Die in den Jahren 1922–1927 erbaute Wohnsiedlung der Ceciliengärten gehört zum Berliner Ortsteil Schöneberg des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Sie wurde 1995 unter der Nummer 09045872 in die Berliner Denkmalliste aufgenommen. Die Grünanlagen der Siedlung wurden bereits 1977 zu einem Gartendenkmal erklärt.

In ihrer städtebaulichen Konzeption und architektonischen Ausgestaltung durch den Architekten und Stadtbaurat des ehemaligen Berliner Bezirks Schöneberg, Heinrich Lassen, steht sie im Kontrast zu mehreren, vorwiegend im Stil des Neuen Bauens, zeitgleich entstandenen Berliner Siedlungen. Die unter anderem noch am Jugendstil orientierte expressionistische Gestaltung der Ceciliengärten mit Ornamenten, Staffelungen und Spitzdächern trat beim – von den Architekten Walter Gropius oder den Brüdern Max und Bruno Taut propagierten – Stil des Neuen Bauens in den Hintergrund.

Die Qualitäten der Ceciliengärten zeigen sich in der Gartenanlage, der Gliederung, Materialauswahl und der teilweisen Verspieltheit der Fassaden sowie der auffallenden Gestaltung des Atelierturms und in den zum Teil sehr üppigen Innenhofgärten. Der Fassadenschmuck mit den lebensnahen Darstellungen von kindlichem Alltag und dem seinerzeit modernen Verkehr sowie die Formensprache der Türgestaltungen machen die Ceciliengärten zu einem öffentlichen Freilichtmuseum des Art déco.

Lage mini|Ceciliengärten (Wohnanlage rot eingezeichnet) mit Umgebung

Die Siedlung mit einer Gesamtfläche von 42.200 m² liegt im Ortsteil Schöneberg (nahe dem Ortsteil Friedenau und wird diesem deshalb oft fälschlicherweise zugesprochen) auf dem Teltow-Höhenzug südlich des Berlin-Warschauer Urstromtals mit einer mittleren Höhe von knapp . Das Terrain der Anlage weist insgesamt einen Höhenunterschied von etwa drei Metern auf.

Grenzen der Wohnanlage bilden Traegerstraße (benannt nach dem Juristen und Politiker Albert Traeger) im Norden, die Rubensstraße im Osten, die Baumeisterstraße (nach dem Bauingenieur Reinhard Baumeister benannt) sowie die Semperstraße (Namensgeber war der Architekt Gottfried Semper) im Süden und im Westen durch die rückwärtigen Grenzen der östlichen Grundstücke der Sponholzstraße (nach dem Kaufmann, Grundbesitzer und Bodenspekulanten Johann Christian August Sponholz benannt). Durch die gesamte Siedlung führt die namensgebende und seit dem Jahr 2000 verkehrsberuhigte Straße Ceciliengärten. Die Anlage wird im Wesentlichen flankiert von folgenden Hauptverkehrsadern: Nordwestlich durch die Hauptstraße – Teil der ehemals hier als Berlin-Potsdamer Chaussee verlaufenden Reichs- und späteren Bundesstraße 1, nördlich durch den S-Bahn-Ring und die hierzu parallel verlaufende Stadtautobahn (A 100) hinter dem Innsbrucker Platz, südöstlich durch die Bahntrasse der Wannseebahn – ehemals: Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn, heute: S-Bahn-Linie S1, sowie die hierzu parallel verlaufende Westtangente (A 103), auf der gleichzeitig die Bundesstraße 1 geführt wird.

Durch ihre Lage und die Verkehrsanbindung hat die Siedlung der Ceciliengärten einen verhältnismäßig ruhigen und dennoch zentralen Charakter. Die Entfernung bis zum Brandenburger Tor beträgt beispielsweise knapp sechs Kilometer, hierfür benötigt die S-Bahn zwölf Minuten.

Namensgebung mini|hochkant|Kronprinzessin Cecilie

Namenspatronin für die Benennung der Ceciliengärten war Kronprinzessin Cecilie von Preußen (1886–1954), Gattin des deutschen Kronprinzen Wilhelm. Sie war unter anderem die Namensgeberin für das Schloss Cecilienhof in Potsdam, für den im Jahr 1905 eingedeichten Cecilienkoog in Nordfriesland und für eines der großen Segelschiffe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Viermastbark Herzogin Cecilie.

Die Benennung der durch die Siedlung führenden Straße mit der seit jeher angerähnlichen Platzform – die vorher Straße 39 hieß – erfolgte im Jahr 1912.

Mit der Namensgebung der Anlage wollte man der Kronprinzessin, die seinerzeit eine sehr hohe Reputation in der Bevölkerung genoss, bereits zu Lebzeiten eine Ehre erweisen.

Geschichte

Planung Die ersten Ideen zur Parzellierung und Bebauung des ehemaligen Willmannschen Parkgeländes westlich der Rubensstraße zwischen der Hauptstraße im Norden und der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn am heutigen S-Bahnhof Friedenau im Süden entstanden bereits in den 1890er Jahren im Zusammenhang mit der Bebauung der – im Jahr 1871 als Villenvorort gegründeten – damaligen preußischen Landgemeinde Friedenau. Bis zur vorläufigen Planreife im Jahr 1909 favorisierte man zur Erschließung des Gebietes übermäßig breite Straßen mit „eingestreuten Grünflecken“.Exposé der Ceciliengärten aus dem Jahr 1912

Erst nachdem die damalige Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord das Baugelände erworben hatte, konzentrierten sich die Planer unter Berücksichtigung neuer städtebaulicher Gesichtspunkte für das angestrebte Wohnviertel nunmehr einheitlich auf eine große zusammenhängende Grünfläche und dezentrale Hof-Parks. Die detaillierten Fassadenzeichnungen schrieben sämtliche Anforderungen in einem – vom Stadterweiterungsamt der damals eigenständigen Stadt Schöneberg überarbeiteten – Bebauungsplan fest.

In einem Exposé aus dem Jahr 1912 war erstmals die Rede von „der Ausschaltung der Brandgiebel, Berliner Zimmer und Hinterhäuser“ sowie von „durchsonnten Wohnungen durch Nord-Süd-Ausrichtung sämtlicher Baublocks“. Weiterhin beschäftigten sich die Architekten mit den vorherrschenden Windrichtungen und der erforderlichen Ausstattung der Siedlung mit Spielplätzen „für die liebe Jugend“. Im Einzelnen widmete man sich der gärtnerischen Gestaltung mit Hecken, Rabatten, Baumreihen, Laubengängen sowie der Anlage mehrerer Brunnen und einer Wasserfontäne. Die Siedlung sollte als „Gartenstadt im englischen Stil“ errichtet werden, was der Gesamtanlage eine größere Attraktivität und Werterhöhung geben sollte.

Sämtliche Ausführungen der Architektur und der Parkanlagen sollten unter der amtlichen Oberleitung des Schöneberger Stadtbauinspektors Paul Wolf erfolgen. Als offizielle Bauherren traten zwei Wohnstätten-Gesellschaften auf.Berlin-Kalender 1997 (20. Juni) Luisenstädtischer Bildungsverein, 1997, ISBN 3-89542-089-1. S. 121

Umsetzung und Fertigstellung mini|Musterbau Ceciliengärten Nr. 1 an der Ecke zur Traegerstraße

Die Fertigstellung der Wohngebäude wurde in erster Linie durch den Ersten Weltkrieg verhindert. Nach dem Krieg mussten die bisherigen Planungen abgebrochen und danach vollständig neu begonnen werden. Die Gebietsverluste durch den Versailler Vertrag und die weitgehend aufgelöste Armee führten zu Zuwanderung und zusätzlichem Wohnraumbedarf. Zudem war die Nahrungsmittelversorgung bereits vor Kriegsende aufgrund unzureichend bewirtschafteter Agrarflächen stark beeinträchtigt. Die Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik und die Reparationsforderungen schränkten den finanziellen Spielraum der Städte und Gemeinden erheblich ein, zugleich brach die Nachfrage nach hochwertigen Wohnungen weitgehend zusammen. Die großzügig geplanten Stadtgrundrisse mit den gut ausgestatteten Wohnungen der Planungen vor dem Ersten Weltkrieg entsprachen nicht mehr dem aktuellen Bedarf.

Die ursprüngliche bauliche Konzeption der Ceciliengärten wurde dementsprechend in dieser Form letztendlich nicht realisiert. Nur ein Gebäude (Ceciliengärten 1) wurde nach dem Ersten Weltkrieg – vermutlich als Musterbau – fertiggestellt und ist heute noch an der Ecke zur Traegerstraße zu sehen. Die Straßenaufteilung wurde einschließlich der platzartigen Grünfläche mit dem alten Baumbestand vollendet, der teilweise schon im Willmann’schen Parkgelände vorhanden war.

Erst nach der Eingemeindung zu Groß-Berlin im Jahr 1920 nahmen sich Schönebergs Stadtplaner des schon festgesetzten Bebauungsplans wieder an. Sie fanden bald Geldgeber, die bereit waren, die parzellierten Blöcke zu erwerben. Für die damalige Gemeinnützige Heimstättengesellschaft der Berliner Straßenbahn (für den nordöstlichen Block) und die Wohnstättengesellschaft mbH (für die restlichen Blöcke) wurde die ursprüngliche Projektierung der Wohngebäude überarbeitet und den veränderten Wohnbedürfnissen angepasst. Der erste Spatenstich zum Bau erfolgte am 21. Juni 1922. Das neuerrichtete Quartier wurde dann ab dem 1. Juli 1923 bis zum Jahr 1927 in verschiedenen Bauabschnitten bezugsfertig und umfasste in erster Linie Dienstwohnungen, die für Mitarbeiter des Staates und für die Bediensteten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) reserviert waren.

mini|Gedenktafel für die Anlage der Ceciliengärten in der Traegerstraße

Oberster Planer für die Realisierung der Pläne war der Schöneberger Stadtbaurat Heinrich Lassen. Eine Gedenktafel am Haus Traegerstraße 2/3 erinnert an ihn.

Nur wenig beeinflusst durch die neuen architektonischen Zeichen der damaligen Zeit – beispielsweise den seinerzeit gerade aufkommenden Bauhaus-Stil – fiel die Fassadengestaltung nicht mehr ganz so umfangreich aus, wie sie noch 1912 angestrebt worden war. Dennoch waren die Ergebnisse in Nutzbarkeit und Anschauung noch immer gut durchdacht und sehr detailverliebt. Die Fassadenflächen werden bestimmt durch folgende Gliederungs- und Gestaltungselemente:

mini|Fassadendetail

Plastizität der Vor- und Rücksprünge mit der daraus resultierenden Licht- und Schattenwirkung, konsequente Beachtung einer starken Symmetrie aller Häuser, Verwendung unterschiedlicher Materialien und gestalterischer Putztechniken sowie Einsatz diverser Schmuckteile, beispielsweise über den Eingangsportalen.

Der Architekt Heinrich Lassen legte Wert darauf, dass sich die Grundrisse der Wohnungen – teilweise nur in Details – individuell voneinander unterschieden. Als im Jahr 1927 der letzte von acht Bauabschnitten nach fünfjähriger Bauzeit fertiggestellt war, umfasste die bebaute Komplexfläche rund 18.700 m² mit 621 Wohnungen, in denen mehr als 1500 Menschen lebten, davon 8 Fünfzimmer-Wohnungen, 92 Vierzimmer-Wohnungen, 322 Dreizimmer-Wohnungen, 181 Zweizimmer-Wohnungen, 18 Einzimmer-Wohnungen sowie 12 Läden und 4 Ateliers.Zahlen aus;

Die Größe der Zimmer beträgt durchschnittlich 18–24 m², wobei fast jede Wohnung eine Diele und einen Erker besitzt. Die durchschnittliche Wohnungsgröße liegt bei rund 90 m².

Mindestens ein geplanter Wohnblock fiel entgegen der ursprünglichen Projektierung von 1912 weg: Zwischen Semper-, Baumeister- und Sponholzstraße wurde zum Bahnhof Friedenau hin etwa zur gleichen Zeit ein anderes Wohnbauprojekt vollendet.

Eine markante Besonderheit der Ceciliengärten war der Atelierturm als südliche Begrenzung zur Semperstraße. Dieser Turm hatte keine tatsächliche Funktion, sondern stellte eine architektonische Landmarke dar, die den geschlossenen Eindruck der Gesamtanlage unterstrich. Seinen Namen verdankt er der im oberen Teil gelegenen Atelierwohnung, die sich seinerzeit ohne Zwischendecke über die heutige vierte und fünfte Etage erstreckte und die der Maler Hans Baluschek zwischen 1929 und 1933 als Wirkungsstätte bewohnte.

mini|hochkant|links|Georg Kolbes FrauenplastikDer Abend mini|hochkant|Kolbes SkulpturDer Morgen

Ebenso waren die beiden lebensgroßen Frauenstandbilder Der Morgen und Der Abend des Bildhauers Georg Kolbe auf der zentralen Grünanlage eine Besonderheit der Siedlung. Kolbe hat sich bei der Namensgebung seiner Bronzeplastiken nicht auf die Himmelsrichtungen bezogen, in denen seine Figuren aufgestellt worden sind, sondern an der Art, wie sie den Tag beginnen (die Skulptur Der Morgen streckt sich dem Tag entgegen) und den Tag beenden (das Standbild Der Abend wirkt dagegen erschöpft mit herunterhängenden Armen). Ein getöntes Gipsmodell der Plastik Der Morgen war 1929 im Deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona zu sehen. Eine Kopie der Kolbe-Skulptur befindet sich heute im rekonstruierten Ludwig-Mies-van-der-Rohe-Pavillon in Barcelona.