkt werden.“
Weishaupt starb nach längerer Krankheit am 18. November 1830 nachmittags ½ 5 UhrLeopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens. Berlin 1906, S. 396. in Gotha, wo er drei Tage später auf dem 1883 geschlossenen Friedhof II neben seinem früh verstorbenen Sohn Wilhelm beerdigt wurde. Nach ihm fanden auch seine Ehefrau Anna Maria sowie die Töchter Nanette und Charlotte hier ihre letzte Ruhestätte.Matthias Wenzel: Dokumentation zur Geschichte des Friedhofs II. Gotha 2014, S. 72. Der bei der Beräumung des Friedhofes im Jahre 1969 verschwundene Grabstein Weishaupts trug, wie Fotos zeigen, weder Geburts- noch Sterbedaten, sondern lediglich die Inschrift:Louis Schmidt: Ein Gang über unseren ältesten Friedhof. Gotha o. J., S. 21.
In Gotha existiert noch immer sein einstiges Wohnhaus in der Siebleber Straße 8. In Ingolstadt erinnert heute nur noch eine Gedenktafel an dem Gebäude, in dem sich der Versammlungssaal der Illuminaten befand, an den Orden. Das Gebäude befindet sich in der Theresienstraße 23, mitten in der heutigen Fußgängerzone der Stadt.
Familie Weishaupt war seit 1773 verheiratet mit Maria Afra Johanna Walburga Sausenhofer (1746–1780). Die fünf Töchter aus dieser Ehe verstarben alle jung.Leopold Engel: Geschichte des Illuminaten-Ordens. Berlin 1906, S. 401.
Seine zweite Ehe mit Anna Maria Sausenhofer (1760–1846), einer Schwester seiner ersten Frau, schloss er am 21. Dezember 1783. Mit ihr hatte er sieben Kinder: Wilhelm Damianus (1784–1802) Franz Eduard (1786–1864) Carl Romanus (1787–1853) Ernst Ferdinand Gottfried (geb. 1789) Nanette (1790–1853) Charlotte Mariane (1792–1867) Alfred Joseph Heinrich (1795–1872)Alfred Josef Heinrich von Weishaupt, geb. 21. August 1795 in Gotha. Auf besonderes Reskript am 3. Mai 1813 als stud. chem., phys. et math. in Erlangen immatrikuliert, Mitglied des Corps Baruthia. 1827 Inspektor beim Hauptsalzamt Orb, 1835 Traunstein, 1839 Berchtesgaden, 1842 Reichenhall. 1852 Kgl. Oberberg- und Salinenrat Berchtesgaden. 1861 Kronenorden. 1868 Ruhestand, gest. 21. November 1872.
Verschwörungsmythen Adam Weishaupt wurde als Gründer der Illuminaten ein fester Bestandteil spekulativer Verschwörungstheorien, die besonders in rechts-konservativen Gruppen in den Vereinigten Staaten Verbreitung finden. Diesen zufolge soll Weishaupt nach dem Verbot der Illuminaten im Geheimen weitergemacht und mit französischen Freimaurerkreisen Kontakt gehabt haben. Heute gibt es wenige bekannte Vereinigungen, denen nicht unterstellt wurde, durch Illuminaten infiltriert zu sein oder selbst die Illuminaten-Nachfolger zu sein. Urheber dieser Theorien, die den feindlichen Aussagen der katholischen Kirche gegenüber den Illuminaten ähneln, war Anfang des 19. Jahrhunderts der ehemalige Jesuit Abbé Barruel. Diese Theorien trugen maßgeblich zu Adam Weishaupts Popularität bei. In rechtsextremen Verschwörungstheorien findet man seit dem späteren 19. Jahrhundert auch die Aussage, Adam Weishaupt wäre Jude gewesen und hätte die Protokolle der Weisen von Zion geschrieben.Michael Hagemeister: The Perennial Conspiracy Theory: Reflections on the History of the Protocols of the Elders of Zion. Routledge, London / New York 2021, ISBN 978-1-03-206015-6, S. 14.
In der Romantrilogie Illuminatus! von Robert Anton Wilson und Robert Shea werden auch verschiedene Theorien in parodistischer Absicht aufgestellt.
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