Die Liste der Luftattachés des Deutschen Reiches bietet eine Übersicht über die Träger des Amtes deutscher Luftattachés und zum Teil ausgewählter Hilfskräfte im Arbeitsstab, die an den deutschen Botschaften/Gesandtschaften der Weimarer Republik und des Deutschen Reiches eingesetzt waren. Etwa ab 1920 reifte der Gedanke in den militärischen Führungskreisen der Weimarer Republik, dass es nicht ausreicht, nur Marineattachés für den maritimen Bereich einzusetzen und Militärattachés für die Belange des Heeres im Ausland verfügbar zu haben. Sowohl die vom ursprünglichen Ausgangspunkt her völlig neue technische Entwicklung der zivilen und militärischen Luftfahrt als auch die internationalen Forschungen in den Segmenten Antriebstechnik, Flugkörper, Treibstoffe, allen voran Italien, Belgien, die USA, Großbritannien und Frankreich führten unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg dazu, dass mehrere Länder ohne Deutschland, begannen Luftattachés einzusetzen. Bedingt durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages war es Deutschland untersagt, eine eigene Luftflotte zu unterhalten, Personal dazu auszubilden und die Kontrolle des deutschen Luftraumes oblagt bis 1925 alliierten Kommissionen. Erschwerend kam noch dazu, dass 1920 das Auswärtige Amt einseitig alle militärischen Attachés aus ihren Missionen zurückbeorderte. Erst 1929 gelang es Deutschland, in einem offiziellen und einem getarnten Part, eigene Luftattachés im Ausland zu platzieren. Dabei wurde die grundsätzliche Position zur Rolle von militärischen Attachés, die gegenseitige Akzeptanz der einzelnen Sparten militärischer Attachés untereinander zur Grundlage genommen. Neu war jedoch, wie es gelingen kann den Vorsprung, den die anderen industriell entwickelten Länder hatten wieder aufzuholen, den Einsatz von Luftattachés zu erreichen und schnell zu einer beständigen Institution werden zu lassen, ohne bereits selbst offiziellerseits über eine eigene Luftwaffe zu verfügen oder verfügen zu dürfen. Bei allen gefundenen „Zwischenlösungen“ bestand der reine Zweck in der Informationsbeschaffung über den Stand der militärischen Technikentwicklung. Bereits Anfang 1929 wurde der erste „Luftattaché“ nach Italien entsandt. Dermot Bradley (Hrsg.), Hans H. Hildebrand, Ernest Henriot: Deutschlands Generale 1849–1945. Die militärischen Werdegänge der Heeres-, Ingenieur-, Sanitäts-, Waffen- und Biblio Verlag. Osnabrück 1988. Verwaltungsoffiziere im Generalsrang. Band 3, S. 108. Von diesem Zeitpunkt an wurden auch die Präsentationspflichten gegenüber dem Gastland und die Beraterfunktion gegenüber dem diplomatischen Geschäftsträger vor Ort wahrgenommen.

Attaché-Gruppe Die Vorbereitung, Entsendung, Koordination des Einsatzes sowie die Betreuung der Attachés während des Auslandsaufenthaltes übernahm eine kleine Arbeitsgruppe mit Sitz in Berlin. Über sie erfolgte auch der Schriftverkehr, die Berichterstattung und bei Notwendigkeit die schriftliche Auftragsvergabe. Strukturell gehörte diese Gruppe anfangs (1928/1929) zu dem im Reichswehrministerium eingerichteten Ministeramt. Das eingesetzte Personal war in zwei Richtungen tätig. Zum einen oblag ihm die Betreuung der aus dem Ausland nach Deutschland entsandten fremden Attachés im Bereich Luftfahrt. Der zweite Arbeitsgegenstand umfasste die Bearbeitung aller, mit den im Ausland befindlichen deutschen Luftattachés zusammenhängender Sachverhalte.

mini|hochkant=1.3| Reichsluftfahrtministerium, seit 1938 auch Sitz der Attaché-Gruppe

Liste und Länderzuordnung Die Liste ist nach den Staaten geordnet, in denen die Luftattachés notifiziert waren oder ihre Gehilfen zum Einsatz kamen. Dort, wo die An- und Abreisedaten der Attachés eine Überschneidung aufwiesen, wurde das Datum der offiziellen Amtsübernahme, der Notifizierung bzw. der Übergabe an den Nachfolger im Zielland zugrunde gelegt.

Argentinien Die für Argentinien eingesetzten Kräfte waren zusätzlich zuständig für Bolivien, Chile (ab 1937), Columbien, Ecuador und Uruguay. ab 1. Dezember 1936: Fregattenkapitän Dietrich Niebuhr, ab November 1936 bereits Marineattaché an der deutschen Botschaft in Argentinien, von 1. Oktober 1937 bis Januar 1941 offizieller Luftattaché. Sein Geschäftssitz war in Rio de Janeiro und endete mit seiner Ausweisung Anfang 1941.

von Februar 1941 bis Juli 1942: Generalmajor Günther Niedenführ (1888–1961), ab Juli 1941 bereits Militärattaché, zugleich Einsatz als Luftattaché. Seinen Sitz hatte er in Rio de Janeiro für Brasilien und in Buenos Aires für Argentinien.Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 222

Belgien

vom 1. Juli 1935 bis 30. September 1935: Oberst Leo Geyr von Schweppenburg als Luftattaché. Den Sitz hatte er in London.

vom 1. Oktober 1935 bis 10. Mai 1940: Generalmajor Rudolf Wenninger. Zuerst Sitz in London, wechselte dann 1939 nach Den Haag. Sondereinsatz im Büro des Luftattachés durch Oberstleutnant Carl-August von Schoenebeck (1898–1989) ausschließlich nur während der vier Wochen des Kriegsbeginns vom 1. September bis 30. September 1939.Dermot Bradley (Hrsg.) Karl-Friedrich Hildebrand: Die Generale der deutschen Luftwaffe 1935-1945, Band 5, Biblio Verlag Osnabrück 1991, S. 213f.

Bolivien

vom 1. Juni 1939 bis 31. Mai 1942: Oberst Hans Busch mit Geschäftssitz in Lima.

Brasilien

vom 1. Dezember 1936 bis 22. August 1942: F.Kapt./Kapt.z.See Dietrich Niebuhr. Wegen nachgewiesener nachrichtendienstlicher Tätigkeit wurde die Notifizierung annulliert. Die Aufgaben im Bereich der Luftwaffe führte er dennoch bis 1943 weiter.Arnold Ebel, Das Dritte Reich und Argentinien: die diplomatischen Beziehungen unter Berücksichtigung der Handelspolitik (1933-1939), Böhlau Verlag Köln 1971, S. 120ff.

Bulgarien

von Juli bis 30. September 1935: Generalleutnant Wolfgang Muff. Seinen Geschäftssitz hatte er in Wien.

vom 1. Oktober 1935 bis 31. Mai 1938: Major Paul Schultheiss. Seinen Geschäftssitz hatte er in Rom.

vom 1. Juni 1938 bis 31. August 1939: Oberstleutnant Johann Raithel.

vom 1. September 1939 bis 30. April 1944: Oberstleutnant/Oberst/Generalmajor Carl-August von Schoenebeck (1898–1989). Zusätzlich war im Büro des Luftattachés noch vom Sommer 1942 bis 30. April 1944 als Gehilfe Oberst Clemens von Schönborn-Wiesentheid (1905–1944) eingesetzt.Kurt Mehnert, Reinhard Teubert: Die Deutsche Luftwaffe 1939-1945, Militärverlag Klaus Patzwall Norderstedt 1986, S. 28f.

Chile

vom 24. September 1937 bis 30. Juni 1939: F.Kapt./Kapt.z.See Dietrich Niebuhr.

vom 1. Juli 1939 bis 20. Januar 1942: Oberst Hans Busch mit Geschäftssitz in Lima.Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 229

Dänemark

vom 17. Juli 1935 bis 1. Februar 1940: F.Kapt. Werner Steffan mit Sitz in Stockholm, zugleich Marineattaché für Norwegen und Schweden, anschließend nur noch Marineattaché Schweden. In seinem Büro war als Gehilfe und zur Einarbeitung ab 1938 Oberst Jens Peter Petersen.

vom Februar bis 29. April 1940: Oberst Jens Peter Petersen eingesetzt als Luftattaché.

vom 1. Oktober 1942 bis 1944: Oberst Reinhard von Heimann (* 1889) Einsatz als Luftattaché.

Er gehörte dem Besatzerstab des Reichsbeauftragten für das besetzte Dänemark Cécil von Renthe-Fink an. Ohne über eine Notifizierung von dänischer Seite zu verfügen, war er der Hauptabteilung II des Besatzerstabes zugeteilt. Sein Vorgesetzter war hier SS-Oberführer Paul Kanstein.Erich Thomsen, Deutsche Besatzungspolitik in Dänemark 1940–1945, Bertelsmann Universitätsverlag Hamburg 1871, S. 11ff.

Ekuador

vom 1. Juni 1939 bis 31. Mai 1942: Oberst Hans Busch mit Geschäftssitz in Lima.

Estland

vom 1. Oktober 1935 bis 29. April 1940: Oberstleutnant Horst Rössing (1891–1942) mit Dienstsitz in Helsingfors.Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 222

Finnland

vom 13. Februar 1920 bis 1. Juli 1922: Presseattaché Hans Ulrich von Kotze, aus Tarnungsgründen erfolgte bei ihm keine offizielle Nominierung als Luftattaché.

vom 5. Juli 1935 bis 30. September 1935: F.Kapt. Werner Steffan. Sein Geschäftssitz war in Stockholm.

vom 1. Oktober 1935 bis 29. April 1940: Oberstleutnant Horst Rössing. Der Geschäftssitz war in Finnland.

vom 30. April 1940 bis 31. Juli 1941: Oberst Jens Peter Petersen.

vom 1. August 1941 bis 31. Mai 1942: Oberstleutnant/Oberst Horst Kitschmann (1895–1975).

vom 1. Juni 1942 bis 3. September 1944: Major Franz von Nordenskjöld (* 1907).Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 222

Frankreich

von Anfang 1935 bis September 1935: Major Hans Speidel Einsatz als Luftattaché.

vom Oktober 1935 bis 30. September 1936: Generalleutnant Erich Kühlenthal.

vom 1. Oktober 1936 bis 30. September 1937: Oberst Egloff von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen (1883–1984).

vom 1. Oktober 1937 bis 3. September 1939: Oberst Friedrich-Carl Hanesse. In seinem Büro war als Gehilfe Hauptmann Gerhard von Kaldenberg (1908–1944) vom 1. September 1938 bis 3. September 1939 beschäftigt.Dermot Bradley (Hrsg.) Karl-Friedrich Hildebrand: Die Generale der deutschen Luftwaffe 1935-1945, Band 5, Biblio Verlag Osnabrück 1991, S. 223f.

Griechenland

27. September 1933 bis 30. Juni 1937: F.Kapt. Werner Steffan.

19. Mai 1939 bis 6. April 1941: Kapt.z.See/Konteradmiral Ralf von der Marwitz. Zugleich Verantwortung für Bulgarien, Rumänien und Türkei.

von April 1941 bis 1944 K.Kapt./F.Kapt. Franz Maria Liedig. Zugleich hatte er 1940/41 auch die Verantwortung für Bulgarien.

Irak Die Aufgaben des Luftattachés für den Irak wurden von Ankara aus wahrgenommen. Eine Notifizierung war dabei nicht vereinbart worden.

vom 1. April 1936 bis 31. Mai 1940: Oberstleutnant Hans Rohde.

vom 1. Juni 1940 bis 30. Juni 1943: Oberst Erich Morell.

vom 1. Juli 1943 bis 1. August 1944: Generalleutnant Karl Kettembeil (1890–1967).Karl Friedrich Hildebrandt, Die Generale der deutschen Luftwaffe 1935-1945, Band 5, Biblio Verlag Osnabrück 1991, S. 170f.

Iran

vom 1. April 1936 bis Oktober 1939: Oberstleutnant Hans Rohde.

von November 1939 bis 17. September 1941: Major Joachim von Geldern-Crispendorf. Er war sowohl Luft- als auch Militärattaché.

Irland

von Anfang 1939 bis 3. September 1939: Generalmajor Rudolf Wenninger. Sein Gehilfe war vom 22. August bis 3. September 1939 Hauptmann Eberhard Spiller (1905–1940).Manfred Kehrig, Die Wiedereinrichtung des deutschen militärischen Attachédienstes nach dem Ersten Weltkrieg (1919-1933), Harald Boldt Verlag, Boppard am Rhein 1966, S. 223

Italien

vom 8. April 1929 bis 30. September 1932: Hauptmann Wolfram von Richthofen.

von Ende 1932: Hauptmann Otto Hoffmann von Waldau Einsatz ohne offizielle Meldung.

vom 1. April 1933 bis 30. September 1935: Hauptmann Otto Hoffmann von Waldau, Einsatz als Luftattaché mit erfolgter Notifizierung.

vom 1. Oktober 1935 bis 31. Mai 1938: Major Paul Schultheiß mit Sitz in Rom.

vom 1. Juni 1938 bis 30. Juni 1941: Generalleutnant Hilmer Freiherr von Bülow. Als sein Gehilfe wurde unter anderem ab 5. Februar 1940 Major Wolfgang Müller-Clemm (1891–1972) eingesetzt.

vom 1. Juli 1941 bis 30. Juli 1943: Generalleutnant Maximilian von Pohl.

vom 1. August 1943 bis 2. Mai 1945: Major Wolfgang Müller-Klemm wurde in Salo eingesetzt.Kurt Mehnert, Reinhard Teubert: Die Deutsche Luftwaffe 1939-1945, Militärverlag Klaus Patzwall Norderstedt 1986, S. 28f.

Japanisches Kaiserreich

von 1935 bis 13. September 1938: Oberstleutnant Eugen Ott. Als sein Gehilfe war vom 1. Dezember 1937 Flieger-Hauptingenieur Wilhelm Nehmiz (* 1902) in Tokyo tätig.