mini|Anne, die Elefantin, während ihrer Zeit im „Bobby Roberts Super Circus“, Juni 2010 (Foto: Walter Baxter) Anne (im Englischen oft: Anne the elephant; * ca. 1950 in Sri Lanka) ist der Name einer Sri-Lanka-Elefantin, die als „letzter britischer Zirkuselefant“Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016 in die Geschichte einging und als einer der ältesten in Gefangenschaft lebenden Elefanten in Großbritannien und Europa gilt.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 2 Sie war außerdem Hauptopfer und Mittelpunkt in einem bekannten Fall von Tiermissbrauch.
Leben Anne wurde in Sri Lanka geboren. Das Geburtsjahr und die genaueren Umstände – ob in der Wildnis oder bereits in Gefangenschaft – sind nicht bekannt, es wird jedoch vermutet, dass sie als Baby wilder Elefanten eingefangen, von der Mutter getrennt und dann, wie üblich, „gebrochen“ wurde, bevor sie nach England verschifft wurde.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 69–70 (Herkunft) und 74–76 (zum Elefanten-„Brechen“) Etwa um die Mitte der 1950er Jahre wurde sie als Kalb von Zirkusdirektor Bobby Roberts senior für 3000 Pfund erworben.Nach Aussage von Moira Roberts, der Frau von Bobby Roberts, war Anne Anfang 2011 seit 55 Jahren im Besitz der Roberts. Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 8 und 69–70 Später erbte dessen Sohn Bobby Roberts junior die Elefantin.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIII
In den 1950er bis 1980er Jahren reiste Anne als eine Haupt-Attraktion in einer Gruppe von 6 bis 15 Elefanten,Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 94 bis 1993 im „Robert Bros’ Hip Hip Zoo Ray Mammoth Circus“, danach dann im „Bobby Roberts Super Circus“,Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 96–97 mit dem Zirkus durchs Land und präsentierte dressierte Kunststücke wie auf die Hinterbeine stellen, Pirouetten drehen, auf Bällen oder Tonnen balancieren, und durch die Manege „galoppieren“, mit Akrobaten, Clowns oder anderen Tieren auf dem Rücken.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XII-XIII, 1, 81 und 84 Anne war ein „Star“, wurde oft auf den Plakaten des Zirkus abgebildet, war während ihrer Zirkus-„Karriere“ auch wiederholt im Fernsehen, in Filmen und Musik-Videos zu sehen, trat mehrfach vor der britischen Königsfamilie auf und wurde einmal von Königin Elisabeth II. persönlich gefüttert.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIII, 94, 96, und 99 Während einer Tournee in Paris soll sie sogar auf dem Eiffelturm gewesen sein.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 94Dies war nicht das erste Mal, dass ein Elefant den Eiffelturm bestieg: Bereits im 4. Juli 1948 erklomm eine Elefantin des Cirque Bouglione die 347 Stufen bis zur ersten Etage des Turms, was u. a. durch Fotos belegt ist. Siehe: 1) 5 exploits complètement fous réalisés sur la tour Eiffel, in: Paris ZigZag. 2) Visite à la Tour Eiffel le 4 Juillet 1948 : L'éléphant Bouglione au 1er étage de la Tour, auf der Website des Musée d’Orsay, Paris. 3) , in: Getty Images (französisch / englisch; Abruf am 25. August 2024)
Auch nachdem ab etwa 1980 Tierärzte und Tierschützer verstärkt auf die Probleme der Tierhaltung in Zirkussen hinwiesen, Tiernummern in der Folge immer weniger populär wurden und andere Zirkusse ihre Elefanten immer häufiger an Zoos oder Reservate abgaben, setzte der „Bobby Roberts Super Circus“ weiterhin auf Tiernummern und Elefanten. In den 1990er Jahren lebte und arbeitete Anne dabei zusammen mit zwei anderen Zirkus-Elefanten namens Beverly und Janie, die jedoch beide etwa um die Jahreswende von 2000 zu 2001 verstarben.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 18, 21–22, 81–84 und 85 Von da an war Anne – abgesehen von Tieren anderer Spezies und menschlicher Gesellschaft – allein. In der Folge (um 2002) wurde sie krank und magerte ab, erholte sich jedoch nach einiger Zeit wieder.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 22
Die Zeit zwischen den Vorstellungen war Anne über fünf Jahrzehnte lang meist an einem Vorder- und einem Hinterbein angekettet, so dass sie sich kaum bewegen konnte.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. IX, 83–84 und 133 Dies führte, wie bei vielen anderen Elefanten in ähnlichen Umständen, zu stereotypisch wippendem Verhalten („Weben“), das als Anzeichen für psychisches Trauma gewertet wird.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XI, XII und 136Abschnitt „What are her health issues?“ in: Anne – not just another elephant auf der Website von: Longleat (Abruf am 8. August 2024) Wegen der jahrelangen Überlastungen der Gelenke durch die für Elefanten zwar möglichen, aber unnatürlichen Kunststücke, bekam Anne außerdem schwere Arthritis in den Hinterbeinen, so dass sie diese hinter sich her zu ziehen begann. Die Arthritis wurde im Jahr 2003 offiziell diagnostiziert,Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. X, XI, 9, 38 und 88 blieb jedoch, ebenso wie die damit einhergehenden Schmerzen, jahrelang (bis 2011) unbehandelt.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 134
Ab etwa 2006 konnte Anne nicht mehr in den Hauptvorstellungen des Zirkus auftreten, wurde jedoch weiterhin als Publikumsmagnet eingesetzt: Man konnte sich für einen Preis von je 6 Pfund mit ihr fotografieren lassen, was besonders bei Kindern sehr beliebt war.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 80 und 197
Annes gesundheitliche Beschwerden blieben nicht unbemerkt. Im Jahr 2009 überlegten die Tierschutzorganisationen Born Free und RSPCA gemeinsam mit Zirkusdirektor Bobby Roberts, Anne in den „Ruhestand“ zu versetzen; eine Reise in ein „Sanctuary“ in den USA wurde jedoch als zu riskant angesehen und in Großbritannien selber fand man keinen Zoo oder anderen geeigneten Ort, der bereit war einen Elefanten in ihrem Alter und mit ihren Gesundheitsproblemen aufzunehmen.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 196–197 Ab 2010 konnte Anne nicht mehr mit auf Tournee gehen, sondern blieb die ganze Zeit im Winterquartier des Zirkus in Polebrook, Northamptonshire. Die Tierschutzorganisation ADI (Animal Defenders International)Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIII und 3 hatte zu dieser Zeit bereits jahrelang versucht, Undercover an Beweismaterial zu kommen, um Anne aus dem Zirkus zu befreien. Anfang 2011 gelang es ADI über einen Zeitraum von dreieinhalb Wochen mit versteckter Kamera Filmaufnahmen zu machen, auf denen Anne angekettet in ihrem Winterquartier zu sehen ist, wie sie regelmäßig von einem Angestellten des Zirkus geschlagen, getreten und mit einer Mistgabel misshandelt wurde, ohne sich wehren zu können.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. X-XI
Im März 2011 kam es schließlich zu einem Skandal, als Ausschnitte der Filmaufnahmen durch den Daily Mail auf Video veröffentlicht wurden und eine Kampagne zur Rettung Annes gestartet wurde.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIII und 10 Der Täter, ein 25-jähriger rumänischer Emigrant namens Nicolae Nitu, misshandelte auch andere Tiere des Zirkus, darunter Ponys und ein Kamel,Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. X-XI war aber bereits zurück nach Rumänien geflohen, als die Geschichte publik wurde.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIII-XIV und 4–5
Nach Protesten der Öffentlichkeit und von Persönlichkeiten wie Sir David Attenborough oder Russel Crowe wurde Anne nach kurzer Zeit im Einvernehmen mit ihren Besitzern Bobby und Moira Roberts in den Longleat Safari Park in Wiltshire übersiedelt, wo sie am 3. April 2011 in einem zunächst beklagenswerten Zustand ankam.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIV und S. 48 Auch ein misshandeltes Kamel namens Monty wurde aus dem Zirkus gerettet.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 30
Der „Bobby Roberts Super Circus“ geriet in ernstliche Schwierigkeiten und Annes Besitzer Bobby Roberts, der aufgrund der Videoaufnahmen Morddrohungen erhalten hatte, musste sich 2011–2012 wegen Tierquälerei und jahrelanger unterlassener medizinischer Versorgung Annes vor Gericht verantworten; auch wurde ihm vorgeworfen, dass die Elefantin fast ununterbrochen angekettet stehen musste und dass er seinen Angestellten weder vernünftig unterwiesen, noch ihn in angemessener Weise kontrolliert hatte. Es war das erste Mal seit dem Erlass des sogenannten Animal Welfare Act von 2006, dass ein Zirkus vom Crown Prosecution Service (CPS) strafrechtlich verfolgt wurde; dies wurde von Tierschützern als ein Meilenstein („landmark“) angesehen,Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 133 obwohl Roberts nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde und weiterhin Tiere halten durfte.„[…] but was controversially let off with a suspended sentence. He wasn't banned from keeping animals nor was he fined“. Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XV
Longleat war anfangs nur als Übergangslösung für Anne geplant, wurde aber schließlich zu ihrem neuen Zuhause. Sie erhielt fachkundliche und medizinische Betreuung für ihre gesundheitlichen Beschwerden und ihr Zustand besserte sich. Mithilfe von Spenden wurde in den folgenden Jahren ein geräumiges Elefantenhaus samt Gehege und Swimmingpool für Anne gebaut, das 2015 fertig war und wo sie nach Belieben ein- und ausgehen kann.Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. XIV, das Kapitel „The Move to Longleat“ (S. 33–49) und S. 211–212 Sie lebt dort zusammen mit drei anglo-nubischen Ziegen (Stand 2024).Claire Ellicott: Saving Anne the Elephant – the true story of the last British Circus Elephant, John Blake Publishing, London, 2016, S. 212