mini|Stammwappen derer von Lützow Adam Bartold Ludwig von Lützow, auch Adam Barthold Ludwig von Lützow, ab 1862 Adam Bartold Ludwig Freiherr von Lützow genannt von Dorgelo (* 19. Dezember 1792 in Wölzow, heute Ortsteil von WittenburgNach dem Taufeintrag der Kirche zu Wittenburg vom 21. Dezember 1792, abgerufen über ancestry.com; aus Cleve bei Lübeck (= Cleve (Rensefeld)), In: Gothaisches Genealogisches Taschenbuch 1877. Justus Perthes, Gotha 1876, S. 528, ist eine Verwechslung mit späterem Besitz.; † 29. September 1871 in Nieder-Girbigsdorf, heute Ortsteil von Schöpstal) war ein deutscher Verwaltungsjurist, oldenburgischer Kammerherr und Abgeordneter.

Leben Adam Bartold Ludwig von Lützow entstammte dem mecklenburgischen Uradelsgeschlechts von Lützow. Er war ein Sohn des Hauptmanns Ludwig von Lützow auf Wöltzow/Wölzow und dessen Frau Wilhelmina, geb. von Linstow. Sein Großvater Egidius Barthold von Lützow (1713–1791) war 1755 einer der Unterzeichner des Landesgrundgesetzlichen Erbvergleichs gewesen.

Er studierte Recht- und Staatswissenschaften. Nach seinem Examen trat er als Kammerjunker und Landgerichts-Auditor in den Dienst des Großherzogtums Oldenburg. Im Herbst 1819 wurde er Günther von Berg, dem oldenburgischen Gesandten bei den Verhandlungen zur Wiener Schlussakte, als Legationssekretär beigegeben. Er begleitete Berg auch zur Bundesversammlung in Frankfurt am Main im Mai 1820., S. 165, S. 179. Schon bald ernannte ihn der Großherzog Peter Friedrich Ludwig zum Kammerherrn, einem der Dienstthuenden Hof-Cavaliere und zum Reisemarschall. 1825 ließ er sich in Oldenburg die heute denkmalgeschützte Villa Cloppenburger Straße 2/4 erbauen.Ewald Gäßler: Klassizismus: Baukunst in Oldenburg, 1785-1860. Oldenburg Isensee 1991, ISBN 978-3-89442-108-3, S. 161. 1830 wurde er Regierungsrat. 1832 erwarb er zu einem geringen Preis das Gut Lethe (Ahlhorn (Großenkneten)). Er ließ sämtliche alten Gebäude, auch die Kapelle, abbrechen und legte eine große Brennerei und weitere Gutsgebäude an, die erhalten sind und heute unter Denkmalschutz stehen. Da der wirtschaftliche Erfolg ausblieb, verkaufte er 1852 das Gut an den Kaufmann Johann Arnold Pöppelmann.Nach Carl Ludwig Niemann: Das Oldenburgische Münsterland in seiner geschichtlichen Entwicklung. Schulzesche Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei, Oldenburg (Nachdruck: Schuster, Leer 1976), Band 2, S. 133, siehe auch Liste der Baudenkmale in Großenkneten#Gut Lethe

Um 1845 schied er aus dem Hofdienst aus.Nicht mehr aufgeführt in Oldenburgischer Staatskalender 1846 Er erwarb 1846 zwei Hufen Land in Cleve (Rensefeld) im damals oldenburgischen Fürstentum Lübeck, ließ sie zusammenlegen und errichtete darauf einen Hof, den er bis 1855 behielt.Johannes von Schröder: Topographie des Herzogthums Holstein, des Fürstenthums Lübeck und der freien Städte Hamburg und Lübeck. 2. Auflage 1855, Band 1: A–H , S. 298. Weiteren Landbesitz hatte er in Höven (1855–1864, siehe unten) und zuletzt in Nieder-Girbigsdorf (heute Ortsteil von Schöpstal) im heutigen Landkreis Görlitz.

Adam Bartold Ludwig von Lützow galt in seinen Ansichten als liberal und setzte sich für eine bürgerliche und wirtschaftliche Gleichstellung der jüdischen Bevölkerung ein.Roland Tasch: Samson Raphael Hirsch. (= Studia Judaica 59 ), Berlin: de Gruyter 2011, ISBN 978-3-11-025109-8, S. 56 Anm. 156 Während der Revolution 1848 wurde er als Abgeordneter für das Amt Oldenburg Mitglied der Versammlung der 34, des Vorparlaments des Oldenburgischen Landtags.

1854 kam er als Abgeordneter des Wahlkreises des Fürstentums Lübeck erneut in den Oldenburgischen Landtag, schied jedoch nach kurzer Zeit wieder aus.7. (außerordentlicher) Landtag 1854, Austritt des Abgeordneten von Lützow zu Cleve aus dem Landtag

Von seinem Großonkel und Patenonkel, dem oldenburgischen Hofmarschall Adam Levin von Dorgelo (1733–1827)Siehe Neuer Nekrolog der Deutschen 1829. Bernh. Friedr. Voigt, Weimar 1831, S. 865, Nr. 321. auf Höven war er als Erbe eingesetzt worden. Als „Universalerbe und Substitut für dessen Neffen und nächsten Erben, den am 19. Oktober 1855 ohne männliche Descendenz verstorbenen August Wilhelm Anton von Dorgelo“ erhielt Adam Bartold Ludwig von Lützow durch preußische Kabinettsorder vom 16. Juli 1862 die Erlaubnis zur Fortführung des Freiherrentitels und zur Annahme des Prädikats von Dorgelo.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 27. Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1876, S. 527 f. Er und seine Nachkommen nannten sich danach Freiherr von Lützow genannt von Dorgelo.

Bei seinem Aufenthalt in Wien hatte Adam Bartold Ludwig von Lützow 1820 Clara Freiin von Geymüller (1801–1872) geheiratet, eine Tochter des schweizerisch-österreichischen Unternehmers und Bankiers Johann Heinrich von Geymüller. Auch sie galt als liberal.Sie soll 1848 den Aufruf „An die Frauen in Wien“ unterzeichnet haben, nach Geymüller Clara Baronin von in „biografiA. Biografische Datenbank und Lexikon Österreichischer Frauen“, abgerufen am 23. April 2024 - dies ist allerdings eine Verwechslung mit ihrer Schwägerin, der 1857 in Schloss Hollenburg verstorbenen Clara Baronin von Geymüller, geb. Forgang, der Witwe des Johann Jakob von Geymüller. Als seit 28 Jahren verheiratete von Lützow hätte sie auch nicht als Clara Baronin von Geymüller unterzeichnet.

Das Paar hatte fünf Kinder: (Heinrich Jakob) Ludwig Freiherr von Lützow genannt von Dorgelo (1824–1899), oldenburgischer Kammerherr, preußischer Oberst ⚭ Elisabeth Freiin von Gayl Betty (1826–) ⚭ Heinrich von der Lancken Ulla (1831–) ⚭ Chlodwig von Sydow Rudolf (1836–), preußischer Rittmeister Wilhelmine (1839–) ⚭ Richard von Cranach-Craazen († 1887), Major z. D.,F. Warnecke: Lucas Cranach der Aeltere. Beitrag zur Geschichte der Familie von Cranach. C. A. Starke, Görlitz 1879, S. 40. zu Nieder-Girbigsdorf mini|St. Barbara (Ebersbach) um 1900 Das Familiengrab Lützow/Cranach ist auf dem Kirchhof an der Kirche von Ebersbach (Schöpstal) erhalten.Siehe: Cranach und die Oberlausitz. In: Stadtbild Görlitz. 16 (2015), Görlitz 2015, S. 18 f. (Digitalisat)

Spätere Nacherbin auf Nieder-Girbigsdorf wurde Elisabeth von Lützow (* 1858), eine der Töchter des Ludwig Freiherr von Lützow genannt von Dorgelo, später verheiratet mit Ernst Graf von Bernstorff, 1899 Premierleutnant.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1894. Vierundvierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1893, S. 530.

Auszeichnungen 40px Oldenburgischer Haus- und Verdienstorden des Herzogs Peter Friedrich Ludwig, Kleinkreuz (= Ritter I. Klasse, 17. Januar 1843)Orden nach: Oldenburgischer Staatskalender 1845. Oldenburg 1845, S. 25. 40px Königlich Preußischer St. Johanniter-Orden, 1835, damit ab 1852 Ehrenritter des Johanniterordens 40px Erlöser-Orden, Groß-Kommandeur 40px Guelphen-Orden, Kommandeur I. Klasse (1845) 40px Hausorden vom Weißen Falken, Komtur

Literatur Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser 1877. Siebenundzwanzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1876, S. 527 f. Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem 1859. Martin Berendt, Berlin 1859, S. 29. Nr. 315.

Einzelnachweise

Adam Bartold Ludwig Adam Bartold Ludwig Kategorie:Kammerherr (Oldenburg) Kategorie:Träger des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig Kategorie:Träger des Königlich Preußischen St. Johanniterordens Kategorie:Ehrenritter (Johanniterorden) Kategorie:Träger des Erlöser-Ordens (Großkomtur) Kategorie:Träger des Hausordens vom Weißen Falken (Kommandeur) Kategorie:Kommandeur I. Klasse des Guelphen-Ordens Kategorie:Landtagsabgeordneter (Großherzogtum Oldenburg) Kategorie:Geboren 1792 Kategorie:Gestorben 1871 Kategorie:Mann