Die Junge Tat ist eine rechtsextreme politische Gruppierung in der Deutschschweiz, die seit 2020 besteht.
Ziele und Mitglieder Die Junge Tat stellt sich selber als Teil der Identitären Bewegung dar und wird der Neuen Rechten zugeordnet. Ihr Logo ist die Tīwaz-Rune (Tyr-Rune), eine Rune des germanischen Runenalphabets.
Die Junge Tat ist der jugendliche Ableger der Nationalen Aktionsfront (NAF), die geistige Führerschaft haben die rechtsextremen Organisationen Blood and Honour und Combat 18. Die Mitglieder sind sehr jung und halten ihre Identität teilweise geheim. Öffentlich treten Tobias Lingg und Manuel Corchia in Erscheinung und gehören zu den führenden Köpfen der Jungen Tat.Christoph Bernet: Die Junge Tat und Martin Sellner – so sind die Rechtsextremen verbandelt. In: Watson.ch/CH Media, 19. März 2024. Im März 2022 schätzten Journalisten die Grösse der Gruppe auf 20 Mitglieder.Das geheime rechtsextreme Netzwerk der Schweiz. In: Tages-Anzeiger. 19. März 2022.
Geschichte Als direkter Vorgänger der Jungen Tat gilt die Gruppe «Eisenjugend», welche 2020 mit dem 19‑jährigen Wortführer «Eszil» in Erscheinung trat. Recherchen der Wochenzeitung (WOZ) zeigen, dass es sich bei «Eszil» um Manuel Corchia handelt, der auch der führende Kopf und Gründer der Jungen Tat ist.Kevin Brühlmann: Die Schwiegersohn‑Neonazis In: WOZ, 15. Dezember 2022. Die «Eisenjugend» habe sich an eine amerikanische Gruppe mit dem Namen Iron Youth angelehnt. Mit antisemitischen AufklebernRechte Hetze auf Winterthurer Strassen. In: Der Landbote. 8. Februar 2020. wollte sich die Gruppe schon damals «verteidigen» gegen den auch von der Jungen Tat vertretenen Mythos, wonach «eine Elite in einer grossangelegten Verschwörung die weisse Bevölkerung in Europa und den USA durch andere Bevölkerungsgruppen – etwa Migranten – ersetzen» wolle.Buurezmorge mit der Jungen Tat: Die SVP ist in den Dunstkreis einer rechtsextremen Gruppierung geraten. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. September 2023. Die Schweiz sollte demgegenüber im Sinne der Eisenjugend in einen Staat von Weissen verwandelt werden. Auf einem Telegram-Kanal wurden Texte vorgelesen «aus einem dunklen Winkel des Internets», so der Tages-Anzeiger, einer der Texte stamme von Heinrich Himmler 1944, er fasse «das Grauen in seiner kränksten Form zusammen». Ferner sei James Mason als «Heiliger» dargestellt worden. Es gab Kontakte zur Gruppe «Nationalistische Jugend Schweiz», welche mit der Neonazi-Kameradschaft Nationale Aktionsfront (NAF) verbandelt war.Die Eisenjugend aus Winterthur und ihr Traum von der Apokalypse. In: Tages-Anzeiger. 6. August 2020. Bei Manuel Corchia (früher: Eszil) waren im August 2020 von der Polizei Schusswaffen beschlagnahmt worden, im Januar 2021 wurden sechs Mitglieder vorübergehend verhaftet, nachdem sie eine Online-Kulturveranstaltung der Jüdischen Liberalen Gemeinschaft der Stadt Zürich gestört hatten.
Im November 2020 wurde in einem Video mit Bezügen zum Nationalsozialismus, zur Identitären Bewegung und zur Neuen Rechten der Name Junge Tat und deren Symbol verwendet.
Zu diesem Zeitpunkt im Januar 2021 galt die Eisenjugend gemäss Eigenangabe als aufgelöst, ebenso ihre Partnergruppe Nationalistische Jugend Schweiz. Die Mitglieder beider Gruppen gründeten neu die Gruppe Junge Tat.Kopf der Winterthurer Eisenjugend verhaftet. In: Tages-Anzeiger. 20. Januar 2021.«Absolut deckungsgleich mit der Jungen Tat» – wie sich die Junge SVP der rechtsextremen Szene annähert. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2024. Im Mai 2021 wurden Mitglieder der Jungen Tat bei einem Ausflug in das Freilichtmuseum Ballenberg von linken Aktivisten überraschend angegriffen.Nora Devenish: Schlägerei im Ballenberg – war es Extremismus? In: Plattform J. 28. Mai 2021. Manuel Corchia (früher: Eszil) wurde ein Finger gebrochen, hingegen schrieben laut Tages-Anzeiger die «Opfer» des Tages auch stolz davon, dass der «Kampf der Vater aller Dinge» sei. Teilnehmer der Jungen Tat stammten nun in mindestens zwei Fällen aus St. Gallen oder dem Wallis, darunter auch Frauen.Wie Neonazis junge Menschen anlocken. In: Tages-Anzeiger. 19. Juni 2021. Bei einer weiteren Wanderung der Jungen Tat in der Region Basel riefen extreme Linke nochmals zu Gewalt auf, die Polizei verhinderte ein Zusammentreffen.Mit Linksradikalen: Polizei verhindert Schlägerei von «Junge Tat». In: Nau. 21. September 2021. Im Januar 2022 kaperten Mitglieder der Jungen Tat eine Corona-Demonstration in Bern und führten diese an. Wie verdeckte Recherchen und eine Videodokumentation des Tages-Anzeigers zeigen, nutzte die Gruppe die Proteste gezielt, um junge Menschen anzusprechen und Anhänger zu gewinnen. Die Dokumentation zeigt, wie die Gruppe während der Pandemie junge Anhänger rekrutierte, an Demonstrationen teilnahm und sich innerhalb weniger Monate an die Spitze der Schweizer Neonaziszene setzte. Im März 2023 wurde die Gruppe und die Frage nach der von ihr ausgehenden Gefahr Inhalt einer Interpellation aus dem eidgenössischen Parlament.Gabriela Suter: Wie gefährlich ist die «Junge Tat»? Parlament, 17. März 2023. Im Mai 2023 wurden die Aktivitäten der Jungen Tat im Jahresbericht des Nachrichtendienstes erwähnt; bis 2019 wurden jeweils mehrere rechte Gruppen im NDB-Bericht genannt. Seit drei Jahren sei nur noch die Junge Tat explizit aufgeführt worden. Laut Xavier Dufour benutzt die Junge Tat ganz bewusst ein Symbol des Dritten Reichs als Erkennungszeichen.. Nachrichtendienst des Bundes, Mai 2023 (PDF; 15,4 MB).
2024 wurden sechs Mitglieder der Jungen Tat per Strafbefehl zu Geldstrafen und Bussen verurteilt, sie waren unter anderem in Störaktionen im Jahr 2022 während eines Pride-Gottesdienstes und einer Drag-Vorlesung für Kinder verwickelt. Je nachdem bei welchen Ereignissen die Beschuldigten mitgewirkt hatten, kamen verschiedene Straftatbestände zur Anwendung, unter anderem Rassendiskriminierung, Störung der Glaubens- und Kultusfreiheit, Landfriedensbruch, Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz, Nötigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie Abhören und Aufnehmen fremder Gespräche. Bei den beiden vorbestraften Gründern und Anführern der Gruppierung sind die Strafuntersuchungen noch nicht abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft forderte teilbedingte, sechsmonatig unbedingte Freiheitsstrafen.Zürcher Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen «Junge Tat», swissinfo, 8. September 2025 Vier der sechs per Strafbefehl bestrafte erhoben Einsprache.Niels Bossert: «Junge Tat» vor Gericht, zuerich24, 21. Oktober 2025
Unter anderem Correctiv recherchierte im Dezember 2024 zu einem Treffen in Kloten mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Roger Beckamp und der brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Lena Kotré, das von der Jungen Tat organisiert, offen beworben, aber abgeschirmt worden sei. Anwesend waren neben einem Mitglied der Jungen SVP auch der «Mass-Voll»-Aktivist Nicolas Rimoldi.Am Tisch mit Neonazis, Querdenkern, AfD und der Jungen SVP, Republik, 31. Januar 2025
Verbindungen zur Jungen SVP Bereits 2022 berichtete unter anderem die WOZ, dass ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Jungen SVP des Kantons St. Gallen bei der Jungen Tat aktiv sei. Mittlerweile war er jedoch aus der Partei ausgetreten.Die Schwiegersohn-Neonazis In: WOZ 15. Dezember 2022.
2023 wurde bekannt, dass Führungspersonen der Jungen SVP Verbindungen zur Jungen Tat haben, was eine Kontroverse in der Jungpartei und in der breiteren Schweizer Politik auslöste.
Der Eisenjugend-Sprecher Manuel Corchia (früher: Eszil) wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt Mitglied der Jungen SVP Thurgau, wurde dort aber im November 2023 ausgeschlossen.Junge SVP Thurgau schliesst M.C. aus Partei aus. In: Blick. 5. November 2023. Im März 2024 organisierte die Junge Tat einen Vortrag des Rechtsextremisten Martin Sellner,Sellner muss remigrieren. In: taz. 18. März 2024. der unterbrochen wurde, wobei Sellner polizeilich weggewiesen wurde.Martin Sellner aus dem Kanton Aargau weggewiesen. In: SRF News. 18. März 2024. Der Präsident der Aargauer Jungen SVP solidarisierte sich mit Sellner, hatte aber auch schon im Oktober 2023 geschrieben, dass man ehrlicherweise anerkennen müsse, dass «die Junge Tat inhaltlich die exakt gleichen Inhalte anspricht wie wir». Ehemalige Parteileitungsmitglieder forderten seinen umgehenden Rücktritt.Die Nähe zu Rechtsextremen sorgt für Streit in der Jungen SVP. In: Tages-Anzeiger. 27. März 2024.
Dokumentation
Wie gefährlich ist die rechtsextreme Organisation «Junge Tat»? In: SRF.ch, 11. April 2024 (mit Audio, 16 Min.). Die «Junge Tat» – Zwischen Rassismus und Meinungsfreiheit. In: SRF.ch, 24. März 2025 (Video, 34 Min.).
Weblinks Website der Jungen Tat
Einzelnachweise
Kategorie:Identitäre Bewegung Kategorie:Politische Organisation (Schweiz) Kategorie:Gründung einer politischen Organisation 2020