mini|Paul Gauselmann (2022) Paul Gauselmann (* 26. August 1934 in Borghorst; † 21. August 2026 in Lübbecke) war ein deutscher Unternehmer. Er war bis Ende September 2024 Vorstandssprecher der Merkur Group (bis 2023: Gauselmann Gruppe) und von 1981 bis 2019 Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie e. V. (VDAI).
Gauselmann legte 1957 den Grundstein für die nach ihm benannte Gauselmann-Gruppe (heute: Merkur Group). Das in der ostwestfälischen Stadt Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke ansässige Unternehmen befasst sich unter anderem mit Spielautomaten, Sportwetten und Geldverarbeitungssystemen.
Leben und Werk Kindheit und Jugend Paul Gauselmann wurde am 26. August 1934 in der Bauernschaft Dumte im Ortsteil Borghorst in Steinfurt als fünfter Sohn des Heizers Heinrich Gauselmann und dessen Frau Maria (geborene Wegjan) geboren. Als Gauselmann zwei Jahre alt war, starb seine Mutter bei der Entbindung ihres sechsten Sohnes, der als Totgeburt zur Welt kam. Ab Anfang des Zweiten Weltkrieges lebte Paul Gauselmann mit seinem Onkel August und dessen Frau Toni in Münster. Nach den verheerenden Luftangriffen auf Münster durch die Alliierten suchten Gauselmann und seine Zieheltern ab 1943 Zuflucht in Gauselmanns Elternhaus in Dumte, wo sie bis Kriegsende gemeinsam mit seinen Brüdern und seinem Vater lebten. Nach dem Krieg besuchte Gauselmann die Volksschule Cappenberger-Damm-Schule, welche er 1950 als Jahrgangsbester verließ.
Karrierebeginn und Selbstständigkeit Nach Abschluss der Schule erlernte Gauselmann von 1950 bis 1953 den Beruf des Fernmelderevisors bei der Telefonbau und Normalzeit (T&N) in Münster.Presseportal: 75 Jahre Paul Gauselmann: Deutschlands Automaten Urgestein feiert am 26. August Geburtstag veröffentlicht am 24. August 2008, abgerufen am 12. August 2013. Auch nach seinem Abschluss war er weiterhin bei T&N angestellt.
Am 12. März 1956 wechselte er als Servicetechniker zum Generalimporteur für amerikanische Wurlitzer-Musikboxen nach Coesfeld. Während dieser Zeit entwickelte Gauselmann seine erste patentierte Erfindung: eine Fernwählscheibe mit Geldeinschub für Musikboxen, die es Gästen ermöglichte, direkt vom Tisch aus Musik wählen zu können. Diese Erfindung stellte Gauselmann mehreren deutschen Musikboxherstellern vor, unter anderem der Firma Harting in Espelkamp. Hier nahm er zum 1. Dezember 1956 eine Stelle als Entwicklungstechniker an. Für Harting konstruierte Gauselmann elektronische Musik- und später auch Zigarettenautomaten, bis er 1960 zum Leiter der Entwicklungsabteilung befördert wurde.Tagesspiegel (Hrsg.): 1957 - 2017: 60 Jahre Gauselmann Gruppe / Vom Feierabend-Unternehmer in 60 Jahren zum Branchenprimus, 13. Juni 2017, abgerufen am 12. September 2022
Bereits 1957 begann Gauselmann als Selbstständiger, Musikautomaten von Harting in Gaststätten aufzustellen. Er engagierte kurze Zeit später seinen Bruder Willi, welchem er eine 45%ige Teilhaberschaft des Unternehmens übertrug. Willi war für den Transport der Geräte, das Austauschen der Schallplatten und das Kassieren zuständig, während Paul sich um die Technik und ums Geschäftliche kümmerte. Mit Eugen trat 1962 der zweite Bruder Gauselmanns in seinen Betrieb ein. Das Unternehmen firmierte fortan unter dem Namen Gebrüder Gauselmann. 1964 endete Gauselmanns Angestelltenverhältnis mit Harting und er machte sich mit 15 Angestellten vollends selbstständig. Das Geschäftsmodell war das Aufstellen von aus den Vereinigten Staaten importierten Musikautomaten in Gaststätten.
Einstieg in das Glücksspiel mini|Mit dem „Merkur B“ kam 1977 der erste eigene Gauselmann-Spielautomat auf den Markt. Gauselmanns erster Versuch, gemeinsam mit einem alten Automatenaufsteller in Osnabrück in das Glücksspiel einzusteigen, scheiterte. 1969 wollte er abermals eine eigene Spielhalle in der Eichendorffstraße in Espelkamp eröffnen, wozu es jedoch ebenfalls nicht kam. 1970 gründete er das Unternehmen Gauselmann Großhandel, das Automaten von Fremdherstellern vertrieb. Nachdem es 1972 zu einem Lieferboykott eines Automatenherstellers gekommen war, begann Gauselmann, zusammen mit Friedel Horstmann eigene Spielautomaten zu entwickeln. 1972 gründete Gauselmann die adp Gauselmann GmbH und begann mit der Entwicklung eines eigenen Spielautomaten. 1974 eröffnete er schließlich in Delmenhorst seine erste Spielothek mit dem Namen Casino Merkur-Spielothek.Florian Langenscheidt, Peter May (Hrsg.): Lexikon der deutschen Familienunternehmen. 3. Auflage, Springer Gabler, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-31846-8, S. 265. Aufgrund der geltenden Vorschriften, dass nicht mehr als zwei Geräte in einer Spielstätte aufgestellt werden dürfen, zog Gauselmann zwei Wände durch seine Spielhalle, um sie in drei Räumlichkeiten aufzuteilen und somit insgesamt sechs Automaten aufstellen zu dürfen.
Mit dem „Merkur B“ kam 1977 das erste eigene Gauselmann-Geldgewinnspielgerät auf den Markt. Im selben Jahr ließ Gauselmann in Lübbecke die erste eigene Produktionsstätte für Spielautomaten errichten. Bis Mitte der 1980er-Jahre erreichte der Merkur B in Deutschland einen Marktanteil von mehr als 50 %. Im Jahr 1984 kam der „Merkur Disc“ auf den Markt, der sich in Deutschland über 40.000 Mal verkaufte. Sukzessive baute er seine Produktionskapazitäten in Lübbecke weiter aus, kaufte neues Land und errichtete neue Produktionshallen.
Konzernexpansion Seit 1986 ist das Unternehmen von Paul Gauselmann auch außerhalb Deutschlands unter der Marke Merkur aktiv.Tagesspiegel (Hrsg.): 1957 - 2017: 60 Jahre Gauselmann Gruppe / Vom Feierabend-Unternehmer in 60 Jahren zum Branchenprimus, 13. Juni 2017, abgerufen am 12. September 2022 Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung 1989 expandierte Gauselmann als erstes Unternehmen der Branche auch in die neuen Bundesländer, so war er bereits im April 1990 mit Spielotheken in Leipzig aktiv. Ab 1993 versuchte Gauselmann gemeinsam mit seinem Sohn Michael in weitere Staaten zu expandieren. Nach dreijährigen Versuchen erhielt er am 3. Juni 1998 als erster europäischer Hersteller die Genehmigung zur Lieferung von Glücksspielautomaten an die Casinos im US-Bundesstaat Nevada, in welchem auch Las Vegas liegt.mini|Das Deutsche Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen wurde von Gauselmann ins Leben gerufen. (2015) 2010 erwarb Gauselmann das fünfhundert Jahre alte Schloss Benkhausen auf der Gemeindefläche der Stadt Espelkamp und baute es zum Schulungszentrum für seinen Konzern um. Gemeinsam mit seinem Sohn Armin errichtete er in der ehemaligen Scheune des Schlosses das Deutsche Automatenmuseum mit 1800 Exponaten von 1888 bis heute, von denen in wechselnden Ausstellungen etwa 200 Stück im Museum ausgestellt werden. Die Sammlung wurde in den 1980er-Jahren durch Gauselmanns Sohn Michael gestartet und 1999 maßgeblich erweitert, als Paul Gauselmann von seinem angeschlagenen Konkurrenten Löwen-Automaten dessen private Sammlung für zwei Millionen Euro übernahm. Später erwarb er große Teile der Sammlung des Franzosen Jean Claude Baudot und ergänzte seine Kollektion so auch um die berühmten Slotmaschinen von Charles August Fey.
Seit dem 1. Januar 2016 agiert die Merkur Group unter dem Dach der Gauselmann-Familienstiftung. Diese trifft als Alleingesellschafterin der Merkur Group grundlegende strategische Entscheidungen. Stiftungsbeirat und Stiftungsvorstand der Stiftung bestehen mehrheitlich aus Familienmitgliedern, so sind in ihnen drei der Söhne Gauselmanns (Michael, Armin, und Karsten), sowie die zwei Töchter von Peter Gauselmann vertreten.
Mit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und der weitgehenden Legalisierung des Online-Glücksspiels in Deutschland bekam Gauselmann mit seinem Unternehmen die erste Erlaubnis zum Betrieb virtueller Automatenspiele. Im selben Jahr übernahm er mit seinem Konzern die vier, vorher landeseigenen, Casinos von WestSpiel in Nordrhein-Westfalen.
Bis 2017 hatte Gauselmann über 300 seiner Erfindungen patentieren lassen. Sein Unternehmen stellt jährlich rund 50.000 Spielautomaten her und ist der größte Spielhallenbetreiber Deutschlands. Gauselmann war unter dem Spitznamen „deutscher Automatenkönig“ bekannt.
Am 27. September 2024 gab die Merkur Group bekannt, dass Gauselmann zum Ende des Monats von seinen Funktionen innerhalb des Konzerns und der Stiftung zurücktritt. Den Vorstandsvorsitz übernahm Lars Felderhoff, den Vorsitz im Aufsichtsrat und Stiftungsvorstand sein Sohn Michael.
Privatleben mini|V. l. n. r.: Enkeltochter Sonja, die Söhne Armin, Michael und Karsten (sitzend) sowie das Ehepaar Karin und Paul Gauselmann vor dem Schloss Benkhausen (2012). Gauselmann war von 1954 bis 1965 mit seiner ersten Frau Elisabeth verheiratet, welche verstarb. Die erste Ehe brachte die drei Söhne Peter (* 1954), Michael (* 1955) und Armin (* 1962) hervor. Seit 1967 war er in zweiter Ehe mit Karin Bahlow verheiratet, mit welcher er einen Sohn, Karsten (* 1969), hatte. Karin Gauselmann steht dem Kuratorium der Gauselmann-Stiftung vor und war bis zum 31. Juli 2008 Mitglied des Aufsichtsrates der Gauselmann AG.
Von Gauselmanns vier Söhnen waren bereits alle im väterlichen Unternehmen tätig. Der älteste Sohn, Peter, war als Diplominformatiker 15 Jahre lang am Aufbau der EDV des Konzerns beteiligt. 1991 zog er sich aus dem Unternehmen zurück und zog nach Unna. Peter Gauselmanns Töchter Janika und Sonja sind hingegen weiterhin als Mitglieder des Aufsichtsrates bzw. des Stiftungsbeirates der Familienstiftung im Unternehmen aktiv. Michael Gauselmann wollte 2005 die Firma übernehmen, Paul Gauselmann lehnte dies jedoch ab, was dazu führte, dass auch Michael aus dem operativen Geschäft ausschied. Armin Gauselmann war bis 2024 als einziger der vier Söhne im Vorstand der Gauselmann-Gruppe als stellvertretender Sprecher aktiv, Karsten Gauselmann hingegen ist Mitglied des Aufsichtsrates. Seit dem Rücktritt Gauselmanns wurde sein Sohn Michael Vorsitzender des Aufsichtsrates und des Stiftungsvorstandes.
Gauselmann spielte Tennis und war Mitglied des TV Espelkamp-Mittwald. Mit seinem Team wurde er 2010 Deutscher Mannschaftsmeister in der Altersklasse 65+.
Er starb am 21. August 2026 im Alter von 91 Jahren in einem Krankenhaus in Lübbecke.
Engagement 1966 trat Gauselmann in den Vorstand des Deutschen Automatenverbands (DAV) ein, zu dessen Vorsitzenden er 1970 gewählt wurde. 1979 wurde er in den Vorstand des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) gewählt. Von 1981 bis 2019 war er auch dessen Vorsitzender.Rückzug nach 38 Jahren, Westfalen-Blatt, 26. September 2019, abgerufen am 5. Juni 2020.
Zu seinem 65. Geburtstag rief Paul Gauselmann die Gauselmann-Stiftung mit einer Million DM Grundkapital ins Leben.Homepage der Gauselmann-Gruppe über die Gauselmann-Stiftung. Abgerufen am 18. November 2019 Stiftungszweck ist die Förderung von sozialen und kulturellen Projekten im Kreis Minden-Lübbecke. 2015 wurde die Stiftung anlässlich des 80. Geburtstags von Paul Gauselmanns Ehefrau Karin Gauselmann in die Paul und Karin Gauselmann Stiftung umbenannt und das Stiftungskapital in diesem Zuge von fünf auf zehn Millionen Euro erhöht. Durch Zustiftung verfügt sie (Stand: 2020) über ein Stiftungskapital von 16,2 Millionen Euro. Geleitet wird die Stiftung heute von Karin und Sohn Armin Gauselmann.
2019 spendete Gauselmann mit der Aktion „Bäume fürs Leben“ zu seinem 85. Geburtstag 85.000 Laubbäume in ganz Deutschland, um ein Zeichen zu setzen im Kampf gegen den Klimawandel.
Er unterstützte einige Organisationen, darunter:
TuS-N-Lübbecke (Handball-Bundesliga) Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe TV Espelkamp (Tennisverein - Deutsche Tennis-Bundesliga) Erhalt des Kaiser-Wilhelm-Denkmals
Ehrungen