mini|Unterfarrnbacher Str. 174 (2025) mini|Hofanlage Unterfarrnbacher Straße 174, 2024 mini|Außenansicht Haus Unterfarrnbacher Str. 174, 2023 mini|Unterfarrnbacher Str. 174, 2021
Die Hofanlage Unterfarrnbacher Straße 174 befindet sich im Fürther Gemeindeteil Unterfarrnbach. Diese steht unter Denkmalschutz und ist im Denkmalatlas des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege unter der Aktennummer D-5-63-000-2072 erfasst, welche folgende Basisdaten liefert:
Baudenkmal Dieses Baudenkmal, welches mehreren Bauphasen zugeordnet wird, umfasst eine Hofanlage mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, (ehemaligen) Festsaal und Gaststube, Stall und Scheune.
Das Wohnhaus mit Gaststube ist ein eingeschossiger, giebelständiger Bau mit Frackdach, westlicher Traufseite und südlichem Giebel. Dieser Gebäudeteil ist der älteste, welcher als Fachwerk mit Sandsteinsockel ausgeführt ist. Die Datierung erfolgt auf das 18. bzw. frühe 19. Jahrhundert.
Im Jahr 2018 erfolgte eine Untersuchung mit anschließendem Bericht von Yvonne Schubert aus Bamberg,Yvonne Schubert: Raumbuch, Unterfarrnbacher Str. 174, Fürth; November 2018 welche weitere Erkenntnisse zu Tage bringen konnte:
„Aufgrund den Erkenntnissen im Zusammenhang mit der vorliegenden Dokumentation, des Sichtfachwerks, der gebogenen Fußbänder und der barocken Fenster und Türen kann das Wohnhaus auf das frühe 18. Jahrhundert datiert werden und hatte ursprünglich ein Sattel- bzw. Pfettendachstuhl. Somit ist auch die Treppenanlage zum Dachstuhl erst mit dem Ausbau des Festsaals entstanden.“
Das an das Wohnhaus rückwärtig anschließende Stallgebäude wird um 1920 datiert. Das Stallgebäude ist zur linken Seite, wie bereits erwähnt an das Wohnhaus und an der rechten Seite an das Scheunengebäude eingefügt. Vor 1920 war schon ein Stallgebäude vorhanden, wie sich aus einem Plan aus dem Jahr 1907 ergibt. Bei einer Ortsbegehung mit dem Bayer. Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Fürth wurde im Frühjahr 2022 festgestellt, dass im Inneren des Stalles zwei zugesetzte Fenster aus der Barockzeit vorhanden sind.
Bei der Hofdurchfahrt und den Wirtschaftsräumen im Erdgeschoss sowie dem Festsaal im Obergeschoss handelt es sich um einen zweigeschossigen Bau mit traufseitigem Satteldach, welches auf das späte 19. / frühe 20. Jahrhundert datiert wird.
Die Scheune dieser Hofanlage bildet den Abschluss, ein traufseitig angelegter Sandsteinquaderbau mit tiefgezogenem Satteldach. Auch dieser Bau wird auf das 18. bzw. frühe 19. Jahrhundert datiert und entspricht der gleichen Bauphase wie das Wohngebäude.
mini|Gewölbekeller mini|Gewölbekeller 2 mini|Gewölbe mit Gang Das Wohnhaus und der alte Stall wurden auf einer Stelle errichtet, auf welcher bereits ein Vorgängerbau stand. Der Vorgängerbau wurde wahrscheinlich durch den Dreißigjährigen Krieg – wie die meisten Gebäude im Fürther Umkreis – zerstört. Unter dem Wohnhaus und unter der Fläche des alten Stalls befinden sich zwei Gewölbekeller. Hier sieht man, dass im ersten Keller zwei zugemauerte Lichtschächte im jetzigen Wohnhaus enden würden. Auch ist deutlich erkennbar, dass die beiden unterirdischen Räume später miteinander verbunden wurden. Des Weiteren sind im zweiten Raum Spuren einer ehemaligen Treppe erkennbar, die entweder ins Freie oder in ein anderes Haus führte.
Das Anwesen war Jahrzehnte unbewohnt und wurde 2018 vom damaligen Leiter des Denkmalamtes erworben und teilweise saniert. 2021 wurde das Anwesen von anderen Eigentümern übernommen, die es von 2022 bis 2024 in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde sanierten.
Ehemaliges Gasthaus „Zum rothen Ochsen“ Es ist nicht bekannt, seit wann das Gasthaus „Zum rothen Ochsen“ in diesem Haus existierte1838 wird der verstorbene Gastwirt Friedrich List in einer Versteigerungssache erwähnt: Beilage zum Königlich Bayerischen Intelligenz-Blatt für Mittelfranken, 3. Okt. 1838, Abschnitt 1351–1353 und wann der Betrieb eingestellt wurde. Der Besitzer Leonhard Zimmermann wurde 1935 noch als Wirt im Einwohner-Buch der Stadt Fürth genanntEinwohner-Buch der Stadt Fürth (Bay.), erschienen im Reichsverband d. Adressbuch-Verlag, 1935; https://www.fuerthwiki.de/wiki/index.php?title=Adressb%C3%BCcher - abgerufen am 27. Juni 2025. Nach dem Zweiten Weltkrieg soll das Gasthaus bereits nicht mehr bestanden habenMündliche Auskunft von Herrn Wittmann, langjähriger Bewohner von Unterfarrnbach, April 2025.
Das Gasthaus verfügte im Erdgeschoss über die Gaststube, ein Nebenzimmer, die Küche und die Schänke. Ebenfalls befand sich im Erdgeschoss die Wohnung des Pächters. Im Obergeschoss befand sich der Festsaal – auch Tanzsaal genannt –, der direkt von außen über eine Treppe erreichbar war, sowie über das Haupthaus. Zudem befanden sich im Obergeschoss zwei Fremdenzimmer und die Wohnung des Eigentümers. Unter dem Festsaal befanden sich die Veranda („Biergarten“) und das Schlachthaus mit Räucherkammer. mini|Grundriss Gasthaus Rother Ochse, 1907
Als besondere Einrichtung verfügte der „Rothe Ochse“ über eine Kegelbahn. Vermutlich um 1920 wurde diese aufgegeben und teilweise auf deren Stelle ein langgezogenes Stallgebäude für Hühner und Schweine errichtet. Im Außenbereich waren zwei Brunnen vorhanden. Einer davon ist bis heute vorhanden und führt noch Wasser. mini|Zum Rothen Ochsen, Unterfarrnbach, 1915 mini|Unterfarrnbach Ansicht, Gasthaus „Zum Rothen Ochsen“, um 1905
Hausname und Hausnummer Hausnamen gab es bereits lange, bevor Hausnummern eingeführt wurden. Bei diesem Anwesen wurde bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts der Hausname „Beim Waitz“ verwendetAlte Bezeichnungen oder Hausnamen in Unterfarrnbach, aus: Lebensläufe im 18. Jahrhundert bei St. Johannis Burgfarrnbach, 2004. Bei einigen Einwohnern von Unterfarrnbach ist noch der Hausname „Beim Zimmermann“ geläufigLokale Überlieferung, mehrfach mündlich bestätigt durch Einwohner von Unterfarrnbach, 2021-2025.
Bevor das Anwesen in der Unterfarrnbacher Straße die Hausnummer 174 erhieltAus dem Adressbuch der Stadt Nürnberg, 1949, lässt sich entnehmen, dass bereits die neuen (aktuellen) Hausnummern in der Unterfarrnbacher Str. in Fürth verwendet werden. https://books.google.de/books?id=2aO7nQ2M6zMC&hl=de&pg=PA2#v=onepage&q&f=false - abgerufen am 27. Juni 2025, war die Bezeichnung „Unterfarrnbach, Hausnummer 38“Im Einwohner-Buch der Stadt Fürth (Bay.), 1935, werden noch die historischen Hausnummern verwendet; https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-CS5H-5GLF?lang=en&i=1108 - abgerufen am 27. Juni 2025.
Der Eigentümer brachte 2024 eine neue emaillierte Hausnummerntafel an, welche an das ehemalige Gasthaus „Zum rothen Ochsen“ erinnert. mini|Postkarte um 1900 Roter Ochse Unterfarrnbach mini|Hausnummer 174, Zum rothen Ochsen
Eigentümer Folgende Eigentümer von 1600 bis 1924 konnten durch Gottlieb Wunschel festgestellt werden:Chronik Unterfarrnbach von Gottfried Wunschel, 1942, S. 72, Stadtarchiv Fürth
1600 Seiz Max 1620 Loder Conz 1640 Waitz Cuntz 1660 Kilian Lienhard 1670 Böß Gabriel 1670 Pflüger Gabriel (?) 1690 Mayr Hannß 1700 Ebersperger Hannß 1723 Waiz Johann 1773 Waiz Friedrich 1806 Waiz Georg Friedrich 1817 List Friedrich 1839 Rotter Johann Michael 1847 Rotter Christianne, Wwe. 1859 Rotter Georg Wolfgang 1865 Knorr Johann Georg und Marg. um 1876 Schilmeier Georg um 1907 Zimmermann Leonhard um 1957 Zimmermann Johann 19?? Zimmermann Friedrich 2018 Laskarides Stefan 2021 neuer Eigentümer 2026 neuer Eigentümer
Fundstücke Versteigerung 1838 Aus dem Intelligenz-Blatt für Mittelfranken vom 3. Oktober 1838 lässt sich folgendes Ereignis entnehmen:Beilage zum Königlich Bayerischen Intelligenz-Blatt für Mittelfranken, 3. Oktober 1838, Abschnitt 1351–1353
Erinnerungsobjekte
Pächter im Jahr 1865 Im Stadtarchiv der Stadt Fürth, befindet sich ein AktStadtarchiv Fürth, Signatur: AR 19 / 345; Bestand: A. Fürth » 2. Stadtverwaltung in bayerischer Zeit (ab 1806) » 2.2 Altregistratur » 19. Schankwirtschaften, in dem ein Pachtvertrag vom 10. August 1865 enthalten ist:
Zwischen dem Bauern und Wirtschaftsbesitzer Johann Georg Knorr zu Unterfarrnbach und dem Gastwirt und Getreidehändler Michael Haas, ebenfalls zu Unterfarrnbach, wurde ein Pachtvertrag auf sechs Jahre (1865 bis 1871) abgeschlossen, in welchem geregelt wurde, welche Bereiche im Anwesen Haus-Nr. 38 des Eigentümers vom Pächter genutzt werden konnte:
1. Im Wohnhaus zu ebener Erde: die Wirtsstube inkl. Verschlag zur Wohnung, drei Kammern, die Küche mit Anschluss an Tenne der Keller im Tiefgeschosse und die obere Stube, eine Steige
2. Die am Wohnhaus befindliche Kegellega [Kegelbahn]
3. Die zu Haus Nr. 38 gehörigen Scheunen den Stadeltennen und die Viehstallung
4. Den an die vorbeschriebene Scheune gebauten Schweinestall und
5. die an dem Wohnhause liegenden zwei Hausgärtchen.
Zudem übergab der Verpächter dem Pächter folgende Wirtschaftsutensilien zum Gebrauche:
4 Wirtstafeln 12 Stühle 21 beschlagene Maßkrüge 2 unbeschlagene Glaskrüge 47 beschlagene Seidleinsgläser 22 Schoppengläser 10 Branntweingläser 3 große Kutterkrüge 3 kleinere derselben 2 zinnerne Branntweinbecher 2 Salzfässchen 4 hölzerne Leuchter 4 Putzschere hierzu 6 Kartenspielschälchen und 3 Bierhahnen, f. g. Bierreiber
Der Pachtzins betrug 100 Gulden jährlich, welche vierteljährlich zu 25 Gulden bezahlt werden konnten.
Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Fürth-Unterfarrnbach
Weblinks
Baudenkmalliste Fürth des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Unterfarrnbach auf Fürth Wiki FürthWiki - Adressbücher
Einzelnachweise
Kategorie:Bauwerk in Fürth Kategorie:Baudenkmal in Fürth