mini|Sir Michael Eavis im Juni 2024 Sir Athelstan Joseph Michael Eavis, CBE (geboren am 17. Oktober 1935 in Pilton, Somerset) ist ein englischer Milchbauer und Mitbegründer des Glastonbury Festivals, welches jeweils auf seinem Bauernhof in Pilton, Somerset stattfindet.

Privatleben Herkunft und Kindheit Michael Eavis Familie stammte aus Dorset bis sein Urgroßvater väterlicherseits mit einer Viehherde nach Norden zog und sich in den 1860ern auf der Worthy Farm in Pilton, Somerset niederließ. Sein Vater Joseph „Joe“ Eavis war ein lokaler methodistischer Priester. Seine Mutter Sheila Eavis (geborene Carwardine) stammte aus London und arbeitete als stellvertretende Schulleiterin. Am 17. Oktober 1935 wurde Athelstan Joseph Michael Eavis geboren – nach eigener Aussage etwa drei Monate vor der Hochzeit seiner Eltern. Seinen ersten Vornamen Athelstan hat er von seinem Großvater mütterlicherseits. Er hatte drei jüngere Brüder und eine jüngere Schwester, die alle mit ihm auf der Worthy Farm aufwuchsen. Seine methodistisch-wesleyanische Erziehung, insbesondere das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft, prägte ihn nachhaltig und er führt seine späteren politischen Ansichten auf sie zurück. Die Familie besuchte die Kapelle dreimal pro Woche, beim Abendessen wurde über die Unterstützung von Bedürftigen diskutiert, abends sangen sie am Klavier religiöse Hymnen und Michael besuchte mit fünf Jahren jeden Sonntag die methodistische Sonntagsschule. Im selben Alter kam er zudem in die Dorfschule in der ihn alle Michael, statt Athelstan nannten. Schließlich übernahmen seine Eltern diesen Namen ihm zuliebe.

Ausbildung und frühe Karriere Als Michael Eavis neun Jahre alt war, schickten ihn seine Eltern auf das private Internat Wells Cathedral School. Laut Michael hatte seine Mutter gewisse Ansprüche und wollte nicht, dass sie „nur normale Bauern“ seien. Fünf Jahre lang lebte er Vollzeit im Internat. Seine Liebe zur Popmusik zeigte sich bereits damals; er wurde im Internat bestraft, weil er ein Transistorradio unter seinem Kopfkissen versteckt hatte, um die Top 20 auf Radio Luxembourg zu hören. Während Joseph Eavis wollte, dass sein Sohn Landwirt wird, hatte seine Mutter andere Pläne. Inspiriert von einem ihrer Cousins, der Commander in der Royal Australian Navy war, schickten sie Michael zur See. Mit 15 trat er in die Seefahrtsschule Incorporated Thames Nautical Training College, HMS Worcester (ITNTC) auf der HMS Worcester ein. Mit 17 wurde er Midshipman auf einem Schiff der Britischen Handelsmarine und fuhr für die Union-Castle Shipping Company auf der Union-Castle Line um Afrika. In den nächsten zwei bis drei Jahren transportierte er unter anderem Elefanten für den London Zoo nach England und hatte in Mombasa eine prägende Erfahrung, als er Zeuge der offenen Prostitution Minderjähriger wurde. 1954 kehrte er als 19-Jähriger auf die Worthy Farm zurück, nachdem sein Vater Joseph Eavis mit 52 an Darmkrebs starb.

Michael Eavis arbeitete ab 1954 auf der elterlichen Farm und erbte im gleichen Jahr (oder nach anderer Quelle 1958) den etwa 600'000 m² großen Bauernhof mitsamt 60 Kühen. Da er einen Kredit aufnehmen musste, um seine Geschwister auszuzahlen, und auch seine Eltern bereits früher finanzielle Sorgen hatten, begann er morgens und abends die Kühe zu melken und tagsüber in einer Kohlemine zu arbeiten. Dies war je nach Quelle die Mendip Colliery in Nettlebridge und/oder die New Rock Colliery in Stratton-on-the-Fosse. Dadurch konnte er zudem seinen Soll als Aufgebotener für den National Service (Wehrdienstpflicht) abarbeiten und gleichzeitig verhindern, dass der Bauernhof verkauft werden musste. Eavis beschreibt diese Zeit als düster und hart, durch die ihm eine improvisierte Musikanlage im Melkstand half. Als Minenarbeiter lernte er zudem viel über die Politik und trat der National Union of Mineworkers bei. Er arbeitete zwei oder drei Jahre mit dieser doppelten Belastung und verdiente dabei weniger als £ 30 pro Woche durch die Arbeit in der Kohlemine.

Familie 1958 heiratete Michael Eavis seine erste Ehefrau Ruth. Mit ihr bekam er seine ersten drei Kinder Juliet, Rebecca und Jane. 1964 ließ sich das Paar scheiden. Im selben Jahr lernte er in der Schlange eines „Fish and Chips“-Ladens in Glastonbury Jean Lord kennen, die zu diesem Zeitpunkt mit Anthony Lord verheiratet war und mit ihm drei Töchter hatte. Die beiden begannen eine Beziehung und Jean ließ sich 1970 von ihrem ersten Mann scheiden. Mit der nun wieder unter ihrem Mädchennamen bekannten Jean Hayball bekam Michael Eavis in den 1970er-Jahren zwei Kinder: Patrick und Emily. Er heiratete Jean 1989 in einer gemeinsamen Zeremonie mit Arabella Spencer-Churchill und Haggis McLeod. Am 15. Mai 1999 verstarb Jean Eavis im Alter von 60 Jahren in Pilton an Hautkrebs. Seine dritte Frau Elizabeth Ann „Liz“ lernte er im Jahr 2000 als Kardinal verkleidet auf einer mittelalterlichen Kostümparty kennen. Sie heirateten 2001.

Sein jüngerer Bruder Patrick Eavis war Lehrer, methodistischer Laienpriester sowie Schulleiter der Manor Park School und der Queen Elizabeth Community High School. Er verstarb 2019.

Stand 2021 hatte Michael Eavis 19 Enkel von seinen fünf Kindern sowie weitere von seinen Stiefkindern. 2021 verstarb einer seiner Stiefenkel bei einem Autounfall in Pilton.

Gründung des Glastonbury Festivals Ende der 1960er-Jahre verbreiteten sich Open-Air-Festivals in Europa. Michael Eavis und seine Freundin und spätere zweite Ehefrau Jean Hayball bekamen den Erfolg des Isle of Wight Festival 1968 auf der Isle of Wight und des Woodstock-Festivals 1969 in den USA mit. Am 28. Juni 1970 schlichen sie sich durch eine Hecke auf das Gelände des Bath Festival of Blues and Progressive Music in Shepton Mallet um Led Zeppelin zu sehen. Am Tag darauf begann Michael Eavis nach den Nummern von Agenten zu suchen, um Bands für ein eigenes Festival auf der Worthy Farm zu buchen.

Michael und Jean veranstalteten am 19. September 1970 das Pilton Pop, Folk and Blues Festival auf der Worthy Farm. Im Eintrittspreis von £ 1 war neben den Auftritten und dem Platz zum Campieren auch kostenlose Milch von der Farm enthalten. Trotz der 1500 Besucher wurde ein Verlust von £ 1.500 eingefahren. Es war keine zweite Ausgabe geplant, bis Andrew Kerr und Arabella Spencer-Churchill sich bei ihnen meldeten und ein kostenloses Festival finanzieren wollten. Im folgenden Jahr fand das Festival im Juni zur Zeit der Sommersonnenwende statt und wurde in The Glastonbury Fayre umbenannt. Michael Eavis wurde von den erfahrenen Mitorganisatoren in vielen organisatorischen Punkten überstimmt oder ausgeschlossen und nahm deshalb vor allem eine Beobachterrolle ein, aus der er insbesondere die spirituellen Aspekte belächelte. Das Festival mit circa 12.000 Gästen war für Michael Eavis ein Albtraum. Der Konsum von LSD durch die Besucher machte ihm zu schaffen und er entschied, keine weiteren Festivals mehr veranstalten zu wollen.

Erst 1977 organisierte Michael Eavis auf der Worthy Farm wieder eine kleinere, kostenlose Veranstaltung. 1978 fand ein „spontanes“ Festival statt, als die Polizei einen Konvoi vom Stonehenge Free Festival an der Worthy Farm vorbei lenkte. Im Zuge des Internationales Jahr des Kindes führten die Eavis 1979 auf Initiative von Arabella Churchill und Bill Harkin eine weitere Ausgabe der Glastonbury Fayre durch, an der es erstmals spezielle Unterhaltung für Kinder gab. Michael Eavis hatte für die Durchführung einen Kredit aufgenommen und seinen Bauernhof als Sicherheit gegeben. Trotz 12.000 Besuchern und einem Ticketpreis von £5 war das Festival ein großer finanzieller Misserfolg. Es gilt jedoch als Ursprung der im Jahr 1981 von Arabella Churchill gegründeten und bis heute aktiven Wohltätigkeitsorganisation Children's World in der Michael Eavis bis heute Schirmherr ist.

Als 1980 der NATO-Doppelbeschluss die Friedensbewegungen mobilisierte, protestierten Michael und Jean Eavis gegen die Stationierung von US-amerikanischen Marschflugkörpern auf dem Militärflugplatz RAF Greenham Common. Bereits in den 1970er-Jahren nahm Michael an Protesten der Campaign for Nuclear Disarmament (CND) teil und half bei der Organisation des regionalen Ablegers mit. Im Jahr 1981 kontaktierte Michael Eavis Bruce Kent, den Generalsekretär der nationalen Organisation der CND, und versuchte ihn davon zu überzeugen, eine Partnerschaft zwischen dem Festival und der CND einzugehen. Michael war davon überzeugt durch bessere Organisation und der Reichweite durch die CND ein finanziell erfolgreiches Festival auf die Beine stellen zu können. Die Zusammenarbeit kam zustande und das Festival wurde zum Glastonbury CND Festival umbenannt. Unter der organisatorischen Kontrolle von Michael Eavis konnten durch die Einnahmen der profitablen dreitägigen Veranstaltung £ 20.000 an die CND übergeben werden.

Leiter des Glastonbury Festival

Das Glastonbury Festival fand seit 1981 jährlich statt. Ab 1983 häuften sich juristische Auseinandersetzungen mit dem Mendip District Council, welches durch ein neues Gesetz ab 1983 Vorschriften für die Erteilung einer Konzession für Veranstaltungen erlassen durfte. Trotzdem wuchs sowohl die Teilnehmerzahl als auch die Spendensumme von Jahr zu Jahr und 1985 wurde die angrenzende Cockmill Farm aufgekauft, um zusätzlichen Platz zu schaffen. 1988 wurde erstmals ein Brache-Jahr durchgeführt, in dem sich das Land regenerieren und die im Jahr zuvor eskalierten Streitereien mit dem District Council ausdiskutiert werden konnten.

Zum 20. Jubiläum 1990 wurde das Festival in Glastonbury Festival of Contemporary Performing Arts umbenannt, um dem immer größer werdenden nicht-musikalisch Anteil des Festivals gerecht zu werden. Michael Eavis erhoffte sich zudem einfacher an Konzessionen zu kommen, wenn er das Musikfestival als „Theaterfestival“ verkaufen kann. Im selben Jahr kam es zu großen Ausschreitungen rund um eine Gruppe New Age Travellers, die seit 1985 offiziell kostenlos beim Festival campieren durften. Der Auslöser des später als „Battle of Yeoman’s Bridge“ bekannten Konflikts ist umstritten. Jedenfalls wütete eine große Gruppe New Age Travelers am ersten Tag nach dem Festival auf der Worthy Farm, brannte diverse Fahrzeuge sowie Zelte nieder und kämpfte mit den Sicherheitskräften des Festivals und der Polizei. Michael Eavis war schockiert über die Ausschreitungen und fürchtete die zu diesem Zeitpunkt bereits ikonisch gewordene und ganzjährig aufgebaute Bühne „Pyramid Stage“ würde ebenfalls angezündet. Auch wenn die Pyramid Stage verschont blieb, entstand ein Sachschaden von £ 50.000 und 235 Personen wurden verhaftet. Im Folgejahr fand aufgrund dessen keine Veranstaltung statt. Von da an wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und die New Age Travelers nicht länger geduldet. Ab 1992 wurden erstmals Oxfam und Greenpeace die Hauptbegünstigten der Spendensumme des Festivals. Michael Eavis empfand, dass die Zerstörung der Natur mit dem Ende des Kalten Krieges die größere Sorge der Leute geworden ist und hat daher diese Entscheidung getroffen.

In den 1990er-Jahren wuchs das Festival erneut durch das Aufkommen des Britpop und als wichtiges Zentrum der Rave-Kultur sowie den ersten Fernsehübertragungen ab 1994. Laut Emily Eavis haben Jean und Michael Eavis während der 1990er-Jahre immer wieder behauptet, dass es vermutlich die letzte Ausgabe des Festivals sein werde. Dies sei kein Marketingtrick gewesen, sondern tatsächlich die Meinung ihrer Eltern gewesen. Erst nach dem Tod von Jean habe Michael sich dafür entschieden das Festival zu einer regelmäßigen Veranstaltung zu machen. Ab dem Tod seiner Frau begann Emily Eavis ihren Vater bei der Planung des Festivals zu unterstützen und hat seither nach und nach die Leitung übernommen.