mini|Ein entzündetes Streichholz mini|Streichhölzer aus Pappe im Briefchen und Streichhölzer aus Papier mit Wachsüberzug (Vesta) Ein Streichholz oder Zündholz, veraltet Schwefelholz, ist ein Stäbchen zum Entfachen eines Feuers. Es besteht aus einem Schaft aus Holz, Pappe oder Papier, an dessen Ende ein Zündkopf angebracht ist. Durch Reiben des Zündkopfes an einer Reibfläche entzündet er sich und bringt das Streichholz zum Brennen.
Die ersten praktisch einsetzbaren Zündhölzer kamen Anfang des 19. Jahrhunderts auf den Markt. In der Anfangsphase waren sie unzuverlässig, explosionsträchtig und enthielten sehr giftige Stoffe, insbesondere weißen Phosphor. Seit den 1850er Jahren gibt es die Sicherheitszündhölzer, so wie sie noch in Gebrauch sind.
Obwohl die Wörter Streich- und Schwefelholz früher häufig synonym verwendet wurden, ist das Schwefelholz eigentlich ein Vorläufer des modernen Streichholzes. Es wird im Abschnitt Geschichte beschrieben.
Geschichte Übersicht Schwefelhölzer werden seit mindestens 2000 Jahren als Anzündhilfe verwendet, um Feuer zu machen. Im 17.–19. Jahrhundert werden Fidibusse zum Entzünden von Pfeifentabak verwendet. Die Entdeckung des Phosphors 1669 ermöglichte eine einfache, chemische Zündung. Frühe Zündhölzer entstanden zwischen 1780 und 1830 und verwendeten u. a. Phosphor oder das 1787 entdeckte Kaliumchlorat. Im Jahre 1824 erfand der britische Ingenieur und Offizier William Congreve das erste echte Streichholz mit ReibungszündungVgl. Gleichen-Rußwurm, Alexander von: Es werde Licht!, Eine kleine Jahrhundertfeier 1824—1924; in: Hohenstein-Ernstthaler Tageblatt vom 18. Dezember 1924, S. 2.Vgl. u. a.: Honnefer Volkszeitung vom 18. Dezember 1924, S. 2 sowie unter dem Namen Congrew u. a. in: Neckar-Bergstrass-Post vom 14. Juni 1924, S. 6; General-Anzeiger vom 27. Juni 1924, S. 5; Allgemeine Zeitung für Westfalen vom 28. November 1924, S. 7.. Da die Zusammensetzung der Zündmasse auf Basis von Kaliumchlorat und Schwefel veröffentlicht wurde, fabrizierten diese neuartigen Zündhölzer, trotz ihrer Nachteile, bald viele Hersteller. Die ersten zuverlässigen Streichhölzer, patentiert 1836 vom ungarischen Chemiestudenten János Irinyi, waren Phosphorstreichhölzer. In der entstehenden Zündholzindustrie litten die Arbeiter unter Vergiftungen und Berufskrankheiten durch weißen Phosphor. Die selbstentzündlichen Phosphorhölzchen waren nicht ungefährlich. Um 1844 erfand der schwedische Chemiker Gustaf Erik Pasch das Sicherheitsstreichholz, dessen entscheidender Vorteil ein auf Zündkopf und die neue, spezielle Reibfläche verteilter Zündmechanismus ist. Es braucht keinen weißen Phosphor. Der schwedische Kaufmann Carl Frans Lundström verhalf dem Sicherheitsstreichholz ab 1855 zum Erfolg und schuf die Grundlage für die dominierende schwedische Zündholzindustrie. 1906 wurde in einer internationalen Konvention in Bern (orig. Convention internationale sur l’interdiction de l’emploi du phosphore blanc (jaune) dans l’industrie des allumettes) das Verbot der Verwendung von weißem Phosphor zur Streichholzherstellung weltweit beschlossen. Der schwedische Unternehmer Ivar Kreuger gründete den Konzern STAB, heute Swedish Match, und versuchte ein weltweites Zündwarenmonopol zu errichten, das in Deutschland ab 1930 gesetzlich garantiert war. Die Streichholzproduktion erreichte um 1958 ihren Höhepunkt, zu dem in den USA etwa 40 Milliarden Streichhölzer pro Jahr produziert wurden. Ein Großteil waren Werbeartikel.
Schwefelhölzer mini|Schwefelhölzchen Schwefelhölzer, frühe Vorläufer der Streichhölzer, sind spitz zulaufende Holzstäbchen, deren Spitzen mit Schwefel beschichtet sind. Sie erleichtern den Übergang von glimmendem Zunder zu einer offenen Flamme. Das Holz für sich ist recht schwer entzündlich und würde im Kontakt mit der Glut lediglich verkohlen. Der Schwefel hat eine niedrige Zündtemperatur und dient hier als eine Art Zwischenbrennstoff, der sich an der Glut entzündet und die Flamme auf das Holz überträgt. Zumindest in vulkanischen Regionen mit natürlichen Schwefelvorkommen werden solche Hölzchen vermutlich schon ähnlich lange verwendet wie Zunder aus Baumpilzen, der, durch Funde nachgewiesen, seit mindestens 9000 Jahren hergestellt wird. Belegt sind sie durch Plinius den Älteren, der sie um das Jahr 77 in seiner Naturalis historia erwähnt. In China gab es sie spätestens um 950, wahrscheinlich aber schon im 6. Jahrhundert, und im 13. Jahrhundert waren sie zumindest in Hangzhou üblich. Im mittelalterlichen Europa waren sie weit verbreitet und, zusammen mit Zunderschwamm und Feuerstahl, übliches Feuerzeug. Bushcrafter verwenden sie noch heute. Im 19. Jahrhundert wurden die Worte Streich- und Schwefelholz synonym verwendet, denn auch Streichhölzer enthalten Schwefel.
Frühe chemische Zündhölzer Die Voraussetzungen zur Entwicklung von Zündhölzern ist eine zuverlässige chemische Zündung. 1669 entdeckte der Hamburger Alchimist Hennig Brand beim Aufarbeiten von Harn das Element Phosphor. Phosphor gibt es in verschiedenen Varianten, den Allotropen, die sich in ihrer Farbe unterscheiden und auch sonst sehr verschiedene Eigenschaften haben. Der von Brand entdeckte weiße Phosphor verblüffte durch seine Chemolumineszenz und die hohe Brandgefahr, die von ihm ausgeht. Ein Stück weißer Phosphor kann sich schon bei 50 °C selbst entzünden, feinverteilt sogar schon bei Normaltemperatur (20 °C). Er ist pyrophor. Außerdem reagiert er mit vielen Stoffen heftig, darunter Schwefel. Diese Selbstentzündlichkeit und die explosiven Reaktionen führten zu einer ersten Welle von Experimenten mit dem Ziel, Feuer zu machen. 1670 untersuchte der Naturforscher Robert Boyle Phosphor systematisch, und 1680 experimentierte er mit Schwefelhölzern, die sich mit Hilfe von Papierstreifen entzünden ließen, die mit Phosphor präpariert waren. Diese Technik ist jedoch nicht alltagstauglich, denn das Phosphorpapier muss frisch zubereitet und kann nicht bevorratet werden.
mini|Rechts im Bild: Phosphorfläschchen mit Schwefelhölzchen (1828) Von 1780 bis 1830 wurden viele verschiedene Gerätschaften erfunden, die sich dem Konzept des individuellen Zündholzes annäherten, und viele davon verwendeten Phosphor. Die Prioritäten dieser Erfindungen sind nicht klar. Eine große Gruppe waren Geräte mit Namen wie „Tragbare Phosphor Box“, „Phosphorfläschchen“ oder „Taschenluminar“, die aus einem luftdicht verschlossenen Röhrchen, einer Art Reagenzglas, bestehen, das innen mit einer dünnen phosphorhaltigen Beschichtung versehen ist. Um Feuer zu machen, wird das Röhrchen kurz geöffnet, ein Schwefelhölzchen an der Innenwand gerieben und zurückgezogen. An der Umgebungsluft entflammt das Hölzchen, sofern es genug Phosphor aufgenommen hat. Diese Art der Zündung ist unzuverlässig und nicht sehr sicher. Es gibt viele weitere frühe Feuerapparate, auf Phosphorbasis und anderen Prinzipien, wobei die komplexeren eher zu den Feuerzeugen gehören.
Die Entdeckung des Kaliumchlorats 1787 durch den französischen Arzt und Chemiker Claude-Louis Berthollet führte zur Entwicklung neuer Zündmechanismen. Kaliumchlorat ist ein stark brandförderndes Oxidationsmittel, das, mit einem Brennstoff kombiniert, sehr energiereiche Mischungen oder pyrotechnische Sätze ergibt. Eine solche Mischung für Zündhölzer wird Zündmasse genannt; alle modernen Mischungen enthalten Kaliumchlorat. Sätze mit Chlorat haben die Eigenschaft, sich im Kontakt mit hochprozentiger Schwefelsäure zu entzünden; diese Reaktion wurde für den ersten Zündmechanismus mit zwei Komponenten verwendet.
1805 kamen die von Jean Louis Chancel erfundenen Tunkhölzer auf den Markt, die er unter dem Namen briquet oxygéné vertrieb. Im Zündkopf dieser Hölzchen befanden sich Kaliumchlorat, Schwefel, Bindemittel und andere Komponenten, die, mit konzentrierter Schwefelsäure befeuchtet, entflammten. Die Säure wurde zum Transport auf ein Stück Asbest geträufelt, das in einer Glasphiole mit Schliffstopfen mitgeführt wurde. Der Asbest diente als säurefestes Schwämmchen und wurde nachträglich eingeführt, nachdem sich Unfälle mit Kleidung, Polstern und Teppichen gehäuft hatten. Verspritzung von Säure und fliegende Funken kamen oft vor. Trotzdem waren diese und andere Zündhölzer mit Schwefelsäurezündung lange recht verbreitet und wurden erst durch Streichhölzer verdrängt.
Die wohl ausgefeilteste Variante dieser Zündung findet sich in den Prometheus-Zündhölzern (). Das ursprüngliche Prinzip wurde von Arbeitern weiterentwickelt und das Ergebnis 1826 von Samuel Jones patentiert. Der Schaft besteht aus einem 8 cm langen, steifen Papierröhrchen, in dessen einem Ende eine mit Schwefelsäure gefüllte Glasperle steckt. Eine Mischung aus Kaliumchlorat, Zucker und Bindemittel umhüllt diese Ampulle und verklebt sie fest mit dem Schaft. Wird das Glas zerstört, entzündet sich die mit Säure befeuchtete Mixtur und bringt das Papier zum Brennen. Der britische Naturforscher Charles Darwin führte diese Zündhölzer während seiner Weltumsegelung mit der HMS Beagle im Juli 1832 beim Besuch einer Plantage in Brasilien seinen Gastgebern vor. Er berichtet:
Eigentlich waren zum Knacken der Ampullen kleine Zangen vorgesehen, die auch im Set mit dekorativen Etuis erhältlich waren. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die Zündung einiger Prometheus-Zündhölzer aus der Zündwarensammlung Bryant & May inszeniert und dokumentiert. Das Foto eines zündenden Hölzchens ist im Abschnitt Weblinks zu finden.
In diesem Zündmechanismus bilden Säure und Zündmasse ein Zweikomponentensystem, dessen Einzelteile erst zur Zündung zusammengebracht werden. Solche Zweikomponentenzündungen sind sehr sicher, denn in Abwesenheit der zweiten Komponente ist das Risiko einer unbeabsichtigten oder spontanen Zündung sehr gering.
Das erste Streichholz Das erste echte Streichholz mit Reibungszündung soll "um 1826" von dem englischen Apotheker John Walker erfunden worden sein. Der Zündkopf enthielt Kaliumchlorat und Antimon(III)-sulfid und ließ sich entzünden, indem man ihn mit einem gefalteten Stück Sandpapier anriss. Die Hölzer waren sehr groß und die Zündung erforderte Geschick; da zum Zünden der sehr trägen Mischung etwas Kraft nötig ist, rissen die Zündköpfe oft ab. Walker meldete seine Erfindung nicht zum Patent an. Stattdessen nahm Samuel Jones 1830 die Produktion ganz ähnlicher Hölzchen auf, deren Köpfe zur Verbesserung der Zündfähigkeit zusätzlich Schwefel enthielten. Sie wurden unter dem Namen Jones's Lucifer Matches bekannt. Jones war auch der Erste, der seine Streichhölzer in kleinen, quaderförmigen Schachteln aus Karton anbot. Auf der Schachtel seiner Lucifers stand:
mini|Rezept zur "Verfertigung von Zündhölzern" auf Basis von Kaliumchlorat und Schwefel aus dem Jahre 1825.Diese im englischen Sprachraum verbreitete Darstellung, John Walker habe das Streichholz im Jahre 1826 eher zufällig erfunden, kollidiert mit dem Umstand, dass in Deutschland im Jahre 1924 der hundertste Jahrestag der Erfindung des Streichholzes begangen wurde, wobei in der damaligen Presse der Engländer William Congreve als Urheber genannt wurde. Tatsächlich lassen sich bereits für das Jahr 1825 in Deutschland Veröffentlichungen zur Herstellung derartiger Zündhölzer auf Kaliumchlorat-Basis finden (siehe nebenstehenden Auszug aus der Nürnberger Handlungs-Zeitung vom 7. September 1825). Congreve, der seit Jahrzehnten ein Experte im Bereich der chemischen Zündstoffe war, hatte im Jahre 1824 in Russland, Österreich, Dänemark, Schweden, Preußen, Hannover und den Niederlanden Verträge zum Aufbau einer Gasbeleuchtung abgeschlossenVgl. Meldung: Gasbeleuchtung; in: Allgemeine Handlungs-Zeitung vom 24. Dezember 1824, S. 3., was sein besonderes Interesse an der Entwicklung und Verbreitung einer einfache Zündmethode für das Gas erklären würde.