mini|Das Herzogtum Brieg, 1736 Das Dominikanerkloster Brieg war ein Kloster des Prediger- oder Dominikanerordens (Ordo (fratrum) Praedicatorum, Ordenskürzel OP) in Brieg im damaligen Herzogtum Brieg in Schlesien.seit 1945 Brzeg in der Woiwodschaft Opole (Polen) Das Kloster wurde 1333/36 von Herzog Boleslaw III. von Brieg gestiftet. Er schenkte dem Kloster sein aus Ziegeln errichtetes Getreidemagazin an der Stadtmauer und einen freien Platz darum herum. Das neue Kloster gehörte zur polnischen Provinz des Dominikanerordens. 1495 führten die Brieger Dominikaner in ihrem Kloster die Observanz ein. In der Reformationszeit um/nach 1524/25 im Herzogtum Brieg verließen immer mehr Mönche das Kloster, und das Kloster war schon um 1525 weitgehend verlassen. In den 1530er Jahren zog Herzog Georg das Kloster ein, die letzten Mönche sollen 1537 vertrieben worden sein. Die Klostergebäude wurden schließlich 1545 zunächst bis auf den Chor der Kirche abgebrochen, ein Jahr später wurde auch der Chor beseitigt.
Lage Die exakte Lage des Dominikanerklosters im Altstadtbereich von Brieg ließ sich nicht sicher erschließen, da die Klostergebäude komplett abgerissen worden waren. Das Kloster lag nach Schönwälder auf dem Sperlingsberg innerhalb der Mauern der Altstadt. Die Stiftungsurkunde von 1336, übersetzt und interpretiert von Johann Heyne, beschreibt den Platz auf dem das den Dominikanern geschenkte Getreidemagazin stand wie folgt: (das Getreidemagazin) „... mit der einen Wand an der Stadtmauer gelegen und den ganzen freien Platz welcher gegen Osten am Ende dieses Magazins anfängt sich gegen das Schloß bis zum kleinen Graben ausdehnt, der gegen Westen am Ende des Hofes des Gnemer von Stachow beginnt und an der Stadtmauer fortläuft gegen Süden aber von einer Gasse und gegen Norden von der Stadtmauer geschlossen wird. 1502 stürzte ein Teil der Stadtmauer zur Oder hin“ ein und riss einen Teil des an die Mauer angelehnten Dominikanerklosters mit. Nach einer Beschreibung von 1540 lag das Dominikanerkloster zum Heiligen Kreuz „auf dem Berge hinter den fürstlichen Ställen“. Mit diesen Lagebeschreibungen kommt als Standort quasi nur eine Lage westlich/nordwestlich des Schlosses in Frage; damit müsste die Stadtmauer das Schloss und den heutigen Park eingeschlossen haben.
Geschichte Die Dominikaner waren als Bettel- und Predigerorden besonders beim einfachen Volk beliebt, da die Mönche in der Landessprache predigten und dadurch dem einfachen Volk näher standen als der etablierte Klerus. Das Dominikanerkloster in Brieg war die letzte Klostergründung des Dominikanerordens im mittelalterlichen Schlesien.
Das neue Kloster im Kontext der bereits existierenden Dominikanerklöster in Niederschlesien Die Gründung des neuen Klosters erfolgte in einem Gebiet, in dem bereits mehrere Dominikanerklöster existierten, so in Breslau, Schweidnitz, Oppeln, Frankenstein und Löwen. Jedes Dominikanerkloster hatte, um Konflikte mit anderen Dominikanernklöstern zu vermeiden, einen abgegrenzten Klosterkreis (oder fachsprachlich Terminierbezirk), in dem dieses Dominikanerkloster das ausschließliche Recht hatte Almosen zu sammeln. Allerdings sind diese Klosterkreise im Allgemeinen schlecht bekannt. Es ist anzunehmen, dass die Stadt Brieg vor den Klostergründung bereits zu einem Klosterkreis eines benachbarten Dominikanerklosters gehörte und daher für das Brieger Dominikanerkloster ein eigener Klosterkreis neu geschaffen werden musste. Auffallend ist auch, dass die beiden Klöster in Brieg und Löwen, zumindest nach den erhaltenen Urkunden zu urteilen, nie interagiert haben. Das Kloster Löwen lag nur knapp 20 km südöstlich von Brieg, in der damaligen Stadt Löwen. mini|Grabplatte von Herzog Boleslaw III. im Kloster Leubus (Abbildung 18. Jahrhundert von Bartholomäus Strachowsky), mit Kirchenmodell (Hinweis auf seine Klostergründung) Die Gründung des Dominikanerklosters Die äußeren Umstände der Klostergründung müssen zuvor noch kurz erwähnt werden. 1311 war das Herzogtum Brieg durch Abtrennung vom Herzogtum Breslau entstanden, dessen erster Herzog Boleslaw III. sich 1329 der Krone Böhmens unterstellte. Herzog Boleslaw III. war nicht immer nur ein Wohltäter der Kirche. Wegen mehrfacher gewaltsamer Übergriffe auf Kirchengut war er vom Breslauer Bischof Nanker mit dem Kirchenbann belegt worden. Die Klostergründung mit ihrer großzügigen Fundation seitens des Herzogs könnte also auch eine Sühneleistung gewesen sein, obwohl in der Urkunde keine Hinweise darauf zu finden sind. Sicherlich wollte er sich als erster Herzog von Brieg auch als Klostergründer hervortun.
1332/33 zeigte Herzog Boleslaw III. von Brieg und Liegnitz die Absicht an, in seiner Residenzstadt Brieg ein Dominikanerkloster zu stiften. Er schrieb an den Breslauer Bischof Nanker, dass er die Johanniter mit einem jährlichen Jahreszins von 10 Mark aus den herzoglichen Einkünften in Grottau entschädigt habe, da sie als Patrone der Stadtpfarrkirche von Brieg durch das neue Kloster Einkommenseinbußen haben könnten. 1336 übertrug er den Johannitern zusätzlich noch 10 Hufen in Beroldisdorf, Hainauer Districts (Bärsdorf östlich von Haynau), die vormals die Mönche des Zisterzienserklosters Leubus als Pfand hatten.
Herzog Boleslaw III. wandte sich mit seinem Wunsch einer Klostergründung auch an den Heiligen Stuhl, und am 23. September 1333 genehmigte Papst Johannes XXII. durch eine in Avignon ausgestellten Bulle die zukünftige Gründung, allerdings unter der Bedingung, dass in dieses neue Kloster nur zehn, nach anderer Quelle nur 12 Dominikanerbrüder aufgenommen werden sollten. Diese Zahl wurde aber nicht zu allen Zeiten eingehalten, denn 1512 hatte der Konvent 18 Mitglieder. Allerdings sind 1414 auch nur sieben Mitglieder genannt.
Der Bau des Klosters verzögerte sich zunächst aus nicht bekannten Gründen, denn Herzog Boleslaw III. stellte erst am 9. Januar 1336 eine Stiftungsurkunde aus, in der die Fundationsgüter für das neue Kloster beschrieben werden.
Mit dieser Urkunde überließ Herzog Boleslaw III. von Brieg den Dominikanern der polnischen Ordensprovinz sein aus Ziegeln gebautes Getreidemagazin in Brieg und einen großen Platz darum herum. Das zu errichtende Kloster brauchte kein Wachtgeld (eine Abgabe von der die Wächter besoldet wurden) zu bezahlen und war von allen Abgaben und allen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Steuern befreit. Die Ordensbrüder durften aber kein Tor bzw. keine Durchgangspforte zum Hofraum des Klosters durch die Stadtmauer brechen. Ihnen wurde es aber erlaubt ein Schlafzimmer (wohl Dormitorium) und Werkstätten sowie einen Turm außerhalb der Stadtmauer frei anzulegen. Sie durften in allen Wäldern des Herzogtums Brieg auf beiden Seiten der Oder frei liegendes Holz als Brennholz sammeln und stehendes Holz zu Bauholz schlagen. Sie erhielten außerdem die freie Hutung für die Pferde des Konvents. Sie durften Gras mähen und bis zu 20 Wagen Heu machen für die Klosterpferde. Außerdem waren sie berechtigt zur Fischerei bis zur letzten Mühle gegen Briesen. Diese Vorrechte durften weder von Adligen noch von Bürgern verletzt werden, sonst sollten sie der Ungnade des Herzogs verfallen. Ausdrücklich ist in der Urkunde vermerkt, dass das Kloster mit dieser Schenkung erst erbaut werden sollte, d. h. zu diesem Zeitpunkt war mit dem Bau noch nicht begonnen worden. Am 19. Juli 1336 stellte Bischof Nanker von Breslau eine Urkunde aus, in der er schildert, dass Bruder Johann vor ihm steht, der Lektor des Dominikanerkonvents in Breslau in Vertretung des Johann von Schwenkfeld, Lektors des Dominikanerkonvents in Schweidnitz, und im Auftrag der polnischen Ordensprovinz und in Anwesenheit anderer Dominikanerbrüder die päpstliche Zustimmung und die Fundationsurkunde zur Klostergründung von Herzog Boleslaw III. von 1336 vorgelegt hat. Bischof Nanker gab nun ebenfalls seine Zustimmung zur Klostergründung, auch wegen seiner hohen Achtung vor dem Predigerorden, der am „Firmament der Kirche in hellem Glanz strahlt“. In einer 1346 ausgestellten Urkunde befreite Herzog Boleslaw III. das Dominikanerkloster noch einmal ausdrücklich von allen herzoglichen Steuern und Lasten.
Boleslaw wurde erst auf dem Totenbett vom Kirchenbann gelöst; er starb 1348 und wurde im Kloster Leubus begraben. Seine Grabplatte im Kloster Leubus zeigt ihn mit einem Kirchenmodell, einem Attribut für seine Klostergründung.
Erste Schenkungen an das neue Kloster Mit dem Bau des Klosters dürfte gerade erst begonnen worden sein, da erhielten die Mönche bereits erste Schenkungen.
Am 7. August 1336 bestätigte Herzog Boleslaw III. das Vermächtnis des Conrad von Hennersdorf und seiner Ehefrau Katharina, die zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil ihre halbe Hofstätte zu Brieg, „links an der Stadtmauer wenn man zur Kirche Unser Lieben Frauen geht, mit aller beweglichen und unbeweglichen Habe“ den Dominikanern überlassen hatten. Am 12. April 1337 schenkte Johann von „Betolsdorf“ (Bärzdorf), ein Bürger von Brieg, den Dominikanerbrüdern einen jährlichen Zins von einem halben Vierdung und einer Quart aus einem am Ende des Dorfes Paulau (sw von Brieg) liegenden Garten als Ewiges Almosen. Die Schenkung wurde von Herzog Boleslaw III. urkundlich bestätigt. Die Rechtmäßigkeit dieses Zinses wurde 1516 vom Hauptmann des Bischofs von Lebus bezweifelt; er verlangte die Vorlage der Originalurkunde, deren Echtheit er aber anzweifelte. Nach Rücksprache mit Bischof Dietrich von Lebus, der die Urkunde als echt einstufte, ließ er sich zur Anerkennung der Rechtmäßigkeit des Zinses bewegen.
Am 1. November 1338 verkaufte der Ortsherr von Schönfeld bei Brieg und Besitzer von acht dortigen Hufen einen Jahreszins von drei Mark an das Dominikanerkloster Breslau, übernahm aber die Verpflichtung zum Rossdienst. Diese Schenkung an das Dominikanerkloster in Breslau deutet Eistert so, dass der Brieger Konvent noch nicht ganz vollständig vor Ort war. Nach alten chronikalischen Angaben soll das Brieger Haus bzw. der Bauplatz erst 1338 durch den Breslauer Bischof die erste Weihe erhalten haben.
1340 schenkten Michael Sellator und dessen Söhne zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil den Dominikanern beim Heiligen Kreuz zu Brieg einen halben Garten auf dem Schlossberg zu Riczen/Reczyn (Burg Ryczyn|Ritschen); auch diese Schenkung bestätigte Herzog Boleslaw III. durch Urkunde vom 13. Juni 1340. 1342 schenkte Nicolaus Quos den Dominikanern einen Jahreszins von einer Mark aus dem Dorf Giesdorf und stiftete damit ein Ewiges Licht in der Klosterkirche. Herzog Boleslaw III. bestätigte auch diese Schenkung und befreite die neue Besitzung der Dominikaner in Giesdorf von allen herzoglichen Steuern und Lasten. Das Dorf Giesdorf ging in den Jahren 1347 bis 1377 durch Verkäufe in den Besitz des Brieger Hedwigstiftes über. 1458 verkauften die Dominikaner daher diesen Zins ebenfalls an das Hedwigstift.
1361 vermachte Nicolaus Reyniczko der Stadtpfarrkirche, der Dominikanerkirche und der Hospitalkirche (der Antoniter) je 15 Mark.
Der Klosterbau Trotz der reichlichen Fundationsgüter und den frühen Schenkungen mussten die Dominikaner 1342 eine Anleihe von 80 Mark aufnehmen, für die sie jährlich acht Mark Zins bezahlen mussten. Diese Anleihe wurde sicher für den Bau der Konventsgebäude und der Klosterkirche gebraucht. Der Bau schritt nur langsam voran.
1369 muss zumindest der Chor der Klosterkirche fertiggestellt gewesen sein, denn in diesem Jahr wurde die verstorbene Frau von Herzog Heinrich VIII. von Brieg, Helena Gräfin von Orlamünde in einer Gruft unter dem Chor der Klosterkirche beigesetzt. Die Klosterkirche hatte das Patrozinium zum Heiligen Kreuz bekommen.