mini|Lochstickerei mit Festonstich Unter einem Stich versteht man in der Textiltechnik – insbesondere beim Nähen, Stopfen, Sticken, Nadelbinden und bei der Fertigung von Nadelspitze – ein bestimmtes Muster der Fadenführung. Stiche werden immer mit der einen oder anderen Art von Öhrnadel ausgeführt.

Eine grundlegende Unterscheidung ist die zwischen Hand- und Maschinenstichen. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Gebrauchsarten (Nähen, Sticken usw.) sind dagegen oft fließend, d. h. während einige Stiche ausschließlich oder hauptsächlich für eine bestimmte Textiltechnik verwendet werden, sind andere vielseitiger.

In Anlehnung an den englischen Sprachgebrauch (z. B. stocking stitch = „glatt rechts gestrickt“) werden auch beim Stricken manche Muster gelegentlich als Stich bezeichnet (z. B. „Leinenstich“, „Webstich“). Faktisch handelt es sich dabei jedoch um Maschen.

Begriffsabgrenzung Beim Nähen ist ein Stich von einer Naht zu unterscheiden. Zwar besteht eine Naht aus einer Anzahl von Stichen. Unterschiedliche Naht-Arten (Markiernaht, Heftnaht, Steppnaht, Kräuselnaht usw.) sind jedoch durch mehr als nur einen bestimmten Stich charakterisiert; über das Muster der Fadenführung hinaus sind sie auch durch eine bestimmte Funktion definiert und durch eine bestimmte Weise, wie die zu nähenden Stoffstücke sich zueinander verhalten, wie sie gefaltet sind und anderes mehr.

Handstiche (Auswahl) Geradstiche Vorstich mini|Vorstich (im unteren Teil des Bildes die Ansicht von der Seite)

Auch: Geradstich, Heftstich, Quiltstich. Der elementarste aller Stiche beim Nähen, Sticken und Stopfen, der aufgrund seiner Einfachheit meist auch als erster gelehrt wird. Der Faden wird dabei linear oder in Kurven geführt, in gleichmäßigen Perioden abwechselnd über und unter dem Stoff.

Wie bei vielen anderen Stichen auch, stehen bei der Ausführung zwei Methoden zur Wahl: Bei der Nähmethode (engl. sewing method) werden alle Ein- und Ausstiche von der Oberseite des Stoffes her ausgeführt, während bei der Stechmethode (stabbing method) die Hand, die die Nadel hält, ständig zwischen der Ober- und der Unterseite des Stoffes wechselt.

Beim Nähen wird der Vorstich u. a. zur Ausführung der meisten Nähte (z. B. einfacher Nähte), von Biesen und Handkanten, sowie zum Heften verwendet (vgl. Reihstich). Der Abstand zwischen Ein- und Ausstich ist beim Nähen identisch mit dem Abstand zwischen Aus- und Einstich.

In der Stickerei dagegen, wo der Vorstich auch Laufstich genannt wird, kann das Längenverhältnis zwischen sichtbaren und verdeckten Fadenabschnitten ungleich sein.

Eine weitere Textiltechnik, bei der der Vorstich eine grundlegend wichtige Rolle spielt, ist das Stopfen von Geweben (beim Stopfen von Gestricken wird der Maschenstich verwendet). Die österreichische Textilexpertin Thérèse de Dillmont unterschied im späten 19. Jahrhundert zwischen vier vorstichbasierten Stopftechniken: 1. Leinenstopfen (rechtwinklig oder diagonal), 2. Satin- oder Twillstopfen, 3. Damaststopfen und 4. unsichtbarem Stopfen (Feinstopfen).

Geschlossener Rückstich mini|Geschlossener Rückstich Auch: Rückstich, Steppstich, Hinterstich. Der Rückstich ist stabiler als der Vorstich und wird beim Nähen darum beispielsweise beim Anfertigen von Paspeln verwendet. Beim Sticken wird er u. a. dann verwendet, wenn ein linearer Stich benötigt wird, der – anders als der Vorstich – keine Lücken zeigt.

Offener Rückstich mini|Offener Rückstich Auch: Punktstich. Wird verwendet, wo Maschinennähen nicht möglich oder erwünscht ist, beispielsweise beim manuellen Einnähen von Reißverschlüssen; der offene Rückstich gibt ähnlich viel Stabilität wie der geschlossene Rückstich, sieht aber diskreter aus. Auch die Kanten von Sakkos werden im offenen Rückstich ausgeführt.

Leiterstich mini|Leiterstich Auch: Matratzenstich, Zaubernaht, Staffierstich. Der Leiterstich wird verwendet, um zwischen zwei Stoffstücken eine Vorstichnaht mit nach links umgeschlagenen Stoffkanten zu fertigen, obwohl nur die rechte Seite des Werkstücks zugänglich ist. Anwendungsbeispiele sind ohne Öffnung gearbeitete Kissenbezüge, Stofftiere, Haar-Scrunchys und ähnliche Textilien, die keine nach außen hin sichtbaren Nähte aufweisen sollen. Der Vorstich wird in Nährichtung durchs Innere der Falze geführt. Eine Rolle spielt diese Fadenführung auch bei der Reparatur von Nähten, die nur von rechts her zugänglich sind.

Reihstich mini|Reihstich Wird hauptsächlich zur vorübergehenden Markierung von Nahtlinien genutzt. Die Ausführung ähnelt weitgehend der des Vorstichs, jedoch werden in einer Bewegung mehrere Stiche auf einmal gesetzt. Auch sind die Stiche meist länger, insbesondere auf der Seite des Stoffs, auf der die Markierung zu sehen sein soll. Dass die Stiche extra lang sind, erlaubt es, den Faden später leicht wieder herauszuziehen. Eine zweite wichtige Verwendung des Reihstichs, bei der allerdings mit größerer Genauigkeit geheftet werden muss, ist die Vorbereitung von Raffarbeiten.

Markierstich mini|Markierstich Auch: Durchschlagen, Schlupferln. Der Markierstich ist eine Variation des Vorstichs und dient der temporären Kennzeichnung von Linien, die zwei aufeinanderliegende Stoffschichten gemeinsam haben. Er wird an jedem zweiten Stich mit einer Fadenschlaufe genäht. Nach der Fertigung der Naht werden die beiden Stoffschichten vorsichtig auseinandergezogen, wobei der Faden sich gleichmäßig über die ganze Naht verteilt; die Naht wird anschließend mit einer Schere so aufgeschnitten, dass die Nahtreste auf beiden Stoffschichten als (später leicht entfernbare) Markierung verbleiben. Angewendet wird diese Technik an Stellen, an denen die eigentliche Naht erst später gefertigt werden kann, etwa an Abnähern.

Sattlerstich

Der Sattlerstich wird beim Zusammennähen von Leder verwendet, damit die Naht besonders starken Halt bekommt. Er basiert auf dem Vorstich, wird aber mit zwei Nadeln und zwei Fäden genäht; beim Durchstechen werden die zwei Fäden miteinander verschlungen. Eine weit verbreitete Variante des Sattlerstichs besteht darin, dass er zwar zweifädig, aber ohne Verschlingen ausgeführt wird.

Kanten- und Versäuberungsstiche Überwendlichstich mini|Überwendlichstich

Auch: Überwendlingsstich, Überwindlingsstich. Dient beim Nähen der Versäuberung der Nahtzugabe – insbesondere bei feinen Stoffen, bei denen eine maschinelle genähte Versäuberung auf die Vorderseite durchschlagen würde – und verhindert deren Ausfransen. Auch Knopflöcher werden, bevor sie mit einem Knopflochstich ausgearbeitet werden, zunächst mit dem Überwendlichstich versäubert. Weil dieser Stich visuell wenig ansprechend ist, wird er meist an Stellen verwendet, an denen er nicht zu sehen ist. Der Überwendlichstich wird daneben auch verwendet, um zwei aufeinander liegende Stoffstücke zusammenzunähen.

Wirbelstich mini|Wirbelstich Ähnelt dem Überwendlingsstich, die umnähte Stoffkante wird jedoch einmal umgelegt.

Festonstich mini|Festonstich

Auch: einfacher Knopflochstich, Schling(en)stich, Schnürstich, Languettenstich. Beim Nähen wird der Festonstich vor allem zum Versäubern von Kanten und Knopflöchern verwendet, wo er dekorativer aussieht als der Überwendlichstich. Von anderen Kantenversäuberungsstichen unterscheidet der Festonschicht sich dadurch, dass der Faden bei jedem Stich mit sich selbst verschlungen wird. Anwendung findet der Festonstich auch beim Zusammennähen von Stoffstücken und bei der Lochstickerei. Eine weitere Textiltechnik, bei der Festonstiche eine große Rolle spielen, ist die Anfertigung von Reticella-Spitze.

Knopflochstich mini|Knopflochstich Der Knopflochstich ist eine Variante des Festonstichs mit zusätzlicher Umschlingung. Wie der Festonstich wird auch der Knopflochstich zum dekorativen Versäubern von Kanten und Knopflöchern verwendet. An Knopflöchern hat er gegenüber dem Festonstich den Vorteil, dass die Knötchen, die durch die zusätzliche Umschlingung entstehen, dem Knopf beim Durchdrücken mehr Widerstand entgegensetzen und die stark belastete Stoffkante damit vor Beschädigung schützen.

Eine wichtige Rolle spielen der Knopflochstich und seine vielen möglichen Variationen daneben auch in der Stickerei. Eine grundlegend wichtige Funktion hat dieser Stich darüber hinaus beim Fertigen von Nadelspitze.

Saumstiche Staffierstich mini|Staffierstich Beim Staffierstich werden kurze Stiche im rechten Winkel zur Nährichtung gesetzt, um die Kante eines Stoffstückes auf die Fläche eines anderen Stoffstückes aufzunähen. Eine typische Verwendung ist das Annähen von Futter auf Saumeinschläge oder Besätze. Eine gut ausgeführte Naht im Staffierstich ist kaum sichtbar.

Saumstich mini|Saumstich Auch: Blindstich. Wird verwendet, um eine Saumkante an der Rückseite eines Stoffstückes so anzunähen, dass auf dessen Vorderseite möglichst wenig von der Naht zu sehen ist. Während durch die Saumkante größere Stiche geführt werden, wird auf der anderen, außen liegenden Seite darum möglichst nur jeweils ein einzelner Gewebefaden aufgenommen. Dabei werden ein möglichst dünner Faden und eine entsprechend dünne Nadel verwendet. Damit die beiden aneinandergenähten Seiten sich leicht gegeneinander bewegen können, wird die Naht lose ausgeführt.

Hohlsaumstich mini|Hohlsaumstich Der Hohlsaumstich erfüllt eine ähnliche Funktion wie der Saumstich, setzt aber voraus, dass die anzunähende Saumkante zum Schlauch gefaltet, also hohl ist. Die Naht hält bei dieser Technik besser, als wenn sie im Saumstich ausgeführt ist.

Hexenstich mini|Hexenstich

Der Hexenstich ist ein zweifach sich überkreuzender Stich, der beim Nähen zum nach außen hin unauffälligen und elastischen Annähen von Säumen und beim Sticken als ornamentales Element verwendet wird.

Weitere Nähstiche Gegenstich mini|Gegenstich Wird verwendet, um zwei nebeneinanderliegende, sich nicht überschneidende Stoffstücke aneinanderzunähen. Die Stiche werden im rechten Winkel zur Nährichtung geführt und sehr eng gesetzt, wobei der Eingangsstich abwechselnd in die Unterseite des linken und die des rechten Stoffstückes erfolgt. Der Faden wird dadurch in der Form einer liegenden 8 geführt.

Kettenstich mini|Kettenstich

Auch: Schlingstich. Wird ähnlich wie der Vorstich genäht, wobei die Nadel aber nur sehr wenige Fäden aufnimmt und vor dem erneuten Einstechen mit dem Faden umschlungen wird, wodurch sich bei jedem Stich eine Schlinge bildet. Der Kettenstich wird gelegentlich beim Nähen, etwa bei Armlöchern von Sakkos, vor allem aber bei der Stickerei verwendet, wo auch zahlreiche Varianten verbreitet sind.

Pikierstich mini|Pikierstich Der Pikierstich wird beim Nähen und Kürschnern zum manuellen Pikieren verwendet, d. h. zum dauerhaften und elastischen flächigen Verbinden zweier Stoffschichten, besonders von Einlagematerial, das in Jacken oder Mänteln befestigt werden soll, um etwa dem Revers Halt und Form zu geben. Auf der rechten Stoffseite sind später nur kleine Punktstiche zu sehen. Weil das Werkstück beim Pikieren gleichzeitig in Form gebracht wird, gilt die Ausführung dieses Stichs als etwas, das viel Erfahrung und Übung erfordert.

Stopfstiche Maschenstich mini|Maschenstich Maschenstiche werden verwendet, um defektes Strickgewebe kunstgerecht zu stopfen. Die zerstörten Maschen werden dabei mit Nadel und Garn Reihe für Reihe so nachgestochen, wie sie ursprünglich gestrickt waren. Die ursprünglichen Maschen bzw. die davon noch vorhandenen Reste dienen zur Orientierung, bleiben wenn möglich erhalten und werden durch die Reparatur überdeckt. Je besser die ursprüngliche Maschenstruktur noch erhalten ist, umso leichter ist die Reparatur; wenn Maschen ganz fehlen, müssen vor dem Setzen der Maschenstiche zusätzliche Hilfsfäden eingenäht werden. Wenn das Stopfgarn zum Gestrick passt, ist eine beinahe unsichtbare Reparatur möglich.

Stickereistiche Spannstich mini|Mehrere Spannstiche