Heinz Huber (* 17. Juni 1922 in Ochsenwang; † 8. Februar 1968 in Stuttgart) war ein deutscher Grafiker, Schriftsteller und Hörspieldramaturg.Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, Nekrolog 1936 – 1970. Berlin 1973, S. 296 Als SDR-Fernsehredakteur und Regisseur wurde er zu einem der Pioniere des Dokumentarfilms im Fernsehen der jungen Bundesrepublik Deutschland. Er förderte die Entwicklung der Fernsehreihe Zeichen der Zeit, die er bis zu seinem unerwartet frühen Tod leitete und maßgeblich mitprägte. Heinz Huber erhielt im Rahmen der Produktion der Doku-Serie Das Dritte Reich den ersten Grimme-Preis mit Gold, was ihn auch zu einem Pionier des Geschichtsfernsehens in Deutschland machte.

Herkunft und Werdegang Heinz Huber war der Sohn des württembergischen Pfarrers Georg Huber (1898–1930) und gehörte der evangelischen Kirche an. Die Mutter Elisabeth geb. Mährlen (1898–1969) war eine Ur-Enkelin von Johannes Mährlen.Andreas Abel: Die Nachkommen des Regierungsrats Carl F. Feuerlein. 2007, S. 473 Wegen der frühen Trennung seiner Eltern verbrachte Heinz Huber die ersten Kindheitsjahre in Mergentheim bei den Großeltern väterlicherseits. In seinem 1965 erschienenen Buch Anatomie eines Adlers beschrieb er in einem eigenen Kapitel kritisch-liebevoll diese Großeltern, den Oberamtsschulrat Wilhelm Huber (1864–1937) und seine Frau Emma.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 11 Ab 1927 lebte Heinz Huber wieder bei der Mutter mit seinem älteren Bruder Peter Huber (1920–1943), der im Zweiten Weltkrieg in Russland fiel. Die Jahre der späteren Kindheit und Jugend waren geprägt durch das Leben in verschiedenen Beziehungen seiner Mutter mit Stationen in Stuttgart, Köln und dem Hochtal Ibach im Südschwarzwald.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 13 f.

Heinz Huber besuchte seit 1934 das Jesuitenkolleg in St. Blasien und seit 1938 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart,Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 16 f. wechselte dann aber 1939 auf die Kunstgewerbeschule Stuttgart, die spätere Kunstakademie am Weißenhof. Er studierte bei Professor Ernst Schneidler Gebrauchsgraphik.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 17 Im Februar 1941 kam Huber zunächst zum Reichsarbeitsdienst und im Dezember 1941 als Artilleriesoldat zur Wehrmacht.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 18 Es folgten Kriegseinsätze im besetzten Frankreich und an der Ostfront in Russland, die immer wieder durch zum Teil sehr schwere Verwundungen unterbrochen waren.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 20 ff. Nach einem Offizierslehrgang 1944 bei Reims geriet er bei seinem letzten Kriegseinsatz als Fähnrich zur Verteidigung seiner Heimatregion im April 1945 im Schönbuch in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Juni 1947 entlassen wurde.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 24 ff.

In den Nachkriegsjahren von 1947 bis 1952 versuchte sich Heinz Huber als freier Schriftsteller und Journalist, konnte damit seinen Lebensunterhalt für sich und seine Familie jedoch nicht bestreiten, so dass er als Schaufensterdekorateur bei einer Stuttgarter Lebensmittelfirma tätig wurde. In dieser Zeit entstanden in der von Kriegsruinen geprägten Innenstadt von Stuttgart Erzählungen, Kurzgeschichten, Hörspiele und Theaterstücke.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 32 f.

Hörfunk- und Fernsehredakteur beim SDR Seit 1952 arbeitete Huber beim Süddeutschen Rundfunk (SDR) in der Hörfunkdramaturgie und schrieb zahlreiche Hörspiele. Das 1950 geschriebene Hörspiel Früher Schnee am Fluß wurde 1952 erstmals produziert und gesendet. Es handelt von der Berichterstattung über Kriegsgräuel des Koreakriegs im Radio, die auf abgestumpfte Gleichgültigkeit in westdeutschen Haushalten stoßen konnte. Eine Kernbotschaft des preisgekrönten Hörspiels war: „Wenn die Welt zugrunde gehen wird, so geht sie zugrunde durch die grenzenlose Gleichgültigkeit der Menschen.“Heinz Huber: Früher Schnee am Fluß, ARD-Hörspieldatenbank, Nordwestdeutscher Rundfunk 1952, Erstsendung: 9. Oktober 1952 Das Hörspiel wurde von den ARD-Sendern mehrfach wiederholt und auch in Österreich vom ORF des Öfteren ausgestrahlt.Heinz Huber (Autor): Früher Schnee am Fluß, ORF-Sendung am 13. April 1965Heinz Huber (Autor): Früher Schnee am Fluß, ORF-Sendung am 26. Jänner 1980 Huber leitete seit 1953 die Feature-Redaktion des Hörfunks.Kay Hoffmann: Zeichen der Zeit. Booklet 2001, S. 4

Im Jahre 1953 begannen die Vorbereitungen des SDR für eine Beteiligung im ARD-Fernsehen. Heinz Huber gehörte zu einer Gruppe von ausgewählten Redakteuren, die die Vorarbeiten fürs Fernsehen durchführen sollten. Dazu begab sich Huber für kurzzeitige Studien zum BBC nach London. Der erste Fernsehabend des SDR war am 5. November 1954. Nach einer Ansprache des SDR-Intendanten kam die Sendung Zu ihrer Orientierung von Land und Leuten. Darin stellte Willy Reichert den Zuschauern seine Heimat vor. Regie führte Franz Peter Wirth, das Drehbuch hatte Heinz Huber geschrieben.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 33 Im Anschluss sendete der SDR am selben Abend das Drama Ein Opfer für den Wind mit einer Handlung aus der griechischen Sagenwelt.

Heinz Huber wurde 1954 Redakteur für kulturelle und dokumentarische Sendungen im Fernsehen. Er fertigte unter anderem Fernsehsendungen über Thomas Mann, Max Beckmann, Friedrich Schiller, Ronald Searle und Josef Hegenbarth an.

Bundesweites Aufsehen erregte die Sendung des Films Die deutsche Bundeswehr, die am 16. Oktober 1956 ausgestrahlt wurde, dem Tag des Amtsantritts von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß. Heinz Huber, der Buch und Regie der Sendung verantwortete, stellte das Thema Wiederbewaffnung (West-)Deutschlands durch die Bundeswehr kritisch dar, so dass der Film von konservativen Kreisen als linkes Propagandamachwerk bezeichnet wurde.Kay Hoffmann: Zeichen der Zeit. Booklet 2001, S. 31 Drei Wochen nach der Ausstrahlung sendete die ARD am 8. November 1956 eine Diskussionsrunde mit Verteidigungsminister Franz Josef Strauß, Oberst Wolf Graf von Baudissin, Major Schmückler, dem freien Journalisten Führing in Bonn, Erich Kuby von der Süddeutschen Zeitung, Martin Walser, Heinz Huber und dem Intendanten des SDR, Fritz Eberhard, der die Diskussion leitete. In dem sachlich verlaufenen Gespräch wurden einige der durch den Film hervorgerufenen Missverständnisse ausgeräumt und die Bundeswehr von allen Gesprächsteilnehmern als notwendiger Teil des Staates anerkannt.Kay Hoffmann: Zeichen der Zeit. Booklet 2001, S. 32

Weitere Bekanntheit erreichte Huber durch seine Mitwirkung an der Fernsehdokumentation Das Dritte Reich, ebenso durch die Entwicklung und Leitung der langjährigen SDR-Sendereihe Zeichen der Zeit, zu Beginn in Zusammenarbeit mit Helmut Jedele, Martin Walser und Peter Dreessen, die den SDR jedoch 1959 verließen. In den 1960er Jahren führten insbesondere Dieter Ertel und weitere namhafte Redakteure aus Hubers Team die Sendereihe Zeichen der Zeit fort. In dem Zusammenhang zu nennen sind Corinne Pulver, Wilhelm Bittorf, Georg Friedel, Elmar Hügler, Helmut Greulich und Roman Brodmann. Mit Dieter Ertel und Georg Friedel entwickelte Huber auch die Fernsehserie Cartoon, durch die Loriot im Fernsehen bekannt wurde.

Die Dokumentarfilmabteilung des SDR unter Leitung von Heinz Huber kultivierte in der Ära Adenauer jenen kritischen und ironischen Stil, der den Geist der westdeutschen Studentenbewegung der 1960er Jahre mitprägte, wenngleich sich die Dokumentarfilmabteilung als verfassungskonformes journalistisches Korrektiv empfand, ganz im Gegensatz zum radikalen polit-ökonomischen und neomarxistischen Denken der 1968er Bewegung.Unsere Medien - Unsere Republik. Mediengeschichte als Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. 11 Hefte, herausgegeben vom Adolf-Grimme-Institut. Heft 5: 1968: Was habt ihr denn, uns geht’s doch gut ... . Marl 1991, S. 29–32

Es gelang Heinz Huber als Chefredakteur und stellvertretendem Fernsehdirektor, die Arbeit seiner häufig kritisierten Kollegen im SDR zu verteidigen und der Dokumentarfilmabteilung die Sendeplätze zu erhalten, solange er lebte.Kay Hoffmann: Zeichen der Zeit. Booklet 2001, S. 11

Am 8. Februar 1968 starb Huber, erst 45 Jahre alt, an einem Herzinfarkt. Er befand sich im Zug von Bonn nach Stuttgart, während der Rückfahrt von einer Sitzung der Hauptabteilungsleiter der deutschen Fernsehsendeanstalten in Bonn.Martin Huber: Leben und Wirken von Heinz Huber. S. 8

In den vierzehn Jahren seiner Tätigkeit für das SDR-Fernsehen hatte er für rund 60 Filme auf den unterschiedlichsten Gebieten das Drehbuch erstellt und zum Teil auch selbst Regie geführt. Er gilt nach wie vor als Pionier des Dokumentarfilms im Fernsehen. Bei seinen Filmen ging es ihm nicht nur darum, die Wirklichkeit möglichst detailgetreu abzubilden, sondern den Zuschauern zudem das Erkennen der Wahrheit zu ermöglichen.Irene Klünder: Würdigung Heinz Hubers durch das Haus des Dokumentarfilms. 2019, S. 6 f.

Privatleben Heinz Huber war zweimal verheiratet. Aus der ersten Ehe stammen zwei Töchter, wobei die zweite Tochter schon als Säugling verstarb. Aus der zweiten Ehe stammen ein Sohn und eine weitere Tochter. Der Sohn Martin Huber studierte Rechtswissenschaften und war seit 2012 als Senatsdirektor im Dienst der Freien und Hansestadt Hamburg Leiter des Amtes für Verkehr und Straßenwesen bei der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.Mitteilungen des Familienverbands Feuerlein, 74. Jahrgang, Juni 2019, S. 6

Auszeichnungen Adolf-Grimme-Preis 1964 mit Gold am 16. Januar 1964 in Marl verliehen für die Sendung Der SS-Staat im Rahmen der Fernsehserie Das Dritte Reich Adolf-Grimme-Preis 1968 als posthume Ehrung für seine Verdienste auf dem Gebiet bildender Fernsehsendungen

Werke Autor von Theaterstücken (Auswahl) Die Grenze. Einakter, 1950 Draußen, das gibt es nicht, uraufgeführt 1951 im Theater Erlangen

Hörspiele (Auswahl) Als Autor:Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 1963. Walter de Gruyter, Berlin 1963, S. 282ARD-Hörspieldatenbank zum Autor Heinz Huber 1952: Früher Schnee am Fluß. – Regie: Fritz Schröder-Jahn (Original-Hörspiel – NWDR Hamburg) 1952: Zwölf Uhr zwei Minuten vierzehn Sekunden. Akustische Bilanz eines Augenblicks – Regie: Cläre Schimmel (Originalhörspiel, Kurzhörspiel – SDR) 1953: Das Funkstudio: Koch bis Kruse. Hörspiel um Radiomeldungen über Gefallene – Regie: Helmut Jedele (Hörspiel – SDR) 1953: Die Ballade von Hapalo und dem Staat. – Regie: Oskar Nitschke (Originalhörspiel – SDR) 1953: Früher Schnee am Fluß. – Regie: Ernst Willner (Originalhörspiel – ORF Kärnten) 1953: Das gnadenbringende Strafgericht. – Regie: Cläre Schimmel (Originalhörspiel – SDR) 1954: Paul oder Jeder ist sich selbst der Nächste. Ein Traktat von der Tragik des guten Willens – Regie: Martin Walser (Originalhörspiel – HR) 1954: Zwölf Uhr zwei Minuten vierzehn Sekunden. Akustische Bilanz eines Augenblicks – Regie: Hermann Brix (Originalhörspiel, Kurzhörspiel – ORF Tirol) 1954: Die Ballade von Hapalo und dem Staat. – Regie: Nicht angegeben (Originalhörspiel – DRS) 1955: Humanitas: Früher Schnee am Fluß. – Regie: Albert Carl Weiland (Originalhörspiel – Radio Saarbrücken) 1955: Das Kloster. – Regie: Kurt Reiss (Originalhörspiel – HR/SDR) 1955: Das gnadenbringende Strafgericht. – Regie: Nicht angegeben (Originalhörspiel – DRS) 1965: Früher Schnee am Fluß. – Regie: Otto Ambros (Originalhörspiel – ORF Wien)

Ohne weitere Angaben:Kürschners Biographisches Theater-Handbuch. Walter de Gruyter, Berlin 1956, S. 309 Rodrigos Laden. Hintergründe eines Kinderbriefes. Rosen und Edelmuth.

Als Bearbeiter (Wort): 1953: Gerhart Herrmann Mostar: Die Schöne und der Dieb. Eine Funkballade mit Musik – Regie: Paul Land (SDR) 1953: Hans Hömberg: Kirschen für Rom – Regie: Cläre Schimmel (SDR) 1956: Ödön von Horváth: Glaube Liebe Hoffnung. Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern. Als Moritat bearbeitet für den Rundfunk – Regie: Franz Peter Wirth (SDR)