Das Jagdgeschwader 26 „Schlageter“ war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Das Geschwader war nach Albert Leo Schlageter benannt, einem Mitglied der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung. Er war militanter Aktivist und wurde wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Aufgrund dieses Ehrennamens waren die Geschwaderangehörigen berechtigt, am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Jagdgeschwader Schlageter“ zu tragen. Als Jagdgeschwader, ausgestattet mit Jagdflugzeugen vom Typ Messerschmitt Bf 109 in den Ausführungen E, F, G und K und Focke-Wulf Fw 190 in den Ausführungen A und D, verteidigte es zugewiesene Lufträume gegen Einflüge feindlicher Flugzeuge oder drang in feindliche Lufträume ein, um in sogenannter freier Jagd feindliche Flugzeuge anzugreifen. In seltenen Fällen griff das Geschwader auch mit Bordwaffen Bodenziele an. Das Geschwader beteiligte sich am Westfeldzug, der Luftschlacht um England, dem Afrikafeldzug, an der Abwehr der alliierten Combined Bomber Offensive und der alliierten Landung in Dieppe, dem Deutsch-Sowjetischen Krieg und der Abwehr der alliierten Landung in Nordfrankreich, sowie an der Ardennenoffensive und am Unternehmen Bodenplatte. Es wurde am 8. Mai 1945, nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, aufgelöst.
Aufstellung Das Jagdgeschwader 26 entstand am 1. Mai 1939 nach dem neuen Benennungsschema der Luftwaffe aus dem Jagdgeschwader 132 „Richthofen“. Der Geschwaderstab und die II. Gruppe entstanden in DüsseldorfHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 148, abgerufen am 3. August 2024. () aus dem umbenannten Stab und der umbenannten II. Gruppe des Jagdgeschwader 132 „Richthofen“. Die I. Gruppe bildete sich in Köln-OstheimHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 352, abgerufen am 3. August 2024. () aus der umbenannten I. Gruppe des Jagdgeschwaders 132, während die III. Gruppe am 23. September 1939 in WerlHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 687, abgerufen am 3. August 2024. () aus Abgaben der I. und der II. Gruppe entstand. Die IV. Gruppe entstand erst am 25. Februar 1945 in VarrelbuschHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 661, abgerufen am 3. August 2024. () aus der ehemaligen III. Gruppe des Jagdgeschwaders 54. Am 1. September 1939 wurde die 10. (Nachtjagd-)Staffel in Bonn-HangelarHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 70, abgerufen am 28. Juli 2024. () aufgestellt und direkt dem Geschwaderstab unterstellt. Am 8. August 1942 erhielt das Geschwader eine 11. (Höhenjagd-)Staffel, die in Norrent-FontèsHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, France (with Corsica and Channel Islands), S. 272, abgerufen am 3. August 2024. stationiert war und ebenfalls direkt vom Geschwaderstab ihre Befehle erhielt.Georg Tessin, S. 398–399
Das Geschwader flog seine Einsätze mit Jagdflugzeugen des Typs Messerschmitt Bf 109 in den Ausführungen E, F, G und zuletzt K sowie mit der Focke-Wulf Fw 190A und D.
Die selbstständige 10. (Nachtjagd-Staffel) wechselte am 18. Februar 1940 als 11. Staffel zum Jagdgeschwader 2 und wurde am 10. März 1942 als 10. (Jagdbomber-)Staffel erneut aufgestellt. Diese ging am 17. Februar 1943 als 10. (Jabo-)Staffel zum Jagdgeschwader 54. Die 11. (Höhenjagd-)Staffel löste sich am 4. Januar 1943 auf, Restteile gingen zur II. Gruppe des Jagdgeschwaders 51. Der Geschwaderstab, die I. und die II. Gruppe wurden, nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, am 8. Mai 1945 aufgelöst. Zuvor war schon die III. Gruppe am 25. März 1945 und die IV. Gruppe am 17. April 1945 aufgelöst worden.Georg Tessin, S. 398–399
Gliederung Der Geschwaderstab führte am 22. Juni 1941 die I. bis III. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe und die die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je zwei Rotten zu je zwei Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Jagdgruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln + 4 Flugzeuge für den Gruppenkommandeur und seinen Stab. Dies ergab bei drei Jagdgruppen eine Sollstärke von 120 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergab sich eine Sollstärke von 124 Flugzeugen.
Im September/Oktober 1943 erhielt jede Gruppe eine vierte Staffel hinzu, bei gleichzeitiger Erhöhung der Staffelstärke auf 16 Flugzeuge. Daraus ergab sich am 10. Januar 1945 folgende Gliederung. Der Geschwaderstab führte die I. bis III. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 4. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 5. bis 8. Staffel der II. Gruppe und die die 9. bis 12. Staffel der III. Gruppe an. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in vier Schwärme mit je zwei Rotten zu je zwei Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Jagdgruppe von 64 Flugzeugen in den vier Staffeln + 4 Flugzeuge für den Gruppenkommandeur und seinen Stab. Dies ergab bei drei Jagdgruppen eine Sollstärke von 204 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab. Daraus ergab sich eine Sollstärke von 208 Flugzeugen. Zum 25. Februar 1945 erhöhte sich die Sollstärke, durch die neue IV. Gruppe auf 276 Flugzeuge.Horst Boog, Richard Lakowski, Werner Rahn, Manfred Zeidler, John Zimmermann: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 10/1, Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, ISBN 978-3-421-06237-6, S. 877
Geschichte Überfall auf Polen Während des deutschen Überfalls auf Polen, lag das Geschwader mit seinen drei Gruppen im Westen des Reiches auf den Fliegerhorsten OdendorfHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 171, abgerufen am 8. August 2024. (), BönninghardtHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 72, abgerufen am 8. August 2024. () und WerlHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 687, abgerufen am 8. August 2024. (). Hier waren sie dem Luftgaukommando VI der Luftflotte 2 zugeteilt und hatten rein defensive Aufgaben gegen eventuelle alliierte Einflüge wahrzunehmen.Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Die personellen Ressourcen des Dritten Reiches im Spannungsfeld zwischen Wehrmacht, Bürokratie und Kriegswirtschaft 1939–1942, Band 5/1, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718. Zu dieser Zeit verfügte das Geschwader über 120 Messerschmitt Bf 109E-1 und E-3. In der Ausführung E-3 verfügte die Maschine über einen 12-Zylinder-V-Motor Daimler-Benz DB 601 A-1 mit maximal 990 PS Startleistung, der ihr eine Höchstgeschwindigkeit von 570 km/h verlieh. Als Bewaffnung standen ihr zwei 7,92-mm-MG 17 über dem Motor (je 1000 Schuss) und zwei 20-mm-Maschinenkanonen MG FF in den Tragflächen, außerhalb des Propellerkreises feuernd (je 60 Schuss) zur Verfügung.
Westfeldzug Bei Beginn des Westfeldzugs am 10. Mai 1940 lag der Geschwaderstab und die II. Gruppe in Dortmund-BrackelHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 138, abgerufen am 9. August 2024. (), die I. Gruppe in BönninghardtHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 72, abgerufen am 9. August 2024. () und die III. Gruppe in Essen/MühlheimHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 169, abgerufen am 9. August 2024. (). Während die I. Gruppe dem Geschwaderstab des Jagdgeschwaders 51 unterstand, erhielt das Geschwader die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 3 zugeteilt. Insgesamt 136 Messerschmitt Bf 109E standen dem Geschwader anfangs zur Verfügung. Alle Geschwaderteile erhielten vom Jagdfliegerführer 2 ihre Befehle, der wiederum der Luftflotte 2 zugeteilt war, deren Einsatzbereich der Luftraum über der Heeresgruppe B war. Diese marschierte in den ersten Tagen in die Niederlande und Belgien ein.Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May London Grub Street, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 11 Der Überfall auf die Niederlande wurde eröffnet durch Luftangriffe und Fallschirmjägerlandungen im Raum Den Haag. Das Jagdgeschwader 26 leistete dafür Begleitschutz und verlor eine Bf 109 die durch eine Fokker D.XXI der niederländischen Luftwaffe abgeschossen wurde. Das Geschwader meldete für diesen Tag acht Abschüsse.Donald Caldwell: The JG 26 War Diary: 1939–1942. Vol. I. London, Grub Street, ISBN 978-1-898697-52-7, S. 23 Am 13. Mai kam es erstmals zu Luftkämpfen mit britischen und französischen Jägern, die inzwischen ihre Basen nach Belgien vorgeschoben hatten. Hauptgegner waren die von der französischen Luftwaffe geflogenen Curtiss P-36 und die britischen Boulton Paul Defiant, Hawker Hurricane und Supermarine Spitfire. Bei einer Auseinandersetzung der 1. Staffel mit den britischen No. 264 Squadron und No. 66 Squadron wurden Abschüsse von sieben Spitfire und einer Defiant gemeldet, tatsächlich waren es eine Spitfire und fünf Defiant. Die 1. Staffel verlor dabei zwei Flugzeugführer durch Tod und einen durch Gefangenschaft.Donald Caldwell: The JG 26 War Diary: 1939–1942. Vol. I. London, Grub Street, ISBN 978-1-898697-52-7, S. 25Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May London Grub Street, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 100 Als am 14. Mai die alliierten Verbände bei Gembloux in Belgien die erste große Gegenoffensive starteten, die in die Schlacht von Gembloux mündete, leistete das Geschwader Begleitschutz für die Sturzkampfflieger. Währenddessen war die III. Gruppe in den Luftkämpfen in der Schlacht bei Sedan eingesetzt.Donald Caldwell: The JG 26 War Diary: 1939–1942. Vol. I. London, Grub Street, ISBN 978-1-898697-52-7, S. 25–27 Nachdem deutsche Panzerverbände dort den Durchbruch erzwangen und in Richtung Ärmelkanal vordrangen, wo es zur Schlacht von Dünkirchen kam, führte das Geschwader schwere Luftkämpfe in diesem Raum. Dabei kam ihm zugute, das die Briten aufgrund ihrer Luftkriegstaktik, nie mit mehr als 12 Jägern (Squadron) zeitgleich patrouillierten, während das Geschwader teilweise in Gruppenstärke mit bis zu 40 Jägern auftrat. Hauptgegner in dieser Zeit waren die No. 74 Squadron, die No. 213 Squadron, die No. 229 Squadron und die No. 242 Squadron der Royal Air Force.Norman Franks: Royal Air Force Fighter Command Losses of the Second World War: Operational losses: Aircraft and crews, 1939–1941. Vol. I. Leicester, Midland Publishing, ISBN 978-1-85780-055-5, S. 38–39 Bis zum 31. Mai 1940 verlor das Geschwader 7 Flugzeugführer durch Tod, 7 durch Verwundung vier durch Gefangenschaft.
In der zweiten Phase des Feldzugs nahm das Geschwader bei dem am 3. Juni durchgeführten Unternehmen Paula teil und übernahm Begleitschutzaufgaben für die Bomber die Industriezentren der Luftfahrtindustrie angriffen.Donald Caldwell: The JG 26 War Diary: 1939–1942. Vol. I. London, Grub Street, ISBN 978-1-898697-52-7, S. 37E. R. Hooton: Luftwaffe at War; Blitzkrieg in the West. Vol. 2. London: Chevron/Ian Allan, ISBN 978-1-85780-272-6, S. 263–264 Anschließend sorgte das Geschwader beim Vormarsch der Heeresgruppe B über die Somme hinweg für den Schutz des Luftraums. Hier traten besonders die britische No. 43 Squadron und die No. 601 Squadron als Gegner auf. Vom 1. Juni bis zum Waffenstillstand am 22. Juni erlitt das Geschwader Verluste von 12 Toten, 6 Verwundeten und 4 Gefangenen. Während des gesamten Feldzugs meldete es 160 abgeschossene alliierte Flugzeuge.Donald Caldwell: The JG 26 War Diary: 1939–1942. Vol. I. London, Grub Street, ISBN 978-1-898697-52-7, S. 38–45 Ende Juni verlegte das Geschwader für einen Monat zurück nach Deutschland, um dort aufgefrischt zu werden.