mini|Jean Fernel (aus seinem Werk Universa medicina) Jean François Fernel und latinisiert auch Joannes Fernelius (Ambianus) (* um 1497 in Montdidier (Somme), Frankreich; † 1558 in Fontainebleau), gelegentlich auch Fernell geschrieben, war ein französischer Mediziner, Arzt und Naturforscher. Er führte die Begriffe Physiologie sowie Pathologie ein und beschrieb erstmals das Rückenmark.
Leben Zunächst hatte Jean Fernel Astronomie und Mathematik studiert. 1525 führte er nördlich von Paris eine Gradmessung zur Bestimmung des Erdumfangs durch. Nach seiner Darstellung in der CosmotheoriaIn: Primi Capite Scholia, Randziffer 8 (S. 4) bestimmte er dazu die Polhöhe von Paris mit einem in einem Dreieck drehbar gelagerten Holzstab, fuhr so lange nach Norden, bis die Polhöhe nach seiner Beobachtung um 1° zugenommen hatte, zählte auf dem Rückweg (nach einem gewissen Abzug für die ungerade und unebene Straße) 17024 Radumdrehungen seiner Kutsche und ermittelte damit 56.746 Toises bzw. 110.598 m für den Meridianbogen von 1°.Jean Picard kritisierte 1671 in seiner Mesure de la Terre diese Darstellung ohne jegliche Einzelheiten
Im Jahr 1529 begann Fernel das Studium der Medizin, woneben er auch Philosophie, Grammatik und Rhetorik studierte,August Buck: Die Medizin im Verständnis des Renaissancehumanismus. In: Deutsche Forschungsgemeinschaft: Humanismus und Medizin. Hrsg. von Rudolf Schmitz und Gundolf Keil, Acta humaniora der Verlag Chemie GmbH, Weinheim 1984 (= Mitteilung der Kommission für Humanismusforschung. Band 11), ISBN 3-527-17011-1, S. 181–198, hier: S. 186. und 1532 wurde er in Paris promoviert.
Nachdem Fernel 1534 zum Professor ernannt worden und eine ärztliche Praxis eröffnet hatte, wurde er zudem Leibarzt von Heinrich II. und Katharina de Medici. In einer Publikation des Jahres 1554 erwähnte Fernel Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, darunter sogenannte Scirrhi (Befund bei chronischer Pankreatitis oder bei Bauchspeicheldrüsenkrebs).K. Zimmermann: Bauchspeicheldrüse. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 89–106, hier: S. 92 f. Im Gegensatz zur landläufigen und zum Teil noch ärztlichen Meinung seiner Zeit, sah er die Epilepsie nicht als ansteckend an.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 360.
Fernel schlug erstmals eine Gliederung der Medizin in Physiologie, Pathologie und Therapie vor.Heinrich L’Allemand: Wiederbelebung. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 217–228, hier: S. 217. Er sagte, dass der Arzt die Anatomie kennen müsse wie der Historiker den geographischen Schauplatz.Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 22.
Der Mondkrater Fernelius wurde 1935 nach ihm benannt.
Er verlor seine Frau im Jahre 1556 und starb zwei Jahre später an einer Lebererkrankung; sein Grab war bei der Saint-Jacques-de-la-Boucherie.
Schriften mini|De proportionibus libri duo (1528) Monalosphaerium, 1526 De proportionibus, 1528 (Zur Gradmessung von 1525) De naturali parte medicinae, Paris 1542 De abiditis rerum causis libri duo [„Über die verborgenen Ursachen der Dinge“]. Frankfurt am Main 1545; Neuausgabe ebenda 1581. Universa medicina (Physiologia, Pathologia, Therapeutice), 1567 Therapeutices universalis libri septem, 1571 Febrium curandarum methodus generalis, 1577 De luis venereae curatione perfictissima liber, Antwerpen 1579.
Literatur W. Bruce Fye: Jean Francois Fernel. In: Clinical cardiology. Band 20, Nr. 12, 1997, S. 1037–1038. Barbara I. Tshisuake: Fernel, Jean. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 394.
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Kategorie:Humanphysiologe Kategorie:Mediziner (16. Jahrhundert) Kategorie:Astronom (16. Jahrhundert) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1558 Kategorie:Mann