mini|Klosterkirche Müstair und Plantaturm thumb|upright|Blick zum Nonnenchor Das Weltgericht von Müstair aus der Klosterkirche des Benediktinerinnenklosters St. Johann in Müstair ist die älteste bekannte Darstellung des Jüngsten Gerichts.Erwin Poeschel: Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band V, Birkhäuser Verlag, Basel 1943. S. 502.Ourheritage.ch Die Bilder stammen aus dem Frühmittelalter und entstanden um das Jahr 800, rund 750 Jahre vor der Darstellung von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan aus der Zeit um 1540.Lexikon der christlichen Ikonographie, S. 516 Der ansonsten unbekannte Maler der Fresken wird in der Kunstgeschichte aufgrund der Bilder in der Klosterkirche mit dem Notnamen Meister von Müstair bezeichnet.
Situation Die Fresken befinden sich an der Westwand des Nonnenchors oberhalb des Kirchenraums. Der Chor, eine gewölbte Empore, wurde zwischen 1488 und 1492 von der Äbtissin Angelina Planta errichtet.
Der Zyklus der Westwand bestand ursprünglich aus sechzehn einzelnen in vier Reihen nach Themen angeordneten Bildern. Oberste Reihe: Altes Testament, zweite Reihe: Wiederkunft Christi, dritte Reihe: Jüngstes Gericht mit Christus in der Mitte, vierte Reihe: Erlöste und Verdammte.Aleksis Dind, Jörg Goll: St. Johann Müstair. Schnell und Steiner, 2017, S. 28
Oben ist die Ankunft Christi zum Gericht dargestellt, die Aufrollung des Himmels nach Jesaja und Offenbarung sowie die Auferstehung der Toten unter dem Klang der Posaunen.
Einzelbilder mini|Einteilung Die Bilder 9 bis 12 wurden 1908/09 von der Wand abgelöst und ins Landesmuseum Zürich verbracht. Ludmila Seifert-Uherkovich, Leza Dosch: Kunstführer Graubünden, Scheidegger und Spiess, 2008, S. 303
9 Anstürmende Reiter 10 Natans Verheissung… 11 …an David (Mittelteil verloren) 12 Davids Milde gegenüber Sauls Enkel 123 Auferstehung der Toten 124 Zweite Ankunft Christi 125 Ende der Zeit, Engel rollen den Himmel ein 126 Auferstehung der Toten und Posaunenengel 127 Thronende und disputierende Apostel 128 Christus im Engelskranz, zwei Engel mit Schriftbändern 129 Thronende und disputierende Apostel 130 Verloren (irdisches Paradies?) 131 Engel mit Auferstandenen 132 Lamm (?) zwischen zwei Engeln 133 Engel mit Lanzen (Fragment) 134 Verloren (Hölle?)Ludmila Seifert-Uherkovich, Leza Dosch: Kunstführer Graubünden, Scheidegger und Spiess, 2008 S. 302f
Beschreibung mini|Christus im Zentrum, umgeben von den Aposteln. Vor dem Bild steht der mittlere Sitz des Chorgestühls von 1948. In der Mitte der Komposition thront der richtende Christus als Herrscher der Welt in einer kreisrunden Glorie, umgeben von einer Schar von Engeln. Die linke Hand senkt er hinunter zu den Verdammten, die rechte ist erhöht. Rechts über ihm rollt ein Engel das Firmament zusammen wie eine Buchrolle als Zeichen für das Ende der Zeit. Links und rechts disputieren Apostel als Beisitzer des Jüngsten Gerichts (nach Matthäus ) und Lukas () und verweisen auf die Idee des himmlischen Jerusalem. Zwischen ihren Häuptern und dem Fenster erkennt man im untersten Streifen die Darstellung der Auferstehung der Toten, die aus ihren Gräbern steigen.Erwin Poeschel: Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band V, Birkhäuser Verlag, Basel 1943. S. 502.Romina Ebenhöch: Sixtina der Alpen: Die älteste Darstellung eines Weltgerichts, in: Mas-chalch, April 2024
Literatur Erwin Poeschel: Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band V. Birkhäuser Verlag, Basel 1943, S. 502. Aleksis Dind, Jörg Goll: Kloster St. Johann Müstair. Schnell und Steiner, 2017, S. 22. Ludmila Seifert-Uherkovich, Leza Dosch: Kunstführer Graubünden, Scheidegger und Spiess, 2008, S. 300ff.
Einzelnachweise
Kategorie:Jüngstes Gericht in der Kunst Kategorie:Freskenzyklus Kategorie:Karolingische Kunst Kategorie:Werk (9. Jahrhundert) Kategorie:Val Müstair Kategorie:Benediktinerinnenkloster St. Johann