Madame X – Eine absolute Herrscherin ist ein experimenteller deutscher Spielfilm von Ulrike Ottinger aus dem Jahr 1977. Tabea Blumenschein verkörpert Madame X, die absolute Herrscherin des Chinesischen Meeres, auf der Suche nach Gold, Liebe und Abenteuer.
Handlung
Die Geschichte der chinesischen Piratenkönigin Madame X erzählt von einer strengen und unerbittlichen Herrscherin des chinesischen Meeres. Mit den Worten „Gold – Liebe – Abenteuer“ ruft sie Frauen dazu auf, ihren eintönigen Alltag gegen eine Welt voller Gefahren, Unsicherheit, Liebe und Abenteuer einzutauschen.
Dieser Aufruf erreicht verschiedene Frauen: eine deutsche Försterin, die europäische Künstlerin Josephine de Collage, die amerikanische Hausfrau Betty Brillo, die Psychologin Carla Freud-Goldmund, das Fotomodell Blow Up, die Buschpilotin Omega Zentauri und Noa-Noa, eine Frau aus der Südsee. Diese Frauen bilden die Besatzung der Dschunke und folgen dem Kommando von Madame X. Der einzige Mann an Bord ist ein aufgelesener Matrose, der aufgrund seiner Unterwürfigkeit von Madame X geduldet und sogar privilegiert wird. Es entstehen leidenschaftliche Szenen voller Erotik, Eifersucht und Konflikte. Madame X erweist sich als unerbittliche Herrscherin, die mit Hilfe von hypnotischen Fähigkeiten jeden Widerstand vernichtet. Als das Schiff wieder an Land kommt, sind alle überlebenden Frauen verändert.
Produktion Madame X – Eine absolute Herrscherin entstand als Koproduktion mit dem ZDF. Der Film wurde vom 15. Mai bis zum 17. Juli 1977 gedreht und im Januar 1978 fertiggestellt. Drehorte waren West-Berlin und der Bodensee.CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. Lieferung 11 – Ulrike Ottinger.
Die internationale Premiere fand 1977 auf dem Steirischen Herbst in Graz statt. Die Uraufführung erfolgte am 7. Februar 1978 in Rotterdam. Die Deutsche Premiere fand im Rahmen des Berlinale Forums am 25. Februar 1978 statt. Kinostart war am 3. März 1978, die Erstsendung am 13. April 1978 im ZDF.
Rezeption Ginka Steinwachs bezeichnete 1978 in Die Schwarze Botin Madame X als „Fanal der lesbischen Liebe und Ausdruck eines revolutionären […] Bewußtseins“. Für Karsten Witte wurde Madame X – Eine absolute Herrscherin zum Angelpunkt queerer Filmgeschichtsschreibung. Auf dem Frauenschiff Orlando wehen die Flaggen: Angriff, Leder, Waffen, lesbische Liebe und Tod. Diese Ästhetik, streng stilisiert, zeigt sich frei, ohne den Zuschauerblick zu dominieren.Karsten Witte, in Die Zeit vom 14. April 1978
Monika Treut schrieb 1981 in „Frauen und Film“ Nr. 28, dass Mademe X ihrer Einschätzung nach weder die Macht noch die Ohnmacht der Frauen repräsentiere. Vielmehr simuliere der Film: Er arbeite mit Zeichen, die Macht vortäuschen und parodistisch auf ein Szenario anspielen, das eher zur Simulation als zur Wirklichkeit gehöre. Er sei also ein Film, der die Möglichkeiten fantastischer Handlungen in der Abgeschlossenheit einer Dschunke zeige, inszeniert nach bestimmten Regeln und begleitet vom Wissen um die Differenz zum gewöhnlichen Leben, fern jeglicher Anleitung für einen feministischen Alltag.https://frauenundfilm.de/index/FuF28.pdf
Klaus Kemetmüller schrieb 1977, dass Ulrike Ottinger in Madame X – Eine absolute Herrscherin, zahlreiche Elemente und Klischees des westlichen Kinos verarbeite, indem sie ihre homoerotischen Fantasien nach dem Prinzip der Montage und Collage zu einer eigenständigen, unbändigen Kinos verwebe. Ihre scharfe Satire auf die starren weiblichen Verhaltensmuster wage ständig Absurditäten, grelle Farben, irrationale Utopien, dicke Schminke und ironische Nacktheit.
Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele Berlin 1978
International Film Festival Rotterdam 1978
Weblinks
Offizielle Seite zum Film
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1977 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Experimentalfilm Kategorie:BDSM im Film Kategorie:Homosexualität im Film