mini|Sobrado de Madalena, Recife.mini|Museu Municipal de São Filipe, ein ehemaliges Wohnhaus im Sobrado-Stil in Kap Verde. Sobrado (dt.: „üppig, reichhaltig“) ist ein Architekturstil aus der Portuguisischen Kolonialzeit, der vorwiegend in Brasilien und anderen ehemaligen portugiesische Kolonien vorkommt, sowie typisch für Rückkehrer aus der Sklaverei und deren Nachkommen ist. Die sogenannten Sobrados, typischerweise zweigeschossige Häuser mit Balkon („Casas Térreas“), waren die Residenzen angesehener Stadtbewohner, insbesondere in Salvador in Bahia, der ehemaligen Kolonialhauptstadt Brasiliens. Oft in dicht bebauten Stadtgebieten gelegen, dienten sie als eine Art koloniales Stadthaus. Man findet sie auch auf den Kap Verden, insbesondere auf São Filipe auf der Insel Fogo, auf Lagos Island in Nigeria, in Porto-Novo und Ouidah in BeninHistory of Sobrados: Island of Fogo Archive sowie in Luanda in Angola.Buala: Luanda, tournée vers le futur, néglige son patrimoine architectural. buala.org. Sie entsprechen außerdem dem kreolischen Stadthaus in Louisiana.

Ein Sobrado besteht typischerweise aus zwei oder mehr Stockwerken und einer relativ großen bebauten Fläche. Oftmals gibt es einen zentralen oder hinteren Innenhof, der für Licht und Belüftung sorgt. Während der Kolonialzeit in Brasilien dienten diese Häuser als Wohnsitze für Sklavenhalter in den Städten und läuteten damit einen schleppenden Beginn der Urbanisierung in Brasilien ein. In der vorangegangenen Periode herrschte ein Gegensatz zwischen den “Casas-Grandes” und den Sklavenquartieren (mucambos, cabañas), wobei die Hausbesitzer den Hausangestellten aus den ärmeren Gesellschaftsschichten gegenüberstanden. Der Begriff entstand als Bezeichnung der Häuser, die in den Städten von Minas Gerais (insbesondere während des Goldrauschs) gebaut wurden und sich meist durch eine Topografie auszeichneten, die typischerweise als „Mar de Morros“ (portugiesisch: „Meer der Hügel“) bezeichnet wird: Die Gebäude wurden vom höchsten Straßenniveau aus errichtet, sodass sich unter dem Hauptgeschoss ein Raum (espacio sobrante) befand. Mit der Zeit wurde dieses untere Geschoss als Erdgeschoss betrachtet und kennzeichnete diese „Maisonetten“.

Sobrados zeichnen sich durch verputzte Fassaden, symmetrische Grundrisse, Ziegeldächer zur Wärmedämmung und markante Balkone aus.

Nutzung Die Gebäude bestanden typischerweise aus einem zentralen Flur oder einer Halle, mit privaten Räumen im Obergeschoss, während das Erdgeschoss für gewerbliche Aktivitäten, Werkstätten oder die Wohnräume des Hauspersonals genutzt wurde.

In Westafrika mini|Haus von Akinola Maja am Gerber Square: Ein prägendes Beispiel der Saro-Architektur im kolonialen Lagos. Dieser Stil wurde von ehemals versklavten Menschen und Händlern, die aus Bahia (Brasilien) zurückkehrten, insbesondere nach 1888, mitgebracht und war stark von der portugiesisch-brasilianischen Kolonialarchitektur beeinflusst.John Michael Vlach: The Brazilian House in Nigeria: The Emergence of a 20th-Century Vernacular House Type. In: The Journal of American Folklore. vol. 97, is. 383. 1984: S. 3–23. ISSN 0021-8715 Diese Gebäude waren Ausdruck von Status und Identität der „Agudás“ (Afrobrasilianer) in der Bucht von Benin und repräsentierten eine hybride Kultur, die europäische, afrikanische und brasilianische Elemente vereinte. In Nigeria und Benin werden sie häufig mit zurückkehrenden Yoruba in Verbindung gebracht, während sie in Ghana mit der Tabom-Gemeinschaft in Accra assoziiert werden.Courtnay Micots: Age of Elegance: An Italianate Sobrado on the Gold Coast. In: Florida Online Journals. vol. 16, is. 1. 2015. api.semanticscholar.org Diese Architektur spiegelte die gemischte Identität der brasilianischen Rückkehrer wider, die europäische, afrikanische und christlich-islamische Wurzeln hatten. Der nigerianische Bauingenieur, Architekt und Nationalist Herbert Macaulay verband sein Erbe in Lagos untrennbar mit dem Sobrado-Stil. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrieb Macaulay sein eigenes Büro als lizenzierter Vermesser und Architekt und ließ dabei Einflüsse der Stile von Saro und Aguda einfließen.Waterhouses: Landscapes, Housing, and the Making of Modern Lagos. www.jstor.org Marianno Carneiro Da Cunha: Da senzala ao sobrado: arquitetura brasileira na Nigéria e na República Popular do Benin. Nobel/Edusp 1985. ISBN 8521301731

Gefährdung Heute wird der Name oft für jede Art von älterem Haus verwendet, welches mehr als ein Stockwerk hat. In vielen Regionen verfallen historische Sobrado-Gebäude; ihre Bausubstanz bröckelt, die Fassaden sind marode und die Durchgänge verwahrlost. Ikonische afrobrasilianische Bauwerke – einige davon aus dem 19. Jahrhundert stammend – sind bereits verschwunden. Das bedeutendste Überbleibsel des schwindenden afrobrasilianischen Stadtbilds von Lagos war die Iloja Bar, welche einst am Tinubu Square stand und als Herzstück des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinschaft diente. Obwohl sie als nationales Denkmal ausgewiesen war, wurde sie 2016 abgerissen und liegt heute in Trümmern.

Siehe auch Funco Casa chorizo

Einzelnachweise

Literatur Gilberto Freyre: Sobrados e Mucambos. 1936. Henrique Teixeira de Sousa: Sobrados, lojas e funcos. Claridade, Mindelo, no. 8, 1958: S. 2–8.

Weblinks

Casa-grande & Sobrados

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