mini|Befüllung der Geschoßhülsen im Objekt 143 der Munitionsfabrik Wöllersdorf Der Brandkatastrophe in der Munitionsfabrik Wöllersdorf ereignete sich am 18. September 1918 in der als „Objekt 143“ bezeichneten Fertigungshalle der Munitionsfabrik in Wöllersdorf-Steinabrückl, heute Wöllersdorfer Werke, gegen Ende des Ersten Weltkriegs in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Mindestens 423 Menschen kamen um, da die Fluchtwege versperrt waren.Werner Sabitzer: Flammen in der Munitionsfabrik., Öffentliche Sicherheit, Ausg. 9–10/2018, S. 42–43

Hergang

Während des Krieges waren viele Frauen in der Rüstungsindustrie beschäftigt.

In der Halle der Fabrik, zu der mehrere hunderte Gebäude zählten, füllten Frauen Schießpulver (Cellulosenitrat) in Leinensäcke und steckten in diese Zündhütchen. Die seitlichen Tore waren durch Gittertore ersetzt, um eine bessere Belüftung zu ermöglichen. Das aus Soldaten bestehende Aufsichtspersonal hatte die seitlichen Ausgänge versperrt, da die Frauen hier schon vor zwölf Uhr die Halle verließen, um rechtzeitig bei der Ausgabe des Mittagessens zu sein. Um 11:30 Uhr fiel eine Patronenhülse zu Boden und erzeugte dabei eine Stichflamme. Das umliegende Pulver entzündete sich. Die Kleidung der Arbeiterinnen fingen Feuer. Die Seitentüren wurden zu spät geöffnet. Viele Leichen wurden später vor den Ausgängen gefunden. Nur wenige Arbeiterinnen überlebten.

Die Augenzeugin Eugenie Lichtenwörther, die in einem anderen Gebäude gearbeitet hatte, berichtete:Brandkatastrophe vom 18. Sept. 1918 in der k. u. k. Munitionsfabrik Wöllersdorf.

Der Dechant Karl Minichthaler aus Wöllersdorf berichtete in der Chronik seiner Pfarrerei Über die Bergung der Leichen berichtete er:

Aus Zensurgründen berichtete die Presse erst drei Tage später über das Unglück.

Die Arbeiter Zeitung berichtete am 21. September 1918: Wöllersdorf 1918: 423 Tote klagen an.

Die westungarische Wochenzeitung Grenzpost meldete am 27. September 1918 über Betroffene aus Schattendorf:Herbert Brettl: Brandunglück forderte zahlreiche Opfer.

Die Opfer wurden in den folgenden Tagen unter anderem auf den Friedhöfen in Steinabrückl (41 Opfer in einem Massengrab), Piesting, Winzendorf, Bad Fischau und Wiener Neustadt (180 Leichen in fünf Massengräbern) bestattet. Es gab weder strafrechtliche Konsequenzen noch eine Entschädigung für die Opfer oder Hinterbliebenen.

Literatur Adelheid Popp: Die Frau als Munitionsarbeiterin. In: Dies.: Der Weg zur Höhe: die sozialdemokratische Frauenbewegung Österreichs. Hrsg. vom Frauenzentralkomitee der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs, Wien 1929, (S.106–110 online im Archiv der Wienbibliothek im Rathaus) Klaus-Dieter Mulley (Hrsg.): Geschoße – Skandale – Stacheldraht. Arbeiterschaft und Rüstungsindustrie in Wöllersdorf, Enzesfeld und Hirtenberg. Eigenverlag der Gewerkschaft der Eisenbahner, Ortsgruppe Ebenfurth Pottendorfer Linie, Ebenfurth 1999. Gerhard Kofler (Hrsg.): Nie wieder Krieg! Die Situation der Frauen im und nach dem Ersten Weltkrieg. Zum Gedenken an die 423 Opfer der Brandkatastrophe in der k.u.k. Munitionsfabrik Wöllersdorf vom 18. September 1918, Wien: RenMai, 2018

Siehe auch Liste von Brandkatastrophen

Weblinks

Ehemalige k.k. Munitionsfabrik Wöllersdorf Artikel im ÖsterreichWiki

Einzelnachweise

Wollersdorf Kategorie:Katastrophe 1918 Kategorie:Wöllersdorf-Steinabrückl