mini|Ausschnitt aus dem Plan des Jacopo de’ Barbari mit dem Äußeren der Kirche um 1500 mini|Kartenausschnitt mit der Umgebung San Basegios aus einer Karte Venedigs, die Nicolas de Fer 1725 schuf mini|Blick auf den Campo de San Basegio, fotografiert 2017 mini|Blick nach Süden in Richtung Palazzo Molin; im Hintergrund der Molino Stucky, der sich auf der Giudecca befindet mini|„Terminal S. Basilio“ der Stazione marittima, eines Hafens im Westen Venedigs, und die Vaporetti-Haltestelle S. Basilio San Basegio (; ) war eine Kirche im venezianischen Sestiere Dorsoduro, die den Namen Basilius des Großen trug. Ihre Existenz lässt sich nur noch an einer Reihe von Ortsbezeichnungen, wie dem Campo de San Basegio, oder der Anlegestelle für Vaporetti an den Zattere erkennen. Erbaut im 9. oder 10. Jahrhundert, mehrfach zerstört und im Stil der jeweiligen Epoche wieder aufgebaut, war sie zuletzt eine barocke Kirche. Diese wurde nach der im Jahr 1810 erfolgten Säkularisation unter den Franzosen Napoleons als Holzlager benutzt, dann im Jahr 1824, als Venedig österreichisch war, abgerissen.
Geschichte Möglicherweise entstand ein erster Kirchenbau zwischen dem Ende des 9. Jahrhunderts und der Mitte des 10. Jahrhunderts. Marin Sanudo datiert ihre Gründung in das Jahr 870, andere Autoren in die Jahre 905 oder 970. Während ersterer glaubte, Namensgeber sei die Gründerfamilie Baseggio (oder Basegia) gewesen, werden auch die Molin oder die Acotanto genannt. Als erstes in den Quellen gesichertes Datum kann das Jahr 1143 gelten. Nach anderen Angaben wurde die Kirche nach ihrem Baumeister Pietro Basejo benannt – was allerdings ungewöhnlich wäre.Oscar Mothes: Geschichte der Baukunst und Bildhauerei Venedigs, Voigt, 1859, S. 242.
Die ältere Kirche wurde wohl beim Stadtbrand von 1106 zerstört, erneut brannte die Kirche „sancti Baxilii“ am 15. Dezember 1166, wie Andrea Dandolo in seiner Chronik berichtet. Sie wurde wieder neu aufgebaut, um 1348 einem Erdbeben zum Opfer zu fallen (1347 more veneto). Das Gebäude wurde abermals neu gebaut, dann im 17. Jahrhundert barock umgestaltet. Wie Emmanuele Antonio Cicogna feststellte, wurde die Kirche laut den dortigen Inschriften drei Mal wiederaufgebaut.
Während der französischen Herrschaft wurde die Gemeinde 1807 aufgelöst, am 18. September 1810 fand der letzte Gottesdienst statt. 1824 wurde die Kirche, seit geraumer Zeit nur noch als Lager genutzt, abgerissen.Alvise Zorzi: Venezia scomparsa. Storia di una secolare degradazione, Bd. 2: Repertorio degli edifici veneziani distrutti, alterati o manomessi, Electa, 1972, S. 147.
Die barocke Gestaltung des Innenraumes stand in Kontrast zum Äußeren, das weitgehend aus dem 14. Jahrhundert stammte. Der Innenraum barg Werke großer Meister, wie Palma il Giovane, Marco Vecellio oder Alvise Vivarini.
In der Gemeinde wurde am 7. Oktober 1675 die Malerin Rosalba Carriera geboren, die, erblindet, am 15. April 1757 starb.
Die Reliquien des Heiligen Costanzo di Ancona (5. Jahrhundert) und die des Venezianers und Seligen Pietro Acotanto (* 1115 in Venedig; † August 1187) befinden sich heute in der nahegelegenen Kirche San Trovaso. 1760 überließ der Patriarch von Venedig einen Knochen des Anconitaners dem Dom seiner Heimatstadt. Nach den Angaben Corners, der sich auf einen Guglielmo Saraceni stützt, der eine Geschichte der Stadt Ancona verfasst haben soll, hatten zu einem unbekannten Zeitpunkt Venezianer die Reliquien des Heiligen in Ancona geraubt. Sie boten der Gemeinde San Basegio die Reliquien an einem 12. Juli an.Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e dei monasteri di Venezia e di Torcello, Padua 1758, S. 419. Nach legendärer Überlieferung verschwanden die Reliquien, tauchten um 1250 wieder auf und wurden 1340 feierlich durch den Patriarchen (eigentlich Bischof von Castello) Nicolò I. Morosini unter dem Altar der Kirche deponiert. Die Verehrung Acotantos als Wohltäter der Ärmsten lässt sich spätestens seit 1443 sicher belegen; eine Verehrung, die vom Papst 1598 genehmigt wurde.
1810, als die Kirche mitsamt dem Campanile abgebrochen wurde,Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, S. 20. gelangten die Reliquien Acotantos nach San Sebastiano, schließlich 1821 nach San Trovaso.
Quellen Parrocchia di San Basilio di Venezia (1555 marzo 21 - 1809 gennaio 24).
Literatur Elena Bassi: Tracce di chiese veneziane distrutte. Ricostruzioni dai disegni di Antonio Visentini, Istituto veneto di scienze, lettere ed arti, 1997, S. 89 f. (mit Darstellungen des Malers Antonio Visentini). Marcello Brusegan: Guida insolita ai misteri, ai segreti, alle leggende e alle curiosità delle chiese di Venezia, Newton Compton, 2004, S. 378. Giuseppe Tassini: S. Basegio, in: Curiosità Veneziane, M. Fontana, Venedig 1882³, S. 63. (Digitalisat) Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 1, Venedig 1824, S. 223–231 (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 418–421. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 436, n. l („S. Pasilio, insgemein S. Basegio genannt, Parrochie“). (Digitalisat)
Weblinks
San Basegio. San Basilio, The Lost Churches auf der Website The Churches of Venice, Website von Jeff Cotton Campo San Basegio, nel Sestiere di Dorsoduro Campo San Basegio, Nizioleti
Fußnoten
Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Biagio Kategorie:Barockbauwerk in Venedig Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Kategorie:Barocke Kirche Venedig Kategorie:Zerstört in den 1820er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien