Das Gustav-Adolf-Denkmal auch Pomnik wdzięczności (Denkmal der Dankbarkeit) oder Schwedenstein genannt, befindet sich auf dem Szwedzki Kopiec (Schwedenhügel) unweit der Stadt Chojna in Polen und stellt eine Pyramide aus Feldsteinen mit Inschriften dar. Das Denkmal wurde um 1912 vom Gustav Adolf Verein (1871–1940) zum Gedenken an die Befreiung der Stadt von den kaiserlichen Truppen durch den schwedischen König Gustav II. Adolf im Jahr 1630 errichtet.
Lage Das Denkmal liegt auf dem sogenannten Schwedenhügel (polnisch szwedzki kopiec), der historisch auch als Galgenberg oder Gerichtsberg bekannt war. Es befindet sich etwa 1,7 km nordwestlich des Marktplatzes von Chojna, außerhalb der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Hügel liegt am rechten, nordöstlichen Rand der Droga krajowa 26 (Nationalstraße 26) (ehemals Reichsstraße 166), die über Krajnik Dolny (deutsch Niederkränig) nach Schwedt führt.
Historisch war der Ort als Hinrichtungsstätte bekannt. Der Chronist Augustin Kehrberg schrieb 1724 dazu:
Die Gerichteten wurden neben Selbstmördern oder Menschen die dem christlichen Glauben abschworen auf dem Hügel begraben. Die Lage der Hinrichtungsstätte an einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen der Stadt sollte als Warnung für potenzielle Kriminelle dienen. Geschichte
Historischer Hintergrund Gustav Adolf Im Jahr 1630 entschloss sich der schwedische König Gustav II. Adolf zum Eingreifen in den Dreißigjährigen Krieg, um schwedische Machtansprüche in Nordosteuropa zu sichern und eine drohende Niederlage der protestantischen Fürsten abzuwenden. Ohne formelle Kriegserklärung gegenüber den katholischen Mächten begann er die Invasion des Heiligen Römischen Reiches.
Die schwedische Flotte, bestehend aus rund 400 Transport- und Kriegsschiffen sowie 6.000 Matrosen, erreichte im Sommer 1630 die Odermündung. Die Landung erfolgte am 4. Juli bei Peenemünde auf der Insel Usedom mit einer Armee von zunächst 13.000 Mann, die durch örtliche Anwerbungen rasch auf 40.000 Mann anwuchs. Da der kaiserliche Generalfeldmarschall Torquato Conti nicht über ausreichende Truppen verfügte, um die Landung zu verhindern, zog er sich nach Gartz (Oder) und Greifenhagen (Gryfino) zurück. Auch der Kommandeur in Mecklenburg und Vorpommern, Federigo Savelli, wich nach Anklam aus.
Unter Gustav Adolf drangen die schwedischen Truppen flussaufwärts vor und besetzten am 20. Juli 1630 Stettin. In der Weihnachtszeit 1630 fielen auch Gartz und Greifenhagen an die Schweden, welche die kaiserlichen Einheiten weiter bis nach Landsberg an der Warthe verfolgten. Im Zuge dieser Operationen wurde Königsberg in der Neumark am 27. Dezember 1630 von den schwedischen Truppen besetzt. Der Chronist Augustin Kehrberg berichtete 1724, dass die Schweden unter Führung des Königs sowie der Generäle Maximilian Teuffel und Achatius Tott am 29. Dezember 1630 die kaiserlichen Regimenter Bernstein, Liechtenstein und Colloredo in und um Königsberg angriffen und besiegten.
Um seine Truppen während des Winters ausruhen zu lassen, errichtete Gustav Adolf im Januar 1631 ein befestigtes Lager bei Bärwalde. Dort wurde am 23. Januar 1631 der Vertrag von Bärwalde zwischen Schweden und Frankreich unterzeichnet. Die Unterhändler Gustaf Graf Horn und Hercule de Charnacé vereinbarten, dass Frankreich den schwedischen Kriegszug für zehn Jahre mit jährlichen Zahlungen von 400.000 Reichsthalern finanziell unterstützte. Im Gegenzug verpflichtete sich Schweden, ein Heer von 30.000 Fußsoldaten und 6.000 Reitern auf dem Territorium des Reiches zu führen. Mit diesem Bündnis weitete sich der ursprünglich konfessionell geprägte Konflikt endgültig zu einem europäischen Krieg um die politische Vorherrschaft aus.
Historischer Hintergrund Gerichtsberg In Königsberg lassen sich für den Zeitraum zwischen 1536 und 1821 insgesamt 27 Exekutionen nachweisen, wovon 12 durch Enthauptung vollzogen wurden. Der Galgen stand weithin sichtbar auf dem Gerichtsberg nordwestlich der Stadt, unmittelbar am Weg nach Hanseberg. Dort wurden auch jene Menschen verscharrt, denen der kirchliche Segen verwehrt blieb – darunter auch jene, die Hand an sich selbst gelegt hatten.
1536 – Am 2. Sonntag vor Ostern wurde der Ackerknecht Cyriacus Gerholtz gehängt. Er hatte zwei Wams, zwei Paar Hosen, vier Hemden, zwei Paar Schuhe und einige andere Gebrauchsgegenstände gestohlen. 1546 – Im Oktober hängte man Hans Hacke, einen „geringen und dürftigen Menschen“, der durch den Ofen in den Rathaussaal eingedrungen war und Geld entwendet hatte. 1611 – Der Tagelöhner Hans Piper hatte sein dreijähriges Kind erwürgt und sich in der Nacht darauf erhängt. Das Urteil lautete, ihn auf dem Schinderkarren zum Galgenberg zu fahren und dort aufs Rad zu legen. Damit wurde er den Vögeln zum Fraß ausgesetzt. 1698 – Am 8. Oktober kam es bei der Verurteilung eines Diebes zu Komplikationen. Die zwei Diakone, die ihn auf sein Ende vorbereiten sollten, erklärten, dass er nicht mit sich reden lasse, denn er sei der Ansicht, „er könne und dürfe um der Kleinigkeiten willen, so er gestohlen, nicht sterben“. Darauf ließ der Rat ihn vorführen, erläuterte ihm Artikel 162 der „Peinlichen Gerichtsverordnung“ (Constitutio Criminalis Carolina) und bewies ihm die Notwendigkeit der Strafe des Galgens. So musste er es einsehen, bat aber um Gnade. Die Ratsherren sagten ihm, Gnade solle er bei Gott suchen. Am 15. Oktober 1698 wurde er laut Königsberger Ratsprotokoll gehängt. 1719 – Maria, Tochter eines Königsberger Bäckers, die ihr uneheliches Kind umgebracht hatte, wurde am 17. Februar aus „Gnade“ mit dem Schwert enthauptet, diesmal „bei den Scheunen nahe dem Galgenberg“. Ihre Vorgängerinnen, z. B. Sophia Junge 1664, mussten noch den Wassertod erleiden. Das Ertränken geschah zumeist von der Bödelbrücke aus.
mini|Ansichtskarte etwa von 1912. Das Bild wurde mit KI restauriert und eingefärbt.
Denkmal der Dankbarkeit Das Denkmal wurde vermutlich 1912 errichtet. Es wurde am 23. Juni 1912 enthüllt. Der Initiator des Denkmalbaus war der in Königsberg mindestens seit 1861 tätige Gustav-Adolf-Verein. Das Denkmal wurde auf dem Galgenberg errichtet, da König Gustav II. Adolf hier nach seiner Ankunft vor Königsberg mit seinem Heer verweilt haben soll.
In der damaligen Zeit wurde Gustav II. Adolf von den deutschen Protestanten als Vorkämpfer, Held und Retter des deutschen Protestantismus idealisiert. Durch die vielen Wendungen der Geschichte liegt das Denkmal des Dankes heute im polnischen und katholischen Chojna und ist damit vielschichtig mit der deutsch-polnischen und protestantisch-katholischen Geschichte der Menschen beidseits der Oder verwoben.
Ein schwedischer Verein (Svenska Militära minnesmärken), der sich mit der Inventarisierung, Dokumentation und Unterstützung der Erhaltung von schwedischen Militär-Denkmälern befasst, besuchte am 11. März 2014 Chojna und besichtigte das Gustav-Adolf-Denkmal. Die beiden Vertreter des Vereins, Christian Braunstein und Peter Wetterberg, wurden vom stellvertretenden Bürgermeister Wojciech Długoborski und Mitgliedern des Vereins Terra Incognita empfangen, die ihnen die Dokumentation des Denkmals zeigten. Laut Christian Braunstein sticht das Denkmal in Chojna aufgrund seiner Form von allen für Gustav Adolf entworfenen Denkmälern hervor. Während die anderen Denkmäler in Form von Obelisken, Tafeln, einzelnen Felsbrocken oder Grabsteinen errichtet wurden, wurde das Chojna-Denkmal aus Steinen errichtet, die aus umliegenden Dörfern geliefert wurden, was es einzigartig macht.
Beschreibung mini|Gedenktafel des Gustav Adolf Denkmals in Chojna, aufgenommen 2026. Mit dem Gedenkstein dankte die protestantische deutsche Bevölkerung der Stadt Königsberg in der Neumark und der umliegenden Dörfer dem schwedischen König Gustav Adolf, dessen Truppen die Stadt am 27. Dezember 1630 von der katholischen Besatzung befreiten. Der zentrale Widmungsstein an der Ostseite aus Feldstein trägt eine in deutscher Sprache geschriebene Inschrift zur Widmung des Denkmals:
Über die Pyramide sind weitere Feldsteine mit verschiedenen Inschriften verteilt. Auf der Ostseite unter dem Stein mit der Weiheinschrift befinden sich Steine mit vier Namen:
Diese Namen beziehen sich auf die Kommandeure der kaiserlichen Truppen, die laut dem Chronisten Augustin Kehrberg Ende Dezember 1630 von der schwedischen Armee besiegt wurden. Ihre Platzierung unterhalb der Widmung für Gustav Adolf symbolisiert die militärische Überlegenheit des schwedischen Königs über seine kaiserlichen Gegenspieler. General Ernesto Montecuccoli (1582–1633) fungierte dabei als Gesamtbefehlshaber der kaiserlichen Truppen in diesem Sektor.
Der Chronist Augustin Kehrberg schrieb 1724 dazu: "§.27… A[nno] 1627 d. 29. Nov[ember] kamen Graf Montecuculi mit Kayserl[lichen] Völkern hier an und blieb bis zum 25. Januar folgenden Jahres, dem dann ein hiesiger Prediger, bey dessen Aufbruch ein Deo fit laus („Lob werde Gott zuteil“), setzte. Eine Erklärung dieser Worte ist zu nehmen aus dem, da Gottfried Schulze schreibet: Es wurden die Kayserl[lichen] Völker in die Marck Brandenb.[urg] und in specie in die Neu-Marck 3. Regimenter Reuter geführet, ja es giengen immer Trouppen bald auffwerts nach Strahlsunde, welches Wallenstein einzunehmen dachte, bald wider herunter durch die Marck, die mit den zuvor ausgesogenen Leuten so spieleten, daß im Abzuge wenig übrigblieb. §. 28. Es bestätiget solches ein Supplicatum (Bittschrift) der hiesigen Ratsmanne de A[nno] 1629. d. 14. Decemb.[er]. Da sie der Cüstrinischen Regierung beweglich vorstellen, wie die langwierige Kayserl[lichen] Einquartirung, derer noch kein Ende sey, die Neu-Marck und sonderlich diese Stadt ganß in Armuth gebracht. Hierauf fand sich A[nno] 1630 etwa im Nov.[ember] oder Dec.[ember] Gustav. Adolph. König in Schweden nachdem er vom Raufer touchiret ab-und in Pommern eingefallen, mit feiner Armée und Kriegs-Häuptern ein, darunter Maximilianus Teuffel (Obrist Maximilian Teuffel, Freiherr von Guntersdorf und Weyerburg, *1565, † 17.9.1631 bei Breitenfeld), Achatius Tot (Åke Achatius Henriksson Tott), General über die Cavallerie, Oberste Schlangen und andere mehr. Die damahls hier ligende Kayserl[lichen] Soldaten Der Bernsteinschen, Lichtensteinschen und Gräfl.[lich] Colloredischen Regimenter wurden um den 29. Dec.[ember] angegriffen und etliche 36. davon theils erschoffen theils erstochen, auch unweit dieser Stadt von den Schweden 1400. Kayserliche ruiniret (d. h. getötet, gefangen oder versprengt)."Die drei Regimenter lassen sich wahrscheinlich folgendermaßen identifizieren: Regiment Liechtenstein: Ein kaiserliches Infanterie-Regiment unter dem Inhaber und Kommandeur Obrist Paul von Liechtenstein. Es wurde 1630 in Böhmen aufgestellt und bestand aus „hochdeutschen Knechten“ (Infanterie), die nach dem damaligen Standard mit Piken und Musketen bewaffnet waren. Regiment Bernstein: Hierbei handelt es sich um das Kürassier-Regiment des Obristen Vratislaw Eusebius von Pernstein (1594–1631). In zeitgenössischen deutschen Quellen wurde der Name oft zu „Bernstein“ abgewandelt. Kürassiere bildeten die schwere Kavallerie jener Zeit; sie waren durch einen Brust- und Rückenpanzer (Kürass) geschützt und führten neben dem Degen meist Radschlosspistolen. Regiment Colloredo: Ein Arkebusier-Regiment unter Obrist Hieronymus von Colloredo. Arkebusiere waren eine leichtere Kavallerieeinheit, die mit der Arkebuse (einer kürzeren Feuerwaffe) ausgestattet war. Sie dienten oft als mobile Unterstützung der schweren Reiter oder zur Aufklärung.
Auf den anderen Seiten der Pyramide befinden sich Steine mit eingravierten Namen von Gefechts- und Schlachtorten der schwedischen Armee. Jeder Name weist auf die Herkunft eines bestimmten Steins hin. Die Felsbrocken wurden aus Städten geliefert, deren Einwohner das Andenken des schwedischen Königs ehren wollten. Die Orte, an denen die Steine mit Inschriften platziert wurden, scheinen zufällig zu sein.