Schleiz ist die Kreisstadt des Saale-Orla-Kreises und liegt im Südosten Thüringens an der Wisenta, einem Nebenfluss der Saale, auf den Hochebenen des Vogtlandes. In der Landesplanung wird die Stadt als Mittelzentrum eingestuft. Bekannt ist Schleiz vor allem als ehemalige Residenzstadt des Fürstentums Reuß-Schleiz und für das Schleizer Dreieck, eine der ältesten Motorsport-Rennstrecken Deutschlands.

mini|hochkant=1.3|Blick von der Bergkirche auf Schleiz

Geographie Geographische Lage Schleiz liegt im thüringischen Teil des Vogtlands unweit der Landesgrenzen zu Sachsen und Bayern. Die Stadt wird in Ost-West-Richtung von der Wisenta, einem Nebenfluss der Saale durchflossen. Schleiz liegt auf der Hochfläche des thüringischen Vogtlands, die im Westen steil zum Saaletal, wo sich auch die großen Saaletalsperren befinden, abfällt. Die Umgebung ist von einer Hügellandschaft geprägt, aus der keine größeren Spitzen herausragen und auf der Wald und Freiflächen einander abwechseln. Höchste Erhebung im Schleizer Raum ist die Hirschraufe südlich von Schleiz mit 596 m. Nördlich liegt ein Gebiet, welches als Seenplatte bezeichnet wird und mit den Plothener Teichen auch das größte natürliche Teichgebiet Thüringens umfasst. Vorherrschende Gesteinsarten sind Schiefer und tonige und sandige Gesteine aus dem Keuper.

Das Ostthüringische Schiefergebirge erstreckt sich über die Flächen um Bad Lobenstein, Schleiz und Zeulenroda. Die Böden sind vorwiegend aus quarzistisch gebändertem Tonschiefer und Quarzsandsteinen hervorgegangen.Hans Weber: Einführung in die Geologie Thüringens. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1955, S. 42. Quellmulden sowie schmale Tallagen der Flüsse und Bäche sind typische Grünlandstandorte. Ackerbau wird auf plateauartigen Geländerücken, welligen Ebenen und Flachhängen begünstigt. Auf sonstigen Lagen überwiegt die forstliche Nutzung.

Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Uhrzeigersinn von Norden Eßbach, Volkmannsdorf, Neundorf (bei Schleiz), Görkwitz, Oettersdorf, Löhma, Zeulenroda-Triebes (Stadt; Landkreis Greiz), Kirschkau, Pausa-Mühltroff (Stadt; Vogtlandkreis), Tanna (Stadt), Saalburg-Ebersdorf (Stadt), Remptendorf.

Eßbach (9 km) Volkmannsdorf (6 km) Neundorf (bei Schleiz) (4 km) Görkwitz (2 km) Oettersdorf (3 km) Löhma (5 km) Kirschkau (6 km) Zeulenroda-Triebes (14 km) Remptendorf (12 km) Datei:Windrose klein.svg Saalburg-Ebersdorf (12 km) Tanna (10 km) Pausa-Mühltroff (11 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.

Stadtgliederung Schleiz umfasst neben der Kernstadt fünfzehn weitere Ortsteile, die überwiegend eingemeindete Dörfer sind (in Klammern das Jahr resp. Datum der urkundlichen Ersterwähnung):Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte und wesentlich erweiterte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 61, 97, 99, 116, 156, 170, 185, 204, 214 und 321. Burgk (1365) Burgkhammer (6. Januar 1366) Crispendorf (1290) Dörflas (11. März 1489) Dröswein (1378) Erkmannsdorf (11. März 1394) Gräfenwarth (14. August 1325) Grochwitz (1425) Isabellengrün (13. September 1751) Langenbuch (6. Juni 1377) Lössau (25. November 1335) Möschlitz (23. Juni 1333) Oberböhmsdorf (23. Juni 1333) Oschitz (23. Juni 1333) Wüstendittersdorf (21. Juni 1302) Kernstadt Schleiz (1232) Referenz für Burgk, Burgkhammer und Isabellengrün:Schleiz ist jetzt flächenmäßig größer als Bremerhaven in Ostthüringer Zeitung, abgerufen am 3. Januar 2020

Geschichte Anfang bis 19. Jahrhundert Aus dem Dorf slawischer Sorben „Slowicz“ („Leute des Slava“) entwickelte sich eine Burgsiedlung. Die mittelalterliche Burg, das Schloss Schleiz, wurde von den Herren von Lobdeburg errichtet. So entstand die Stadt Schleiz aus dem Dorf Slowicz. Schleiz wurde 1232 erstmals urkundlich erwähnt. Schon 1297 wurde der Ort Oppidum (lat. Stadt) genannt. Einer der Hauptgründe dieser Entwicklung war die günstige Lage an der Verbindungsstraße von Nürnberg nach Naumburg und Leipzig.

Eine seit etwa 1200 bestehende Siedlung („Altstadt“) und eine unmittelbar neben dieser Siedlung gegründete „Neustadt“ sind weitere Wurzeln von Schleiz. Die Neustadt beherbergte eine Burg und war von einer Stadtmauer umgeben. Altstadt und Neustadt von Schleiz waren lange Zeit völlig selbständige Orte, deren Bürger mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten versehen waren. Erst am 2. Dezember 1482 schlossen sich beide Kommunen zu einer Stadt zusammen. 1575 starben in Schleiz 720 Personen an der Pest.

mini|Ruine von Schloss Schleiz

Nachdem im Jahre 1475 das Schloss vollständig einem Großbrand zum Opfer gefallen war, erbauten die Herren von Gera eine neue Anlage auf den ehemaligen Grundmauern der Burg. Von 1647 bis 1848 residierten im Schloss die Grafen und späteren Fürsten Reuß-Schleiz. Diese Anlage brannte 1689 ebenfalls vollständig ab. Der alte Bergfried – Hausturm genannt – wurde ebenfalls mit den anderen Befestigungsanlagen 1689 abgetragen. Das Schloss erweiterte man im 18. Jahrhundert bis 1753 der Barockbau vollendet wurde. Im August 1721 gab Johann Sebastian Bach gemeinsam mit der hiesigen Hofkapelle Konzerte auf dem Schleizer Schloss. Nach einem neuerlichen Großbrand im Jahre 1837 entstand auf den Gewölben des Erdgeschosses jenes Schloss, welches 1945 im Bombenhagel unterging. Die heute noch als Ruine stehenden Rundtürme stammen aus dieser Zeit.

In den Jahren 1608–1628 kam es in Schleiz zu Hexenverfolgungen, denen zwei Frauen und ein Mann zum Opfer fielen.Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum (= Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland. Bd. 2). DOBU-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-934632-03-3, S. 253, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 2000).

Die Grafen Reuß zu Schleiz bauten in mehreren Etappen ab 1704 auf dem „Grauen Berg“ in Heinrichsruh südlich von Schleiz ein Lustschlösschen. Am 6. Juni 1750 fand dort das erste Vogelschießen statt. Ab 1777 erfolgte die Anlage eines Parks. Jene Jahre werden als Glanzzeit von Heinrichsruh bezeichnet.Heiko Laß: Jagd- und Lustschlösser. Kunst und Kultur zweier landesherrlicher Bauaufgaben. Dargestellt an thüringischen Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts. Michael Imhof, Petersberg 2006, ISBN 3-86568-092-5, S. 322, (Zugleich: Aachen, Technische Hochschule, Dissertation, 2004).

Im Feldzug gegen Preußen zogen am 9. Oktober 1806 französische Truppen unter Napoleon Bonaparte durch die Stadt. Um den Kaiser zu beeindrucken, griff sein Kavallerieführer Joachim Murat in der Nähe lagernde preußische und sächsische Truppen an, wurde aber zurückgeworfen. Erst das Eingreifen von Infanterie unter Marschall Bernadotte entschied den Kampf zu Gunsten der Franzosen. Diese verloren rund 200 Soldaten, während auf preußischer Seite die Verluste durch Tod, Verwundung und Gefangennahme 500 Mann betrugen. Das Gefecht bei Schleiz war das erste große Aufeinandertreffen preußischer und französischer Truppen in diesem Krieg.

Zu Pfingsten des Jahres 1844 trafen sich Vertreter mehrerer christlicher Studentenverbindungen in Schleiz. Zum sogenannten Schleizer Konzil trafen sich Mitglieder der Uttenruthia Erlangen (bzw. Erlanger Wingolf), des Berliner Wingolf und des Hallenser Wingolf und gründeten den Wingolfsbund, den ersten Dachverband studentischer Verbindungen.Joachim Bauer u. a.: Geschichte des Wingolfs. 1830–1994. 5., vollständig neu bearbeitete und fortgeführte Auflage. Verband Alter Wingolfiten e. V., Gladbeck 1998.

Bis zum Umzug der Landesregierung und des Fürstenhauses Reuß 1848 nach Gera war Schleiz Residenzstadt.

Ab dem 20. Jahrhundert mini|Schleiz im Jahr 1908

Nach Ende des Ersten Weltkriegs mit dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik in der Novemberrevolution erklärte Fürst Heinrich XXVII. seinen Thronverzicht und die beiden reußischen Fürstentümer – nämlich Reuß ältere Linie und Reuß jüngere Linie – wurden am 11. November 1918 zu Freistaaten, die sich am 4. April 1919 wiederum zum Volksstaat Reuß mit der Hauptstadt Gera zusammenschlossen. Am 1. Mai 1920 ging der Volksstaat Reuß schließlich im neugegründeten Land Thüringen auf. 1922 wurde der Landkreis Schleiz gebildet, der 1952 in den Kreis Schleiz im Osten und den Kreis Lobenstein im Westen geteilt wurde. Beide Kreise gehörten dem Bezirk Gera an. Nach der Deutschen Wiedervereinigung von 1990 wurden die Kreise Schleiz und Lobenstein mit dem Kreis Pößneck zum Saale-Orla-Kreis zusammengeschlossen. Schleiz blieb Kreisstadt, obwohl Pößneck größer ist. Ausschlaggebend dafür war der Status als Mittelzentrum, den die Stadt aufgrund ihrer guten Infrastruktur besitzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden hunderte Frauen und Männer aus mehreren Nationen, vorwiegend aus der Sowjetunion, zur Zwangsarbeit nach Schleiz verschleppt, von denen mindestens 60 den Tod fanden.

Am 8. April 1945 wurde im Rahmen eines US-Bombenangriffs mit schweren Zerstörungen im Stadtzentrum (50 zerstörte und über 100 beschädigte Gebäude) und über 200 TotenJuergen K. Klimpke: Als der Tod vom Himmel fiel. Der 8. April 1945 (= Schleizer Heimat-Hefte. Nr. 38 = 2, 2005, ). Klimpke, Schleiz 2005, S. 26. auch das Schleizer Schloss zerstört. Dabei wurden die Bestände des Fürstlichen Reußischen Hausarchivs, die Bibliothek, das Heimatmuseum und die Schlosskirche vernichtet. 1950 wurden die Ruinen des Schlosses abgetragen. Aufgrund des Engagements einiger Schleizer Bürger ließ man die beiden ausgebrannten Turmruinen stehen, die 1993 gesichert und mit Spitzhauben versehen wurden.

Die Stadtkirche St. Georg wurde ebenfalls schwer getroffen: Schiffs- und Emporengewölbe, Kanzel und Altarwerk. Der Wiederaufbau erfolgte in den 1950er Jahren. Die Alte Münze erlitt an der Rückseite erhebliche Zerstörungen, die Wiederherstellung erfolgte bereits 1946.Rudolf Zießler: Schleiz. In: Götz Eckardt (Hrsg.): Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Band 2: Bezirke Halle, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Erfurt, Gera, Suhl. Henschelverlag, Berlin 1978, ISBN 3-406-03913-8, S. 522–524.

Schleiz wurde am 15. April 1945 von US-amerikanischen Truppen besetzt, die Anfang Juli durch die Rote Armee abgelöst wurden.

Im Herbst 1945 wurden in Schleiz unter „Wehrwolf“-Vorwurf 12 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren und ein 22-Jähriger vom sowjetischen Geheimdienst NKWD verhaftet und im April 1946 durch ein Militärtribunal verurteilt. Zwei von ihnen wurden erschossen, sieben verstarben in Arbeitslagern. Vier Jugendliche wurden 1950/1951 aus den Zuchthäusern Bautzen und Torgau entlassen. Die gesamte Gruppe wurde 1995 durch ein russisches Gericht rehabilitiert.Benno Prieß: Die Jugendlichen von Schleiz/Thüringen. In: Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Verhaftet, gefoltert, verurteilt, erschossen. „Werwolf“-Schicksale mitteldeutscher Jugendlicher. 2., erweiterte Auflage. Eigenverlag Prieß, Calw 2002, ISBN 3-926802-36-7, S. 112.

Der am 8. April 1945 durchgeführte US-Bombenangriff zerstörte auch das Hotel „Goldene Sonne“ im Zentrum der Stadt. In diesem Hotel war zu dieser Zeit das Kinderlandverschickungs-Lager der Stadt Düsseldorf untergebracht mit Schülern des Lessing- und Prinz-Georg-Gymnasiums. 21 Schüler starben im Keller des Hauses an den Folgen des Angriffs. Ein neu gestaltetes Grabmal wurde im Herbst 1994 zum Gedenken an die im Krieg gefallenen Soldaten, die Opfer des Bombenangriffs in der Zivilbevölkerung und die 21 getöteten Jungen aus Düsseldorf errichtet. Zum 50. Jahrestag 1995 wurde in einer Gedenkfeier unter Anteilnahme vieler noch lebender Mitschüler der Toten gedacht. Es wurde eine Gedenktafel an dieses tragische Ereignis „Zur Erinnerung und Mahnung“ am Standort des ehemaligen Hotels „Goldene Sonne“ im Beisein des Bürgermeisters Frieder Ott durch Mitschüler enthüllt.

Das 1864 erbaute Krankenhaus erfuhr 2007 als Kreiskrankenhaus Schleiz eine grundlegende Modernisierung. Es wurde zum 31. August 2024 geschlossen.

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