Die Schlacht von Lusail (, , ) ist der Spitzname des Viertelfinalspiels der Männer-Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zwischen den Niederlanden und Argentinien im Lusail-Stadion in Lusail, Katar, am 9. Dezember 2022.
Der spanische Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz stellte einen neuen Rekord von 18 gelben Karten und einer roten Karte in einem von der FIFA ausgetragenem internationalem Turnier auf.
Hintergrund
Die Niederlande und Argentinien hatten sich vorher neunmal getroffen, weshalb sich eine Rivalität entwickelte. Die Niederländer gewannen dabei vier der neun Partien, Argentinien eine. Die anderen vier Spiele endeten unentschieden. Zwei Spiele gewann Argentinien dabei im Elfmeterschießen.
Das vorherige Match hatte eine ähnlich hohe Intensität, war jedoch nicht so angespannt. Lionel Messi für Argentinien und Daley Blind für die Niederlande waren neben dem niederländischen Nationaltrainer Louis van Gaal die einzigen Spieler, die an dem angesprochenen Spiel teilgenommen haben und ebenfalls in Lusail auf dem Platz standen.
Die Niederlande starteten mit einer Serie von 19 ungeschlagenen Spielen.
In Interviews vor dem Spiel machte die niederländische Seite Kommentare, welche, wie später veröffentlicht wurde, die Argentinier verärgert hatten. Van Gaal sagte beispielsweise zu der niederländischen Anstalt Nederlandse Omroep Stichting: „Messi ist in der Tat der gefährlichste Spieler, der die meisten Chancen kreiert und sie auch selbst nutzt. Aber auf der anderen Seite spielt er nicht viel mit den anderen, wenn er in Ballbesitz ist. Darin liegen auch unsere Chancen.“
Nach dem Weltmeisterschaftsspiel, welches in einem Elfmeterschießen endete, sagte van Gaal, dass er die Hoffnung habe, Argentinien vom Elfmeterpunkt aus bezwingen zu können.
Der argentinische Torhüter Emiliano Martinez äußerte später, dass er sich diesen Kommentar fotografiert habe und ihn sich immer wieder als Motivation vorführte.
Der niederländische Torhüter Andries Noppert sagte Reportern einige Tage vor dem Spiel, dass er sich sicher fühle, Messi vom Elfmeterpunkt zu schlagen. Van Gaal sagte auch, dass „wir mit Argentinien noch eine Rechnung offen haben für das, was vor zwei Weltmeisterschaften passiert ist“.
Spielzusammenfassung
Erste Halbzeit mini|Der argentinische Rückraum Rechte Nahuel Molina schoss das erste Tor des Spiels. Die erste Spielhälfte verlief relativ ausgeglichen, wobei beide Mannschaften in der ersten halben Stunde des Spiels keine einzige klare Chance hatten. Beide Mannschaften hatten Phasen, in denen sie das Spiel dominierten, wobei Argentinien mehrmals kurz davor war, eine Chance zu kreieren, aber von der disziplinierten niederländischen Verteidigung gestoppt wurde. Walter Samuel, der Assistenztrainer der Albiceleste, wurde nach etwa einer halben Stunde verwarnt. Argentiniens Stürmer und Kapitän Lionel Messi durchbrach die niederländische Abwehr mit einem präzisen Pass und bediente Nahuel Molina, der das erste Tor des Abends erzielte.
Die erste gelbe Karte erhielt der holländische Innenverteidiger Jurriën Timber, gefolgt von drei gelben Karten für seinen Mannschaftskameraden Weghorst, der zu diesem Zeitpunkt auf der Bank saß, sowie für die Argentinier Cristian Romero und Marcos Acuña, der seine zweite Verwarnung des Turniers erhielt und damit für das Halbfinale nicht mehr zur Verfügung stand. In der zweiten Halbzeit hatte Argentinien das Spiel im Griff, während die Niederländer keine einzige klare Torchance herausspielen konnten.
mini|Der niederländische Stürmer Wout Weghorst traf zweimal, darunter den späten Ausgleichstreffer, welcher das Spiel in die Verlängerung schickte.
Die zweite Halbzeit war hochdramatisch, denn das Spiel wurde intensiver und die Niederländer drängten auf den Ausgleichstreffer. In der 70. Minute wurde Acuña an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht, den fälligen Elfmeter verwandelte Messi. Obwohl Nahuel Molina vor der Ausführung des Elfmeters in den Strafraum eingedrungen war, wurde das Tor anerkannt, so dass die Argentinier 20 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit mit zwei Toren in Führung lagen. Messi ließ sich anschließend vor den Augen des niederländischen Trainers Louis van Gaal und der niederländischen Bank feiern. Für Messi war es das zehnte Tor in einem WM-Spiel, womit er den Rekord von Gabriel Batistuta für die meisten WM-Tore eines argentinischen Spielers einstellte. Messi feierte das Tor, indem er sich vor der niederländischen Bank die Hände um die Ohren schlug, was als Stichelei gegen Van Gaal gewertet wurde. Die Geste erinnerte an den Torjubel des ehemaligen argentinischen Spielers Juan Roman Riquelme, dessen Beziehung zu Van Gaal in den frühen 2000er Jahren, als sie beide beim FC Barcelona spielten, in die Brüche ging. Kurz nach Messis Tor rannte in der 75. Minute ein Flitzer auf das Spielfeld, wurde aber schnell von den Sicherheitskräften aufgehalten.
Die Niederländer nahmen einige Auswechslungen vor und änderten ihren Spielstil, um ihre körperlichen Vorteile gegenüber den Argentiniern auszunutzen. Weghorst, der sich auf der Bank eine gelbe Karte abgeholt hatte, war einer dieser Auswechslungen. Während die Niederländer auf ein entscheidendes Tor drängten, erhitzten sich die Gemüter schnell, als Memphis Depay und Lisandro Martínez jeweils eine Gelbe Karte erhielten. Weghorst erzielte dann das 2:1, indem er nach einer Flanke von Steven Berghuis den Torwart mit einem Kopfball überwand. Die Niederländer drängten nun verstärkt auf den Ausgleichstreffer, und die Gemüter erhitzten sich durch mehrere Verwarnungen. Berghuis wurde mit einer gelben Karte bestraft, und die Wut zwischen den beiden Teams nahm zu.
In der 88. Minute foulte Leandro Paredes Nathan Aké und schoss den ruhenden Ball direkt auf die niederländische Bank, was zu einem heftigen Handgemenge führte, als die aufgebrachten niederländischen Spieler auf Paredes zustürmten, der vom niederländischen Kapitän Virgil van Dijk zu Boden geschubst wurde. Die argentinische Bank unterstützte ihren Spieler mit Schubsen und Stoßen, woraufhin Paredes die Gelbe Karte erhielt. Die Vorfälle führten zu derartigen Spannungen, dass sogar der argentinische Trainer Lionel Scaloni verwarnt wurde.
Nach Ablauf der regulären Spielzeit wurde eine 10-minütige Nachspielzeit angekündigt. In der 100. Minute bekamen die Niederlande einen Freistoß kurz vor dem Strafraum zugesprochen, der ihnen eine letzte Chance bot, das Spiel auszugleichen. Anstatt den Ball über die Mauer zu schießen, die die argentinischen Spieler aufgestellt hatten, spielte der niederländische Mittelfeldspieler Teun Koopmeiners einen feinen Pass auf Weghorst, der sich durch die Mauer schlich und mit einem schnellen Tor den Ausgleich erzielte und das Spiel in die Verlängerung schickte.
Verlängerung Nach dem Schock des Last-Minute-Ausgleichstreffers gingen die argentinischen Spieler sofort in die Offensive und versuchten, den Vorsprung wiederherzustellen. Dank der entschlossenen Verteidigung der Niederlande blieb das Spiel jedoch unentschieden. Argentinien drückte weiter, kreierte mehrere Chancen und war einem Torerfolg am nächsten, als ein Schuss von Enzo Fernández den Pfosten traf. Da es nach der Verlängerung unentschieden stand, musste das Spiel im Elfmeterschießen entschieden werden.
Elfmeterschießen mini|Emiliano Martinez machte zwei Paraden, um das Spiel für sich zu entscheiden. Der niederländische Kapitän Van Dijk schoss den ersten Elfmeter. Sein Schuss nach links wurde vom argentinischen Torhüter Emiliano Martínez mit einer Glanzparade abgewehrt. Messi verwandelte dann den ersten Elfmeter des Elfmeterschießens für seine Mannschaft und seinen zweiten Elfmeter an diesem Abend. Er schickte den Torwart auf die falsche Fährte und verwandelte den Strafstoß souverän zur frühen 1:0-Führung für Argentinien. Martínez bediente sich dann mehrerer psychologischer Taktiken und spielerischer Mittel, um seine Gegner abzulenken und deren Strafstöße zu verzögern. Bevor Steven Berghuis an der Reihe war, tat Martínez so, als würde er ihm den Ball geben, bevor er ihn fallen ließ. Berghuis’ Schuss wurde dann von Martínez abgewehrt. Paredes erzielte dann den Treffer zur 2:0-Führung für Argentinien. Bevor Teun Koopmeiners den dritten Elfmeter ausführen konnte, schoss Martínez den Ball zur Seite. Koopmeiners verwandelte jedoch und verkürzte den Rückstand auf 2:1. Gonzalo Montiel verwandelte zum 3:1 und stellte den Zwei-Tore-Vorsprung der Argentinier wieder her. Weghorst verkürzte auf 3:2 und verhinderte damit das sofortige Aus.
Niederländische Spieler wandten nun ihre eigene Einschüchterungstaktik gegen Argentinien an. Sie begleiteten und beschimpften Fernández, um sein Selbstvertrauen zu erschüttern. Dazu gehörte auch Weghorst, der nach seinem Treffer direkt auf Fernández zuging und mit ihm ein Wortgefecht führte, als dieser sich dem Strafraum näherte. Fernández hatte dann die Chance, Argentinien ins Halbfinale zu bringen, doch sein Elfmeter ging weit links vorbei. Auch Luuk De Jong musste ein Tor schießen, damit sein Team nicht ausschied, und obwohl Martínez den Ball vor seiner Ausführung in den Mittelkreis schoss, traf er. Beim Stand von 3:3-trat Lautaro Martínez zum fünften Elfmeter für Argentinien an. Als er den Mittelkreis verließ, wurde er von mehreren niederländischen Spielern begleitet und bedrängt, insbesondere von Verteidiger Denzel Dumfries, der wegen unsportlichen Verhaltens die gelbe Karte erhielt. Lautaro Martínez erzielte dann den Treffer zum 4:3 und bescherte Argentinien den zweiten Sieg in Folge in einem Elfmeterschießen gegen die Niederlande.
Nachwirkung Mit diesem Sieg hatte Argentinien die Niederlande bei ihren letzten beiden WM-Teilnahmen ausgeschaltet. Argentinien zog ins Halbfinale ein und traf dort auf Kroatien, das sich im Viertelfinale gegen Brasilien ebenfalls im Elfmeterschießen durchgesetzt hatte. Allerdings musste die Mannschaft auf die beiden Außenverteidiger Marcos Acuña und Gonzalo Montiel verzichten, die aufgrund der vielen gelben Karten, die sie im Laufe des Turniers gesammelt hatten, in der nächsten Runde aussetzen mussten.
Unmittelbar nach dem Siegtreffer von Lautaro Martínez wurden argentinische Spieler dabei beobachtet, wie sie sich gegenüber der niederländischen Mannschaft hämisch äußerten. Der argentinische Verteidiger Nicolás Otamendi erklärte, dies sei eine Vergeltung für die Einschüchterungsversuche der niederländischen Spieler während des Elfmeterschießens gewesen. Mehrere niederländische Spieler reagierten auf den argentinischen Jubel mit einer weiteren körperlichen Auseinandersetzung, bei der der Schiedsrichter Dumfries mit einer zweiten gelben Karte des Feldes verwies. Nach dem Schlusspfiff kam es zu einem heftigen Wortwechsel zwischen Messi und dem niederländischen Trainer Louis van Gaal. Als Emiliano Martínez das Spielfeld verließ, rief er Van Gaal und der niederländischen Bank Obszönitäten zu.
Der Telegraph schrieb, dass die Interviews nach dem Spiel den „aggressiven“ Charakter des Spiels fortsetzten, wobei Messi das holländische Lager beim Reden anschnauzte. Bei einem Vorfall sagte Messi: „¿Qué mirás, bobo? ¿Qué mirás, bobo? Andá pa' allá, bobo“ („Was guckst du so, du Idiot? Was guckst du so? Geh weg, du Trottel“), in Richtung Weghorst. Der Moment sorgte in den sozialen Medien für Aufregung und rief zahlreiche Internet-Memes hervor. Berichten zufolge wollte Weghorst Messi nur die Hand schütteln, was einige Medien veranlasste, Messis Kommentare ihm gegenüber als verbal beleidigend oder „unfair“ zu betrachten.