Die Vuelta a España 2024 war die 79. Austragung der spanischen Grand Tour. Das Straßenradrennen wurde am 17. August in Lissabon gestartet und ging am 8. September 2024 in Madrid zu Ende. Die Rundfahrt führte über 21 Etappen und beinhaltet zwei Ruhetage. Der Gesamtführende trug das Maillot Rojo. Zudem wurden eine Punktewertung, Bergwertung, Nachwuchswertung und Mannschaftswertung ausgetragen. Die Streckenvorstellung fand am 19. Dezember 2023 statt.
Den Gesamtsieg sicherte sich der Slowene Primož Roglič (Red Bull–Bora–Hansgrohe), der seine vierte Vuelta a España gewann und somit mit dem Rekordhalter Roberto Heras gleichzog. Die weiteren Podiumsplätze gingen an den Australier Ben O’Connor (Decathlon AG2R La Mondiale Team) und den Spanier Enric Mas (Movistar Team), die einen Rückstand von zwei Minuten und 36 Sekunden bzw. drei Minuten und 13 Sekunden aufwiesen. Nachdem Ben O’Connor auf der 6. Etappe einen Vorsprung von fast fünf Minuten herausfahren konnte, holte Primož Roglič schrittweise auf, ehe er das Rote Trikot auf der 19. Etappe übernahm und nicht mehr abgab.
In der Nachwuchswertung setzte sich der Däne Mattias Skjelmose Jensen (Lidl-Trek) als Fünfter der Gesamtwertung durch. Der Australier Jay Vine (UAE Team Emirates) gewann die Bergwertung mit 78 Punkten, während sich sein Landsmann Kaden Groves (Alpecin-Deceuninck) zum zweiten Mal in Folge in der Punktewertung durchsetzte. Der Spanier Marc Soler (UAE Team Emirates) wurde zum aktivsten Fahrer gewählt und gewann mit seinen Teamkollegen die Mannschaftswertung.
Teilnehmende Teams und Fahrer
Über ein automatisches Startrecht und eine Startpflicht verfügten gemäß den Statuten der UCI die 18 WorldTeams. Zudem qualifizierten sich automatisch die beiden besten UCI ProTeams des Vorjahres: Lotto Dstny und Israel-Premier Tech. Der Veranstalter vergab außerdem Wildcards an die beiden spanischen ProTeams Equipo Kern Pharma und Euskaltel-Euskadi.
Favoriten In Abwesenheit von Tadej Pogačar (UAE Team Emirates), Jonas Vingegaard (Team Visma-Lease a Bike) und Remco Evenepoel (Soudal Quick-Step), die bei der Tour de France 2024 die ersten drei Plätze belegt hatten, galt Primož Roglič (Red Bull–Bora–Hansgrohe) als Top-Favorit auf den Gesamtsieg. Der Slowene konnte die Spanien-Rundfahrt bereits in den Jahren 2019, 2020 und 2021 für sich entscheiden und konnte mit einem vierten Gesamtsieg mit dem Spanier Roberto Heras gleichziehen. Sein Start bei der Vuelta a España galt lange Zeit als fraglich, da er sich auf der 12. Etappe der Tour de France einen Wirbelbruch zuzog und auf einen Antritt bei der Clásica San Sebastián verzichtete. In der laufenden Saison konnte Primož Roglič mit dem Critérium du Dauphiné nur ein Etappenrennen gewinnen. Unterstützung erhielt er bei der Spanien-Rundfahrt von Daniel Felipe Martínez, der den Giro d’Italia 2024 als Zweiter beendete, sowie von Alexander Wlassow und dem aufstrebenden Florian Lipowitz.
Nach seinem Gesamtsieg im Vorjahr ging Sepp Kuss als Kapitän des Team Visma-Lease a Bike an den Start. Der US-Amerikaner musste seinen Start bei der Tour de France krankheitsbedingt absagen und gewann im Anschluss die Burgos-Rundfahrt. Als Co-Leader entsendete die niederländische Mannschaft den erst 21-jährigen Cian Uijtdebroeks, der die Nachwuchswertung des Giro d’Italia angeführt hatte, ehe er die Rundfahrt aufgrund einer COVID-19-Infektion verließ. Das UAE Team Emirates baute in Abwesenheit von Tadej Pogačar auf eine Doppelspitze. Sowohl João Almeida als auch Adam Yates, die die Tour de Suisse dominiert hatten, zählten bei der 79. Austragung zum engeren Favoritenkreis. Beide beendeten im Anschluss die Tour de France in den Top 10 der Gesamtwertung, wobei sie vorrangig Helferdienste für Tadej Pogačar verrichtet hatten. Mit Pavel Sivakov, Marc Soler, Brandon McNulty, Jay Vine und Isaac del Toro stellte das UAE Team Emirates die wahrscheinlich stärkste Mannschaft. Die Ineos Grenadiers entsendeten mit Carlos Rodríguez und Thymen Arensman ebenfalls zwei Kapitäne.
Zum erweiterten Favoritenkreis zählten Richard Carapaz, Rigoberto Urán (beide EF Education-EasyPost), Enric Mas, Einer Rubio (beide Movistar Team), Mikel Landa (Soudal Quick-Step), Tao Geoghegan Hart, Mattias Skjelmose Jensen, Giulio Ciccone (alle Lidl-Trek), Ben O’Connor, Felix Gall (beide Decathlon AG2R La Mondiale Team), Antonio Tiberi, Damiano Caruso (Bahrain Victorious), Lorenzo Fortunato (Astana Qazaqstan Team), Eddie Dunbar, Filippo Zana (beide Team Jayco AlUla), David Gaudu (Groupama-FDJ), Guillaume Martin (Cofidis), Max Poole (Team dsm-firmenich PostNL) und Lennert Van Eetvelt (Lotto Dstny).
Sprinter Aufgrund des anspruchsvollen Terrains starteten nur wenige Sprinter, bei der 79. Austragung der Vuelta a España. Zu den endschnellsten Fahrern zählten Kaden Groves, Quinten Hermans (beide Alpecin-Deceuninck), Bryan Coquard (Cofidis), Kobe Goossens (Intermarché-Wanty), Pavel Bittner (Team dsm-firmenich PostNL), Corbin Strong (Israel-Premier Tech) und Jon Aberasturi (Euskaltel-Euskadi). Am stärksten war jedoch Wout van Aert (Team Visma-Lease a Bike) einzuschätzen, der von seiner Mannschaft die Freigabe erhalten hatte, auf Etappensiege zu fahren. Der Belgier ging zum ersten Mal bei der Vuelta a España an den Start und galt als Favorit auf den Sieg in der Punktewertung.
Bergwertung In der Bergwertung setzten sich in den vorangegangenen Jahren meist Fahrer durch, die in der Gesamtwertung keine Rolle spielten. Das Trikot mit den blauen Punkten hat besonders bei den heimischen Fahrern und Teams eine hohe Bedeutung. Mit Matthew Riccitello und Michael Woods (beide Israel-Premier Tech), Valentin Paret-Peintre (Decathlon AG2R La Mondiale Team), Harold Tejada (Astana-Qazaqstan Team), Nairo Quintana (Movistar Team) und Ion Izagirre (Cofidis) standen gleich mehrere gute Bergfahrer am Start der 79. Austragung.
Weitere interessante Fahrer Von den Zeitfahrspezialisten nahmen Joshua Tarling (Ineos Grenadiers), Stefan Küng (Groupama-FDJ) und Victor Campenaerts (Lotto Dstny) das Rennen in Angriff. Das Trio zählte neben den Gesamtklassement-Fahrer, sowie den Fahrern des UAE Team Emirates als Anwärter auf das erste Rote Trikot, das nach einem zwölf Kilometer langen Einzelzeitfahren vergeben wurde. Weitere bekannte Fahrer waren Victor Lafay, der nach seinem Wechsel zum Decathlon AG2R La Mondiale Team kaum Rennen bestritten hatte und Jhonatan Narváez (Ineos Grenadiers), der nach einem Etappensieg für einen Tag das Rosa Trikot beim Giro d’Italia getragen hatte.
Strecke Bereits am 18. September 2023 wurde der Start der Rundfahrt in Lissabon bekanntgegeben. Die Vuelta a España startete somit zum zweiten Mal nach dem Jahr 1997 in der portugiesischen Hauptstadt. Die komplette Streckenführung der 79. Austragung wurde am 19. Dezember 2023 vorgestellt. Insgesamt mussten die Fahrer 3301,4 Kilometer auf 21 Etappen absolvieren. Auf dem Programm standen sechs flache, fünf hügelige und acht Bergetappen, sowie zwei Einzelzeitfahren. Neun Etappen endeten mit einer Bergankunft. Die Rundfahrt umfasste zwei Ruhetage, die nach den Etappen 9 und 15 abgehalten wurden. Nach dem Auslandsstart in Portugal wurde der Großteil der Etappen auf spanischem Boden ausgetragen. Hier wurden neun der 17 Autonome Gemeinschaften Spaniens durchfahren. Mit der Serra da Estrela, den Montes de Toledo, der Betischen Kordillere, sowie dem Kantabrischen und Iberischen Gebirge wurden fünf Gebirge durchfahren. Das „Dach der Tour“ bildete das Skigebiet Valgrande-Pajares mit der Zielankunft am Cuitu Negru der auf 1847 Metern Seehöhe liegt. Anders als in den vorangegangenen Jahren endete die Rundfahrt mit einem Einzelzeitfahren in Madrid.
Etappenliste Die folgende Tabelle zeigt die Etappen mit Datum, Start- und Zielort, Kategorisierung und Etappenlänge. Außerdem sind der Etappensieger und der jeweils Führende in der Gesamtwertung nach der Etappe angegeben. In der ersten Spalte sind die Einzelartikel zu jeder Etappe mit detaillierten Angaben zu Platzierung und Rennverlauf angegeben.
Auslandstart in Portugal mini|Das Mosteiro dos Jerónimos dient als Startort des Auftaktzeitfahrens Zum insgesamt fünften Mal wurde die Vuelta a España nicht in Spanien gestartet. Nach Utrecht (2022), Nîmes (2017) und Assen (2009) kehrte die Spanien-Rundfahrt nach Lissabon zurück, wo der erste Auslandsstart im Jahr 1997 erfolgte. In Portugal wurden im Anschluss zwei weitere Etappen ausgetragen, ehe die Strecke zurück nach Spanien führte. Die ersten Abschnitte weisen dabei keine besonderen Schwierigkeiten auf.
Der Auftakt erfolgte im Rahmen eines 12 Kilometer langen Einzelzeitfahrens. Dieses wurde in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon vor dem Mosteiro dos Jerónimos gestartet und führte entlang des Tagus ins westliche Oeiras, wo sich der Zielstrich beim Forte de São Julião da Barra befand. Die großteils flache Strecke führte dabei an dem Padrão dos Descobrimentos und Torre de Belém vorbei und umfasste nur wenige Kurven. Die 2. Etappe begann im nahegelegenen Cascais und endete nach einem hügeligen Finale in Ourém unweit des Wallfahrtsorts Fátima. Mit dem Mosteiro de Santa Maria de Alcobaça und Mosteiro de Santa Maria da Vitoria wurden zuvor zwei große Klöster passiert. Der dritte Abschnitt führte von Lousã nach Castelo Branco, wobei zur Hälfte der Etappe die Serra da Estrela durchfahren wurde.
Erste Woche: Richtung Süden in die Sierra Nevada mini|Blick auf Granada mit der Sierra Nevada im Hintergrund Bereits auf der 4. Etappe fand die erste von insgesamt neun Bergankünften auf der Pico Villuercas (1550 m) statt. Die 14,6 Kilometer lange Schlusssteigung wies dabei einen Schnitt von 6,2 % auf, wobei im oberen Teil Rampen von bis zu 20 % befahren werden mussten. Im Anschluss führte ein nahezu flacher Abschnitt nach Sevilla, ehe die 6. Etappe über mehrere Anstiege nach Yunquera führte, wo sich das Ziel am Ende einer flachen Steigung auf einer Höhe von 728 Metern befand. Auf der 7. Etappe, die zwischen Archidona und Córdoba ausgetragen wurde, stellt die Alto del 14% rund 30 Kilometer vor dem Ziel die einzige Schwierigkeit dar. Tags darauf erfolgte eine weitere Bergankunft in Cazorla (1056 m). Die letzten 4,8 Kilometer wiesen dabei eine durchschnittliche Steigung von 7,1 % auf. Zum Abschluss der ersten Woche wurde eine anspruchsvolle Etappe in der Sierra Nevada ausgetragen. Zunächst wurde der Puerto de El Purche (1476 m) überquert, ehe ein Rundkurs zweimal über die Alto de Hazallanas (1655 m) führte. Diese wies auf einer Länge von 7,1 Kilometern eine durchschnittliche Steigung von 9,5 % auf und wurde bei der letzten Überfahrt 22,7 Kilometer vor dem Ziel passiert. Nach einer schnellen Abfahrt auf gut ausgebauten Straßen befand sich der Zielstrich in Granada.
Zweite Woche: Bergankünfte in Galizien und Asturien mini|Auf der 15. Etappe erfolgt die Auffahrt nach Cuitu Negru, wo eine Bergankunft auf dem höchsten Punkt der 79. Austragung stattfindet