Die Melitta Group Management GmbH & Co. KG ist die Konzernobergesellschaft der Melitta-Unternehmensgruppe mit Sitz im ostwestfälischen Minden.
Melitta ist für den von ihr patentierten Kaffeefilter bekannt. Unter ihrem Dach werden Artikel für den täglichen Haushaltsbedarf sowie für Gastronomie und Großverbraucher produziert und vermarktet. Melitta ist ein Familienunternehmen, das von Jero Bentz, der zur Gründerfamilie gehört, sowie dem familienfremden Mitglied Katja Möller geführt wird.
Geschichte Gründung und Anfangszeit mini|Früher Melitta-Filter aus Aluminium für rundes Filtrierpapier mini|Melitta-Kaffeefilter mit Filtertüte (Form ab 1938 bis heute) Der Firmenname Melitta geht zurück auf Amalie Auguste Melitta Bentz aus Dresden, die Erfinderin des Einweg-Kaffeefilters. Damalige Methoden der Kaffeezubereitung verwendeten ein herkömmliches Sieb, in das ein Leinentuch oder ausgeschnittenes Löschpapier eingesetzt wurde. Bentz entwickelte 1908 die Idee für einen Filtertopf mit passenden, kreisrunden Filtrierpapier-Scheiben. Hierfür experimentierte sie mit einer durchlöcherten Konservendose und ausgeschnittenem Löschpapier.Mario Brück: Prinzip Stillstand. In: Wirtschaftswoche, Nr. 19, S. 56. 4. Mai 2009.Der Melitta-Filter wird 100. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 16. Juni 2008.Mareike Köstermeyer: Melitta Bentz war ihrer Zeit voraus. In: Neue Westfälische, S. 7. 31. Januar 2023.
Am 20. Juni 1908 wurde ein optimierter Filter unter der Nr. 347895 beim Kaiserlichen Patentamt zu Berlin in die Gebrauchsmusterrolle eingetragen als „Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe“. Die zylindrischen Gefäße bestanden zunächst aus Aluminium und trugen die Prägung „Original Melitta No. 2“. Es war ein kreisrundes Blatt Einweg-Filtrierpapier einzulegen.Katharina Hensel: Melitta – Vom Löschblatt zur Filtertüte. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 2. März 2021.Judith Rosen: Frau Melittas Gespür für Kaffee. In: Bonner General-Anzeiger, Nr. 39731, S. 66. 27. Juni 2020. Ein Filtergerät von Melitta kostete damals 1,25 Mark. Auf der internationalen Hygieneausstellung im Jahr 1910 in Dresden gewann der Filtrierapparat erste Preise.
Melitta Bentz’ Mann Hugo Bentz betrieb seit 1906 ein Haushaltswarengeschäft. Zusammen gründete das Ehepaar 1909 ein Kommissionsgeschäft für Haushaltswaren, das dem Vertrieb der 1908 angemeldeten Kaffeefilter diente. Das Unternehmen wuchs schnell100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 9 ff. und Melitta Bentz entwickelte daraufhin weitere Produkte wie Sparbüchsen, Rasierapparate, Konservengläser und Fruchtsaftfilter. Der Markenname Melitta und die Farbkombination aus Rot und Grün im Logo wurden als Warenzeichen geschützt.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 24 ff.
Erster Weltkrieg Während des Ersten Weltkriegs wurde das Unternehmenswachstum vorübergehend durch Papierknappheit und eine Einfuhrsperre für Kaffee gebremst. Hugo Bentz und sein Sohn dienten als Soldaten an der Front, während Melitta Bentz die Familie durch den Verkauf von Kartonage ernährte. Nach Kriegsende 1918 erlebte das Unternehmen einen erneuten Aufschwung und begann, in die Schweiz und in die Tschechoslowakei zu exportieren.
Zwischenkriegszeit 1919 trat Sohn Willy, 1929 in Minden dann auch der zweite Sohn Horst in das Geschäft ein, das sich fortan Bentz & Sohn nannte. Während der Weltwirtschaftskrise 1923 prägte Melitta das Logo Melitta-Werke A.G. Außerdem wurde aus der Gesellschaft Bentz & Sohn eine Familien-Aktiengesellschaft. 1929 zog die Firma von Dresden nach Minden um, aufgrund der Erhöhungen der Gewerbesteuer und mangelnder geeigneter Räumlichkeiten in Dresden.Wie eine Dresdner Erfinderin die Kaffee-Kultur veränderte. In: Dresdner Morgenpost, S. 4. 31. Januar 2023. Die Stadt Minden erließ Melitta für die ersten fünf Jahre die Realsteuern.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 28. In Minden leitete Horst Bentz die Melitta-Filterwerke über 50 Jahre lang von 1929 bis 1980.
1932 zogen sich Melitta und Hugo Bentz aus dem aktiven Geschäft zurück und ihre Söhne übernahmen die Geschäftsleitung, außerdem wurde das Unternehmen umbenannt und der Vorname der Erfinderin Melitta wurde zum Firmennamen.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 34. Im selben Jahr wurde ebenfalls der sog. Schnellfilter mitsamt dem Filterpapier auf dem Markt eingeführt. Die Belegschaft wuchs von 85 Mitarbeitern im Jahr 1929 auf 232 Mitarbeiter im Jahr 1933 an.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 38.
Im Jahre 1937 wurde die nach unten spitz zulaufende Filtertüte und der dazugehörigen, mit Ablaufrillen versehenen Aufsatz patentiert und am Markt eingeführt.
Zweiter Weltkrieg In der Zeit des Nationalsozialismus unterstützte die Firma die Nationalsozialisten, Horst Bentz trat 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung, in die NSDAP ein und wurde Mitglied der SS.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens. Köln 2008, S. 39. Im April 1942 trat er in den Rang eines SS-Obersturmführers. Willy Bentz hingegen wurde nicht Mitglied.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 39. Während des Krieges wurde die Herstellung von Kaffeefiltern verboten, stattdessen fertigte Melitta Munitionsgurte, Pfannen und Töpfe an. 1939 erhielt Melitta ein „Gaudiplom für hervorragende Leistungen“ und 1941, 1942 und 1943 die „Goldene Fahne“ zum Nationalsozialistischen Musterbetrieb.Manuskript Dirks/Kossack, 11/2006: Ein „Musterbetrieb“? Auf zg-Minden.de, abgerufen im April 2010. Das Unternehmen beschäftigte Zwangsarbeiter. In dieser Zeit wuchs die Firma, es wurden Zweigwerke in Karlsbad und Düren gegründet.
Nach dem Krieg wurde Horst Bentz inhaftiert und einem Entnazifizierungsverfahren unterworfen, währenddessen führten Willy und Melitta Bentz das Unternehmen weiter. Horst Bentz sagte aus, dass er die SS nur finanziell unterstützt habe und deswegen zum Ehrenmitglied ernannt worden sei. Nach dem Gerichtsurteil von 1948 erhielt er laut dem Unternehmen „volle Bewegungsfreiheit und Verfügung über sein Vermögen“ und konnte ohne Einschränkung wieder die Leitung bei Melitta übernehmen, mit der Begründung, er sei für den Wiederaufbau der Melitta-Werke unentbehrlich.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens. Köln 2008, S. 59. Andere Quellen sprechen davon, dass er zu einer Geldstrafe von 15.000 Reichsmark verurteilt wurde und nur unter Auflagen (Vermögenssperre, Beschäftigung als Hilfsarbeiter) nach Minden zurückkehren durfte. Der Mindener „Denazification Panel“ stufte Horst Bentz im September 1949 als „Mitläufer“ (Kategorie 4) ein. Das Werk war bis 1957 durch die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt, der Betrieb auf mehrere Produktionsstätten in der Umgebung verteilt.
1999 beteiligte sich der Konzern am Zwangsarbeiter-Fonds der deutschen Wirtschaft und zahlte in die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ein. Die Aufarbeitung der Zusammenarbeit mit dem NS-Regime während des Zweiten Weltkrieges erschien in dem 2008 im Verlag Geschichtsbüro veröffentlichten Buch 100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens.
Nachkriegszeit mini|Die Melitta-Teekanne war die Vorlage für den berühmten Utah teapot und wird darum im Computer History Museum ausgestellt. 1952 trennten sich die beiden Brüder: Willy Bentz übernahm von Heinrich Arthur Hoesch die von dessen Großvater Ludolf Matthias Hoesch errichtete Papierfabrik Friedenau in Düren-Kreuzau, Horst Bentz das Werk in Minden und expandierte dort weiter. Während der Fünfziger- und Sechzigerjahre baute er das Kaffeegeschäft aus, stieg in den Verkauf von Haushaltswaren ein und kaufte mehrere Unternehmen, wie z. B. die Schokoladenfabrik Haller, der Porzellanhersteller Friesland Porzellanfabrik, den Saftproduzenten Granini und den Zigarrenproduzenten Dannemann.
1953 wurde die Porzellanfabrik Friesland als Zweigniederlassung der Melitta-Werke Bentz & Sohn (ab 1979 „Porzellanfabrik Friesland Bentz KG“) in Varel gegründet;100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 73.Porzellan Friesland: 1986 soll der Umsatz steigen. In: Handelsblatt, Nr. 46, S. 22. 6. März 1986. 1991 trennte sich Melitta von dieser Tochtergesellschaft, die auch weiterhin Melitta-Porzellanfilter herstellte. Ab den 1960er Jahren wurden das Melitta-Porzellan und andere Produkte wie Süßigkeiten und Kaffee eingeführt. Melitta produzierte als erster Hersteller filterfein gemahlenen und vakuumverpackten Kaffee.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 81. Ab 1965 vertrieb Melitta außerdem den Wigomat, die erste Filterkaffeemaschine, unter eigenem Namen und abgewandeltem Gehäuse als Melitta MA 120; das Unternehmen war somit auch erstmals im Vertrieb von Kaffeemaschinen tätig.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens, Köln 2008, S. 81.
Ebenfalls in den 1960er Jahren gründete Melitta Niederlassungen in den USA, Kanada und Brasilien. 1966 wurde die von Carl Ronning (1863–1949) gegründete Bremer Großrösterei Carl Ronning GmbH übernommen.Jan Zier: Mit Bach und Wein im Wohnzimmer. In: Die Tageszeitung, S. 61. 18. August 2018. 1967 übernahm Melitta die von Heinz Schürmann gegründete Firma Granini (welche heute zu Eckes gehört).Deutsche Granini: Orangensaft legte kraeftig zu. Der niedrige Dollarkurs belebte das Geschaeft. In: Handelsblatt, Nr. 55, S. 21. 18. März 1987.
Ende der 1960er Jahre kam es zu Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften um die Einführung der 40-Stunden-Woche, die erst in den 1970er Jahren mit Übernahme der tariflichen Vereinbarungen abebbten.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens. Köln 2008, S. 92. Die Söhne Jörg, Thomas und Stephan Bentz übernahmen das Unternehmen 1981 und führten eine Umstrukturierung durch.Melitta Gruppe: Ergebnisverbesserung erwartet – Intensiveres Auslandsgeschaeft. In: Handelsblatt, Nr. 180, S. 23. 19. September 1986. Sie sortierten die Produktpalette aus und ordneten die Produkte neuen Marken zu. Es blieben die Filtertüten, das Röstkaffeegeschäft in Europa, Brasilien und den USA, die Kaffeemaschinen sowie das Geschäft mit den Marken Swirl und Toppits. Die Marke Melitta stand nun einzig für die Produkte rund um Kaffee und Kaffeezubereitung.Neue Markenkonzeption bei Melitta. In: Handelsblatt, Nr. 190, S. 14. 5. Oktober 1987. Einzelne Unternehmensteile wurden rechtlich selbständig in einer Holding zusammengefasst. Es fand ein Konzentrationsprozess statt, der auch zu Stellenabbau führte: waren Ende der 1980er Jahre noch 7300 Mitarbeiter beschäftigt, waren es 1993 noch etwa 5900.100 Jahre Melitta. Geschichte eines Markenunternehmens. Köln 2008, S. 119.
1990 wurde die rechtliche Struktur der Unternehmensgruppe grundlegend verändert. An der Spitze des Konzerns stand nun die Melitta Unternehmensgruppe Bentz KG, alle anderen Beteiligungsgesellschaften wurden nachgeordnet. Außerdem nannte die Gruppe ihre Melitta-Werke Bentz & Sohn in Melitta-Haushaltsprodukte GmbH & Co. KG um.Melitta. Grundlegende Änderungen. In: Handelsblatt, Nr. 57, S. 15. 21. März 1990. 1995 wurde der Staubsaugerbeutel-Hersteller West-Clean AB in Lilla Edet, Schweden, erworben, die Produktion 2000 aber eingestellt. 1999 erzielte der Melitta-Konzern einen konsolidierten weltweiten Umsatz von 2,125 Mrd. DM (1,087 Mrd. Euro), davon 1,716 Mrd. DM (877 Mio. Euro) in der EU und 1,206 Mrd. DM (617 Mio. Euro) im Inland.
2000er Jahre Am 21. Juni 2000 untersagte das Bundeskartellamt aufgrund einer Verstärkung der einzelmarktbeherrschenden Stellung auf dem Markt für Staubsaugerbeutel den Zusammenschluss der Bentz Beteiligungs KG oder einer ihrer Tochterunternehmen mit der belgischen Airflo Europe N.V. sowie den Erwerb von Anteilen und den hiermit verbundenen Sonderrechten an dem zu gründenden Gemeinschaftsunternehmen durch Gesellschafter und/oder Unternehmen der Schultink-Gruppe, zu der die Airflo gehört.