Die Burg Neu-Langenau ist eine Ruine auf einem aus Schiefer bestehenden Seitenkamm, oberhalb von Schloss Langenau, zwischen Nassau und Weinähr, im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz. Die Lage der Burg rechts der Lahn und rechts des Gelbachs war über einen langen Zeitraum bekannt,Urkunde: HHStAW Bestand 121 Nr. U von Langenau abgerufen am 22. Mai 2024Die Limburger Chronik des Johannes Mechtel (1562–1630), zitiert nach Christian Daniel Vogel, Die Limburger Chronik, 2. Auflage, Marburg 1828, Digitalseite 57, Originalseite 39 abgerufen am 22. Mai 2024 ging jedoch aufgrund irreführender AngabenAlbert Henche: Nassauische Heimatblätter 28, S. 23–25 zeitweise verloren, bis 2015 eine aktuelle Beschreibung erfolgte.Ben Kohlbecher: Burg und Schloss Langenau mit Beiträgen zu den Burgen Arnstein, Bilstein, Neu-Langenau und Trutzlangenau, Bad Emser Hefte Nr. 459, Verein für Geschichte / Denkmal- und Landschaftspflege e. V. Bad Ems 2015, S. 20–22, Die Ruine zeigt aufgrund des spätmittelalterlichen Wiederaufbauverbots noch heute die typischen Merkmale einer planmäßig niedergelegten Anlage. Bemerkenswert ist auch, dass für die kurze Existenzphase der Burg zahlreiche historische Quellen zur Verfügung stehen.

Geschichte

Planung der Burg 1350 stellten die Ganerben von Langenau im Rahmen eines Öffnungsrechtes ihre Niederungsburg Langenau (heute Schloss Langenau) für den Grafen Johann von Nassau-Merenberg zur Verfügung. Dieser versprach ihnen als Gegenleistung Hilfe bei der Erbauung einer neuen Burg in ihrem Gebiet.Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 6, S. 25 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 25. Mai 2024Urkunde: HHStAW Bestand 3/4 Nr. U 2 abgerufen am 27. Mai 2024 Da die schrittweise Veräußerung der Burg Laurenburg durch die verschiedenen Familienzweige der Nassauer im Gange war, strebte Graf Johann offensichtlich danach, die entstehende Verteidigungslücke im Osten des Territoriums von Nassau zu kompensieren.

Antrag zu Mannlehen des Erzbistums Köln 1353 trugen die Ganerben zu Langenau ihrem Lehnsherrn, Erzbischof Wilhelm von Köln, die im Bau befindliche Burg Neu-Langenau zu erblichem Mannlehen auf. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt noch getrennt aus „Bau und Haus“.Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 6, S. 127 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 25. Mai 2024 Die Langenauer wollten hierdurch eine Legalisierung ihres Burgenneubaus erreichen. Als Begründung führten sie einen „besseren Schutz gegen ihre Feinde“ an. Ihre bisherige, von Bergen umschlossene Niederungsburg erfüllte nicht mehr die zeitgemäßen Anforderungen an ein Verteidigungsbauwerk, insbesondere im Hinblick auf die neuen Belagerungsgeräte. Handlungsbedarf bestand zudem durch eine Fehde zwischen Graf Johann von Nassau mit Graf Gerhard von Diez, an der auch Daniel von Langenau beteiligt war. Die Fehde konnte erst im Folgejahr abgeschlossen werdenHHStAW Bestand 3036 Nr. HHStAW Abt. 170 I Nr. 456 abgerufen am 25. Mai 2024 und mündete später in einem Bündnis.Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Bd. 6, S. 197 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 25. Mai 2024Urkunde: HHStAW Bestand 170 I Nr. U 480 abgerufen am 25. Mai 2024

Eroberung durch das Erzbistum Trier Nach dem Tod des Erzbischofs Balduin von Trier wurde Boemund II. sein Nachfolger. Dies nutzten zahlreiche seiner Lehensnehmer zu einer Machtprobe mit ihrem Lehnsherren.Johann Nikolaus von Hontheim: Prodromus historiae Trevirensis diplomaticae et pragmaticae, Vol. 2, 1757, Digitalseite 126ff., Originalseite 842ff. abgerufen am 26. Mai 2024 Mit dem Grafen Johann III. von Sponheim-Starkenburg kam es zum offenen Krieg, der sich bis 1360 hinzog. Rechtsrheinisch begannen Streitigkeiten mit dem Grafen Johann von Nassau-Merenberg, dem Grafen Gerhard von Diez, dem Herren Gerlach von Limburg und anderen. Der Erzbischof wählte unterschiedliche Vorgehensweisen und Verhandlungspartner, um seine Widersacher getrennt zu halten. Das kleine Gebiet der Langenauer lag zu diesem Zeitpunkt an der Verbindungsstelle zwischen drei Trierer Einflussbereichen: Burg Laurenburg mit Burg Balduinstein, Montabaur und NassauUrkunde: HHStAW Bestand 131 Nr. U 132 abgerufen am 29. Mai 2024. 1356 eroberten und besetzten Truppen des Erzbischofs von Trier die Burg Neu-Langenau.Christian Daniel Vogel, Die Limburger Chronik, Marburg 1826, 2. unveränderte Auflage Krieger, Marburg 1828, Digitalseite 57, Originalseite 39 abgerufen am 26. Mai 2024 Eine vollständige Zerstörung erfolgte jedoch nicht. Der Mitinitiator und Unterstützer des Burgenbaus von Neu-Langenau, Graf Johann von Nassau-Merenberg, wurde im September 1356 in der Schlacht bei Maupertuis im Hundertjährigen Krieg von den Engländern gefangen genommen. Sein Halbbruder und 16 weitere Ritter von der Lahn fielen. Nach der Freilassung des Grafen und seiner Teilnahme am Reichstag zu Metz im Dezember 1356, wo er auch auf den Erzbischof von Trier traf, entschied sich Graf Johann im Januar 1357 dafür, mit dem Erzbischof einen Lehens-, Friedens- und Bündnisvertrag einzugehenUrkunde: HHStAW Bestand 150 Nr. U 547 abgerufen am 26. Mai 2024. Den Grafen Gerhard von Diez verklagte der Erzbischof von Trier vor dem Hofgericht des Kaisers wegen „unrechten Geleits“. Den Freispruch konnte der Graf schließlich im Februar 1357 erreichen.HHStAW Bestand 170 II 1357 abgerufen am 26. Mai 2024 Somit erhielten die Langenauer in ihrem Kampf lediglich eine Unterstützung durch Herrn Gerlach von Limburg, Herrn Heinrich von Isenburg-Büdingen und Heinrich von Elkerhausen.Ludwig Corden, Limburger Geschichte, Band II (1258 bis 1406), aus dem Lateinischen übersetzt von Joseph Wingenbach und Franz-Karl Nieder (2007), Digitalisatseite 94, Originalseite 89, § 212 abgerufen am 26. Mai 2024Johann Stephan Reck: Geschichte der fürstlichen Häuser Isenburg, Runkel, Wied, verbunden mit der Geschichte des Rheinthals zwischen Koblenz und Andernach von Julius Cäsar bis auf die neueste Zeit, Weimar 1825, Digitalseite 126, Originalseite 112 abgerufen am 26. Mai 2024

Vereinbarung eines Waffenstillstands Über Ostern 1357 schlossen die Verteidiger von Langenau einen fünfwöchigen Waffenstillstand mit den drei Vertretern Triers: Johann Herr zu Eltz, Dietrich von StaffelDietrich von Staffel Burggraf zu Montabaur Urkunde: HHStAW Bestand 137 Nr. U 28 abgerufen am 29. Mai 2024 und Heinrich Burggraf zu Cochem.Valentin Ferdinand von Gudenus: Codex Diplomaticvs: Exhibens Anecdota Ab Anno DCCCLXXXI, Ad MCCC. Mogvntiaca, Ivs Germanicvm, Et S.R.I. Historiam Illvstrantia Francofurti et Lipsiae 1747, T. II Digitalseite 1185, Originalseite 1137 abgerufen am 29. Mai 2024 Zu dem Waffenstillstand hatten „Freunde“ den Langenauern geraten. Vermutlich waren dies Graf Johann von Nassau sowie Graf Gerhard von Diez. Die Trierer durften in der von ihnen besetzten Burg Neu-Langenau den Graben vertiefen und die äußere Mauer an diesem Graben erhöhen. Ein Weiterbauen an dem von ihnen begonnenen Bau (später als Burg Trutzlangenau bezeichnet), der näher an der Niederungsburg Alt-Langenau lag, hatte hingegen zu unterbleiben. Alle Gefangennahmen, Plünderungen (Schatzungen) und Brandschatzungen wurden bis zum Ende des Waffenstillstands ausgesetzt.

Friedensvertrag und Abriss Inwieweit es zu einem Wiederaufflammen der Kämpfe kam und ab wann vermutlich auf Anregung von Kaiser Karl IV., der Daniel von Langenau durchaus schätzte,Valentin Ferdinand von Gudenus: Codex Diplomaticvs: Exhibens Anecdota Ab Anno DCCCLXXXI, Ad MCCC. Mogvntiaca, Ivs Germanicvm, Et S.R.I. Historiam Illvstrantia Francofurti et Lipsiae 1747, T. II, Digitalseite 1179, Originalseite 1131 abgerufen am 29. Mai 2024 die Vermittlungen durch den Erzbischof Wilhelm von Köln einsetzten, des für Langenau zuständigen Lehnsherrn, bleibt unklar. Kurz nach dem vom Grafen Gerlach II. von Isenburg-Arenfels vorbereiteten Friedensschluss zwischen Herrn Gerlach III. von Limburg und Erzbischof Boemund von Trier im Januar 1359Ludwig Corden, Limburger Geschichte, Band II (1258 bis 1406), aus dem Lateinischen übersetzt von Joseph Wingenbach und Franz-Karl Nieder (2007), Digitalisatseite 100, Originalseite 95, § 226 abgerufen am 29. Mai 2024Johann Nikolaus von Hontheim: Historia Trevirensis Diplomatica Et Pragmatica. Veith, Augustae Vind. 1750, Digitalseite 258, Originalseite 208, Teil II ab anno domini MCCCI. usque ad annum MDLXVII abgerufen am 29. Mai 2024 kam es im Februar 1359 auch zum Friedensschluss zwischen den Ganerben von Langenau und dem Erzbischof von Trier.Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Bd. 6, S. 337 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 29. Mai 2024Sachakte: HHStAW 3/4 Nr. 4 (Vertragskopie) abgerufen am 29. Mai 2024 Beide Parteien übten Schadensverzicht bezüglich Raub, Gefangennahme, Plünderungen und Brandschatzungen. Aufgekündigte und verlorene Lehen und Burglehen wurden zurückgegeben. Der Erzbischof konnte die Burg Neu-Langenau sowie den Bau, den er zwischen Neu- und Alt-Langenau errichtet hatte, ersatzlos abbrechen lassen. Auf dem Gelände der Langenauer durfte nie wieder eine neue Burg errichtet werden. Garanten des Vertrags waren Erzbischof Gerlach von Mainz sowie die Brüder Adolf und Johann von Nassau. Graf Johann von Nassau verzichtet bezüglich Burg Neu-Langenau auf alle Forderungen gegen Kurtrier.Urkunde: HHStAW Bestand 3/4 U 3 (Revers des Erzbischofs) abgerufen am 29. Mai 2024 Der Erzbischof von Trier konnte sich durch den Sühnevertrag von 1359 einer „Bedrohung durch Burgenbau“ entledigen. Ihn unterstützten die beiden anderen Erzbischöfe, wie auch in deren Dreier-Bündnis vereinbart.Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Bd. 6, S. 180–181 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 29. Mai 2024Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Bd. 6, S. 923 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 29. Mai 2024

Folgeentwicklungen Wegen des Wiederaufbauverbots für Neu-Langenau konzentrierten sich die Ganerben von Langenau in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in ihrem Gebiet auf die Verstärkung der alten Niederungsburg.Jens Friedhoff: Schloss Langenau (Rhein-Lahn-Kreis) Anmerkungen zu Besitz- und Baugeschichte, Burgen und Schlösser 4/2005, S. 217 (Download) abgerufen am 29. Mai 2024 Johann von Nassau begann noch im Jahr 1359 mit dem Bau von Stadtmauern um Nassau und um Dausenau. Er besaß hierfür eine kaiserliche Erlaubnis,Urkunde: HHStAW Bestand 3002 Nr. 1 fol. 8 a abgerufen am 29. Mai 2024 so dass ein dagegen gerichteter Einspruch des Erzbischofs von TrierDie Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter Bd. 6, S. 347 - Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln abgerufen am 29. Mai 2024 letztlich erfolglos blieb.

Aufbau der Burg