Die Nuseirat-Rettungsoperation und Massaker (zunächst mit dem Codenamen Operation Seeds of Summer (= etwa: Sommersaat) und später umbenannt in Operation Arnon) war eine Rettungsoperation von Yamam, Schin Bet und israelischen Verteidigungsstreitkräften mit nachrichtendienstlicher Unterstützung der Vereinigten Staaten im „Flüchtlingslager“ Nuseirat am 8. Juni 2024, zur Befreiung von Geiseln, die während des von der Hamas angeführten Angriffs auf Israel im Jahr 2023 beim Massaker während des Supernova-Festivals bei Reʿim nach Gaza entführt worden waren.
Vier israelische Geiseln, Noa Argamani, Schlomi Ziv, Almog Meʾir Jan und Andrey Kozlov, wurden aus zwei mehrstöckigen Wohnhäusern in Nuseirat gerettet. Nach Angaben der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte wurden sie von Zivilisten (u. a. einem freien Al-Jazeera-Journalisten) aus dem Gazastreifen festgehalten, die mit der Hamas in Verbindung standen, und von bewaffneten Hamas-Terroristen bewacht.
Während der Operation agierte das israelische Militär mittels eines intensiven Luft-, See- und Bodenangriffs. Dies und die ungezielte Waffenanwendung herbeistürmender Hamas-Terroristen inmitten von Zivilisten führte zu zivilen Opfern. Ziyyad, ein Sanitäter und Bewohner von Nuseirat, und Abu ʿObaida, ein Sprecher der terroristischen al-Qassam-Brigaden, bezeichneten den Angriff als Massaker. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell beschrieb die Ereignisse als „ein Blutbad“. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium von Gaza berichtete, dass in dem Lager mindestens 274 Palästinenser getötet wurden, darunter 64 Kinder und 57 Frauen. Mindestens 698 Menschen seien verletzt worden. Die israelischen Streitkräfte gaben hingegen an, ihnen seien weniger als 100 palästinensische Opfer bekannt. Der Yamam-Offizier Arnon Zamora wurde bei der Operation schwer verletzt und erlag später seinen Verletzungen.
Als Reaktion auf die Operation drohte der Sprecher der terroristischen Qassam-Brigaden, Abu ʿObaida, dass es dadurch zu einer größeren Bedrohung für die israelischen Geiseln kommen werde.
Ablauf Nach israelischen Angaben wurde die Operation über mehrere Wochen vorbereitet. In dieser Zeit sammelte und bewertete der Schin Bet Informationen über die Aufenthaltsorte der Geiseln, die von der Hamas im Kriegsverlauf mehrfach verlegt worden waren. Die Einsatzkräfte übten den Zugriff an Nachbauten der betreffenden Wohnungen. In den Tagen vor dem Einsatz begann die Armee neue Vorstöße im Osten von al-Bureidsch und Deir al-Balah, die die Times of Israel als mutmaßliches Ablenkungsmanöver wertete. Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Joaw Galant genehmigten die Operation nach Angaben einer diplomatischen Quelle am Abend des 6. Juni. Geführt wurde sie gemeinsam von Generalstabschef Herzi Halevi und Schin-Bet-Direktor Ronen Bar.
Ungewöhnlich war der Zeitpunkt: Frühere Befreiungsaktionen im Gazastreifen hatten nachts stattgefunden, der Schin Bet hielt jedoch den Samstagvormittag für den günstigsten Moment, um die Bewacher zu überraschen. Nuseirat gehörte zudem zu den wenigen Gebieten, in denen israelische Bodentruppen bis dahin nicht eingesetzt worden waren. Die Geiseln befanden sich in Wohnungen zweier Familien in mehrstöckigen Wohnhäusern, die etwa 200 Meter voneinander entfernt lagen; Argamani wurde allein festgehalten, die drei Männer gemeinsam. Nach Angaben israelischer Sicherheitskreise hatten sich Spezialkräfte, als palästinensische Binnenvertriebene auf Wohnungssuche getarnt, bereits vor dem Einsatzbefehl in der Nähe der Gebäude positioniert. Anwohner berichteten, sie seien in einem mit Matratzen beladenen Wagen eingetroffen; laut Ynet handelte es sich um Mista’arvim. Um 11 Uhr Ortszeit erhielten die Teams von Yamam und Schin Bet den Einsatzbefehl und drangen gleichzeitig in beide Gebäude ein. Die Gleichzeitigkeit sollte verhindern, dass die Bewacher in einem Haus die Geiseln töteten, sobald sie vom Zugriff im anderen erfuhren. Behauptungen, die Truppen seien in getarnten Hilfsfahrzeugen oder über den von den USA errichteten Behelfspier nach Nuseirat gelangt, wies Militärsprecher Daniel Hagari zurück; auch das US-Militär dementierte dies.
Die Befreiung Argamanis verlief nach Darstellung der Armee weitgehend reibungslos. Im zweiten Gebäude entwickelte sich dagegen ein schweres Feuergefecht, in dem der Kommandeur des dortigen Yamam-Teams, Arnon Zamora, tödlich verwundet wurde; die Bewacher wurden getötet. Beim Abtransport der drei Männer und Zamoras geriet das Fahrzeug unter Beschuss und blieb liegen. Nach Angaben der Armee wurden die Einsatzkräfte mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen angegriffen; Boden-, Luft- und Seestreitkräfte griffen daraufhin Stellungen in Nuseirat an, von denen aus geschossen wurde, um den Rückzug zu decken. Die Armee räumte ein, dass dabei auch Zivilisten getötet wurden, und machte dafür die Hamas verantwortlich, die die Geiseln in dicht besiedeltem Wohngebiet festhielt und dort kämpfte; die Angaben zur Zahl der Toten gehen weit auseinander. Soldaten der Aufklärungseinheit der Fallschirmjägerbrigade sicherten die Stelle, die Geiseln und Einsatzkräfte wurden in gepanzerte Fahrzeuge umgeladen und in den Bereich des Netzarim-Korridors gebracht, von wo sie ausgeflogen wurden. Argamani war kurz zuvor von einem Strandabschnitt aus per Hubschrauber nach Israel gebracht worden. Hamas-Kämpfer beschossen die Hubschrauber mit Flugabwehrraketen, ohne sie zu treffen. Alle vier Geiseln kamen in das Sheba Medical Center in Tel HaSchomer. Israelische Militärs sagten später, zwischen Erfolg und Scheitern habe nur eine Haaresbreite gelegen. Die ursprünglich „Seeds of Summer“ genannte Operation wurde nach Zamoras Tod in „Operation Arnon“ umbenannt.
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Einzelnachweise
Kategorie:Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 Kategorie:Israelische Militäroperation Kategorie:Militärische Operation (21. Jahrhundert) Kategorie:Gouvernement Deir al-Balah Kategorie:Konflikt 2024