The Room Next Door („Das Zimmer nebenan“, spanischer Titel: La habitación de al lado) ist ein Spielfilm von Pedro Almodóvar aus dem Jahr 2024. Bei dem Melodram handelt es sich um eine Adaption des Romans What Are You Going Through von Sigrid Nunez (dt. Titel: Was fehlt dir). Im Mittelpunkt der Filmhandlung stehen zwei New Yorker Freundinnen, die den Kontakt zueinander nach Jahren wiederaufleben lassen. In gemeinsamen Gesprächen setzen sie sich mit Themen wie Reue, Erlösung und der eigenen Sterblichkeit auseinander. Die Hauptrollen übernahmen Julianne Moore und Tilda Swinton. Die spanische Produktion, gleichzeitig Almodóvars erster Spielfilm in englischer Sprache, wurde Anfang September 2024 auf dem Filmfestival von Venedig uraufgeführt. Dort gewann The Room Next Door mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis. Ein regulärer Kinostart in Spanien und Deutschland erfolgte im Oktober desselben Jahres.

Handlung Die Bestsellerautorin Ingrid lebt in Manhattan und verdient ihren Lebensunterhalt mit der Veröffentlichung autofiktionaler Romane. Sie hat solche Angst vor dem Tod, dass sie mit On Sudden Deaths gerade ein Buch über das Thema verfasst hat. Nachdem Ingrid vor langer Zeit den Kontakt zu ihrer Freundin Martha verloren hat, lässt sie die Freundschaft mit der todkranken Kriegskorrespondentin wiederaufleben. Martha hat Gebärmutterhalskrebs im Endstadium. Ingrid stattet ihr einen Besuch im Krankenhaus ab und wird in den zermürbenden Ablauf von Marthas medizinischen Behandlungen hineingezogen. Bei den folgenden Treffen vertiefen sich die Frauen in ihre Vergangenheit. Ingrid und Martha arbeiteten in ihrer Jugend gemeinsam für eine Zeitschrift. Sie tauschen sich über Erinnerungen, Anekdoten, Kunst und Filme aus. Weitere Themen sind Reue, Erlösung und die eigene Sterblichkeit. Ingrid erfährt, dass sich Martha wegen eines Missverständnisses mit ihrer Tochter entzweit hat.Samantha Bergeson: Pedro Almodóvar’s ‘The Room Next Door’ Starring Julianne Moore and Tilda Swinton Lands at Sony Pictures Classics. In: indiewire.com, 1. Februar 2024 (abgerufen am 23. Juli 2024).The Room Next Door. In: sonyclassics.com (abgerufen am 20. August 2024).

Martha tritt eines Tages mit einer Bitte an Ingrid heran, die ihre Bindung auf die Probe stellt. Sie soll Martha in ein Haus in einem Naturschutzgebiet, zwei Fahrstunden von Manhattan entfernt, begleiten. Dort will die Schwerkranke freiwillig mit einer aus dem Darknet besorgten Medikation aus dem Leben scheiden. Da Martha bei ihren gefährlichen Einsätzen in Krisengebieten immer von Kollegen umgeben war, möchte sie nicht allein sterben. Ingrid soll im titelgebenden Raum nebenan verweilen. Sie stimmt Marthas Vorhaben zu. Die Tage verbringen beide bis zu Marthas Tod mit kurzen Spaziergängen und langen Filmabenden. Am Ende erscheint auch Marthas Tochter, die traumatisiert war, da sie ihren Vater nie kennenlernen konnte.

Hintergrund mini|hochkant=0.7|Pedro Almodóvar (2018) The Room Next Door wurde von Pedro und Agustín Almodóvars Gesellschaft El Deseo produziert. Für die Hauptrollen von Ingrid und Martha wurden Julianne Moore und Tilda Swinton verpflichtet. In weiteren Rollen sind unter anderem John Turturro, Alessandro Nivola und Juan Diego Botto zu sehen. Die Dreharbeiten fanden ab März 2023 in New York und Madrid statt und wurden von Almodóvar als „sehr bewegend“ beschrieben. Es ist der erste englischsprachige Spielfilm des spanischen Regisseurs und Drehbuchautors. Eigenen Angaben zufolge verschwand Almodóvars Unsicherheit nach der ersten Lesung mit den Schauspielern. „Die Sprache sollte kein Problem sein, und zwar nicht, weil ich Englisch beherrsche, sondern weil die gesamte Besetzung bereit war, mich zu verstehen und es mir leicht zu machen, sie zu verstehen.“The Room Next Door. In: labiennale.org (abgerufen am 26. August 2024). Ein zuvor erwogenes Spielfilmprojekt mit Cate Blanchett, basierend auf Lucia Berlins Kurzgeschichtenband A Manual for Cleaning Women, hatte Almodóvar verworfen. In Vorbereitung auf seine Tätigkeit im englischsprachigen Kino hatte er mit The Human Voice (2020) und Strange Way of Life (2023) erste englischsprachige Kurzfilme inszeniert. Swinton, die in The Human Voice aufgetreten war, verglich The Room Next Door mit Almodóvars Spielfilm Leid und Herrlichkeit von 2019. Themen seien wie dort alte Freundschaften, „wie sie uns stützen und wofür wir sie in dieser Phase unseres Lebens brauchen“.Ryan Lattanzio: Tilda Swinton Says Pedro Almodóvar’s ‘Room Next Door’ Is a ‘Natural Successor’ to ‘Pain and Glory’. In: indiewire.com, 28. Februar 2024 (abgerufen am 23. Juli 2024). Almodóvar gab vor der Premiere an, dass im Mittelpunkt der Filmhandlung eine unvollkommene Mutter und ihre verärgerte Tochter stehen, die sich aufgrund eines Missverständnisses voneinander entfremdet haben. Während der Präsentation des Films in Venedig trat er gemeinsam mit Swinton als Befürworter von Sterbehilfe auf. In der Pressekonferenz nach der Uraufführung betonte der Regisseur, dass sich der Film für die Sterbehilfe einsetze. „Es gehe um die persönliche Freiheit des Menschen, sein Recht, nicht die Krankheit entscheiden zu lassen, wann das Ende naht, sondern selbst die Zügel in der Hand zu behalten“.Jan Küveler: 16.45 Uhr – Almodóvar verkitscht den Tod. In: Die Preise, wenn alles mit rechten Dingen zugeht. In: welt.de, 7. September 2024 (abgerufen am 8. September 2024).

mini|hochkant=0.7|Kameramann Eduard Grau (2019) Für die Kameraarbeit verpflichtete Almodóvar erstmals den im internationalen Kino tätigen Spanier Eduard Grau, während er bei früheren Arbeiten überwiegend auf José Luis Alcaine zurückgriff. Im Gegensatz zu diesemJosé Luis Alcaine, AEC. In: pro.sony (abgerufen am 20. August 2024). gehörte Grau der American Society of Cinematographers (ASC) an.Samantha Dillard: Edu Grau Welcomed Into Society Membership. In: theasc.com, 18. Januar 2021 (abgerufen am 20. August 2024). Er empfand es als „unglaubliche Ehre“, mit Almodóvar zu arbeiten. Man entschied, für die Aufnahmen die ARRI-Alexa-35-Kamera und anamorphotische Panavision-Objektive zu verwenden. Diese Kombination mit der zusätzlichen Körnung und dem Seitenverhältnis von 2,40″ sollten laut Grau die Figuren und die Geschichte, die sich zwischen ihnen abspielt, hervorheben. Der Look von The Room Next Door sollte näher bei Almodóvars früheren Werken liegen, die seinen Stil geprägt haben. Die Farbe sollte im Mittelpunkt stehen sowie die „nicht verhandelbare“ Schönheit der Hauptdarstellerinnen. „Wir wollten einen komplett almodovarischen Film machen, seinen Stil so weit wie möglich würdigen und der Geschichte und ihren Figuren treu bleiben“, so Grau.Sarah Shachat, Mark Peikert: Venice 2024: How 41 Cinematographers Shot Their Festival Films. In: indiewire.com, 1. September 2024 (abgerufen am 2. September 2024).

Für Schnitt und Filmmusik vertraute Almodóvar auf Teresa Font und Alberto Iglesias,The Room Next Door. In: mubi.com (abgerufen am 20. August 2024). mit denen er bereits zuvor zusammenarbeitete.

Rezeption Veröffentlichung mini|Pedro Almodóvar gemeinsam mit seinen Hauptdarstellerinnen Tilda Swinton (links) und Julianne Moore bei der Premiere in Venedig The Room Next Door wurde in die Programme von drei der vier wichtigsten Filmfestivals im Herbst aufgenommen. Die Uraufführung fand am 2. September 2024 auf dem 81. Filmfestival von Venedig, wo das Werk in den Hauptwettbewerb eingeladen war.Ryan Lattanzio: Venice: ‘Maria,’ ‘Queer,’ and ‘Joker: Folie à Deux’ Will Premiere in Competition (Full Lineup). In: indiewire.com, 23. Juli 2024 (abgerufen am 23. Juli 2024). Das Premierenpublikum soll Almodóvars Regiearbeit mit insgesamt 17 Minuten den bis dahin längsten Applaus für einen Wettbewerbsbeitrag bei dieser Festivalausgabe gespendet haben.Ramin Setoodeh, Ellise Shafer: Pedro Almodóvar and New Muses Julianne Moore and Tilda Swinton Land Unbelievable 17-Minute Venice Standing Ovation for ‘The Room Next Door’. In: variety.com, 2. September 2024 (abgerufen am 4. September 2024).

Am 7. September wurde der Film beim 49. Toronto International Film Festival vorgestellt.The Room Next Door. In: tiff.net (abgerufen am 20. August 2024). Dort wurde mit Scott McGehees und David Siegels Loyal Friend eine weitere Verfilmung eines Werks der Schriftstellerin Nunez uraufgeführt.The Friend. In: tiff.net (abgerufen am 20. August 2024). Anita Lee, Programmerin des kanadischen Festivals, lobte The Room Next Door, der trotz Almodóvars Wechsel zur englischen Sprache „nichts von seinen typischen Merkmalen“ früherer Arbeiten verloren habe. Neben der komplexen Erzählweise hob sie die darstellerische Leistung von Julianne Moore und Tilda Swinton sowie die Kameraarbeit von Eduard Grau hervor.

Ein erster Teaser des Films wurde im August 2024 veröffentlicht.THE ROOM NEXT DOOR | Teaser Trailer (2024). In: youtube.com (abgerufen am 20. August 2024).

In Spanien wurde The Room Next Door erstmals am 26. September 2024 auf dem Festival Internacional de Cine de San Sebastián gezeigt. Dort war der Film im Rahmen der Vergabe des Donostia-Filmpreises an Almodóvar programmiert.Pedro Almodóvar. In: sansebastianfestival.com (abgerufen am 26. August 2024). Der reguläre Kinostart in Spanien erfolgte am 18. Oktober 2024. Nach der Kinoauswertung soll der Film exklusiv ins Streamingangebot der spanischen Plattform Movistar+ aufgenommen werden.Daniel de Partearroyo: ‘La habitación de al lado’, de Almodóvar: fecha de estreno, reparto y todo sobre su primera película en inglés. In: 20minutos.es, 12. Juni 2024 (abgerufen am 23. Juli 2024).

In den USA wurde der Film erstmals am 4. Oktober 2024 im Rahmen der Sektion Centerpiece des 62. New York Film Festivals vorgestellt.Pedro Almodóvar’s The Room Next Door Is Centerpiece of the 62nd New York Film Festival. In: filmlinc.org, 1. August 2024 (abgerufen am 4. August 2024). Es war das 15. Mal, dass Almodóvar mit einer Regiearbeit bei dem Festival vertreten war.Rebecca Rubin: Pedro Almodóvar’s ‘Room Next Door,’ Starring Julianne Moore and Tilda Swinton, Set as New York Film Festival Centerpiece. In: variety.com, 1. August 2024 (abgerufen am 4. August 2024).

Ein regulärer Kinoverleih in Deutschland begann am 24. Oktober 2024.The Room Next Door. In: filmstarts.de (abgerufen am 9. August 2024). In den USA ist der limitierte Kinostart am 20. Dezember geplant.

Kritiken Von den auf der Website Rotten Tomatoes nach der Premiere aufgeführten über zwei Dutzend Kritiken sind 89 Prozent positiv („fresh“) und führen zu einer Durchschnittswertung von 7,1 von 10 möglichen Punkten. Auf der Website Metacritic erhielt The Room Next Door eine Bewertung von 70 von 100 möglichen Punkten, basierend auf mehr als einem Dutzend ausgewerteter englischsprachiger Kritiken. Dies entspricht grundsätzlich positive Bewertungen („generally favorable“).

Deutschsprachige Kritiker äußerten sich nach der Premiere in Venedig mehrheitlich positiv über den Film:

Valerie Dirk von der österreichischen Tageszeitung Der Standard lobte The Room Next Door als „raffiniertes“ und stilsicheres „amerikanisches Melodram“. Sie fühle sich an die Werke von Douglas Sirk und Woody Allen erinnert. Die Beziehung von Martha und Ingrid müsse „in den Olymp der schönsten Freundinnenbeziehungen des Kinos aufgenommen“ werden. Zentrale Themen des Films seien „der Tod, die Freundschaft und die körperliche Liebe“. Einzig störte sich die Kritikerin an Tilda Swintons winziger Doppelrolle am Ende des Films, die „wie ein schlechter Zaubertrick“ wirke, „den jeder schon“ kenne.Valerie Dirk: Im Freundinnen-Olymp am Lido. In: Der Standard, 3. September 2024, S. 21.