Friedemann Vogel (* 1. August 1979 in Stuttgart) ist ein deutscher Tänzer. Er ist Erster Solist des Stuttgarter Balletts, Kammertänzer des Landes Baden-Württemberg und tritt regelmäßig bei internationalen Tanzgalas auf und ist Gasttänzer bei zahlreichen Ballettcompagnien (unter anderem La Scala in Mailand, Staatsballett Berlin, National Ballet of China, Marinsky Theater in St. Petersburg, Bolschoi-Ballett in Moskau).

Ausbildung Vogel wurde in Stuttgart geboren und wuchs zusammen mit vier älteren Brüdern in Dettenhausen auf. Neben Friedemann selbst tanzte bereits der Bruder Roland Vogel beim Stuttgarter Ballett, zwei Brüder wurden Orchestermusiker und Florian Vogel wurde Schauspieldramaturg. Friedemann Vogel absolvierte zunächst eine Ballettausbildung an der John Cranko Schule und kam später als Stipendiat des John-Gilpin-Fonds zu Marika Besobrasova an die Académie de Danse Classique Princes Grace in Monte Carlo, wo er seine Tanzausbildung abschloss.

Beim renommierten Ballettwettbewerb Prix de Lausanne gewann er 1997, beim Prix de Luxembourg und bei der Eurocity Competition desselben Jahres erhielt er jeweils eine Junior-Goldmedaille. Im darauffolgenden Jahr gewann er eine weitere Bronzemedaille beim internationalen Ballettwettbewerb in Jackson, USA.

Karriere In der Spielzeit 1998/99 wurde Friedemann Vogel Mitglied des Corps de ballet des Stuttgarter Balletts. Kurze Zeit später, zu Beginn der Spielzeit 2000/1, wurde er zum Halbsolisten befördert, nur ein Jahr später, zur Spielzeit 2001/02, zum Solisten. Bereits im Juni 2002 wurde er aufgrund seiner Leistungen zum Ersten Solisten ernannt.

Im selben Jahr gewann er den renommierten Erik Bruhn Preis in Toronto mit dem Pas de deux In the Middle, Somewhat Elevated von William Forsythe und dem Pas de deux aus dem zweiten Akt von Giselle.

Anerkennung erhielt Vogel zunehmend auch von deutschen Kritikern: Neben drei Nennungen in der Kritikerumfrage der Zeitschrift ballettanz im Jahr 2005 folgte eine Nominierung in der Kategorie Bester Tänzer im Jahr 2009. 2010 wählte ihn schließlich die Fachzeitschrift tanz zum Tänzer des Jahres. Im Juni 2012 erhielt er den Danza&Danza-Award als bester Tänzer, im September desselben Jahres wurde er mit dem „Positano Premio la Danza - Leonide Massine“ als bester internationaler Tänzer ausgezeichnet. Das Land Baden-Württemberg ernannte Vogel im September 2015 zum Kammertänzer, womit ihm die höchstmögliche Ehre als Tänzer zuteilwurde. 2016 gewann er den Prix Maya, im Mai 2020 wurde er beim Deutschen Tanzpreis als Herausragender Künstler ausgezeichnet. Ein Jahr später wurde er vom Internationalen Theaterinstitut (unter der Schirmherrschaft der UNESCO) ausgewählt ein Grußwort zum Internationalen Tag des Tanzes zu verfassen. Im Jahr 2022 wurde Vogel in die Jury des Prix de Lausanne berufen, dem Wettbewerb, den er 25 Jahre zuvor selbst gewonnen hatte.

Während der COVID-Pandemie rief Vogel im Jahr 2020 die Benefizaktion Physical Conversation ins Leben. Insgesamt 300 Sammelboxen, die er gemeinsam mit dem Fotografen Oliver Kröning produzierte, waren innerhalb von vier Tagen ausverkauft. Der Erlös von rund 10.000 Euro ging an die Olgäle-Stiftung des Olgahospitals, die kranke Kinder unterstützt. Ebenfalls im Rahmen der COVID-Pandemie trat Vogel in einer virtuellen Ballett-Improvisation auf, die er gemeinsam mit dem Choreographen Sébastien Bertraud initiierte. Unter der Schirmherrschaft der Modemarke Dior richtete sich die Initiative mit dem Titel Dior & Dance an Tänzerinnen und Tänzer, die während der Pandemie nicht ihrem regulären Training nachgehen konnten, und sollte sie ermutigen, ihr Training zu Hause fortzusetzen. Das Projekt wurde von Kritikern und Tänzern gleichermaßen gelobt.

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Pandemie stand Friedemann Vogels choreografisches Debüt Not in my hands im Jahr 2021. In Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Solisten des Stuttgarter Balletts und bildenden Künstler, Thomas Lempertz, und zu Mozarts Requiem versuchte Vogel, die Auswirkungen der Pandemie auf die darstellenden Künste zu veranschaulichen. Für die Festveranstaltung Écorché! Anatomie des Tanzes des Sonderforschungsbereichs 1391 Andere Ästhetik im März 2024 kreierte Vogel eigens für diesen Anlass eine Tanzperformance und nahm anschließend im Rahmen der Veranstaltung an einer Podiumsdiskussion teil. Im Kleist Forum wurde im Frühjahr desselben Jahres seine Produktion Die Seele am Faden nach Heinrich Kleists Erzählung Über das Marionettentheater uraufgeführt.

Die Dokumentation Friedemann Vogel – Verkörperung des Tanzes befasst sich mit Vogels Leben. Sie wurde vom SWR produziert und am 10. April 2020 dort ausgestrahlt, in der Mediathek war sie bis Februar 2023 verfügbar. In der Co-Produktion von ZDF und Arte Dance on! ist er einer von vier porträtierten Tänzern. Die Erstausstrahlung war am 20. November 2022 auf Arte, in der Mediathek ist die Dokumentation noch verfügbar.

Friedemann Vogel gilt auch bei Kritik und Publikum im internationalen Kontext als herausragender Tänzer. Der British Theatre Guide und Debra Craine von The Times hoben Vogels Darstellung in Tristesse hervor. Ebenso wurde seine Darstellung in Marguerite et Armand bei einem Gastspiel in New York gelobt. Vogels Darstellung des Des Grieux in Kenneth MacMillians Manon (zusammen mit Eleonora Abbagnato beim Ballet di Roma) wurde von Presse und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Vogel hat in seiner Karriere auf über 40 Bühnen in 24 Ländern getanzt. Nicht zuletzt genießt Vogel in Asien, insbesondere in Japan, einen besonderen Ruf. So wurde ihm beim 15. World Ballet Festival in Japan die Ehre zuteil, als einziger von 40 eingeladenen Ballettstars ein Fernsehinterview zu geben. Zudem wurde Vogel in einer Publikumsumfrage des Dance Magazine Japan 2019 zu einem der beliebtesten Tänzer gewählt.

Rollen und Repertoire Vogels Repertoire umfasst eine große Bandbreite klassischer und zeitgenössischer Stücke. Zahlreiche Choreographen haben besondere Rollen für ihn kreiert, beim Stuttgarter Ballett, aber auch darüber hinaus. +Rollen und RepertoireStückChoreographRolle5 TangosHans van ManenAfternoon of a FaunJerome RobbinsHauptrolleApolloGeorge BalanchineApolloAuszug aus: SpurenJohn CrankoDie GegenwartBallet ImperialGeorge BalanchineHauptrolleBella FiguraJiří KyliánPas de deuxBoléroMaurice Béjartmännliche HauptrolleBrouillardsJohn CrankoDances at a GatheringJerome RobbinsRolle in GrünDas Lied von der ErdeKenneth MacMillanDer EwigeDas siebte BlauChristian SpuckDer FeuervogelUwe ScholzDer widerspenstigen ZähmungJohn CrankoDiamondsGeorge BalanchineHauptrolleDie KameliendameJohn NeumeierArmand Duval und Graf N.Die Vier TemperamenteGeorge BalanchineSanguinischDornröschenMárcia Haydée nach Marius PetipaPrinz DesirédreamdeepdownKevin O’DayEdward IIDavid BintleyEdward IIForgotten LandJiří KyliánWeißFratresJohn NeumeierHauptrolleGaîté ParisienneMaurice BéjartPas de deux Die LiebendenGiselleInszenierung: Reid Anderson, Valentina SavinaHerzog AlbrechtGrand Pas ClassiqueDaniel AuberHauptrolleHerman SchmermanWilliam ForsytheHauptrolleIn The Middle, Somewhat ElevatedWilliam ForsytheHauptrolleInitialen R.M.B.EJohn CrankoSolorolle in M.KaashAkram KhanHauptrolleKazimir's ColoursMauro BigonzettiSoloLa BayadèreNatalia Makarova nach Marius PetipaSolarLa fille mal gardéeSir Frederick AshtonColasLa SylphidePeter Schaufuss nach August BournonvilleJamesLegendeJohn CrankoHauptrolleLes SylphidesMichail FokinePoetManonKenneth MacMillanDes GrieuxMarguerite und ArmandSir Frederick AshtonArmandMayerlingKenneth MacMillanKronprinz RudolfNachtmerrieMarco GoeckeHauptrolleNow and thenJohn NeumeierOne of a KindJiri KylianOneginJohn CrankoOnegin, LenskiPoème de l'extaseJohn CrankoHauptrolle des verliebten JünglingsRaymonde 3. AktRudolf NureyevJean de BrienneRequiemKenneth MacMillanmännliche HauptrolleRicercareGlen TetleyHauptrolleRomeo und JuliaJohn Cranko, Kenneth MacMillan, Derek DeaneRomeoSchwanenseeJohn CrankoPrinz SiegfriedSiebte SinfonieUwe ScholzSinfonie in CGeorge BalanchineHauptrolle 1. und 2. SatzSlice to SharpJorma EloHauptrolleSongs of a wayfarerMaurice BéjartNureyevStravinsky Violin ConcertoGeorge BalanchineHauptrolleThe DreamSir Frederick AshtonOberonThe Lady and the FoolJohn CrankoMoondog, PrinzThe Vertiginous Thrill of ExactitudeWilliam ForsytheTheme and VariationsGeorge BalanchineHauptrolleVers un Pays SageJean Christoph MaillotVoluntariesGlen TetleyPas de troisWas BleibetAlessandro GiaquintoHauptrolle Eigens für Vogel kreierte Rollen Stück Choreograph RolleAdagio AssaiBridget BreinerAurora's NapJohan IngerPrinz DésiréCadavre ExquisGuillaume CôtéHauptrolleCarlotta's PortraitChristian SpuckHauptrolleCoppélia beim Teatro alla ScalaDerek DeaneFranzDer FeuervogelSidi Larbi CherkaouiHauptrolleDer NussknackerEdward ClugDer Nussknacker/Drosselmeiers NeffeDornröschenDerek Deane, Cyntia HarveyPrinz DesiréEDEN/EDENWayne McGregormännliche HauptrolleEinsseinMauro BigonzettiFancy GoodsMarco GoeckeHauptrolleGiselleIrina LukasovaDuke AlbrechtII ConcertoneMauro BigonzettiHauptrolleLe petit rienChristian SpuckHauptrolleMona LisaItzik GalilHauptrollenocturneChristian SpuckHauptrolleNot in my handsFriedemann Vogel & Thomas LempertzSoloOrlandoMarco GoeckeHauptrolleRaymonda beim Teatro alla ScalaSergej VikharevJean de BrienneSourceEdward Clugstill.nestDominique DumaisHauptrolleStrictly GershwinDerek DeaneHauptrolleTaiyō to TsukiMartin SchläpferThe Chambers of a HeartItzik GalilHauptrolleThe Shaking TentMarc SpradlingHauptrolleTristesse für Kings of the DanceMarcelo GomesHauptrolleTwo Pieces of Matter against the Gravitational ForceJean Christophe BlavierHauptrolleWas BleibetAlessandro GiaquintoHauptrolle

Auszeichnungen/Preise (Auswahl) 1997 Prix de Lausanne 1997 Gold-Medaille beim Prix de Luxembourg 1998 USA International Ballet Competition 2002 Erik-Bruhn-Preis 2012 Danza&Danza-Award 2012 Auszeichnung mit dem „Positano Premio la Danza – Leonide Massine“ als bester internationaler Tänzer 2015 Auszeichnung zum Kammertänzer des Landes Baden-Württemberg 2016 Prix Maya 2019 Tänzer des Jahres (Zeitschrift tanz) 2020 Herausragender Interpret im Rahmen des Deutschen Tanzpreises 2024 John-Cranko-Preis 2026 Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg

Film Friedemann Vogel – Verkörperung des Tanzes, Film von Katja Trautwein.

Literatur

Maria Luisa Buzzi: Friedemann Vogel. The Stuttgart ballet star on being a choreographer and struggling with a marionette. cover story, in: DANZA International. No. 47, January/February 2025, en, S. 4–10 (online)

Weblinks Friedemann Vogel bei Global Arts Link

Einzelnachweise

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