mini|Domplatz, Nordseite, 2013 mini|Blick vom Gebäude Domplatz 11a auf die Nord- und Ostseite, 2021 mini|Blick nach Südwesten, 2013 Der Domplatz, auch Neuer Markt, ist ein denkmalgeschützter Platz in Magdeburg in Sachsen-Anhalt.

Lage Der Platz befindet sich in der Magdeburger Altstadt, nördlich des namensgebenden Magdeburger Doms. Auf den Platz münden mehrere Straßen. Von Südosten entgegen dem Uhrzeigersinn handelt es sich um den Remtergang, den Gouvernementsberg, die Regierungsstraße, die Kreuzgangstraße, die Arthur-Ruppin-Straße, die heute unbenannte Breite Straße, die Domstraße und ganz im Süden die Danzstraße und die Straße Am Dom.

Die Hausnummerierung verläuft beginnend mit der Nummer 1a und b von der südöstlichen Ecke aus entgegen dem Uhrzeigersinn nach Norden bis zur Nummer 5. An der Nordseite liegen dann von Osten nach Westen die Nummern 6 bis 9. Auf der Westseite befinden sich von Norden nach Süden die Nummern 10 und 11.

Gestaltung mini|Blick von Westen über den Domplatz, 2021 Der im Verhältnis zu anderen Stadtplätzen sehr große Domplatz wird vom namengebenden Magdeburger Dom dominiert, der die Südseite des Platzes einnimmt. Die Ost- und Nordkante wird von einer weitgehend geschlossen erhaltenen barocken Bebauung mit annähernd gleichen Gesimshöhen geprägt, während sich an der Westseite moderne Bauten befinden. An der Nordwestecke besteht mit der Grünen Zitadelle von Friedensreich Hundertwasser ein in besonderer Weise architektonisch auffallendes Gebäude.

Die Grundfläche des Platzes ist trapezförmig angelegt. In Nord-Süd-Richtung beträgt die maximale Ausdehnung etwa 180 Meter, die West-Ost-Ausdehnung etwa 140 Meter.

Der Platz ist auf Ost-, Nord- und Westseite von einer zweireihigen Baumreihe umgeben. Auf der Südseite ist dies, um die Sicht auf den Dom nicht zu behindern, nur in Teilen der Fall. Zwischen den Baumreihen und der Gebäudeflucht verläuft eine Straße um den Platz.

In der südöstlichen Ecke des Platzes ist eine bei Ausgrabungen gefundene Grundrissstruktur mit kniehohen Mauern dargestellt. Die Struktur wurde zunächst als Rest einer ottonischen Königspfalz, später als karolingische Kapelle aus dem 9. und ottonische Kirche aus dem 10. Jahrhundert gedeutet. Mittig auf dem Platz sind Wasserspiele installiert. Am Rande des Platzes besteht an der Südwestecke das an die friedliche Revolution von 1989 erinnernde Bürgerdenkmal. An der Nordseite steht eine Stele zur Erinnerung an die Reichsbanner-Demonstration von 1925.

Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist der Platz unter der Erfassungsnummer 094 06336 als Baudenkmal verzeichnet.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2571 Der Domplatz gilt als einziger in seiner historischen Gestaltung noch annähernd erhaltene Platz der Magdeburger Altstadt und bedeutendes Zeugnis der barocken Architektur.Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Band 14, Landeshauptstadt Magdeburg, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2009, ISBN 978-3-86568-531-5, Seite 168

Name Als Name war, in Abgrenzung zum weiter nördlich gelegenen Alten Markt, die Bezeichnung Neuer Markt gebräuchlich. So wurde er 1294 als nyger markt und 1632 durch Otto Gerike als Neu-Markt bezeichnet. Er diente als zentraler Platz der im Süden der Stadt gelegenen Stiftsfreiheit, die nicht dem Magistrat der Stadt unterstand. Der Name Neuer Markt wurde häufig für das gesamte Gebiet der Stiftsfreiheit, später vor allem für den Platz selbst genutzt. Ab dem 18. Jahrhundert setzte sich dann die Bezeichnung Domplatz durch, wobei noch im Jahr 1800 die Bezeichnung Neuer Markt als die umgangssprachlich geläufigere angegeben wurde.Johann Christian Friedrich Berghauer, Magdeburg und die umliegende Gegend, Erster Band, G. Ch. Keil, Magdeburg, 1800, Seite 147

Geschichte

Mittelalter Die Entwicklung des Platzes und seiner konkreten Umgrenzung dauerte über sehr lange Zeiträume an. Auf dem Platz selbst wurden bei Ausgrabungen Hinweise auf frühe Bebauungen gefunden. Sie wurden zunächst als Reste der ottonischen Kaiserpfalz gedeutet. Später setzte sich die Deutung als Kapelle und Kirche durch. Darüber hinaus wurde ein fränkisches Kastell gefunden, das dem Grafen Aito zugeordnet wird. Das Kastell diente als Sicherung für den hier an einem Übergang über die Elbe entstandenen Handelsplatz an der Grenze des Frankenreichs. Bei Ausgrabungen auch gefundene Reste von drei Spitzgräben werden als Teil der Befestigungsanlagen des Kastells gedeutet, östlich derer sich ein Wall befunden haben müsste. Ihre Lage wird grob durch die später angelegten Wasserspiele symbolisiert. Außerdem wurden 40 jüngere, nach dem Kastell entstandene Grubenbauten gefunden. Die ältesten Siedlungsspuren gehen bis auf die Zeit 5000 vor Beginn der Zeitrechnung zurück. Vermutet wird auch, dass sich hier ein altsächsischer Herrenhof befand, Nachweise hierfür bestehen jedoch nicht.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 21 f. Später bestanden auf dem Platz selbst keine Bauten mehr.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 11 Seine südliche Kante wurde im Jahr 937 mit der Stiftung des Moritzklosters durch Otto I. definiert. An dieser Stelle entstand später ab 955 der Magdeburger Dom. Die Ostkante des Domplatzes und der nördliche Teil der Westkante bildeten sich nach der Errichtung des Erzstifts im Jahr 962. Auf der Ostseite entstand an der Stelle, an der sich zuvor die ottonische Pfalz befunden hatte, der Bischofspalast und die Stiftskapelle St. Gangolphi. Weitere Bauten auf dieser Seite waren die Möllenvogtei, der Bischofsgang, die Schreiberei und mehrere Kurien.

997 hielt sich der Gelehrte Gerbert von Aurillac in Magdeburg auf. Er soll mit Kaiser Otto III. auf dem Domplatz Gestirne beobachtet und berechnet haben.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 4 Wiederholt war der Domplatz Ort für Hof-, Fürsten- und Ständetage. 1135 wurde hier ein Reichstag abgehalten.

Walther von der Vogelweide beschrieb den Magdeburger Domgang, bei dem der König Philipp von Schwaben sowie Königin Irene von Byzanz unter der Krone feierlich in den Dom schritten.Ernst von Niebelschütz, 1000 Jahre Domplatz im Magdeburger Heimat-Kalender 1932, Magdeburger General-Anzeiger, Faber-Verlag, 16. Jahrgang, Seite 50

Beim großen Stadtbrand des Jahres 1207, dem auch der damalige Magdeburger Dom zum Opfer fiel, wurden auch die Gebäude des Domplatzes stark zerstört.

Die großzügige Domfreiheit des Magdeburger Doms erstreckte sich nicht nur nach Norden auf den Domplatz, sondern auch nach Westen bis zur Sankt-Sebastians-Kirche. Nach Norden dehnte sich der Platz zunächst weiter als heute. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden dort vor der alten Bebauung die heute in Teilen noch vorhandenen Gebäude als neue Straßenflucht. Auch die Westkante, an der sich zunächst nur die Dompropstei befand, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts mit dem Bau des Zeughauses Magdeburg geschaffen. Eine tatsächliche platzartige Gestaltung im Sinne heutiger städtebaulicher Kriterien entstand erst in diesem späteren Zeitraum.

Von besonderer Bedeutung war die Nutzung des Domplatzes als Ort der regelmäßigen Jahrmärkte, in Magdeburg Messen genannt.Sabine Ullrich, Die Geschichte des Magdeburger Domplatzes, Stadtplanungsamt Magdeburg 2001, Seite 11 Während der Domplatz im Verhältnis zum quirligen Stadtleben am zentraler gelegenen Alten Markt und den altstädtischen Gassen sonst eher ruhig war und als verschlafen beschrieben wird, wurde er dann zu einem sehr geschäftigen Ort. Die im 12. Jahrhundert gestiftete Herrenmesse fand im Anschluss an mit großem Aufwand durchgeführte Reliquienschauen statt. Die Schauen waren den Märtyrerpatronen des Erzstifts, den sogenannten Herren, gewidmet.Ernst von Niebelschütz, 1000 Jahre Domplatz im Magdeburger Heimat-Kalender 1932, Magdeburger General-Anzeiger, Faber-Verlag, 16. Jahrgang, Seite 50 Die Tradition, die Messen hier abzuhalten, hielt sich noch bis in die 1970er Jahre. Seitdem wird die Messe auf einem Standort außerhalb der Altstadt durchgeführt. Auch für andere Veranstaltungen und Feierlichkeiten mit großem Menschenandrang wurde der Domplatz gern genutzt. Besonders bekannt wurde die große Feierlichkeit im Jahr 1220, bei der Erzbischof Albrecht II. die Kopfreliquie des heiligen Mauritius in den Dom überführen ließ, aber auch die Domweihe im Jahr 1363. Im Jahr 1451 hielt Kardinal Nikolaus von Kues und 1453 der Franziskanermönch Johannes Capistrano eine öffentliche Predigt auf dem Domplatz. Er wetterte insbesondere gegen Eitelkeiten. Nach seiner Predigt wurden auf dem Domplatz auf einem Scheiterhaufen Spielbretter, Würfel, Haarlocken und Schminkdosen verbrannt.Ernst von Niebelschütz, 1000 Jahre Domplatz im Magdeburger Heimat-Kalender 1932, Magdeburger General-Anzeiger, Faber-Verlag, 16. Jahrgang, Seite 50

1402 war der Domplatz Schauplatz der Münzkrawalle, 1493 gab es im Zuge der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus der Stadt Unruhen auf dem Platz. Auch die Auseinandersetzungen um die Einführung der Reformation fanden hier ihren Ausdruck. Aber auch Wochenmärkte, Zirkusvorstellungen und noch bis in das 18. Jahrhundert auch Exekutionen fanden hier statt.

Im Jahr 1430 wurde der Domplatz im Auftrag des Rats planiert. Dabei wurde in der Mitte des Platzes ein Abwassergraben angelegt, der in Nord-Süd-Ausrichtung verlief und letztlich in den Stadtgraben entwässerte. Zugleich wurden drei alte Kanäle beseitigt, die für die Stadtbefestigung nachteilig waren. Über diese Baumaßnahme ergab sich ein Streit mit dem Erzbischof, der die Entscheidungshoheit über Baumaßnahmen auf dem Domplatz für sich einforderte. Er ließ den neu angelegten Graben wieder beseitigen. Im Zuge der Auseinandersetzung erfolgte auch die Errichtung von Befestigungsanlagen wie dem Turm Kiek in de Köken. Letztlich wurde der Abwassergraben später wieder hergestellt und war dann noch bis in das 19. Jahrhundert in Betrieb. Eine Pflasterung oder sonstige Befestigung hatte der Domplatz im Mittelalter jedoch nicht. Er dürfte bei ungünstigen Witterungsverhältnissen praktisch unpassierbar gewesen sein. Anlässlich von Veranstaltungen wurden jedoch durchaus Befestigungen vorgenommen. Belegt ist, dass 1432 unter Erzbischof Günther für Prozessionen gepflasterte Wege angelegt wurden. Nötig geworden war dies, da durch Bauarbeiten am Dom die Fläche des Platzes stark zerfahren war. Finanziert wurden die Bauarbeiten durch Almosen von Gläubigen. Wie lange die Wege bestanden, ist nicht bekannt. mini|Domplatz auf einem Holzschnitt aus dem Jahr 1552 Im Übrigen war der Domplatz Zentrum des vom Gebiet der Altstadt Magdeburgs unabhängigen Gebiets der Stiftsfreiheit und diente der jeweiligen Verwaltung der ansässigen Behörden, zunächst des königlichen Hofs, später des Erzbischofs, dann der Militärbehörde und der preußischen Behörden. Die Gerichtsbarkeit in diesem Bereich oblag der Möllenvogtei, deren Gebäude sich im südöstlichen Bereich befanden. mini|Zeichnung Otto von Guerickes aus dem Jahr 1632 mit einer Darstellung des Domplatzes Während des Brandes bei der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 war der Domplatz jedoch weniger stark betroffen als der Rest der Stadt. Diverse Gebäude, darunter auch der Dom selbst, blieben erhalten. Tilly hatte zur Brandbekämpfung hier Soldaten zusammengezogen und auch Bürger hergezwungen.