mini|Neueste Nachrichten (Luise Max-Ehrler)

Unter Nachrichten als Plural von Nachricht (oft auch synonym für Nachrichtensendung) ist die regelmäßige Berichterstattung in Form von mehreren journalistischen Nachrichten über aktuelle politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle, sportliche und sonstige Ereignisse in komprimierter Form zu verstehen.

Allgemeines Nachrichten entstammt etymologisch dem Wort „Nachrichtung“, also etwas, nach dem man sich zu richten hat. Auch im angelsächsischen Bereich wird der Plural „news“ nur für Nachrichten oder Nachrichtensendungen verwendet. Die Nachrichten sind für die Urteils- und Meinungsbildung der Bevölkerung von wesentlicher Bedeutung, wobei das mediale Nachrichtenangebot dem menschlichen Informationsbedürfnis entspringt. Die Vielzahl und Komplexität der weltweit täglich stattfindenden Ereignisse kann vom Menschen nicht vollständig wahrgenommen und erfasst werden. Deshalb ist eine Selektion in wichtige und weniger bedeutende Nachrichten entscheidend. Hier leisten Radio- und Fernsehnachrichten wichtige Vorarbeit.

Nachrichten entstehen, wenn sie aus der Komplexität des Alltagsgeschehens für eine mediale Verbreitung ausgewählt werden. Nachrichten in Hörfunk und Fernsehen sollen in Deutschland dem Pressekodex entsprechen, also mit den journalistischen Grundsätzen der Wahrheit, Aktualität, Objektivität, Ausgewogenheit, Diskriminierungsverbot und Verständlichkeit vereinbar sein. Sie müssen „ihr Publikum interessant, präzise, aktuell und effizient informieren.“Miriam Meckel, Klaus Kamps: Fernsehnachrichten. Entwicklung in Forschung und Praxis. In: Klaus Kamps, Miriam Meckel (Hrsg.): Fernsehnachrichten. Prozesse, Strukturen, Funktionen. 1998, S. 11. Nachrichten beinhalten ausschließlich Sachverhalte mit Neuigkeitswert und sind dabei immer an einem möglichst aktuellen Zeitbezug ausgerichtet. Den meisten Nachrichtentexten, die über einen Sender verbreitet werden, liegt der (zitierfähige) Depeschentext einer Nachrichtenagentur zu Grunde.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 9. (PDF; 1,9 MB)

Fehler in Nachrichten fallen den Rezipienten leicht auf, weil es in Radio und Fernsehen viele Nachrichtensendungen gibt und weitgehende Themenidentität besteht.Eric Carstens, Jörg Schütte: Praxishandbuch Fernsehen: Wie Fernsehsender arbeiten. 2010, S. 152. Fehlmeldungen kommen relativ selten vor, weil gerade der journalistische Kontrollmechanismus – Absicherung über mindestens zwei unabhängige Quellen – bei Nachrichten am stärksten eingesetzt wird.

Das Vertrauen in die Nachrichten aller Medien allgemein ging in Deutschland von 60 Prozent im Jahr 2013 auf 50 Prozent im Jahr 2022 zurück, in der Schweiz von 50 auf 46 Prozent und in Österreich von 48 auf 41 Prozent. Dabei waren 2022 in Deutschland 41 Prozent der Ansicht, die Medien seien frei von unzulässiger politischer Einflussnahme, in der Schweiz 37 Prozent und in Österreich 23 Prozent.

Arten Der Begriff „Nachrichtenprogramm“ ist medienrechtlich genau genommen falsch, da ein Programm immer die Gesamtheit aller aufeinander folgenden Sendungen darstellt.

Nach dem Zeitpunkt lassen sich Morgen-, Mittag-, Abend- und Spätnachrichten unterscheiden, nach ihrem Umfang Haupt- und Kurznachrichten. Nach der Herkunft gibt es Welt- und Regionalnachrichten, nach Inhalt lassen sich politische, Wirtschafts- oder Sportnachrichten unterscheiden. Sonder- oder Eilmeldungen („breaking news“) besitzen von ihrer Relevanz eine derart hohe Priorität, dass nicht eine reguläre Nachrichtensendung abgewartet werden kann, sondern das laufende Programm unterbrochen werden muss. Während im Radio die Eilmeldung durch Programmunterbrechung alternativlos ist, kann im Fernsehen auch während einer laufenden Sendung eine optische Laufschrift ohne Programmunterbrechung eingeblendet werden.

Die Nachrichtenforschung unterscheidet zwischen Nachrichtenproduktion, Nachrichteninhalt und Nachrichtenrezeption.Klaus Kamps, Miriam Meckel (Hrsg.): Fernsehnachrichten. Prozesse, Strukturen, Funktionen. 1998, S. 20. Die Nachrichtenproduktion beginnt bei der Quellensammlung, die hauptsächlich über Nachrichtenagenturen und Eigenberichterstattung mit Hilfe des an wichtigen Standorten befindlichen Korrespondentennetzes erfolgt. Mobile, satellitengestützte Berichterstattung steigert die Nähe und Authentizität des Informationsgehaltes. Die Auswahl der relevanten Nachrichten findet in der Redaktion statt. Zum Nachrichteninhalt gehört die Reihenfolge der Meldungen und der vorgelesene Text; Zeitpunkt und Häufigkeit der Nachrichtensendung bestimmen ihre Gestaltung mit.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 33. Beim Prinzip der umgekehrten Pyramide wird erwartet, dass Nachrichten mit den wichtigsten Informationen zu beginnen haben und dann immer unbedeutendere Meldungen folgen. Es wird auch pro Nachricht angewandt, wobei nach einer prägnanten Überschrift ein knapp formulierter Einstiegssatz folgt, dem die Kerninformationen nachgestellt sind. Vielfalt, Relevanz, Professionalität sowie Rechtmäßigkeit sind die Dimensionen, die in der journalistischen Literatur und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung als Qualitätskriterien diskutiert werden. Nachrichtenrezeption schließlich versucht die Akzeptanz beim Zuhörer/Zuschauer zu ermitteln und trifft dabei auf seine begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit und Lernmotivation. Zentrale Kriterien für Nachrichtensendungen sind die Aktualität der Berichterstattung und der regelmäßige Ausstrahlungsrhythmus der Sendungen.Thorsten Maurer: Fernsehnachrichten und Nachrichtenqualität - Eine Längsschnittstudie zur Nachrichtenentwicklung in Deutschland. 2005, S. 71. Es gehören nur solche Sendungen zu den tagesaktuellen Informationsgenres, die „mindestens fünfmal in der Woche ausgestrahlt werden und vorwiegend über öffentliche Themen mit aktuellen Bezügen berichten.“Hans-Jürgen Weiß, 1998, zitiert nach: Maurer, 2005, S. 72.

Allgemeine Nachrichten beinhalten das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Forschung, Kultur und Sport. Spezielle Nachrichtenformate befassen sich als Wirtschaftsnachrichten oder Sportnachrichten ausschließlich mit der angegebenen Thematik. Nachrichten, die sich stark am Gesprächswert bzw. menschlichen Interessen (Human Interests) orientieren, werden auch Boulevard-Nachrichten genannt.

Geschichte Am 31. August 1920 wurde die erste Nachrichtensendung durch die Station 8MK (Vorläufer von WWJ, Detroit) ausgestrahlt,What Day of the Week, Historical Events nachdem der Sender erst am 20. August 1920 seine Sendelizenz erhalten hatte. Es handelte sich um Berichte über die US-Präsidentschaftswahlen.Edward Bliss: Now the News: The Story of Broadcast Journalism. 1991, S. 6. Heute ist die Station ein Nachrichtensender, der zur CBS gehört. Zwei Jahre später hatte der US-Amerikaner Walter Lippmann 1922 die These aufgestellt, dass die Wirklichkeit zu komplex sei, um vom Menschen vollständig erfasst zu werden.Walter Lippmann: Die öffentliche Meinung. Übersetzung 1964, S. 61. Radionachrichten wurden seither als komprimierte Form der wichtigen Geschehnisse aufgefasst.

1946 gab es in den USA lediglich zwei regelmäßig ausgestrahlte Abendnachrichten im Fernsehen in CBS und NBC, die aber nicht täglich präsentiert wurden.Edward Bliss: Now the News: The Story of Broadcast Journalism. 1991, S. 222. Erst ab August 1948 wurde „CBS-TV News“ täglich mit 15 Minuten Dauer gesendet. Nachrichten wurden auch ab 14. Januar 1952 im Frühstücksfernsehen Today ausgestrahlt, im März 1954 kam CBS Morning News hinzu. Im Dezember 1957 berichtete das Magazin Variety, dass die CBS News mehr Zuschauer habe als irgendeine Zeitung oder Nachrichtenmagazin weltweit an Lesern.

Die BBC (damals noch abgekürzt für „Britisch Broadcasting Company“) begann ihre ersten Nachrichtensendungen ab 14. November 1922 mit dem Hinweis, dass das Copyright bei den Nachrichtenagenturen Reuters, Press Association, Exchange Telegraph und Central News liege.Andrew Crisell: An Introductory History of British Broadcasting. 2012, S. 32. Nur 4 Beschäftigte befassten sich damals im Sender mit Nachrichten. Ab dem 23. Dezember 1922 wurden die Zuhörer mit der Entscheidung konfrontiert, dass es Nachrichten („news bulletins“) nach Absprache mit den Printmedien und den Agenturen künftig erst ab 19:00 Uhr geben werde. Erst am 1. Januar 1927 wurde der BBC (nunmehr British Broadcasting Corporation) das satzungsgemäße Recht auf eigene Nachrichtenproduktion zugesprochen; auch die zeitliche Beschränkung entfiel. BBC World News ist heute die größte Nachrichtenorganisation der Welt. Sie begann am 19. Dezember 1932 mit der Nachrichtensendung aus hierfür eigens eingerichteten Studios. Am 13. Juli 1940 stellten sich die Nachrichtensprecher erstmals mit Namen vor.

Der erste deutsche Radiosender Radio-Stunde AG sendete ab Sendebeginn am 29. Oktober 1923 zunächst täglich einen so genannten „Pressedienst“, der seit 23. Dezember 1923 in „Meldungen“ umbenannt wurde; diese wurden 3 Mal täglich, und zwar morgens, mittags und abends ausgestrahlt.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 48. Radioprogramme waren häufig Subjekt staatlicher Eingriffe, weil sie ein „disperses Publikum“ hätten, über das man wegen der räumlichen Distanz nur vage Vorstellungen haben könne. Deshalb war man der Auffassung, dass sogar der Stil vorgeschrieben werden müsse.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 51 ff. Im Nationalsozialismus erklärte Propagandaminister Joseph Goebbels bereits am 25. März 1933, dass der Rundfunk tendenzbewusst zu sein und sich den Weisungen der Regierung unterzuordnen habe.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 55. Während der Kriegszeit begann die Phase der Sondermeldungen, einer propagandistischen Frühform der Eilmeldungen, die durch die Wehrmacht verfasst wurden und zu Programmunterbrechungen führten.Sven Schertz-Schade: Deutsche Radio-Nachrichten. September 2004, S. 59. In der Nachkriegszeit erreichte die ARD-Tagesschau nach ihrer Erstausstrahlung am 26. Dezember 1952 eine Vorbildfunktion der Nachrichten. Das wirkte sich auf deren Einschaltquoten aus. Heute liegt die Nachrichtensendung RTL aktuell – gemessen an den Marktanteilen – nach der Tagesschau an zweiter Stelle, gefolgt von Heute des ZDF. An Tagen mit normalem Programm weisen diese drei Nachrichtensendungen die höchsten Marktanteile aller Sendungen auf.

Nachrichtenformat Unter Nachrichtenformat versteht man ein Schema, nach welchem eine Nachrichtensendung aufgebaut ist und insbesondere im TV mittels eines Teleprompters verlesen wird. Das beginnt bei der Dramaturgie, in welcher Reihenfolge die verschiedenen Nachrichten gesendet werden und welche Nachricht als erste („Aufmacher“) präsentiert wird.Werner Faulstich: Einführung in die Medienwissenschaft. 2002, S. 133. Verbindendes Element aller Nachrichten ist der Nachrichtensprecher, der die Filmbeiträge oder grafischen Einblendungen miteinander verknüpft. Er kann als Moderator auftreten und stellt seine selbstverfassten Texte vor, oder als reiner Sprecher, der die von der Nachrichtenredaktion erstellten Konzepte präsentiert. Die Tagesschau wird von einem Nachrichtensprecher präsentiert, der das Vorgelesene nicht selbst verfasst hat. Dieser Weg bevorzugt die sachliche, beinahe amtliche Form von harten Fakten im Rahmen des Qualitätsjournalismus. Etwas abweichend ist die Nachrichtendarstellung von Heute im ZDF, wo die Nachrichten moderiert werden. Private Fernsehsender tendieren zum „Happy Talk-Format“ (Infotainment). Seit 2011 gibt es einen Deutschen Radiopreis in der Kategorie bestes Nachrichtenformat.

Nachrichtensender