alternativtext=Gerhard Schmidt-Gaden nach der Aufführung der Matthäus-Passion von JS Bach durch den Tölzer Knabenchor. Chapelle Royale des Schlosses von Versailles. Ostern 2018|mini|Gerhard Schmidt-Gaden nach der Aufführung der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach durch den Tölzer Knabenchor. Chapelle Royale des Schlosses von Versailles. Ostern 2018 Gerhard Schmidt-Gaden (* 19. Juni 1937 in Karlsbad, Tschechoslowakei; † 19. April 2026 in Benediktbeuern, Deutschland) war ein deutscher Dirigent, Chorleiter und Stimmpädagoge, der vor allem als Gründer und langjähriger Leiter des Tölzer Knabenchors internationale Bekanntheit erlangte.

Leben Gerhard Schmidt-Gaden erhielt seine musikalische Ausbildung in mehreren Disziplinen: Er studierte Dirigieren bei Kurt Eichhorn in München und war danach drei Jahre lang Schüler des Thomaskantors Kurt Thomas in Leipzig. Dort wurde ihm nach kurzer Zeit die Verantwortung für die Stimmbildung übertragen. Außerdem studierte er Gesang bei Helge Rosvaenge, Otto Iro und Mario Tonelli.

Noch als Gymnasiast gründete er im Jahr 1956 den Tölzer Knabenchor. Er formte diesen innerhalb weniger Jahre zu einem international gefragten Ensemble und leitete ihn bis 2016. Bereits im Gründungsjahr machte er den Chor mit Tonaufnahmen beim Bayerischen Rundfunk bekannt und ging 1957 mit ihm das erste Mal auf Tournee. Ab 1963 arbeitete Schmidt-Gaden eng mit Carl Orff zusammen, der als Gastdirigent mit dem Tölzer Knabenchor verbunden war. Mit dem Chor spielte Orff unter Schmidt-Gadens musikalisch-pädagogischer Begleitung auch sein Schulwerk auf Schallplatte ein.

Schmidt-Gaden war bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1972 für die Einstudierung des Tölzer Knabenchors verantwortlich, der dort unter der Regie von Carl Orff sang. 1973 erhielt Schmidt-Gaden den deutschen Schallplattenpreis für die Interpretation von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Tölzer Knabenchor. In den folgenden Jahren festigte er den internationalen Ruf des Chors mit Reisen ins außereuropäische Ausland.

1978 gründete Schmidt-Gaden das „Florilegium Musicum“, ein auf Alte Musik spezialisiertes Kammerorchester mit historischen Instrumenten. Parallel zu seiner praktischen Arbeit war er auch in der Lehre tätig: Von 1980 bis 1988 hatte er eine Professur für Chorleitung am Mozarteum in Salzburg inne. Von 1984 bis 1989 wirkte er zudem als Chordirektor an der Mailänder Scala und betreute den dortigen Kinderchor. Die von ihm entwickelte eigene Gesangsschule, die er vor allem in seinen Jahren beim Tölzer Knabenchor entwickelt hatte, dokumentierte er 1992 in einem Buch Wege der Stimmbildung.

Der Tölzer Knabenchor trat unter Schmidt-Gadens Leitung auch bei der Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft 2006 auf. 2011 dirigierte Schmidt-Gaden den Chor auf Einladung von Papst Benedikt XVI. im Petersdom in Rom. Der Papst empfing ihn außerdem zu einer Privataudienz.

2016 übergab er die Leitung des Tölzer Knabenchors seinem Schüler, dem Chorleiter, Opernsänger und Musikpädagogen Christian Fliegner, der den Chor als neuer künstlerischer Leiter weiterführt. Seine Tochter, die Opernsängerin Barbara Schmidt-Gaden, hatte bereits 2015 die Geschäftsführung übernommen.

2017 berichtete die Presse über Vorwürfe des Schriftstellers Christopher Kloeble gegen Schmidt-Gaden. Dabei ging es um mutmaßlich belastende Situationen im Proben- und Reisealltag des Chores. So soll unter anderem ein Spottlied gesungen worden sein. Zudem war von verbalen Entgleisungen des Chorleiters die Rede. Schmidt-Gaden nahm zu den Vorwürfen nicht Stellung.

Am 19. April 2026 starb Gerhard Schmidt-Gaden im Kreise seiner Familie nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Benediktbeuern.

Auszeichnungen Bedeutende Persönlichkeiten wie Carl Orff, Hans Werner Henze, Herbert von Karajan, August Everding und Claudio Abbado förderten seine Arbeit. Besonders prägend für seine musikalische Entwicklung war insbesondere die langjährige Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt, mit dem Schmidt-Gaden maßgeblich an der historisch informierten Aufführungspraxis mitwirkte.

Schmidt-Gadens Wirken mit dem Tölzer Knabenchor, das unter anderem Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Collegium Aureum, Kleine Geistliche Konzerte von Heinrich Schütz sowie geistliche Chormusik von Orlando di Lasso umfasst, ist in zahlreichen Platteneinspielungen dokumentiert.

Gerhard Schmidt-Gaden wurde unter anderem mit den folgenden Ehrungen ausgezeichnet: 1983: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 1984: Bayerischer Poetentaler 1991: Oberbayerischer Kulturpreis 1994: Bayerischer Verdienstorden 1999: Professor auf Lebenszeit 2008: „Kulturehrenbrief“ 2009: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber

Publikationen Gerhard Schmidt-Gaden: Wege der Stimmbildung. Max Hieber Musikverlag, München 1992, ISBN 3-920456-11-4.

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Einzelnachweise

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