mini|Nama-Mann mini|Siedlungsgebiet der Nama und Damara in Namibia

Die Nama (eigene Bezeichnung = rote MenschenKuno Budack: Die „Roten Menschen“ aus dem Süden. in: tourismus, Oktober 2014, S. 6.) sind ein in Südafrika und Namibia beheimatetes Volk und werden, wie die Orlam, zu den Khoikhoi gezählt (die in der historischen Kolonialliteratur abwertend als Hottentotten bezeichnet wurden). Die meisten der heute circa 100.000 Nama leben in Namibia, dort in der südlichen Region ǁKharas, dem früheren Namaland, zu einem kleinen Teil auch in den südlich angrenzenden Gebieten der Nordkapprovinz Südafrikas, im Namaqualand. Sie machen etwa fünf Prozent der gesamten namibischen Bevölkerung aus.

In den Literaturquellen werden die Bezeichnungen Rote Nation (aufgrund ihrer etwas rötlicheren Hautfarbe), Witbooi und Afrikaner gelegentlich als Synonyme für Nama oder Orlam benutzt, bezeichnen aber eigentlich deren Untergruppen.

Mit Stand 2023 leben etwa 94.000 Nama in Namibia, gut 3,1 Prozent der Gesamtbevölkerung.Namibia 2023 Population and Housing Census, Main Report. Namibia Statistics Agency, Oktober 2025, S. 21.

Geschichte Die Nama werden von den San als „Brudervolk“ bezeichnet, sind vermutlich mit ihnen oder später aus Zentralafrika zugewandert und haben sich sowohl in Südafrika als auch später in Südwestafrika niedergelassen. Traditionell wirtschafteten die Nama als nomadische Viehzüchter, wodurch sie sich zunächst deutlich von den als Jäger und Sammler lebenden San unterschieden.

Auszug nach Südwestafrika mini|Manière de battre le bled parmi les Hottentots, Jakob van der Schley (unsicher), 1727

In Südafrika hatten die Nama im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts vielfältigen Kontakt mit den Buren, anderen europäischen Siedlern und Missionaren. Während dieser Zeit nahmen die Nama größtenteils das Christentum an. Sie erlernten als Haus- und Farmangestellte der Europäer Lesen und Schreiben und den Umgang mit Pferden. Letzteres eröffnete völlig neue Jagdmöglichkeiten und löste auf der Suche nach besseren Jagdgründen eine neue Wanderungswelle aus, die die Nama schließlich im 18. Jahrhundert auch nach Südwest-Afrika führte. Aus der Verbindung von holländischen Farmern mit Nama-Frauen entstanden weitere, unter dem Sammelbegriff Orlam zusammengefasste Mischlingsstämme.

Stammesbildung in Südwestafrika mini|Namafrau in der Kalahari

In Südwestafrika fanden die Nama zunächst in Hoachanas ein neues gemeinsames Zentrum; nach und nach lösten sich Stammesteile wegen der beengten Weideverhältnisse ab, ließen sich im weiteren Umfeld von Hoachanas nieder und bildeten dort neue Stämme wie die Topnaar, die Fransman-Nama, die Veldschoendrager, die Bondelswarte, die Swartboois, die Tseibschen Nama, die Groote-doden und die Keetmanshooper Nama.

Nur der als Rote Nation bezeichnete Hauptstamm verblieb in Hoachanas und stellte dort den Oberkaptein – mit Weisungsrecht gegenüber allen anderen Nama-Stämmen mit Ausnahme der Bondelswarte in Warmbad und der Topnaars in der Walfischbucht. Dieses Weisungsrecht beinhaltete insbesondere das Recht, den anderen Stämmen Aufenthaltsgebiete zuzuweisen, um auf diese Weise sicherzustellen, dass alle Stämme über ausreichendes Weideland und genügend Quellen verfügten.

Den neun bereits in Südwest-Afrika siedelnden Nama-Stämmen gesellte sich um 1800 ein weiterer hinzu. Er hatte zuvor seinen Hauptsitz am unteren Oranje-Fluss gehabt und war dort durch Händler und Alkoholsucht in Armut geraten. Obwohl es im südlichen Teil Südwest-Afrikas bereits eng zu werden drohte, wurde auch diesem Stamm vom Oberkaptein Games – dem ersten und einzigen weiblichen Kaptein der Nama – ein Weidegebiet in der Nähe von Bethanien zugewiesen. Der Stamm wurde dementsprechend fortan als Bethanien-Nama bezeichnet.

Stammeskriege In der Folgezeit allerdings wurde die Weidesituation zunehmend kritisch: einmal durch die infolge großer Dürre von Norden her nach Süden drängenden, zahlenmäßig weit überlegenen Herero, und zum anderen durch die von Süden her nachrückenden Orlamstämme. Games jedoch verstand es, aus der Not eine Tugend zu machen, indem sie die Orlam – namentlich die Afrikaner unter ihrem Kaptein Jager Afrikaner – für ihre Ziele gewann und sie gegen das Versprechen von Weideland zum Kampf gegen die Herero animierte. Der Plan ging insoweit auf, dass die Herero in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen und Raubzügen bis auf die Höhe von Windhoek zurückgedrängt werden konnten. Dennoch aber gab es insbesondere unter der Oberkapteinschaft von zunehmende Spannungen der Nama- und Orlamstämme untereinander, die sich nach anfänglichem Zusammengehen gegen die Herero schließlich in wechselnden Bündnissen durch kriegerische Auseinandersetzungen untereinander entluden (der so genannte Orlamkrieg). Erst in der Entscheidungsschlacht von 1867 gelang es dem Orlamstamm der Witbooi, die unter der Führung von Oasib verbündeten Nama-Stämme so nachhaltig zu schlagen, dass diese zum Orlamfrieden von Gibeon am 19. Dezember 1867 bereit waren. Dieses Datum markiert zugleich das Ende der Vorherrschaft der Roten Nation über die anderen Stämme und leitete eine längere Zeit der relativen Ruhe in Südwest-Afrika ein – nach der Entmachtung der Afrikaner gekrönt durch den Zehnjahresfrieden von Okahandja von 1870. Die damit den Herero zugewachsene Vormachtstellung und die zwischen Herero und Nama nach wie vor ungeklärte Grenzfrage führten 1880 erneut zu heftigen Kriegen zwischen Nama, Herero und Orlam.

Auftreten der Europäer mini|Nama-Hütten in Richtersveld, 2005 mini|Nama-Hütten in Windhoek, 1906

Bereits 1737–1744 war Georg Schmidt für die Herrnhuter Brüdergemeine im Lande tätig, erneute Missionierungsversuche fanden ab 1792 statt. Ab 1814 versuchte die London Missionary Society mit geringem Erfolg, die Nama zum Christentum zu bekehren, aber auch die Wesleyaner blieben erfolglos.Menzel, S. 11. Ab 1842 wirkte die Rheinische Missionsgesellschaft unter den Nama, doch wurden die Missionare 1847 vertrieben. Mit welcher Arroganz, aber auch mit welchem Unverständnis gegenüber dem Vorgefundenen und welcher Ausschließlichkeit der christlichen Vorstellungen manche Missionare den Nama entgegentraten, zeigt das Tagebuch des Carl Hugo Hahn von 1853. Dabei kam Hahn zu dem Schluss: „Die hervorstechenden Züge ihres Charakters sind: unbegrenzter Hochmut, Treulosigkeit, Hinterlist, Misstrauen, Verschlagenheit und Unversöhnlichkeit und Hartnäckigkeit und doch auch Wankelmut, Mord- und Habsucht … und Wollust und Trunkenheit. Dazu gesellt sich ein unauslöschlicher bitterer Hass gegen alle Weißen, die sich jene durch ihre Bedrückung und Verachtung zugezogen.“ Hahn, der die Ursachen für den ihm widerstrebenden „Charakter“ sehr wohl kannte, war zugleich eine der treibenden Kräfte für den Krieg von 1863 bis 1870, der Herero, Nama und einige Europäer einschloss.

In Deutschland suggerierten noch Publikationen wie Heinrich Vedders Das alte Südwestafrika von 1934 über Jahrzehnte, es sei das nachhaltige Bemühen der Missionare und der Auftritt der ersten deutschen Kolonialbeamten, die in der Anfangszeit noch nicht über eine namhafte militärische Bedeckung verfügten, gewesen, die die Situation etwas entspannt hätten.

Neben den Missionaren und Siedlern brachten aber auch Händler die afrikanischen Stämme gegeneinander auf. Sie brachten Alkohol und vor allem Waffen und Munition ins Land, wodurch sich das Kräfteverhältnis zwischen den Stämmen grundlegend veränderte. Dabei mussten die Waffen und sonstigen Handelsgüter mangels Geld mit Rinderherden bezahlt werden. Dies förderte den gegenseitigen Viehraub und ließ einige Stämme zusehends verarmen.

Von Kido Witbooi zu Hendrik Witbooi Nach 1870 war der Stamm der Afrikaaner isoliert und der Aufstieg der Witbooi begann. Sie waren erst 1863 im Lande erschienen – nach ihnen kamen nur noch die Rehobother Baster im Jahr 1870 – und hießen zunächst Khowesene (Bettler). Kido Witbooi führte sie 1875 von Oranje nach Gibeon und sein Enkel Hendrik Witbooi wurde hier ihr Kaptein.

1880 hatte Hendrik eine erste Stimmenvision. 1884/85 brach er mit seinem Vater Moses, da er dessen Viehdiebstähle für unvereinbar mit seiner christlichen Ethik hielt. Er zog mit dem christlichen Teil des Stammes nach Norden. Dabei war er von der alttestamentlichen Moses-Vorstellung geleitet, der sein Volk ins Gelobte Land führt. Obwohl die Rheinische Missionsgesellschaft die messianischen Vorstellungen Witboois bekämpfte und sich mit der deutschen Kolonialmacht verbündete, gelang es Hendrik Witbooi dennoch, Kaptein aller Witbooi zu werden. 1890 konnte er sich OberKaptein von Groß-Namaqualand nennen.

Auseinandersetzung mit der Kolonialmacht mini|Kaptein Hendrik Witbooi mit seinem Stabe

Der deutsche Reichskommissar musste sich eilig in das britische Walvis Bay zurückziehen, zwang aber dennoch die Herero zur Unterzeichnung eines Schutzvertrages. Hendrik seinerseits schloss 1892 einen Friedensvertrag mit den Herero. Doch 1894 musste auch er sich der Schutzmacht unterstellen und ins (unveräußerliche) Reservat Gibeon ziehen, das die Witbooi bis heute bewohnen. Hendrik durfte Waffen und Pferde behalten, musste aber Heerfolge leisten und die Rheinische Missionsgesellschaft wieder zulassen.

Die deutsche Schutzmacht versuchte die Stammesgegensätze zugunsten ihrer Siedler und Schürfer auszunutzen. Dazu kam, dass 1897 eine Rinderpest in Verbindung mit einer Malaria-Epidemie die Herero in wachsende Armut und Schulden trieb. Trassen für Eisenbahnlinien, schrumpfende Weidegründe, Verachtung, Misshandlungen und rassistische Urteile der Gerichte trieben sie in einen aussichtslosen Aufstand.

Aus dem Zähl- und Registrierungsvorhaben der Kolonialverwaltung bei den Bondelswarte-Nama in Warmbad entwickelte sich im Oktober 1903 eine erste militärische Auseinandersetzung, die sich bis über das Jahresende hinzog und erst nach dem Einsatz von Verstärkungstruppen aus dem Norden des Landes am 27. Januar 1904 mit dem Friedensschluss von Kalkfontein beendet wurde.

Dadurch war das Zentrum des Landes ohne ausreichende militärische Besatzung, was es der Kolonialverwaltung in Windhuk unmöglich machte, auf die Anfänge des von Okahandja ausgehenden Hereroaufstandes vom 12. Januar 1904 angemessen zu reagieren. Dies ermöglichte den Herero schnelle Anfangserfolge, doch kostete der Aufstand rund vier Fünftel der Stammesmitglieder das Leben.

Rolle im Herero-Aufstand Am 28. Januar 1904 wurde Hoachanas deutsche Garnison und verlor damit endgültig seine Rolle als Hauptstadt der Nama. Die Nama waren an den weiteren Auseinandersetzungen im Rahmen des Hereroaufstands nicht beteiligt, es sei denn als Hilfskräfte der deutschen Schutztruppe. Dies galt in besonderem Maße für den Orlam-Stamm der Witbooi und den Stamm von Bethanien, die in der Schlacht am Waterberg aktiv auf deutscher Seite kämpfte. Erst nach dem Sieg über die Herero kam bei ihnen Unmut und Misstrauen gegenüber der Kolonialmacht auf.

Nama-Aufstand gegen die Kolonialmacht

Am 3. Oktober 1904, unmittelbar nach Niederschlagung der Revolte der Herero, und am Vortag der berüchtigten Trotha-Proklamation, wechselten die bisher mit den Deutschen verbündeten Nama unter ihrem Kaptein Hendrik Witbooi die Seite, und wandten sich gegen die deutsche Kolonialmacht. Hendrik Witbooi kündigte den aufgezwungenen Schutz- und Beistandspakt auf. Offenbar hatte er die während des Hereroaufstands ausgesprochenen Drohungen, sie würde das gleiche Schicksal ereilen, ernst genommen. Jakobus Morenga, häufig auch Jakob Marengo genannt, führte bereits seit Juli einen Guerillakrieg, den Simon Kooper bis Februar 1909 fortsetzte. Kopper führte die Nama von Gachas und Hoachanas, Kornelius rund die Hälfte der Bethanier, Johannes Christian von Warmbad die Bondelzwarts.