mini|Lage des Patrick-Henry-Village in Heidelberg mini|Blick auf PHV von Nord-Westen. Im Hintergrund der Odenwald (2010) mini|Partick-Henry-Village rechts oben Patrick-Henry-Village (PHV) wird der 16. Heidelberger Stadtteil. Zuvor war PHV eine 97,2 Hektar große US-amerikanische Wohnsiedlung im Heidelberger Stadtteil Kirchheim. PHV wurde zwischen 1952 und 1955 für US-amerikanische Militärangehörige und deren Familien, die auf Stützpunkten in Heidelberg und Umgebung stationiert waren, erbaut und bis 2013 genutzt. Namensgeber war der amerikanische Politiker Patrick Henry (1736–1799). Das PHV wird mitunter auch Patrick-Henry-Siedlung genannt.
Geographische Lage Patrick-Henry-Village gehört zur Stadt Heidelberg, ist jedoch etwas außerhalb zwischen den Gemeinden Eppelheim und Schwetzingen gelegen. Es wird im Süden durch die Bundesstraße B 535 und im Osten durch die Autobahn A 5 eingegrenzt. Durch diese abgeschlossene Bauweise kam die Idee, PHV nach dem Abzug der US-Amerikaner im Konversionsprozess zu einer prestigeträchtigen Zukunftsstadt zu entwickeln.
Geschichte Für die Bewohner von Patrick-Henry-Village gab es alle Einrichtungen, die es in einer US-amerikanischen Stadt auch gibt: Schulen, Kindergärten, ein Feuerwehrhaus, Freizeiteinrichtungen (Bowling, Spielplätze usw.) und auch eine Commissary und einen PX Store. Neben den auch in Deutschland bekannten Fast-Food-Ketten Burger King und Subway befanden sich in PHV auch Filialen anderer Fast-Food-Ketten (zum Beispiel Baskin-Robbins, TGI Friday’s). Im Gegensatz zu den Ladenöffnungszeiten im übrigen Deutschland durfte in der Wohnsiedlung rund um die Uhr eingekauft werden.
Erweiterungspläne 2002 Die Amerikaner verfolgten noch im Jahr 2002 Erweiterungspläne. Insbesondere planten sie eine große Shopping-Mall südlich von Patrick-Henry-Village. Weitergehende Überlegungen sahen eine angrenzende Ausweisung militärisch genutzter Flächen vor, die im Westen bis an die Bebauungsgrenzen von Plankstadt, im Norden an die von Eppelheim und dem Heidelberger Stadtteil Pfaffengrund sowie im Osten bis an den Militärflugplatz gereicht hätten. Aus finanziellen Gründen und wahrscheinlich auch wegen des Protests einiger Heidelberger Bauern wurde dieses Vorhaben nicht weiter verfolgt.
Abschließung und Abzug der US-Armee Im Jahr 2003 wurde Patrick-Henry-Village als Folge der Anschläge auf New York City am 11. September 2001, wie auch alle anderen Einrichtungen der US-Armee in Heidelberg mit einem Zaun ausgestattet. Der Zugang, vorher in den Wohnbereichen jedem frei, war seitdem nur noch über bewachte Eingänge mit einem US-Armee-Ausweis möglich. Das jährlich stattfindende amerikanische Volksfest wurde ebenfalls nicht mehr auf dem Gelände des PHV ausgerichtet und in die Patton Barracks verlegt.Steffen Blatt: Das „Deutsch-Amerikanische Volksfest“ kommt wieder. Im Mai findet der Jahrmarkt in den Campbell Barracks statt – mit Festzelt, mehr Fahrgeschäften und einem leicht geänderten Namen. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 6. Februar 2016.
Patrick-Henry-Village wurde am 6. September 2013 offiziell geschlossen, nachdem das militärische Personal überwiegend nach Wiesbaden ins neue Hauptquartier der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa verlegt worden war.Closure Usareur Heidelberg. In: dvidshub.net Das Gelände wurde am 2. Juni 2014 an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben.Steffen Blatt: Jetzt haben die Amerikaner auch Patrick Henry Village geräumt. Die US-Armee gab das 97,2 Hektar große Areal am 2. Juni zurück. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 12. Juni 2014.
Nutzung als Unterkunft für Flüchtlinge Im Dezember 2014 wurde Patrick-Henry-Village im Zuge der „Flüchtlingskrise“ als Winternotunterkunft für Geflüchtete eingerichtet. Geplant war, dort Platz für bis zu 2.000 Menschen zu schaffenHolger Buchwald: Flüchtlinge im Patrick Henry Village #Chronologie. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 30. September 2015. – zwischenzeitlich waren jedoch bis zu 6.000 Menschen dort untergebracht. Ursprünglich sollte die Bedarfsorientierte Erstaufnahmestelle Heidelberg bis zum Frühjahr 2015 genutzt werden, Landesregierung und Regierungspräsidium bemühten sich schon früh um eine Verlängerung des Betriebs, der im März 2017 offiziell bis April 2018 verlängert wurde.
Die Unterkunft wurde als indirekter Nachfolger zur Notunterkunft in den Heidelberger Patton Barracks eingerichtet. Nötig wurde dies, da sich auch in den Wintermonaten die Situation nicht entschärfte. Für den Betrieb zuständig ist das Regierungspräsidium Karlsruhe, das seinerseits wiederum den Dienstleister European Homecare (EHC) für das operative Geschäft beauftragte. Die Zustimmung zur Einrichtung der Notunterkunft in PHV gab der Heidelberger Gemeinderat im November 2014. Bezugsfertig hergerichtet wurde sie Mitte Dezember 2014, ehe kurz vor Weihnachten die ersten Flüchtlinge einziehen konnten. Es mussten etliche Baumaßnahmen umgesetzt werden, ehe die Winternotunterkunft bezugsfertig war. Beispielsweise wurde eine alte Fernwärmeleitung reaktiviert, neue Wasserleitungen verlegt, Rauchmelder installiert und die Elektrotechnik in den Gebäuden erneuert. Außerdem wurden zunächst im Außenbereich provisorische Dusch- sowie Sanitärcontainer aufgestellt. Erst etwa zwei Monate später, im Februar 2015, wurden diese endgültig durch eine funktionierende Wasserversorgung in den Gebäuden ersetzt.
Baden-Württembergs damalige Wissenschaftsministerin Theresia Bauer forderte, weitere Gebäude in PHV für eine solche Nutzung zu sanieren, um dort noch mehr Flüchtlinge unterbringen zu können. Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner widersprach ihrer Aufforderung und verlangte ein Festhalten an der dezentralen Unterbringung in Heidelberg und eine fairere Verteilung der Flüchtlinge in Baden-Württemberg.Sebastian Riemer: Wissenschaftsministerin Bauer: Heidelberg soll mehr Flüchtlinge aufnehmen. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 12. September 2015. Trotzdem beschloss die baden-württembergische Landesregierung das Patrick-Henry-Village zum zentralen Drehkreuz auszubauen, d. h. Dreiviertel aller Flüchtlinge im Südwesten sollten über das Village geschleust werden. Die für das Asylverfahren nötigen Schritte wie Erfassung, Gesundheitscheck, Registrierung und die Stellung von Asylanträgen sollten dort gebündelt werden.dpa: Südwest-Drehkreuz für Flüchtlinge startet am Montag in Heidelberg. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 22. September 2015.Holger Buchwald: Flüchtlinge im Patrick Henry Village. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 30. September 2015. Darüber hinaus werden Asylbewerber, die nach der Antragsstellung auf die Landkreise verteilt wurden, erneut nach Patrick-Henry-Village vorgeladen, um dort auch die Asylanhörung durchzuführen.
Zwischenzeitlich wurde PHV in einer Art Pilotprojekt vom Land Baden-Württemberg zu einem sogenannten „Registrierzentrum“ umgebaut. Im Zuge dessen wurden auch die Erkennungs- und Registrierungsprozesse so optimiert, dass die erforderlichen Schritte innerhalb von rund 24 bis 48 Stunden durchlaufen werden. Dies fand große Beachtung auch von anderen Bundesländern.
Im Jahr 2017 war eine erneut Debatte um die Zukunft des PHV entbrannt. Während der Rechnungshof das Ankunftszentrum offenbar erhalten wollte, forderte Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner einen klaren Zeitplan für das Ende der Einrichtung und erwartete vom Land, dass die Flächen zum 1. Mai 2018 freigemacht werden.morgenweb.de ANKUNFTSZENTRUM HEIDELBERGS STADTCHEF FAVORISIERT COLEMAN Würzner verlangt „Lösungsweg“.
Im Juni 2020 beschloss der Heidelberger Gemeinderat einen Masterplan für die Entwicklung von PHV und die Verlagerung der Flüchtlingsunterkunft auf das Gebiet „Wolfsgärten“. Am 11. April 2021 stimmten die Heidelberger in einem Bürgerentscheid gegen diese Verlagerung.
Daraufhin wurde der Masterplan überarbeitet, um die Flüchtlingsunterkunft auf dem PHV-Gelände zu integrieren. Im Jahr 2024 will die Stadt Heidelberg erste Grundstücke erwerben, so dass sie die Sanierung erster Wohnungen angehen kann.
Zukunftspläne (IBA) Bedingt durch die isolierte Lage von PHV ergeben sich keine naheliegenden Nutzungsmöglichkeiten, weshalb die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA) fünf international arbeitende Städtebaubüros damit beauftragt hat, zukunftsfähige und innovative Nutzungskonzepte zu entwickeln. Ziel der IBA war es mit diesem Prozess eine „Transformationsstrategie im Sinne der ‚Wissensstadt von Morgen‘ zu erarbeiten“, die eine innovative, städtebaulich und baukulturell exzellente Lösung ermöglicht. Dazu wurden insgesamt vier Zukunftsszenarien entwickelt.
Szenario 1: Wissenschaften & Wirtschaft + Wohnen Szenario 1 beschäftigt sich mit Patrick Henry Village als Standort für Wissenschaften und Wirtschaft – sowie als Wohnraum, der nebenbei angemerkt in allen vier vorgestellten Szenarien eine wichtige Rolle spielt. Die Leitfragen des Szenarios lauten: „Wie wird das PHV ein attraktiver Standort für Unternehmen?“'und: „Wie können Wissenschaft und Wirtschaft sich im PHV gemeinsam verorten?“
Den Visionen zugrunde liegt die Idee, dass die Insellage eine innovative und radikalere Architektur und Planung ermöglicht, als dies bei einem integrierten Stadtteil der Fall wäre. Geht es nach den Planern, soll das PHV in Zukunft genauso attraktiv sein wie die Heidelberger Altstadt – nur eben aus völlig anderen Gründen. Das Motto lautet: „Hier wollen wir Weltklasse!“ und das soll erreicht werden, indem eine Art „Branding“ durch experimentellen Städtebau zur Abgrenzung gegenüber anderen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten führt. Das Szenario trägt den Spitznamen „Free Henry“ und beinhaltet außerdem, dass die vorhandenen Gebäude für neue und innovative Zwecke umgenutzt werden sollen. Allerdings sei der aktuelle Gebäudebestand nicht für einen Wirtschafts- oder Wissenschaftscampus geeignet, weshalb diese auch nur zu einem gewissen Teil erhalten bleiben sollen. Wiederum soll eine hohe Nutzungsvielfalt durch eine deutlich höhere Bebauungsdichte erreicht werden.
Szenario 2: Vernetzungen + Wohnen Das zweite ausgearbeitete Szenario steht unter dem Leitbild Vernetzungen und Wohnen und beschäftigt sich mit Leitfragen, die sich aus den immer digitaler werden Städten ergeben. Etwa: „Welche Auswirkungen hat digitales Planen beziehungsweise digitales Managen von Energie, Infrastruktur und Mobilität auf die Stadt und ihre Bewohner?“ oder „Wie sehen öffentliche Räume und Verkehr in der „Digitalen Stadt“ aus?“
Die Idee der Vernetzung der Stadt und ihrer Bewohner beinhaltet die Grundidee, dass die Fläche einer Gemeinschaft geöffnet werden soll, die sich dem digitalen Teilen von Gütern und Dienstleistungen verschreibt. Diese Idee fungiert nach Meinung der Planer als starkes Alleinstellungsmerkmal und als Anreiz für Lokale und (Wissens-)Nomaden im PHV zu leben. Kreative Menschen sollen als Innovationstreiber den Stadtteil entscheidend mitprägen.
Das PHV als „amerikanische Enklave im Herzen Europas“ scheint den Planern „als der ideale Versuchsraum eine solche soziale und baukulturelle Utopie zu testen.“ Ergänzt werden soll der Ansatz dadurch, dass sich die Bewohner sich über digitales Portal vernetzen und darüber Zugriff auf unterschiedliche Mobilitätslösungen – etwa einen e-Kleinbus, Bike-Sharing, Car-Sharing etc. Infolgedessen könnten die Straßen zurückgebaut und zu Shared Spaces, Bushaltestellen zu kleinmaßstäblichen Unterzentren umfunktioniert werden. Der Rest der Architektur kann jedoch beibehalten werden, wenngleich auch hier eine Neuausrichtung nötig wäre, etwa indem bestimmte Gebäude umgenutzt werden.
Szenario 3: Lernräume + Wohnen