mini|Brassica napus

Raps (Brassica napus), auch Reps oder Lewat genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kohl (Brassica) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es ist eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze. Genutzt werden die Samen vor allem zur Gewinnung von Rapsöl und dem Koppelprodukt Rapskuchen. Die Steckrübe Brassica napus subsp. rapifera (Syn.: Brassica napus subsp. napobrassica) ist eine Unterart von Raps (Brassica napus).

Beschreibung mini|Querschnitt eines Stängels mini|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blütenknospen und geöffneten Blüten im Detail; die vier genagelten gelben Kronblätter sind gut zu erkennen mini|Junge Frucht

Vegetative Merkmale Raps ist eine ein- oder zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 150 Zentimetern. Es kann eine fleischige Pfahlwurzel ausgebildet werden. Der aufrechte Stängel ist im oberen Bereich verzweigt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind gelegentlich an der Nervatur und den Blatträndern sehr schwach grau bewimpert, meist aber vollständig kahl oder am Ansatz schwach behaart.

Die grundständigen am unteren Bereich des Stängels angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Ihr Blattstiel ist bis zu 15 Zentimeter lang. Ihre Blattspreite ist bei einer Länge von 5 bis 25, selten bis zu 40 Zentimetern sowie einer Breite von 2 bis 7, selten bis zu 10 Zentimetern im Umriss eiförmig, länglich-rund bis lanzettlich, fiederteilig gelappt oder leierförmig, manchmal ungeteilt ist. Der Endlappen ist eiförmig und am Rand gezähnt, gewellt oder ganzrandig. Je Seite der Mittelrippe stehen ein bis sechs seitliche Blattlappen, deutlich kleiner als der Endlappen, gelegentlich fehlend und ebenfalls am Rand gezähnt, gewellt oder ganzrandig. Die am oberen Bereich des Stängels wechselständig angeordneten Laubblätter sind ungestielt mit einer Blattspreite, die bei einer Länge von bis zu 8 Zentimeter sowie einer Breite von bis zu 3,5 Zentimeter lanzettlich, eiförmig oder länglich, ihre ohrförmige Spreitenbasis umschließt den Stängel und der Blattrand ist glatt oder gewellt.

Blütenstand, Blüte und Frucht Witterungsabhängig beträgt die Blühdauer eines Exemplars etwa drei bis fünf Wochen, eine einzelne Blüte ist aber bereits nach ein bis zwei Tagen verblüht. 20 bis 60 Blüten befinden sich in einem endständigen, traubigen Blütenstand zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier aufsteigenden oder selten fast aufrechten Kelchblätter sind bei einer Länge von 5 bis 10 Millimeter und einer Breite von 1,5 bis 2,5 Millimeter länglich. Die vier leuchtend- bis blassgelben Kronblätter sind bei einer Länge von meist 1 bis 1,6 (0,9 bis 1,8) Zentimeter sowie einer Breite von meist 6 bis 9 (5 bis 10) Millimeter, breit verkehrt-eiförmig mit gerundetem oberen Ende und einem 5 bis 9 Millimeter langen Nagel. Es sind sechs Staubblätter vorhanden. Die Staubfäden sind (selten bis 5) meist 7 bis 10 Millimeter lang und die 1,5 bis 2,5 Millimeter langen Staubbeutel sind länglich. Der Fruchtknoten ist langgestreckt mit kurzem bis kaum erkennbarem Griffel und kopfiger Narbe. mini|Raps-Pollenkorn (400×)

Der sparrige oder aufsteigende, gerade Fruchtstiel ist meist 1,2 bis 2,3 (1 bis 3) Zentimeter lang. Die ungestielte Schote ist bei einer Länge von 5 bis 9,5 (3,5 bis 11) Zentimetern und einem Durchmesser von 3,5 bis 5 Millimetern linealisch, zylindrisch bis schwach vierkantig und enthält zwölf bis zwanzig Samen. Die dunkelbraunen bis schwärzlichen runden Samen sind bei einem Durchmesser von 1,5 bis 2,5 (1,2 bis 3) Millimeter kugelig mit fein genetzter Oberfläche.

Verwechslungsmöglichkeit Gelbblühende Felder im Spätsommer und Herbst werden auch oft für Rapsbestände gehalten, allerdings handelt es sich in diesem Zeitraum fast immer um den gleichfalls zu den Kreuzblütlern gehörenden Gelbsenf, der in Mitteleuropa als Zwischenfrucht zur Gründüngung angebaut wird.

Ökologie Es kommt sowohl Selbstbefruchtung innerhalb einer Blüte als auch Fremdbefruchtung durch Bienen vor.

Systematik Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Brassica napus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 666.

Genetik Brassica napus ist eine allopolyploide Hybride, die aus einer Bastardisierung von Rübsen (Brassica rapa) und Gemüsekohl (Brassica oleracea) hervorgegangen ist. Das Genom von Raps besteht aus 38 Chromosomen, davon sind 20 bzw. 18 Chromosomen von den beiden Ausgangsformen.

Geschichte der Rapsnutzung mini|In einem Forschungsinstitut in Holtsee (Kreis Rendsburg-Eckernförde) werden Rapssorten gesucht, die sich optimal an das Klima, die Umwelt und den Boden anpassen.

Frühe Rapsnutzung Raps (von niederdeutsch rapsād, mit dem zweiten Wortglied, da die Pflanze wegen des ölhaltigen Samens angebaut wird, zu niederdeutsch Rapp, entlehnt von gleichbedeutend lateinisch RapaFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 582.) wird schon seit Jahrhunderten wegen des hohen Ölgehaltes seiner Samenkörner kultiviert. Die Rapspflanze war schon den Römern bekannt. Ursprünglich stammt der Raps aus dem östlichen Mittelmeerraum und wurde zur Gewinnung von Speise- und vor allem Lampenöl verwendet. In Indien gibt es für eine Verwendung Hinweise bereits um 2000 v. Chr., in Mitteleuropa wird er erst seit dem 14. Jahrhundert angebaut.Frank Kempken, Renate Kempken: Gentechnik bei Pflanzen. 3. Auflage, Springer, 2006, ISBN 3-540-33661-3, S. 2. Ab dem 17. Jahrhundert findet der Anbau im größeren Stil statt. Im nordwestlichen Deutschland und in den Niederlanden war Raps im 16. und 17. Jahrhundert die wichtigste Ölfrucht. In der Mitte und im Osten Deutschlands dagegen herrschte der eng verwandte Rübsen vor, der im Anbau anspruchsloser ist, aber einen geringeren Ölertrag liefert. Da Samen und Öl von Rübsen und von Raps lange gleichermaßen als „Rübsamen“ und „Rüböl“ bezeichnet wurden, lässt sich der historische Anbau beider Pflanzen im deutschsprachigen Raum nur schwer gegeneinander abgrenzen.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 33f. Frankreich, England und Schweden kamen im Verlauf des 18. Jahrhunderts als Anbaugebiete hinzu.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 50.

Aufschwung und Niedergang im 19. Jahrhundert Zunächst lieferte Raps vorwiegend Brennstoff für Öllampen, wurde als Schmieröl genutzt und nur in den armen Schichten auch in der Küche verwendet. Im frühen 19. Jahrhundert stieg der Rapsanbau an, weil sich der Gebrauch des Öls als Beleuchtungs- und Nahrungsmittel zunehmend durchsetzte. Gründe waren der Preisanstieg beim zuvor zur Beleuchtung genutzten Waltran als Folge der Überjagung der Walbestände und niedrige Getreidepreise, die alternative Feldfrüchte attraktiver machten.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 50f. Als Speiseöl wurde Rapsöl unter anderem wegen seines bitteren Geschmacks, der auf einen hohen Gehalt an Erucasäure zurückzuführen war, nur eingeschränkt verwendet. Allenfalls in Hungerzeiten kam Rapsöl vermehrt auch als Nahrungsmittel auf den Tisch. So brach der Rapsanbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark ein, als preiswerte Erdölimporte und tropische und subtropische Speiseöle auf den Markt kamen. 1878 wurden noch 188.000 ha Raps im Deutschen Reich angebaut, 36 Jahre später waren es nur noch 87.711 ha. Das so gewonnene Öl wurde vor allem von der Seifen- und Schmiermittelindustrie verarbeitet. Neben der geringen Eignung als Nahrungsmittel führten die stark schwankenden Erträge, die Empfindlichkeit gegen Wettereinflüsse und die technisch schwierige Ernte dazu, dass Raps nur widerwillig und in Zeiten hoher potenzieller Gelderträge für die Samen angebaut wurde.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 128–130.

Die systematische Züchtung von Raps begann in Deutschland um 1900 herum mit der Arbeit des Agronomen Hans Lembke auf der Insel Poel. Dabei standen insbesondere eine verbesserte Winterhärte und ein höherer Samenertrag im Blickpunkt. 1911 entstand damit die erste Zuchtsorte „Lembke Winterraps“. Lembke wirkte bis in die 1960er Jahre in der Deutschen Demokratischen Republik.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 41.

Raps in der Kriegswirtschaft Im Ersten Weltkrieg wurde in Deutschland der Anbau von Ölfrüchten forciert, um sich aus der Abhängigkeit von Fett- und Öleinfuhren zu lösen. Raps spielte dabei im Vergleich zu anderen Ölsaaten jedoch eine untergeordnete Rolle. Der Kriegsausschuss für pflanzliche und tierische Oele und Fette leitete erst 1916 eine gezielte Werbekampagne für den Raps- und Rübsenanbau bei Landwirten ein.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 76f. Vor allem Margarine wurde aus heimischem Rapsöl hergestellt. Als Speiseöl nur bedingt tauglich, als Futtermittel ungeeignet, blieb Rapsöl hauptsächlich auf die Verwertung technischer Öle beschränkt (Brennstoff für Öllampen, Schmiermittel für (Dampf-)Maschinen, Grundstoff für die Seifenherstellung). 1919 erreichte die Rapsanbaufläche mit 0,7 % der gesamten Ackerfläche im Deutschen Reich einen Spitzenwert. Anschließend ging er bis 1933 auf nahezu Null zurück.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 49. Der Bedarf an Pflanzenöl wurde wieder weit überwiegend durch den Import gedeckt. Der zunächst langsame Wiederanstieg des Rapsanbaus wurde durch eine Reihe wirtschaftspolitischer Eingriffe des NS-Staats ausgelöst, die in der Summe zu einem Anstieg des Fettpreises und zu einer Verbilligung von Kunstdünger führten.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 89–92. Zunächst stand jedoch die Erzeugung tierischer Fette im Blickpunkt. Erst nachdem entsprechende Bemühungen gescheitert waren, wuchs von 1936 mit dem Vierjahresplan und der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Fettforschung das Interesse an Ölsaaten, wobei Raps nicht gesondert, sondern im Zusammenhang mit den übrigen Ölfrüchten behandelt und durch staatlich festgelegte Preise sowie Subventionen gefördert wurde. 1939 wurden Ölmühlen einem Verarbeitungszwang für Raps und Rübsen unterworfen. Der Anteil von Raps an der Gesamtackerfläche wuchs bis 1944 auf knapp 2 % an.Sarah Waltenberger: Deutschlands Ölfelder. Eine Stoffgeschichte der Kulturpflanze Raps (1897–2017). Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2020. S. 93f.

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