mini|Zeitgenössische Darstellung von Badr al-Budur in ihrer bekanntesten Adaption als Prinzessin Jasmin in Disneys Aladdin; Disney California Adventure Park, 2009.
Badr al-Budur ( Badr al-Budūr, „Vollmond der Vollmonde“), heute auch bekannt als Prinzessin Jasmin, ist die weibliche Hauptfigur des Märchens Aladin und die Wunderlampe (ANE 346) aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht (→ Tausendundeine Nacht – Liste der Geschichten). Der Titelheld verliebt sich im Verlauf der Geschichte in die schöne Prinzessin und heiratet sie.
Als Kunstfigur wurde Badr al-Budur im Kontext der Tausendundeine Nacht-Erzählung umfangreich rezipiert; wobei im 20. Jahrhundert ihr Name zunehmend verändert wurde. Nachdem sie zuvor bereits in mehreren Werken den Namen Jasmin trug, setzte sich durch den großen Erfolg und der Popularität von Disneys 1992 erschienenem Zeichentrickfilm Aladdin der Name Jasmin für die Prinzessin zunehmend durch. Die Disney-Adaption von 1992 prägt und überlagert seither stark die heutige Rezeption der Aladin-Erzählung und der ursprünglichen Erzählfigur Badr al-Budur.
Figur in der Tausendundeine Nacht-Erzählung mini|Aladin beobachtet die schöne Prinzessin Badr al-Budur beim Betreten des Badehauses. Walter Crane, 1875.
Die Figur der Prinzessin Badr al-Budur wird im zweiten Drittel der Geschichte von Aladin und die Wunderlampe (ANE 346) eingeführt. Sie ist die Tochter des Sultans von China.
Eines Tages wird Aladin Zeuge, wie die Prinzessin Badr al-Budur von Wachen zum Badehaus geführt wird. Aladin versteckt sich und beobachtet wie Badr al-Budur kurz vor Eintritt in das Badehaus ihren Schleier ablegt und verliebt sich in sie, woraufhin er seine Mutter auffordert, beim Sultan um ihre Hand anzuhalten, was diese nach anfänglichen Widerständen auch tut, als Aladin ihr als Geschenk für den Sultan prächtige Edelsteine mitgibt. Der Sultan ist tatsächlich beeindruckt und willens seine Tochter mit dem ihm unbekannten Mann zu verheiraten, zum Ärger seines Wesirs, da die Prinzessin bereits dessen Sohn versprochen ist. Der Sultan erkennt seinen Fehler und erklärt, dass die Hochzeit zwischen Aladin und seiner Tochter erst in drei Monaten stattfindet, um dem Wesir und seinem Sohn Zeit zu geben, ihn umzustimmen. Dies gelingt und so findet die Hochzeit von Badr al-Budur und dem Wesirssohn statt.
Aladin fühlt sich betrogen und lässt mit Hilfe des Lampengeistes das frisch vermählte Paar am Abend der Hochzeit in sein Haus entführen. Der Wesirssohn wird eingesperrt, während sich Aladin nackt neben die Prinzessin legt, ohne jedoch Hand an sie zu legen. Diese ist gleichwohl zutiefst verstört durch ihre Entführung und die Gefahr von Aladin vergewaltigt zu werden und durchleidet eine Schreckensnacht. Am nächsten Morgen lässt Aladin beide wieder von dem Lampengeist in ihren Palast zurückbringen; zufrieden damit, dass er die Hochzeitsnacht und Entjungferung von Badr al-Budur so verhindert hat. Das Ehepaar ist völlig verstört. Am nächsten Abend wird das Ehepaar wieder von dem Lampengeist entführt, wobei Aladin die Prozedur der vorherigen Nacht wiederholt. Der Wesirssohn ist nun so verstört, dass er selbst um die Scheidung bittet, die auch vollzogen wird. Nun wird die Prinzessin mit Aladin getraut, der mittels des Lampengeistes für sie über Nacht einen prächtigen Palast baut. Kurz darauf findet eine große, prachtvolle Hochzeit statt.
Der böse Zauberer, dem Aladin einst die Wunderlampe besorgen sollte, findet durch Zauberkraft heraus, das Aladin in ihrem Besitz ist. Er reist nach China und gibt sich als Lampenhändler aus. Da Aladin seine Frau nicht in das Geheimnis der Lampe eingeweiht hat, tauscht diese die alte Wunderlampe gegen eine neue, wodurch der Zauberer sie durch List in seine Gewalt bringt. Daraufhin versetzt der Zauberer mit Hilfe des Lampengeistes Aladins Palast samt dessen Insassen, darunter auch Badr al-Budur, von China nach Nordafrika. Durch die Magie des Dschinns seines Siegelrings bringt dieser Aladin nach Nordafrika, wo er unerkannt in den Palast eindringt, wo er feststellen muss, dass der Zauberer versucht die Liebe von Badr al-Budur zu gewinnen. Um seinen Gegner zu überlisten, weist Aladin seine Gemahlin an, dass sie den Zauberer verführen bzw. ihm Avancen machen soll, um ihm bei einem Trinkgelage vergifteten Wein einzuflößen. Diese gehorcht und setzt den Zauberer außer Gefecht, woraufhin Aladin ihn mit dem Schwert enthauptet.
mini|Aladin und Badr al-Budur überwinden den bösen Zauberer. Walter Crane, 1875. Der Bruder des Zauberers erfährt von dessen Tod und macht sich auf, um Aladin zu ermorden. In Verkleidung einer weiblichen Sufi-Heiligen erhält er durch die bereitwillige Badr al-Budur Zutritt zum Palast, doch kann Aladin auch diese Gefahr überwinden. Nach dem Tod des Sultans, ihres Vaters, wird Badr al-Budur an der Seite des neuen Herrschers Aladin zur Königin und lebt mit ihm zusammen, bis der Tod sie scheidet.Die Wiedergabe der Erzählung folgt der Kalkutta-II-Druckfassung von Tausendundeine Nacht, ins Deutsche übersetzt von: Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968 (Erstausgabe 1922–1928), 6 Bände (Kalkutta-II-Edition), Band 2, S. 659–791.
Wandlung zu Prinzessin Jasmin Im Verlauf des 20. Jahrhunderts begann unter dem Einfluss der Filmindustrie in Adaptionen der Aladin-Erzählung der Name Badr al-Budur zunehmend anderen Namen zu weichen. In Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926) trägt die Figur der Badr al-Budur den Namen Dinarasad, im 1945 erschienenen Spielfilm 1001 Nacht wird sie Armina genannt, 1952 hieß sie in Aladdin and His Lamp erstmals Jasmin, ebenfalls 1957 in dem indischen Film Alladin and the Wonderful Lamp, und Yasminda in dem 1959 erschienenen Film 1001 Arabian Nights.
Neue Popularität erhielt Badr al-Budur ab den 1990er-Jahren durch ihre bis heute bekannteste moderne Adaption in dem 1992 veröffentlichen Disney-Zeichentrickfilm Aladdin, wo sie ebenfalls unter dem Namen Jasmin in Erscheinung trat. Ihre Rolle zog mitunter starke Kritik nach sich, unter anderem wegen ihrer freizügigen Kleidung und einer Szene mit einer Darstellung als Lustsklavin des Bösewichts Dschafar. Der große Erfolg des Films zog neben zwei Zeichentrickfilmfortsetzungen (Dschafars Rückkehr und Aladdin und der König der Diebe) auch eine von 1994 bis 1995 ausgestrahlte Zeichentrickserie nach sich. Seither ist die Figur der Prinzessin Jasmin in der Popkultur fest etabliert. Kulturell gesehen prägt und überlagert die Disney-Adaption durch ihre Popularität die ursprüngliche Geschichte"Aladdin": Die globale Wunderlampe | Zeit Online, 22. Mai 2009, abgerufen am 10. Juni 2024. – und damit auch die Erzählfigur Badr al-Budur – derart, dass die meisten Menschen die Prinzessin aus dem Aladin-Märchen heute als Prinzessin Jasmin und nicht als Badr al-Budur kennen."Princess Badr-al-Badur was metamorphosed to princess Jasmine by Disney for its animated blockbuster Aladdin. And she became popular in this western form. This is ironical that most of the people remember Jasmine as Aladdin’s lady love." - Rama Hirawat: Imaging through Images: Arab Culture in Indian Cinema, in: P. A. Attar, H. B. Patil (Hrsg.): Critical Space: A Peer-reviewed (refereed), International Journal in English Language and Literature, Kolhapur, Indien, Band 3, 2014, S. 4.
Tatsächlich findet seit 1992 der Name Jasmin auch in weiteren Adaptionen der Aladin-Erzählung außerhalb des Disney-Kontextes Verwendung, darunter in dem Spielfilm Aladdin und der Wunderknabe (A Kid in Aladdin’s Palace). Hier ist zudem die Erzählerin von Tausendundeine Nacht, Scheherazade, ihre Tochter. In dem 2009 erschienenem indischen Film Aladin trägt Badr al-Budur ebenso den Namen Jasmin wie in dem 2022 erstmals aufgeführten deutschen Familienmusical Aladin des Bochumer Theater Liberi (hier: Yasmin)."Aladin" als Familien-Musical - Spannende und unterhaltsame Familien-Musicals! (theater-liberi.de), abgerufen am 9. Juni 2024.
Disney veröffentlichte 2019 eine Realverfilmung des Zeichentrickfilms von 1992. 2011 entstand eine abendfüllende Musical-Umsetzung, die seither am Broadway gespielt wird und auf dem 45-minütigen Theaterstück Disney’s Aladdin: A Musical Spectacular aus den Disney-Themenparks basiert. Ebenso tritt die Figur der Jasmin in der Serie Once Upon a Time – Es war einmal … auf, hinzu kommen diverse Auftritte in weiteren Disney-Werken, darunter anderen Serien, Videospielen und mehr. Charakterzeichnung der Badr al-Budur (ausgewählte Werke) mini|Christi Perovski in der Badr al-Budur-Rolle Prinzessin Kamala in Aladdin 3477- I: The Jinn of Wisdom (2025).
Tausendundeine Nacht-Geschichte In der ursprünglichen literarischen Erzählung erscheint Badr al-Budur als junge Frau, die ihrem Vater und allen Traditionen gehorcht. Trotz dessen, dass Aladin sie entführt, der Befürchtung einer Vergewaltigung aussetzt, und die schlimmste Nacht ihres Lebens durchleben lässt,"(Sie wurde) von Schrecken und Furcht ergriffen [...], ja sie war so verstört, dass sie dem 'Ala ed-Din keine Antwort geben konnte, Darauf zog 'Ala ed-Din seine Obergewänder aus, legte ein Schwert zwischen sich und sie und ruhte an ihrer Seite auf demselben Lager, ohne etwa Schmähliches zu tun; wollte er doch nur die Ehe des Sohnes des Wesirs mit ihr verhindern. Freilich, die Prinzessin Badr al-Budur verbrachte eine sehr üble Nacht und in ihrem ganzen Leben hatte sie noch keine schlimmere als sie kennen gelernt." - Übersetzung nach Enno Littmann: Die Erzählungen aus den tausendundein Nächten, Insel Verlag, Frankfurt 1968 (Erstausgabe 1922–1928), 6 Bände (Kalkutta-II-Edition), Band 2, S. 717. akzeptiert sie später ohne Widerworte die Entscheidung ihres Vaters, mit Aladin verheiratet zu werden, wobei sie sich in diesen letztlich tatsächlich verliebt. Die Figur der Badr al-Budur entspricht so der "Vorstellung von der traditionellen Frau, die der patriarchalischen Kultur gehorcht [...] unter der Autorität des Mannes steht und ihr Schicksal in den Händen der Männer (legt)."Mundi Rahayu, Irwan Abdullah, Wening Udasmoro: "Aladdin" from Arabian Nights to Disney - The change of discourse and ideology, LiNGUA Vol. 10, No. 1, Juni 2015, S. 31. Badr al-Budur fungiert damit als Unterstützerin der patriarchalen Normen und Frau ohne eigene Handlungsfähigkeit.
In Disney-Werken als Prinzessin Jasmin