mini|295px|Von der Elbe durch die Schleusen in den Nord-Ostsee-Kanal Brunsbüttel [] (niederdeutsch: Bruunsbüddel) ist eine Industrie- und Hafenstadt im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Brunsbüttel liegt an der Mündung des Nord-Ostsee-Kanals in die Elbe und ist Standort eines Seehafens. Bekannt ist die Kleinstadt vor allem durch das inzwischen stillgelegte Kernkraftwerk Brunsbüttel und die Schleusenanlagen des Nord-Ostsee-Kanals.

Im Jahr 1948 erhielt Brunsbüttelkoog das Stadtrecht. Brunsbüttel steht nach der Vereinigung mit Brunsbüttelkoog und weiteren Gemeinden im Jahr 1970 heute flächenmäßig hinter Lübeck, Fehmarn, Kiel und Neumünster auf Platz fünf der Städte Schleswig-Holsteins.

Geografie Geografische Lage Brunsbüttel liegt auf einem eingedeichten Stück Marschland beim Übergang der Naturräume Dithmarscher Marsch (Haupteinheit Nr. 684) und Holsteinische Elbmarschen (Nr. 671) auf dem nördlichen Ufer der Unterelbe. Das Stadtgebiet weist kaum natürliche Erhebungen auf und befindet sich nur wenig über dem mittleren Meeresspiegel. Durch den Aushub des Nord-Ostsee-Kanals (1887–1895) und später beim Bau der neuen Schleusen (1908–1914) entstanden mehrere Erdhügel (Wurten), auf denen sich heute die höher liegenden Stadtteile befinden. Das Stadtgebiet wird von verschiedenen, teils wirtschaftlich bedeutenden, Wasserwegen durchzogen.

Elbe Brunsbüttel liegt etwa bei Stromkilometer 695. Die Unterelbe beginnt westlich von hier, ihren Mündungstrichter zum Übergang in die Helgoländer Bucht der Nordsee auszubilden. Bei Brunsbüttel ist der Strom rund 3 km breit. Die Gezeiten führen am Ort zu einem Tidenhub von etwa 2½ bis 3 m. Teile des Neufelder Watts und der Unterelbe bis zur Strommitte sind Teil des europäischen NATURA 2000-Schutzgebietes FFH-Gebiet Schleswig-Holsteinisches Elbästuar und angrenzende Flächen.

Nord-Ostsee-Kanal Der 1895 eingeweihte Nord-Ostsee-Kanal beginnt in Brunsbüttel (Kanal-Km 0) und mündet nach ca. 99 km in Kiel-Holtenau in die Ostsee (Kieler Förde). Er teilt die Stadt in einen östlichen (genannt Brunsbüttel-Süd) und einen westlichen Teil (genannt Brunsbüttel-Nord).

Braake mini|Braake, Blick nach Norden Die Braake ist beim Bruch des Elbdeiches bei der Weihnachtsflut 1717 entstanden. Braake bedeutet niederdeutsch Bruch oder gebrochen. Sie dient heute als Vorfluter zur Sammlung und Ableitung von Oberflächenwasser und wird durch ein Schöpfwerk in die Elbe entwässert. Die Braake nimmt im Brunsbütteler Stadtgebiet weitere Oberflächengewässer auf (Sprante, Helser-Kattrepeler Fleet) und erreicht eine Breite von bis zu 52 m.im Bereich der Mündung der Sprante (gemäß Messung in der Topographischen Karte vom ) Sie wird vom örtlichen Angelverein genutzt und wurde in jüngster Vergangenheit für die Freizeitgestaltung erschlossen: Tennisplatzanlage, Betrieb von Schiffsmodellen, Bürgerpark, Hunde-Freilaufgelände.

Stadtgliederung Folgende Ortsteile gehören zur Stadt Brunsbüttel:

Angrenzende Nachbargemeinden

Nachbarstädte und größere Nachbarorte Brunsbüttel liegt im südwestlichen Teil Dithmarschens und befindet sich im Umfeld mehrerer Städte der Region. Zu den nächstgelegenen Orten zählen Marne und Meldorf weiter nördlich. Auf der gegenüberliegenden Seite der Elbe befindet sich die Stadt Cuxhaven nach Westen versetzt. Weiter im Landesinneren liegen unter anderem Itzehoe sowie Heide als größere regionale Zentren.

Geschichte mini|„Brunsbüttel“ 1645 im Atlas Maior von Blaeu mini|Brunsbüttel um 1895 Die älteste schriftliche Erwähnung des Ortes Brunesbutle findet sich in einer Urkunde vom 14. Juli 1286. Darin gelobten die Bürger von Brunsbüttel ihrem Lehnsherrn, dem Erzbischof von Bremen Giselbert von Brunkhorst, Hamburger Kaufleute nicht mehr zu berauben, d. h. nicht mehr dem Strandraub nachzugehen. Brunesbutle hatte bereits einen Vorgänger, das um 1140 urkundlich erwähnte Kirchspiel Uthaven, das im 13. Jahrhundert durch Sturmfluten unterging.

Die Lage direkt an der Elbe brachte ständige Gefährdung mit sich. Bei der Allerheiligenflut 1532 verlor das benachbarte Kirchspiel Süderhusen die Hälfte seiner Ländereien, 1566 musste es ganz aufgegeben werden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das nunmehr direkt hinter dem Deich liegende Brunsbüttel zur Festung mit einem bis zur Elbe reichenden Wassergraben ausgebaut. Um die kaiserlichen Truppen aufzuhalten, wurden 1626 Deiche durchstochen. Nach weiteren Landverlusten und Rückdeichungen wurde der Flecken Brunsbüttel schließlich 1656 teilweise und 1674 gänzlich ausgedeicht und die Siedlung landeinwärts verlegt. Im Jahre 1654 wurde mit der Anlage eines neuen Friedhofs begonnen. Im Jahre 1679 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Jakobuskirche abgehalten werden.

Die Weihnachtsflut 1717 brach östlich der Ortschaft tief in das Hinterland ein. Alle Bemühungen, den Deich zu schließen, führten nach einem Rückschlag durch die Neujahrsflut 1721 mit einem Umgehungsdeich erst zu einer langjährigen Ausdeichung und 1762 schließlich zum Deichschluss an der Bruchstelle. Der dadurch entstandene Brunsbüttel-Eddelaker-Koog erhielt 1772 die politische Selbstständigkeit durch den dänischen König Christian VII. Mit dem Beginn des Baus des Nord-Ostsee-Kanals 1911 wurde Brunsbüttel geteilt.1907 erfolgte die Umbenennung des Brunsbüttel-Eddelaker-Koogs in Brunsbüttelkoog, der im Jahre 1948 Stadtrecht erhielt. Am 1. Januar 1970 entstand aus Brunsbüttelkoog und den Gemeinden Brunsbüttel, Mühlenstraßen, Ostermoor, Osterbelmhusen, Westerbelmhusen (des früheren Kirchspiels Brunsbüttel) und Westerbüttel (des früheren Kirchspiels Eddelak) die Stadt Brunsbüttel. Zwei Jahre später wurde die Gemeinde Blangenmoor-Lehe (des früheren Kirchspiels Eddelak) eingemeindet sowie eine etwa 80 ha große Fläche aus der Steinburger Nachbargemeinde Büttel, auf der ein Kernkraftwerk errichtet wurde.

Während des Ersten Weltkriegs war die I. U-Boot-Flottille in Brunsbüttelkoog stationiert.Andreas Michelsen: Der U-Bootkrieg 1914–1918, v. Hase & Koehler Verlag, Leipzig 1925, S. 48. Infolge des Kieler Matrosenaufstandes bildete sich am 5. November 1918, ähnlich wie in Hamburg, Lübeck und Cuxhaven ein Arbeiter- und Soldatenrat in Brunsbüttelkoog.dtv-Atlas Weltgeschichte, Bd. 2, S. 406, München 2002 Damit gehörte die Stadt zu den Orten, in denen die Novemberrevolution ihren Ausgang nahm.

In der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 überfielen Nazis den jüdischen Geschäftsmann Franz Samter und dessen Sohn Walter. Beide wurden in Schutzhaft genommen.Martin Gietzelt: Geschichte Dithmarschens, Heide 2000. Am 6. April 1945 erreichte gegen 20 Uhr ein Zug mit über 2000 KZ-Häftlingen den Brunsbütteler Bahnhof. Die Wachmannschaft ließ die Waggons trotz katastrophaler hygienischer Zustände bis zum nächsten Morgen verschlossen stehen. In der Nacht tobten und schrien die Häftlinge vor Verzweiflung. Mindestens drei Menschen wurden von den Wachleuten erschossen. Erst gegen Mittag des 7. April 1945 wurde Verpflegung ausgegeben und die Waggons notdürftig gereinigt. Gegen 14 Uhr fuhr der Zug ab.Irene Dittrich: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu den Stätten von Widerstand und Verfolgung, Schleswig-Holstein I, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-88864-046-6.

Eingemeindungen Am 1. April 1934 wurde die Kirchspielslandgemeinde Brunsbüttel aufgelöst. Alle ihre Dorfschaften, Dorfgemeinden und Bauerschaften wurden zu selbstständigen Gemeinden/Landgemeinden, so auch ihr Hauptort Brunsbüttel.

Am 1. Januar 1970 wurden die Stadt Brunsbüttelkoog und die bis dahin selbstständigen Gemeinden Brunsbüttel, Mühlenstraßen, Osterbelmhusen, Ostermoor, Westerbelmhusen und Westerbüttel zur neuen Stadt Brunsbüttel zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1972 kam Blangenmoor-Lehe hinzu.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Brunsbüttel von 1867 bis 2019 nach Daten der nebenstehenden Tabelle: Blau die Einwohnerzahl für das Gebiet der heutigen Stadt Brunsbüttel, grün die Zahl für Brunsbüttelkoog, rot für die damalige Gemeinde Brunsbüttel

Datum heutigeGemeindeBrunsbüttel damaligeGemeindeBrunsbüttel Brunsbüttel-koog 3. Dezember 1867 3180 1099 849 1. Dezember 1880 3000 1061 787 1. Dezember 1890 3955 1176 1585 1. Dezember 1900 5950 1291 3513 1. Dezember 1910 8530 1461 5684 8. Oktober 1919 7850 1377 5039 17. Mai 1939 8051 1457 5425 13. September 1950 14.407 2681 9805 6. Juni 1961 11.997 2043 8634 27. Mai 1970 12.225 31. Dezember 2000 13.942 31. Dezember 2005 13.751 31. Dezember 2010 13.120 31. Dezember 2015 12.740 31. März 2019 12.503

Religion Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (Mai 2022) 45,7 % der Einwohner evangelisch, 5,3 % katholisch, und 49,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 7. August 2026.

Evangelisch-Lutherisch Brunsbüttels Protestanten bilden eine vereinigte evangelisch-lutherische Kirchengemeinde. Sie unterhält zwei Kirchen. Es ist die letztmals im Jahr 1726 geweihte Jakobuskirche im historischen Ortskern sowie die 1915 geweihte Pauluskirche.

Die Jakobuskirche folgte einem Vorgängerbau, welcher bei einem Brand zerstört wurde. Am 31. Oktober 2025 kam der Pauluskirche ein vergleichbares Schicksal zuteil. Der Dachstuhl und die Orgel wurden bei einem Brand zerstört.Kirche in Flammen, Tag24.de, 1. November 2025

Die Kirchengemeinde verfügt zudem über das Paulus-Gemeindezentrum der Landeskirche.

Römisch-Katholisch Die Kapelle Maria Meeresstern wurde 1930 errichtet und ist Bestandteil der Pfarrei St. Nikolaus in Itzehoe.

Seemannsmission Glaubensarbeit wird auch durch die Seemannsmission Brunsbüttel der Deutschen Seemannsmission Westküste e. V. geleistet.

Friedhöfe Paulusfriedhof (Wurtleutetweute 35) Jakobusfriedhof (Deichstraße 8)

Politik Ratsversammlung

Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 30 Sitze vergeben. Von diesen erhielt die CDU elf Sitze, die SPD sieben Sitze, die FDP fünf Sitze, die Wählerinitiative Graue Panther Dithmarschen vier Sitze und die Grünen drei Sitze.

Bürgermeister Bürgermeister von Brunsbüttel ist Martin Schmedtje (parteilos). Er wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 70,7 Prozent Ja-Stimmen zu 29,3 Prozent Nein-Stimmen erneut gewähltBürgermeisterwahl 2024 auf wahlen-sh.de abgerufen am 4. März 2025 und trat daraufhin seine zweite Amtszeit an.

Wappen mini|hochkant|Flagge Brunsbüttel Blasonierung: „In Rot ein schräglinker silberner Wellenbalken, den, schräglinks gekreuzt, ein Anker mit Ring und ein Spaten in verwechselten Farben überdecken.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Das Wappen wurde 1951 für Brunsbüttelkoog genehmigt und nach der Gründung von Brunsbüttel übernommen. Der Anker symbolisiert den maritimen Charakter und die lange Seefahrertradition der Stadt. Die Wellenlinie und der Spaten stehen für den Bau des Nord-Ostsee-Kanals. Das in der Stadtfahne verwendete Motiv wurde vom Kunsterzieher Willi Horsa Lippert entworfen.

Städtepartnerschaft Horní Počernice, Tschechien (seit Februar 2004)

Kultur und Sehenswürdigkeiten (Überblick)

Theater und Museen Das Kultur- und Tagungszentrum Elbeforum wurde 1992, nach dreijähriger Bauzeit, eröffnet. Betreiber ist die Volkshochschule Brunsbüttel e. V.

Das Elbeforum Brunsbüttel bietet ein Veranstaltungsprogramm aus den Bereichen Schauspiel, Komödie, Musical, Oper, Operette, Kleinkunst, Kindertheater u. v. a. m. Eine feste Größe sind auch die kommerziellen Veranstaltungen im Elbeforum, wozu u. a. Bälle, Tagungen, Seminare, Versammlungen, Empfänge, Parteitage und private Feste gehören. Seit der Eröffnung wird im Elbeforum die Stadtgalerie als Kunstmuseum geführt. Neben der Pflege der städtischen Kunstsammlung präsentiert die Stadtgalerie wechselnde Ausstellungen verschiedener Kunstrichtungen.

Brunsbüttel ist alljährlich einer der Spielorte des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Aufführungsort für Theater und Musikveranstaltungen ist das Elbeforum.

Eine weitere Galerie ist die Galerie Rusch.