Hexanitrostilben (HNS) ist ein temperaturbeständiger Explosivstoff, der insbesondere bei Sprengungen in sehr heißen Erdöllagerstätten zum Einsatz kommt. HNS ist weniger brisant als Hexogen (RDX), besitzt aber einen höheren Schmelzpunkt von ca. 320 °C.
Gewinnung und Darstellung Die Synthese von HNS durch Reaktion von Trinitrobenzylchlorid mit alkoholischer KOH wurde erstmals von Shipp beschrieben.K. G. Shipp, J. Org. Chem. 29, 2620 (1964); .
Eigenschaften Hellgelbe orthorhombische Kristalle Wenig löslich in Aceton, Methylethylketon, Essigsäure 100 %, Dimethylformamid (DMF) Moderat löslich in Dimethylsulfoxid (DMSO) Kann aus HNO3, Aceton, Dimethylformamid oder Nitrobenzol umkristallisiert werden. HNS ist in einem weiten Temperaturbereich stabil (von −200 °C bis 250 °C) und wird daher auch als Explosivstoff in Raumfahrtapplikationen wie z. B. Trennschrauben usw. verwendet.
Explosionskenngrößen Die Verbindung ist im trockenen Zustand durch Schlag, Reibung, Wärme und andere Zündquellen besonders explosionsgefährlichRoth, L.; Weller, U.: Gefährliche Chemische Reaktionen, 65. Ergänzungslieferung, ecomed-Verlag 2011. und fällt im Umgang unter das Sprengstoffgesetz.Sprengstoffgesetz, Anhang I, Liste der explosionsgefährlichen Stoffe (), auf die das Gesetz in vollem Umfang anzuwenden ist.
{| class="wikitable" |+ Tabelle mit wichtigen explosionsrelevanten Eigenschaften: |Sauerstoffbilanz || −67,5 %J. Köhler, R. Meyer, und A. Homburg: Explosivstoffe, zehnte, vollständig überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2008, S. 167, ISBN 978-3-527-32009-7. |- |Stickstoffgehalt || 18,67 % |- |Normalgasvolumen || 893 l·kg−1 |- |Explosionswärme || 4056 kJ·kg−1 (H2O (l))3980 kJ·kg−1 (H2O (g)) |- |Spezifische Energie || 975 kJ·kg−1 (99,4 mt/kg) |- |Bleiblockausbauchung || 30,1 cm3·g−1 |- |Stahlhülsentest || Grenzdurchmesser 5 mmKlapötke, T.M.; Wahler, S.: Approximate estimation of the critical diameter in Koenen tests in Z. Naturforsch. B 76 (2021) 341–344, . Koch, E.–C.: High Explosives, Propellants, Pyrotechnics, Walter de Gruyter GmbH Berlin/Boston 2021, ISBN 978-3-11-066052-4, S. 391. |- |Schlagempfindlichkeit || 5 Nm |- |Reibempfindlichkeit || ab 235 N Stiftbelastung Knistern |- |Detonationsgeschwindigkeit || 7.000 m/s
Verwendung In der Militärtechnik wird zwischen HNS-I, HNS-II, HNS-IV und HNS-V unterschieden. Diese Bezeichnungen charakterisieren die Zusammensetzung und Partikeleigenschaften von HNS. Während mit HNS-I das mit dem Hexanitrobibenzyl verunreinigte HNS beschrieben wird, bezeichnet HNS-II umkristallisiertes HNS mit mindestens 98,50 Gew-% Reinheit. HNS-IV kennzeichnet ein Material, welches durch Umfällen von HNS-II gewonnen wird und eine BET-Oberfläche von 5 bis 25 m2/g aufweist.. HNS-V schließlich ist HNS-IV, welches mit DMSO gewaschen wurde und frei von DMF-Spuren ist.Spezifikation: MIL-E-82903(OS). HNS findet hauptsächlich Anwendung in Verstärkerladungen für Sprengladungen und in sogenannten Explosive-Foil-Initiator (EFI)-Zündern.
Ein Gehalt von 1 % HNS in geschmolzenem TNT verhindert die Bildung von Rissen bei der Erstarrung. Aufgrund seines niedrigen kritischen Durchmessers von 0,4 mm kann HNS metallummantelt in sogenannten Schneidschnüren verwendet werden. HNS wird zusammen mit Hexanitroazobenzol CAS-Nr. [19159-68-3] in schwachen, bis 170 °C lagerbeständigen, Aluminium-gekapselten Zündern eingesetzt.
Einzelnachweise
Kategorie:Polynitrobenzol Kategorie:Stilben Kategorie:Sprengstoff