mini|Friedrich Hecker Friedrich Karl Franz Hecker (* 28. September 1811 in Eichtersheim, Großherzogtum Baden; † 24. März 1881 in Summerfield, Illinois, USA) war ein deutschamerikanischer Rechtsanwalt, Politiker und radikaldemokratischer Revolutionär. Er spielte in der Anfangsphase der badischen und der deutschen Revolution von 1848/49 bis April/Mai 1848 eine zentrale Rolle. In Baden war er in dieser Zeit einer der populärsten Redner und Agitatoren der Revolution. Nach der Niederlage des nach ihm benannten Aufstands emigrierte er in die USA. Dort kämpfte er während des Sezessionskrieges (1861–1865) als Offizier eines deutschen Freiwilligenregiments in der Armee der Nordstaaten.

Leben und Wirken Jugend und Studium mini|Das ehemalige Venningensche Rentamt (Friedrich-Hecker-Haus) in Eichtersheim ist Heckers Geburtshaus mini|Gedenktafel an seinem Geburtshaus mini|Friedrich Heckers Grab auf dem Friedhof Summerfield, Illinois, USA mini|Grab des Vaters auf dem Hauptfriedhof Mannheim

Hecker wurde im Eichtersheimer Rentamt geboren. Sein Vater Josef Hecker war katholisch und königlich bayerischer Hofrat und Rentamtmann bei den Freiherren von Venningen; seine Mutter Wilhelmina war evangelisch und eine geborene von Lueder.OFB Eichertsheim, Josef Seitz (2014) #668, S. 122. Sein Taufpate war Baron Fritz von Venningen.Ludwig Vögely: Hecker hoch! Dein Name schallet… Friedrich Hecker zum 100. Todestag am 24. März 1981. In: Badische Heimat. Jahrgangsband 1981, S. 85. Friedrich hatte drei jüngere Geschwister, darunter der spätere Chirurg und Freiburger Universitätsprofessor Karl Hecker (1812–1878). In Mannheim ging er 1820–1830 auf das Großherzogliche Lyceum, ein überkonfessionelles, neuhumanistisches Gymnasium. Er galt als ausgezeichneter Schüler.Sabine Freitag: Friedrich Hecker. Biographie eines Republikaners. S. 38.

Er wuchs in einem bürgerlich-liberal und oppositionell gesinnten Elternhaus auf und besuchte die Volksschule in Eichtersheim. Von 1830 bis 1834 studierte er Jura an der Universität Heidelberg. Dort hörte er Vorlesungen bei Anton Friedrich Justus Thibaut, Karl Salomo Zachariae und Karl Joseph Mittermaier. Besonders der letztere übte einen grundlegenden Einfluss auf sein Rechtsverständnis.Freitag, S. 38–45. Daneben zeigte er sich beeindruckt von den rationalistisch-fortschrittlichen Geschichtsvorlesungen des Historikers Friedrich Christoph Schlosser.Freitag, S. 45–49. Für ein Semester war Hecker auch an der Universität München immatrikuliert.Freitag, S. 54.

Während seiner Studienjahre begeisterte er sich für die Ziele der studentischen Progressbewegung und engagierte sich bei den Heidelberger Corps Hassia, Palatia und Rhenania.Matrikel der Rhenania II, Corpsarchiv Rhenania Heidelberg. Die gelegentlich kolportierte Zugehörigkeit zur Alten Heidelberger Burschenschaft von 1831Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Teil 2: F-H, 1999, ISBN 978-3-8253-0809-4. ist zweifelhaft.

Zu Heckers studentischem Umfeld in Heidelberg gehörten Heinrich Hoffmann, dessen Struwwelpeter ab 1861 mit dem sogenannten Heckerkragen ausgestattet wurde,Ulrich Wiedmann: Zur Anamnese des Struwwelpeter. Ein neuer Versuch, die Herkunft des alten Kinderschrecks zu klären. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 515–520, hier: S. 515 f. Albert Sprengel, der später Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war, sowie der Rechtshistoriker Karl Eduard Zachariae von Lingenthal und der Shakespeareforscher Karl Gisbert Friedrich von Vincke; sein Jurakommilitone Theodor Hoffmeister (1812–1834) zeichnete 1832 das früheste bekannte Porträt Heckers.Dieter Lent: Ein braunschweigisches Studentenporträtalbum von der Universität Heidelberg mit einem unbekannten Jugendporträt des Revolutionsführers Friedrich Hecker. In: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte. Band 79, 1998, S. 139–166 (Porträtabbildung auf S. 141). Im gleichen Jahr nahm Hecker vermutlich am Hambacher Fest teil. Nach seinem Abschluss mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen 1834 promovierte er am 16. Juni 1834Faksimile in: 1848/49 Revolution der deutschen Demokraten in Baden. Nomos, Baden-Baden 1998, S. 224. in Heidelberg mit summa cum laude zum Doctor juris; sein zweijähriges Rechtspraktikum absolvierte er am Landamt Karlsruhe.Freitag, S. 56.

Im September 1835 unternahm Hecker eine Reise nach Paris. Dort besuchte er die Vorlesungen des Staatsrates Joseph Marie Degérando, vor allem aber kam er mit der französischen Praxis des öffentlichen Gerichtsverfahrens in Kontakt und wohnte den Verhandlungen der Nationalversammlung bei; darüber hinaus nahm er an einem Congrès Historique Européen teil.Freitag, S. 56 f. 1836 kehrte Hecker nach Karlsruhe zurück und schied sofort nach Beendigung seiner Vorbereitungszeit aus dem Staatsdienst aus.Freitag, S. 57. In Mannheim versuchte er, als Rechtsanwalt Fuß zu fassen, erhielt aber erst 1838 eine Stelle als Advokat und Prokurator am Großherzoglichen Oberhofgericht und Hofgericht des Unterrheinkreises.

Am 24. Oktober 1839 heiratete Hecker in Mannheim die 18-jährige Marie Josefine Eisenhardt, Tochter eines Mannheimer Kaufmanns. Mit ihr zeugte er in Deutschland drei Kinder: Arthur (* 1843), Malvina (* 1845) und Erwin (* 1847). In Belleville (Illinois) im St. Clair County kamen zwei weitere Söhne zur Welt: Alfred (* 1852) und Alexander (* 1854).Census 1850, 1860, 1870 und 1880 St. Clair Co., IL.

Politische Karriere 1838 lernte Hecker Gustav von Struve kennen, einen Amtskollegen am Oberhofgericht, der später einer seiner wichtigsten revolutionären Weggenossen wurde. Der Kontakt zwischen beiden blieb zunächst, bis Mitte der 1840er Jahre, eher gering.in Struve’s phrenologischer Zeitschrift (Band 3, Heft 3, S. 231 ff.) erschien unter dem Datum vom 6. April 1845 eine phrenologische Analyse Heckers in der ein nervös sanguinisches Temperament attestiert wurde. „…concentriert momentane Thätigkeit, allein nicht ausharrende Geduld und mühsam fortgesetzte Anstrengung sind hier zunächst zu erwarten“. Als weitaus bedeutender für seine politische Laufbahn sollte sich die Bekanntschaft mit Adam von Itzstein erweisen, mit dem ihn seit 1839 eine feste Freundschaft verband. Hecker wurde von ihm in den Hallgartenkreis eingeführt, der sich um ein koordiniertes Vorgehen der liberalen Oppositionspolitiker bemühte.Freitag, S. 58–60.

Mit kleinen Ämtern begann bald darauf die politische Laufbahn des Advokaten: 1842 wurde er in den Gemeinderat von Mannheim gewählt und Mitglied der exklusiven Herrengesellschaft der „Räuberhöhle“. Schon damals galt er als ausgezeichneter Redner und angenehmer Charakter. Im selben Jahr wählte man ihn auf Empfehlung Itzsteins auch in die Zweite Badische Kammer in Karlsruhe.Freitag, S. 57 f. Seine Arbeit als Abgeordneter erledigte Hecker gewissenhaft.

Als guter Redner stieg Hecker schnell zum Wortführer der liberalen und demokratischen Opposition auf und wurde in dieser Rolle überregional bekannt. Hecker propagierte radikaldemokratische, zum Teil auch gemäßigt sozialistische Ideen: die Gründung staatlich geförderter, aber frei konkurrierender Arbeiterassoziationen, die Abschaffung der Monarchie und die Einführung einer parlamentarischen Republik. 1847 setzte er sich bei der Offenburger Versammlung für eine deutsche Republik ein. Mit scharfen Worten forderte er hier unter dem Eindruck der grassierenden Hungersnöte die Beseitigung des Missverhältnisses zwischen der Schrankenlosigkeit des großen Kapitals und der Not des vierten Standes.

Hecker sprach sich in der Badischen Kammer auch für die Jüdische Emanzipation und volle rechtliche Gleichstellung der Juden aus.Verhandlungen der Zweiten Badischen Kammer 1847/49, Protokoll III. Zitiert in: 1848–1849. Bürgerkrieg in Baden. Chronik einer verlorenen Revolution. Zusammengestellt von Wolfgang Dreßen. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1975, ISBN 3-8031-2003-9, S. 15 ff.

Badische Revolution mini|hochkant=0.7|Hecker mit Revolutionsuniform und „Heckerhut“ Die Februarrevolution 1848 in Frankreich schürte politische Hoffnungen bei Hecker und seinen Gesinnungsgenossen. Er stellte sich auf die Seite der revolutionär gesinnten Bürger, die am 12. März 1848 ihre Petitionen beim Karlsruher Landtag einreichen wollten.

Die Zweite Offenburger Volksversammlung am 19. März 1848 war für Hecker ein Erfolg. Die Versammlung verabschiedete ein revolutionäres Programm und beschloss die Gründung von vaterländischen Vereinen. Auch am Frankfurter Vorparlament (31. März bis 3. April 1848) nahmen Hecker und Struve teil, konnten sich jedoch nicht durchsetzen. Weder gelang es ihnen, in den Fünfzigerausschuss gewählt zu werden, noch stießen ihre radikalen Auffassungen auf Begeisterung. Das Vorhaben, sogleich einen revolutionären Vollzugsausschuss zu gründen, der die politische Macht zu übernehmen habe, scheiterte im Ansatz.

mini|Vom Balkon des Konstanzer Stadthauses soll Friedrich Hecker die Republik ausgerufen haben; dies ist jedoch nicht durch zeitgenössische Quellen belegt. Das Majolikarelief von Johannes Grützke erinnert an Hecker. Enttäuscht von den Frankfurter Demokraten, unternahmen Hecker und Struve am 13. April 1848 von Konstanz aus einen bewaffneten revolutionären Aufstand, der als „Heckerzug“ in die Geschichte eingegangen ist. Konstanz, die als liberal geltende Hauptstadt des Seekreises, erschien ihm als idealer Ausgangspunkt für einen Revolutionszug von Freischärlern gegen die Residenz in Karlsruhe. Hecker überschätzte jedoch die Teilnahmewilligkeit der Bevölkerung. Sein Zug von anfänglich 30–50 Mann wuchs innerhalb einer Woche zwar auf rund 800 Teilnehmer an, doch wurde er von Truppen des Deutschen Bundes in die Enge gedrängt und im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern am Fuß des Südschwarzwalds besiegt. Das Gefecht von Kandern forderte mehrere Menschenleben. Unter den Gefallenen war auch General Friedrich Freiherr von Gagern.

Emigration mini|Friedrich Heckers Farm in Illinois Anders als sein Freund Gustav von Struve betrachtete Hecker die deutsche Revolution nach der Niederlage bei Kandern als gescheitert. Struve kehrte zurück nach Baden, wo er sich weiter für die Revolution engagierte. Hecker war nach der Niederlage zunächst mit Struve und anderen Anhängern nach Muttenz bei Basel geflohen.

Am 7. Juni 1848 wurde Hecker mit großer Mehrheit für den Wahlbezirk Tiengen in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, doch lehnte diese mit 350 gegen 160 Stimmen dessen Aufnahme ab. In der daraufhin für den 16. Oktober 1848 anberaumten Nach- bzw. Ersatzwahl stimmte jedoch erneut eine Mehrheit der Stimmberechtigten im Wahlbezirk Tiengen für Hecker.Waldshut-Tiengen#Übergang an Baden und Heckerzug Unbeeindruckt hiervon wies die Frankfurter Nationalversammlung am 5. März 1849 Hecker aufs Neue zurück.

Im September 1848 reiste Hecker nach Straßburg, wo ihm die Behörden umgehend mit Ausweisung drohten. Er beschloss, in die USA zu emigrieren. Tausende sollen ihn in Straßburg verabschiedet haben. Von Le Havre aus setzten Hecker und seine Begleiter am 20. September 1848 nach New York über.

Noch im selben Jahr erwarb Hecker eine Farm in Summerfield und Lebanon bei Belleville, wo eine kleine Siedlung deutscher Emigranten existierte. Er betrieb Viehzucht und Weinbau und behielt diese Farm zeit seines Lebens. Hecker, dessen Vater einen Weinberg besaß, hatte in den USA Zugang zu wild wachsenden Reben, die eine weitgehende Resistenz gegen die Reblaus entwickelt hatten. Zwischen Adolph Blankenhorn und Hecker entstand 1872–1880 ein reger Briefwechsel, um die Qualität des deutschen Weins mit reblausresistenten Reben aus Amerika zu verbessern. Das Einfuhrverbot für amerikanische Reben wurde umgangen, indem Blankenhorn verschiedene Sorten von Traubenkernen von Hecker bezog.Bernhard Wagner: Wie zwei Badener die Weinwelt gerettet haben. In: Lahrer Hinkender Bote, 2013, S. 176–182.