Die Pappelallee ist eine Wohn- und Geschäftsstraße in Berlin-Prenzlauer Berg. Sie durchquert den gründerzeitlichen Helmholtzkiez zwischen Schönhauser Allee und der nördlichen Berliner Ringbahn. 1826 zusammen mit der Kastanienallee angelegt, gehört sie zu den ältesten Straßen in Prenzlauer Berg.
Lage und Verlauf Zwei Kilometer nördlich des Alexanderplatzes beginnt die Pappelallee als Verlängerung der Kastanienallee an der Kreuzung mit der Schönhauser Allee und der Danziger Straße. Dort befindet sich der U-Bahnhof Eberswalder Straße. Gut 900 Meter lang, führt sie in gerader Linie nordöstlich bis zur Pappelalleebrücke über die Berliner Ringbahn, um anschließend in die Stahlheimer Straße überzugehen. Das Geländeprofil ist weitgehend flach. Die Pappelallee ist als Ergänzungsstraße (Kategorie IV) Teil des übergeordneten Straßennetzes von Berlin.Übergeordnetes Straßennetz Bestand. Geoportal Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Bis zum Jahr 1906 reichte die Pappelallee nördlich der Ringbahn bis an die Wisbyer Straße, bevor der dortige Abschnitt in Stahlheimer Straße umbenannt wurde.
Verkehr und Straßenbild mini|Ausbau der Gewölbebrücke, 1896
Fahrbahn, Gehwege und Straßenbäume Ab 1854 wurde die Pappelallee nivelliert und gepflastert,Nivellierung der Pappelallee. Landesarchiv Berlin, A Pr.Br.Rep. 030 Nr. 618. ab 1865 folgte der nördliche Teil (heute Stahlheimer Straße).Entwässerung und Pflasterung der Pappelallee, nördlicher Teil. Landesarchiv Berlin, A Rep. 000-02-01 Nr. 859. 1871 eröffnete die Berliner Ringbahn und die Pappelallee bekam eine Gewölbebrücke über den Bahngraben, die um 1890 für den viergleisigen Betrieb ausgebaut wurde.Architekten-Verein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten: Berlin und seine Bauten. I. Einleitendes - Ingenieurwesen. Wilhelm Ernst, Berlin 1896. S. 238–243; digitale-sammlungen.de. Aufgrund der Elektrifizierung der Fernbahngleise wurde 1988 die Gewölbebrücke über die Ringbahn abgerissenKlaus Grosinski: Prenzlauer Berg. Eine Chronik. 2., erweiterte Auflage. Karl Dietz, Berlin 2008, S. 227. und durch eine Betonbrücke ersetzt.
Von 2016 bis 2017 ließ der Bezirk Pankow für 3,9 Millionen Euro (entspricht heute rund Millionen Euro) das Straßenland erneuern. Angelegt wurden neue Radstreifen, Gehwege mit Parkbuchten und Haltestellenkaps für die Straßenbahn. Fast alle Straßenbäume wurden dabei gefällt, die meisten davon aus Alters- und Sicherheitsgründen.Bernd Wähler: Pappelallee: Bauarbeiten nach zweieinhalb Jahren abgeschlossen. In: Berliner Woche, 10. Dezember 2017; berliner-woche.de
In der Pappelallee standen 2024 lediglich fünf der namensgebenden Pappeln, darunter drei große Berliner Lorbeerpappeln (Populus berolinensis), gepflanzt 1968 und 1978. Die große Mehrzahl der 58 Straßenbäume wurde beim Straßenumbau 2016–2018 neu gesetzt, darunter zahlreiche Kugelförmige Blumen-Eschen, Gleditschien (Gleditsia triacanthos „Skyline“) und Feldahorne (Acer campestre „Elsrijk“).Baumbestand Berlin: Pappelallee. Geoportal Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.
Straßenbahn
Ab 1884 gab es eine Straßenbahn-Endstation namens Pappelallee an der Ecke zur Schönhauser Allee. Von dort führte die Linie 48 der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn über den Hackeschen Markt und Spittelmarkt zum Kottbuser Tor.Straßenbahn Fahrplan 1886. berliner-linienchronik.de. 1913 wurden Schienen in der gesamten Straße verlegt und die Pappelallee wurde Teil der Linie 10: „Ring Groß-Berlin“ der Großen Berliner Straßenbahn.Straßenbahn Fahrplan 1914. berliner-linienchronik.de
Seit dem Zweiten Weltkrieg besteht eine Straßenbahnlinie mit Verbindung zum Bahnhof Friedrichstraße, seit 2004 heißt die durch die Pappelallee verkehrende Linie Tram 12.
Geschichte Um 1800: Auf dem alten Acker tractus mini|Pappelallee, 1827 Die Pappelallee verläuft – wie auch die Kastanienallee – parallel zu den Grenzen des alten Acker tractus. Dieser langgestreckte Acker des königlichen Vorwerks Niederschönhausen wurde 1780 separiert und verlief in einem mehr als zweieinhalb Kilometer langen Streifen von der heutigen Fehrbelliner Straße nordostwärts bis zur damaligen Stadtgrenze am Eschengraben. Seine östliche Grenze markiert die heutige Lychener Straße.Mencelius: Plan der Berliner Hufen von 1822. Königl. Lith. Institut Berlin, 1823. stadtmuseum.de. Im Jahr 1823 erwarb der Landwirt und Bodenspekulant Wilhelm Griebenow das Vorwerk. Um das Land aufzuwerten, legte er parallel zur Ostgrenze des Acker tractus zwei Erschließungsstraßen an, die er nach den angepflanzten Bäumen benannte: Kastanienallee und Pappelallee:
Die Pappelallee und Kastanienallee gelten heute als der Beginn der systematischen Bebauung in Prenzlauer Berg.Planungsgruppe Werkstadt: Städtebauliches Gutachten für das Gebiet „Teutoburger Platz.“ (PDF, 12,3 MB) Hrsg.: Bezirksamt Pankow, Berlin 2006, S. 9.Prenzlauer Stadtlexikon und Geschichte in Daten. (PDF; 4,1 MB) Uckermärkischer Geschichtsverein zu Prenzlau, 2005, S. 68.
1850: Am Stadtrand Erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts setzte eine nennenswerte Bautätigkeit ein, ab 1849 stand die Pappelallee im Berliner Adreß-Kalender. Stadtplaner James Hobrecht übernahm 1861 den bestehenden Verlauf der Pappelallee in die Bebauungspläne und legte die Straßenbreite auf sieben Ruthen (26,4 Meter) fest.Leopold Kraatz: Bebauungsplan der Umgebungen Berlins. Abtheilung XII. Revidirt im Jahre 1888. zlb.de 1864 beschrieb ein Anlieger die Pappelallee in einem Leserbrief:
Der Schriftsteller Julius Rodenberg dagegen nannte die Pappelallee in den 1880er Jahren eine „entlegene, arme Straße“ am Stadtrand:
Der Großteil der Mietshäuser, die heute das Straßenbild prägen, wurde von den späteren 1870er bis in die 1900er Jahre errichtet.Bauakten Pappelallee. Landesarchiv Berlin, A Rep. 010-02: Nr. 11420–11430, Nr. 11856–11869, Nr. 11956–1970. In dieser Zeit des starken Bevölkerungswachstums ließen sich auch zahlreiche Menschen aus Italien zwischen Pappel- und Schönhauser Allee nieder. Teil der rund 250 Menschen umfassenden italienischen Kolonie waren die beiden Orgelbauer Frati & Bacigalupo. Sie gründeten um 1878 Frati & Co. und Bacigalupo in der Buchholzerstraße 1 Ecke Pappelallee in der Buchholzer Straße Ecke Pappelallee eine der ersten Drehorgel-Fabriken Berlins.Musica di Strada. Ausstellung im Museum Pankow, 2023; stadtmuseum.de
20. Jahrhundert Im Zweiten Weltkrieg gab es zahlreiche Schäden in der Pappelallee, dazu gehörten die Häuser Pappelallee 1 und 26, die durch Sprengeinwirkung schwer beschädigt wurden,Gebäudeschäden im Gebiet der Stadt Berlin. Messtischblatt 3446: Berlin (Nord), 1903–1945. Reichsamt für Landesaufnahme, Berlin 1945; deutschefotothek.de die Pappelallee 24 wurde am 23. März 1945 von Fliegerbomben getroffen.Laurenz Demps: Berichte der Hauptluftschutzstelle der Stadtverwaltung Berlin. Ch. Links, Berlin 2012. Spezialinventar von Kerstin Bötticher. S. 1092. Große Gebäudeschäden gab es außerdem südlich der Ringbahn und gegenüber dem Friedhof. Am 3./4. April 1945 detonierte eine Sprengbombe mitten auf der Kreuzung mit der Stargarder Straße.Laurenz Demps: Berichte der Hauptluftschutzstelle der Stadtverwaltung Berlin. Ch. Links, Berlin 2012. Spezialinventar von Kerstin Bötticher. S. 1112. Das Hauptgebäude der Schule Pappelallee 41 wurde während der Schlacht um Berlin in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1945 vermutlich von Soldaten der Schutzstaffel angezündetVergeßt das nie! In: Neues Deutschland, 18. September 1946, S. 4. und brannte vollständig aus, große Feuerschäden gab es auch im Haus Nummer 81. Im später abgerissenen Haus Pappelallee 75 sollte noch 1951 der Dachstuhl instand gesetzt werden.Ein Ausspracheabend, wie er sein soll. In: Neues Deutschland, 26. Oktober 1951, S. 6. Die meisten Gebäude überstanden den Krieg leicht- oder unbeschädigt.
In der DDR vergab der Rat des Stadtbezirks die Wohnungen um die Pappelallee bevorzugt an Menschen, die der staatlichen Unterstützung bedurften, etwa nach Heimaufhalten oder Straffälligkeitskarrieren.
Zu Beginn der 1990er Jahre hatte die große Mehrzahl der Wohnungen „erheblichen oder hohen Modernisierungsbedarf“. Jede vierte Wohnung hatte eine Außentoilette und nur die Hälfte verfügte über ein eigenes Bad. Nach der Sanierung erfolgte um das Jahr 2000 eine „massive Verdrängung der alteingesessenen Einwohner/innen.“
Bebauung
1846: Friedhofspark Pappelallee
mini|Friedhofspark Pappelallee, 2006
1846 verschenkte Griebenow ein Grundstück an der Pappelallee 15 an die Deutsch-Katholische Gemeinde (seit 1859: Freireligiöse Gemeinde), die hier einen Begräbnisplatz anlegte. Bestattet wurden hier etwa der Revolutionsführer Friedrich-Ludwig Urban, der Sozialdemokrat Wilhelm Hasenclever und die Frauenrechtlerin Agnes Wabnitz.
1907 wurde auf dem Friedhof eine Feierhalle als neuromantischer Backsteinbau im Rundbogenstil errichtet und 1921 durch zwei weitere Wohngebäude straßenseitig ergänzt, einem Altenheim sowie einem als Einküchenhaus gebautem Ledigenheim.Christiane Baumann: Der Pappel-Friedhof in Prenzlauer Berg: Eine kleine Berliner Stadt-Geschichte. Lukas Verlag, Berlin 2016. S. 43, ISBN 978-3-86732-226-3 Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gebäude bekannt als Casino des Nordens,Deine Partei, die SED, ruft Dich! In: Neues Deutschland, 4. September 1947, S. 4. ab den 1950er Jahren als Casino des Handwerks und wurden als Restaurant, Kantine und Veranstaltungshalle genutzt.Hier fühlt man sich wohl. Casino des Handwerks in der Pappelallee umgebaut. In: Neue Zeit, 13. Juni 1973, S. 6B. 1970 wurde der Friedhof geschlossen und 1977 unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2006 wird die Feierhalle vom Kunst- und Theaterhaus Ballhaus Ost bespielt.
1853: Bauensemble Bremer Höhe
mini|Bremer Höhe, 2024
Auf einem großen Grundstück zwischen Pappelallee und Schönhauser Allee genannt Bremerhöhe errichtete die Berliner Gemeinnützige Baugesellschaft ab 1853 sechs kleinere Mietshäuser im Cottagestil. Die ersten Häuser standen an der Ecke der Schönhauser Allee zur heutigen Gneiststraße. Vorstand der Baugesellschaft war der Sozialreformer und Wegbereiter des Genossenschaftsgedankens Victor Aimé Huber. Ab circa 1870 wurden die kleinen Häuser ersetzt durch etwa drei Dutzend große Mietshäuser in Blockrandbebauung, die letzten an der Pappelallee Ecke Gneiststraße wurden 1913 fertiggestellt.Julia Schumacher u. a.: 5 Jahre Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe: Ausstellungstafeln. Berlin 2005; zlb.de (PDF). Im Jahr 2000 erwarben zahlreiche Mietparteien das große Gebäudeensemble und gründeten die Wohnungsbaugenossenschaft Bremer Höhe.Eine Mietergenossenschaft in und über den Prenzlauer Berg hinaus. Wohnungsbaugenossenschaft „Bremer Höhe“ eG:. Das Ensemble erstreckt sich entlang der Pappelallee über einen gesamten Block zwischen Gneist- und Buchholzer Straße. 2024 stand es unter Denkmalschutz.
1855: Hutfabrik in der Pappelallee 3/4 1855 ließ J.A. Schmidt an der Pappelallee 3 ein Vorderhaus mit Lagergebäuden auf dem Hof errichten, in denen der Hutfabrikant W. Schimming ab 1856 eine Produktionsstätte betrieb. 1896 erwarb die Hutfabrik Silber & Brandt die Gebäude und errichtete 1903 die heutige Bebauung mit straßenseitigem Wohnhaus und neuem Fabrikgebäude mit Hofhaus und Seitenflügel.Hutfabrik, Pappelallee 3+4 in Berlin. Profi-Partner Finanz- und Wirtschaftsberatungs Aktiengesellschaft. 2011 wurde der Komplex saniert und zu vier Gewerbeeinheiten, 71 Wohnungen, sowie einem Townhouse umgestaltet. 2024 standen die beiden Fabrikgebäude und das alte Kesselhaus samt Backstein-Schornstein unter Denkmalschutz.
1874: Gemeindeschule in der Pappelallee 30/31
mini|Elinor-Ostrom-Schule, 2018